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Dieses Thema hat 13 Antworten
und wurde 1.094 mal aufgerufen
 Bräuche
Sigurd Offline

Altrabe


Beiträge: 1.900

23.02.2007 13:31
Taufe und Walhalla antworten

Liebe Raben,

angeregt durch eine Diskussion mit einem guten Freund von mir, möchte ich hier gerne Eure Meinungen zu dem Thema "Taufe und Walhalla" hören.
Der Freund von mir meinte, dass jemand der "christlich" getauft wurde nicht nach Walhalla kommt. Helrunar erklärte mir in einem Telefonat, dass auch die Germanen früher ein Titual der Taufe hatten, welches von den Christen dann nur, wie so vieles, übernommen und zu ihrem Nutzen gemacht wurde.

Was denkt Ihr darüber?


Liebe Grüße
wotan28


Wer den Blick am Boden hällt, kann nicht sehen wie blau der Himmel ist!!!
(Sigurd W.)

Tanith Offline

Altrabe


Beiträge: 8.331

23.02.2007 14:20
#2 RE: Taufe und Walhalla antworten

Lieber Wotan, in nahezu allen Kulturen hat es - lange vor der Christianisierung - Rituale gegeben, die man als "Taufe" bezeichnen könnte. Es waren in der Regel sogenannte Initiationsriten, die in das Stadium des Reifeprozesses einmündeten. Die Menschen, die sich einem solchen Rituas unterwarfen (an ihm teilnehmen "durften"), hatten in der Regel aber - anders als bei der christlichen Taufe - immer schon ein dementsprechendes Alter erreicht, dass sie selbst bestimmen konnten, ob oder ob nicht. Keinesfalls wurden sie damit "vergewaltigt" oder dazu gezwungen.
Die Initiationsfeiern waren über den gesamten Erdball vertreten, in vielen facettenreichen Ausführungen. Dazu gehören z.B. auch die "Turmspringer" von den Osterinseln. Viele Initiationsriten zogen sich über Tage, ja, sogar manchmal Wochen, hin. Es gab derer auch unterschiedliche. So wurden Frauen in die geheimen Kräfte eingeweiht und Männer in die Jagd, um nur ein Beispiel zu nennen. Die alten keltischen Feste wie z.B. Imbolc hatten ihren Sinn in diesen Riten. Ganz wichtig war die Vorbereitung auf solche Feiern. Häufig wurden die jungen Leute, denen die Initiation bevorstand, für einige Zeit isoliert von der Gemeinschaft, um dann um so freudiger wieder aufgenommen zu werden. Ser Sonnentanz der nordamerikanischen Indianer war so ein Ritual. Er wurde im übrigen auch von der Kirche verboten.
Wenn du Lektüre zum Nachlesen suchst, bin ich gern bereit, dir dabei Tipps zu geben.
Liebe Grüße
Tanith

Ansuz Offline

Hausmeister


Beiträge: 5.159

23.02.2007 14:55
#3 RE: Taufe und Walhalla antworten

Hallo Wotan,

dieses interessante Thema hatten wir schon einmal bei den Bräuchen besprochen. Damals war sich Brannon unsicher.

Die Wasserweihe

Viele Grüße
Ansuz



"Man erlangt die Erleuchtung nicht,
indem man sich das Licht vergegenwärtigt, sondern indem man die Dunkelheit erforscht."(CG Jung)
Ihwar Offline

Altrabe


Beiträge: 2.163

23.02.2007 16:19
#4 RE: Taufe und Walhalla antworten

Hallo Wotan

Also, falls wirklich einzelne Rituale darüber entscheiden wo wir nach unseren Tod hinkommen, dann glaube ich, dass da die Rituale die wir selbst, ganz bewusst wählen, einen viel größeren Einfluss darauf haben als eine Zeremonie der wir ungefragt unterworfen werden.
Ob jetzt aber ein Christ der sich als Erwachsener bewusst taufen ließ, aber dann später zu einer Odinslehre konvertierte nach Walhalla kommen kann....naja, keine Ahnung.

Ihwar

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Jedes Geheimnis war Antwort
Jede Antwort wurde Rune

Silke Offline

Rabe

Beiträge: 200

23.02.2007 16:37
#5 RE: Taufe und Walhalla antworten

Hallo Ihwar,

In Antwort auf:
Ob jetzt aber ein Christ der sich als Erwachsener bewusst taufen ließ, aber dann später zu einer Odinslehre konvertierte nach Walhalla kommen kann....naja, keine Ahnung.

Ich hatte Wotan nicht unbedingt so verstanden, dass die betreffende Person als "Erwachsener" getauft wurde.
Das ist ohnehin etwas, dass mir nicht so richtig gut gefällt. Ich würde es sehr viel schöner finden, wenn man das zu taufende Kind erst einmal eine eigene Meinung entwickeln lässt, bevor man es einer Religion unterwirft, die es später eventuell wieder verlässt.

Liebe Grüße
Silke

Laerd Offline

Rabe


Beiträge: 464

23.02.2007 19:08
#6 RE: Taufe und Walhalla antworten

Hallo Silke, hallo ihr Raben!

Ersteinmal: Schön, dich wieder öfter zu lesen, Silke!

Um das Kind "entscheiden" zu lassen, ob es getauft werden möchte oder nicht, gibt es im katholischen Glauben das Sakrament der Firmung, man wiederholt dort sein Taufgelöbnis. Diese wird mit etwa 16 Jahren gemacht, wobei das Gesetz ja sagt, dass man über seine Religion mit 14 Jahren selbst entscheiden kann. Ich glaube, bei den Protestanten ist das in etwa mit der Konfirmation bei einem Alter von 14 Jahren zu vergleichen, oder?
Ich bin katholisch getauft, aber habe meine Firmung noch nicht gemacht, weswegen ich ja theoretisch meinen (christlichen) Glauben nicht bestätigt habe.

Schöne Grüße
Laerd



Die gute Zeit vergisst man in der schlechten

"Es gibt zwei Dinge, die unendlich sind: Das Universum und die menschliche Dummheit. Bei dem Universum bin ich mir da nicht so sicher." (Albert Einstein)

Brigid ( gelöscht )
Beiträge:

23.02.2007 20:03
#7 RE: Taufe und Walhalla antworten

Hallo Laerd,

ich darf dich mal kurz berichtigen: die Firmung wird so etwa in der 5. bis 6. Klasse, also mit 11, 12 Jahren, den armen Kids aufgezwungen. Klar, da haben sie ja noch keine eigene Meinung. Mit 16 würde bestimmt kaum noch einer antreten. Meine Kids wurden zwar vor XY Jahren alle mal (katholisch) getauft, die Familie und sozusagen Eintrittserlaubnis in den Kindergarten (mir san ja in Bayern , aber ich habe nie eins in dieser Richtung beeinflusst.

Ich glaube auch nicht, dass die Aufnahme in Walhalla (oder sonstwohin) davon abhängig ist, was man als Kind gemacht hat oder auf irgendeinem Zettel steht. Ich bin mir auch sicher, dass man, wenn man nach ethischen Grundsätzen lebt, im Jenseits nichts zu befürchten hat , egal ob unser Gott nun nordisch, indianisch, indisch oder christlich ist.

Viele Grüße
Brigid

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Is glas na cnoic i bhfad uait.
Die Berge in der Ferne sind stets grüner.

Irland

Helrunar Offline



Beiträge: 562

23.02.2007 22:31
#8 RE: Taufe und Walhalla antworten
Hallo liebe Raben,

ich möchte nun ein wenig auf die germanische Mythologie im Bezug auf Walhalla eingehen, denn ich glaube sonst verzetteln wir uns hier.

Wer sich mit der Mytologie unserer Altvorderen beschäftigt hat, weiss, dass sie glaubten, nur ausgewählte kommen nach Walhalla. Alle anderen warten in Hel auf ihre Wiedergeburt.
So wie die Altvorderen mit Jera den Zyklus des Jahres beschrieben, wie das Futhark nicht bei Othala endet, sondern sich der Kreislauf zu Fehu wieder schliest, genauso schliest sich der Kreis von Geburt, Leben, Tod und Wiedergeburt.

Ich habe euch hier einmal den Text von Wikipedia

Zitat von Wikipedia
Walhall (auch: Walhalla, evtl. verknüpft oder identisch mit dem Götterpalast Walaskialf, dt. Silbersaal bzw. Hof Walaskjalf) ist in der germanischen Mythologie der Ruheort der in einer Schlacht gefallenen Kämpfer, die sich als tapfer gezeigt hatten, die sogenannten Einherjer. Alle anderen Toten, kommen in die germanische Unterwelt, die Hel.
Walhall ist am Ende der Mythenentwicklung eine prächtige Halle mit 540 Toren (durch die je 800 Einherjer nebeneinander einziehen können) in Odins Burg Gladsheim, in Asgard im Reiche der Asen, gelegen. Das Dach der Halle soll aus Schilden, die auf Speeren als Sparren ruhen, bestehen, wobei es auch Quellen gibt, die dem widersprechen.

Tagsüber messen sich dort die Recken im Zweikampf oder jagen ein mythisches Wildschwein, das allabendlich wieder zum Leben erwacht. Abends vergnügen sich die Kämpfer bei Øl (Bier) und Met, welches ihnen die Walküren reichen. Den Walküren kommt aber auch die Aufgabe zu, die tapfersten der auf dem Schlachtfeld gefallenen Kämpfer auszusuchen und nach Walhalla zu bringen.

In der himmlischen Königshalle wohnen Odin und seine Gemahlin Frigg. Odin thront mächtig und erhaben auf seinem Hochsitz Hlidskialf und erfreut sich edler Waffenspiele. An der Giebelwand hängt ein mächtiges Hirschgeweih und erinnert die Recken an vergangene irdische Jagdfreuden.

Das Sparrengerüst Walhalls wird von Speeren gebildet, Brünnen zieren die Bänke und erleuchtet wird die Halle durch den Glanz der Schwerter. Über dem westlichen Tor hängt ein Wolf, darüber schwebt ein Adler - die Tiere, die den Schlachtengott auf die Walstatt begleiten.

Der Koch Walhallas Andhrimnir (Rußgesicht) hat ein schwarzes Gesicht, da er tagelang in den Kessel schaut, in dem das Wildschwein Sährimnir jeden Abend aufs neue zubereitet wird. Sährimnir wird jeden Abend den Recken zum Abendmahl serviert, doch verliert es nie an Masse. Odin jedoch isst nie vom Fleisch des Ebers, sondern gibt seinen Anteil grundsätzlich seinen Wölfen. Er selber begnügt sich mit dem erhabenen Getränk, Met.
Die früheste Erwähnung über auch von Walhall findet sich in Bragis Schildgedicht unter der Bezeichnung Swölnirs (= Odins) Saal.[1] Auch die vorangegangene Wiederbelebung der gefallenen Krieger durch Hild zu erneutem Kampf (Vers 230) hat mit Walhall nichts zu tun, sondern gehört zum Topos altertümlicher Totenbeschwörung. Dass die toten Helden nach Walhall kommen, ist erst im 9. Jahrhundert anzunehmen. So fordert Odin im Eirikslied Sigmund und Sitfjötli in Walhall auf, sich zur Begrüßung von Erik Blutaxt, der um 954 in einer Schlacht fiel, von ihren Plätzen zu erheben. Aber die Ost- und Westgoten glaubten, dass sich alle Toten unter der Erde oder in einem Berg aufhielten. Regional hat sich in Island und Schweden der Glaube, dass man in einen Berg hineinstirbt, noch sehr lange gehalten.[2] Dass man sich in einigen Gegenden den Toten auch allein in seinem Grabhügel hausend vorstellte, ist ebenfalls verbürgt.[3] Im Lit. Sögubrot af Fornkonungum[4] und bei Lit. Saxo Grammaticus [5] wird der Vater von Harald Kampfzahn, der Recke Haldan, der mit seiner Frau Gurid keine Kinder bekommt, aufgefordert, den toten Verwandten bei der Hel Totenopfer darzubringen. Von ihm und seinen Verwandten wird also nicht berichtet, dass sie nach Walhall kämen. Erst sein Sohn Harald wird als Odinsgeweihter nach Walhall gelangen. Aber auch hier ist eine Besonderheit zu beobachten: Nach Saxo zieht der erschlagene Harald Kampfzahn an der Spitze der Toten des Schlachtfeldes in eine unter der Erde liegende Halle ein, wo er „angenehme Sitze“ erhalten soll. Im Sögubrot dagegen wird der tote König aufgefordert, nach seiner Wahl nach Walhall zu „reiten oder zu fahren“. Wo Walhall liegt und wie es dort aussieht, lässt das Sögubrot offen. Saxos Darstellung gibt wohl die ältere Auffassung wieder. Denn auch für die Goten lag der Ort der Toten im „ᾅδης“ (Unterwelt), von Wulfila mit „halja“ (Halle) übersetzt, mit dem die Vorstellung eines umgebenden grünen Gefildes verbunden war. Saxo schreibt von dem odinsgeweihten Hading: Unter Führung einer alten Frau stieg er in die neblige Tiefe, „bis sie endlich die sonnigen Gefilde betraten, welche die von der Frau gebrachten Gräser hervorbrachten“. Nachdem beide einen von Waffen starrenden Fluss überschritten hatten, sahen sie Krieger, die miteinander Waffenspiele trieben. Eine hohe, unübersteigbare Mauer veranlasste Hading schließlich wieder zur Umkehr und zum Aufstieg zu den Lebenden.[6] Eine entsprechende Schilderung vom Ort der Toten enthält auch der alte Baldrmythos: Der Gott Hermod ritt neun Nächte lang durch dunkle, tiefe Täler nach Norden, bis er an die Gjöll-Brücke kam, die von der Wächterin Modgund bewacht wurde und durch das Helgatter versperrt war. Hermod ritt über die Brücke, setzte über das Gatter und gelangte schließlich in eine Halle, auf deren Hochsitz sein Bruder Baldr saß. Auch hier, wenn auch auf Baldr zugeschnitten, ergibt sich als Ort für den (vornehmen) Toten die unterirdische Halle mit dem Hochsitz, die weit im Norden tief unter der Erde liegt.[7] Die Götter wohnten ursprünglich also nicht mit den Toten zusammen.

Erst im 10. Jahrhundert wird davon berichtet, dass Odin zusammen mit den Einheriern in einer hochgelegenen Halle sitzt. Die Götter auf Burgen wohnen mit Wällen oder auf Höfen mit weiter Sicht und ursprünglich allein, ohne die späteren Einherier. Die Vorstellung, dass die Götter allein auf hohen Burgen bzw. Höfen wohnen, ist wohl der am frühesten geschichtlich fassbare Glaube der Nordgermanen. So berichtet die altertümliche Gutasaga, dass die Menschen auf Gotland „an Haine und Grabhügel, Heiligtümer und Stabeinhegungen und an die heidnischen Götter (glaubten)“. In dieser Sage wird auch eine Thorsburg (Thors borg) auf Gotland erwähnt, ein wuchtiges, hochragendes Kalksteinplateau mit Steinwall aus der Völkerwanderungszeit. Aber auch der alte Thjazi-Mythos, wie er im 9. Jahrhundert im Norden bekannt war, der Mythos vom Burgenbau der Riesen für die Asen sowie die Mythen von der Landnahme der Asen in Südrussland und Schweden, die Saxo Grammaticus und Snorri überliefern, bezeugen dieselbe Vorstellung.

Verfolgt man diese Vorstellung von der Wohnung der Götter weiter, kann festgestellt werden, dass auch in der Edda nur von einer Burg bzw. eines hochgelegenen Hofes als Sitzes der Götter die Rede ist. Die Wohnungen der Götter, vor allem Odins Halle, werden aber jetzt dichterisch ausgeschmückt: Schilde sind die Schindeln, Schäfte bilden die Sparren, Odin überblickt von seinem Hochsitz Hliðskjálf aus die Welt, von deren Geschehen ihm seine beiden Raben erzählen; die Asen versammeln sich in Odins Halle, deren Bänke von den Walküren für die Ankommenden geschmückt werden — ohne dass gesagt wird, dass Walhall im Himmel liege. Im Gegenteil: Die Schilderungen von Walhalldeuten auf die alte Burgvorstellung bzw. eine Hofhalle. Dies gilt für die Völuspá, das Grímnismál, das Þrymskviða und das Vafþrúðnismál in gleicher Weise. Auch das Preislied auf König Hakon (Hákonarmál) aus der Mitte des 10. Jahrhunderts enthält keine Stelle, welche im Sinne einer himmlischen Walhall verstanden werden könnte, wenn es dort heißt, dass die Schar der Götter durch Hakon und sein großes Heer (der Gefallenen) nun wachse. So reiten in diesem Preislied die toten Krieger „zum grünen Götterheime“, was nur beweist, wie stark der alte Glaube an die Götter und ihre Burg bzw. Hofhalle noch im 10. Jahrhundert lebendig ist! Erst später muss der Gedanke einer himmlischen Walhall entstanden sein, so dass der Isländer Snorri Sturluson (um 1200) in seiner Edda (Snorra Edda) die erzählten alten Mythen mit entsprechenden Zusätzen versah. Aber mit Ausnahme dieser späten Entwicklung wird nirgends in der Welt des Nordens von einer himmlischen Wohnung der Götter berichtet. Saxo Grammaticus gibt für Dänemark keine Kunde, ebenso wenig das „Ynglingatal“ aus der Mitte des 9. Jahrhunderts, in welchem die königlichen Toten zu „Lokis Maid“ (= Hel) gesandt werden, ganz abgesehen von der schon geschilderten Vorstellung in Schweden und Island, dass die Toten „in den Berg hineinsterben“ oder in Grabhügeln hausen. Allem Anschein nach ist also die Vorstellung einer himmlischen Walhall nur eine späte, noch nicht im 10. Jahrhundert zu beobachtende regionale Ausformung und skaldische Stilisierung des ursprünglich im Norden verbreiteten Glaubens, dass die Asen auf Burgen bzw. Höfen mit weiter Sicht wohnen.

Schwer zu sagen ist allerdings, wann der Glaube entstand, dass Odin tapfere Krieger zu sich in seine Halle rufe. Nach Snorris Sagenbericht hat der sterbende Odin sich mit der Spitze seines Speers zeichnen lassen und alle Männer für sein Eigen erklärt, die in Waffen stürben. Er sagte, er „fahre nach Goðheima (Götterheim) und werde dort seine Freunde bewillkommnen“. Ferner sagte er, „jeder solle mit so reichem Besitz nach Walhall kommen, als auf seinem Scheiterhaufen bei ihm gewesen sei. Dort solle er auch die Schätze besitzen, die er in der Erde vergraben habe“. Der Glaube, dass Odin die toten Krieger des Schlachtfeldes in seine (Burg-, bzw. Hof-)Walhall rufe, dürfte erst im Ausklang der Völkerwanderung und mehr oder weniger auf die nun entstehende Kriegerkaste beschränkt entstanden sein, die allerdings am königlichen Hofe die Überlieferung beherrschte. Diese Walhall Odins zieht jetzt — als Halle der Gefallenen — Vorstellungen an sich, die ursprünglich mit ihrem unterirdischen Totenort verbunden waren: Ein schwerterstarrender Fluss umgibt nun auch Walhall, über den eine Brücke führt, die vom Walgatter gesperrt ist.[8] Dieser im Zeitalter mächtiger Heerkönige mit ihren Großgefolgschaften langsam sich bildende Glaube an eine Kriegerwalhall in Odins Burg bzw. Hof kann jedoch nicht überall im Norden in gleicher Stärke verbreitet gewesen sein. Dies beweist schon das altschwedische Ynglingatal aus der Mitte des 9. Jahrhunderts, das nur Hel als Totenort für Krieger und Könige kennt. Auch der Däne Saxo Grammaticus spricht nur von unterirdischen Totenorten — solchen für Krieger mit angenehmen grünen Gefilden und für Neidinge in schlangentriefenden, im Norden liegenden Höhlen. Eine landschaftliche Umschreibung der Entstehung und Verbreitung des neuen Glaubens an eine über der Erde liegende Kriegerwalhall erscheint indessen heute noch nicht möglich. Dagegen kann der Glaube an eine himmlische Walhall der Götter und Helden nur als späte regionale Ausformung des germanischen Heldenglaubens angesehen werden, die im 10. Jahrhundert noch nicht zu beobachten ist


Das ganze Denken, wie 'ich komme nach Walhalla', hat hier für mich genauso einen fahlen Beigeschmack wie das christliche 'dann kommst Du in den Himmel'.


liebe Silke,

In Antwort auf:
Ich würde es sehr viel schöner finden, wenn man das zu taufende Kind erst einmal eine eigene Meinung entwickeln lässt, bevor man es einer Religion unterwirft, die es später eventuell wieder verlässt.


Hier kann ich Dir nur voll und ganz zustimmen. Doch leider heißt es ja immer noch 'Das ist Tradition', 'Das macht man halt'. Und dann wundert sich die Kirche über die vielen Austritte


viele Grüße

Helrunar

__________________________________________________

Werde stiller in deinem Wesen und kehre heim zu Dir selbst,
denn in Deiner Mitte allein wirst Du die Erfüllung finden.

Helrunar Offline



Beiträge: 562

23.02.2007 22:45
#9 RE: Taufe und Walhalla antworten
Liebe Raben,

für alle, die gerne etwas mehr über Reinkarnation und die verschiedenen Denkweisen dazu lesen möchten, folgender Link:

http://de.wikipedia.org/wiki/Reinkarnation

viele Grüße

Helrunar

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Werde stiller in deinem Wesen und kehre heim zu Dir selbst,
denn in Deiner Mitte allein wirst Du die Erfüllung finden.

Laerd Offline

Rabe


Beiträge: 464

24.02.2007 00:54
#10 RE: Taufe und Walhalla antworten
Liebe Brigid,

auch wenn jetzt vielleicht etwas Off-Topic, wollte ich noch von der Firmung berichten.
Ich finde eher, dass das relativ freiwillig gemacht wird. Also bei uns hier "oben" wird sowas ja sowieso etwas lockerer gesehen. Ich habe von unserem Pastoralamt mit 15 einen Brief für die Einlandung zur Firmung bekommen, wenn ich mich recht erinnere, und einige aus meinem Jahrgang (11. Klasse) haben ihre Firmung jetzt erst gemacht. Ich habe das überwiegend so kennen gelernt, dass mit ungefähr 8 Jahren die erste heilige Kommunion empfangen wird (wie sich das anhört! ) und die Firmung dann noch einiges später gemacht wird. Deswegen finde ich es schon recht fair, zu dieser Zeit zu "entscheiden" (offiziell ist man natürlich immer noch in der Kirche), sich zum Glauben zu bekennen. Aber die Eltern bestimmen ja meist den genauen Zeitpunkt, vielleicht gibt es auch regionale Unterschiede.

Ich denke auch, dass es eher darauf ankommt, was man selber fühlt und wozu man sich im Innersten bekennt, als auf das, was auf dem Papier steht! Man kann sich somit sein Paradies selbst ausmalen (hoffe, das klang jetzt nicht zu hart). Das würde gut zum Lied "Die Christenhölle" von Rabenschrey passen.

Wie auch immer
schönes Wochenende
Laerd



Die gute Zeit vergisst man in der schlechten

"Es gibt zwei Dinge, die unendlich sind: Das Universum und die menschliche Dummheit. Bei dem Universum bin ich mir da nicht so sicher." (Albert Einstein)

Brigid ( gelöscht )
Beiträge:

24.02.2007 07:28
#11 RE: Taufe und Walhalla antworten
letzer OT


Lieber Laerd,


hier in Bayern ticken die Uhren leider anders , sonst hätten wir ja auch keine Regierung, die das C für Christlich - man staune, dennmerken tut man nix, garnix - im Namen hat.

LG, Brigid

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Irland

Sigurd Offline

Altrabe


Beiträge: 1.900

24.02.2007 08:37
#12 RE: Taufe und Walhalla antworten
Lieber Helrunar,

vielen Dank für Deine ausführliche Erklärung . Man lernt immer wieder etwas dazu .

@ Brigit,

mit der Regierung kann ich Dir nur zusteimmen . Sie nennen sich zwar "christlich aber merken tut man davon nix .


Liebe Grüße
wotan28

Wer den Blick am Boden hällt, kann nicht sehen wie blau der Himmel ist!!!
(Sigurd W.)

Tanith Offline

Altrabe


Beiträge: 8.331

24.02.2007 13:39
#13 RE: Taufe und Walhalla antworten
Liebe Brigid,
ich danke dir für diesen Satz. Sehr schön.



Ich glaube auch nicht, dass die Aufnahme in Walhalla (oder sonstwohin) davon abhängig ist, was man als Kind gemacht hat oder auf irgendeinem Zettel steht. Ich bin mir auch sicher, dass man, wenn man nach ethischen Grundsätzen lebt, im Jenseits nichts zu befürchten hat , egal ob unser Gott nun nordisch, indianisch, indisch oder christlich ist.



Liebe Grüße
Tanith
Isa ( Gast )
Beiträge:

25.02.2007 14:42
#14 RE: Taufe und Walhalla antworten

Hallo Raben.

Also ich weiss noch, wie ich meine Konformation mit 11 Jahren abgelehnt habe und ich in den Ethikunterricht verwiesen wurde. Aufgezwungen wurde mir nur die Taufe.

Es dauert meistens eine halbe Ewigkeit, bis man wirklich bereit ist zu WISSEN, welchen Weg man nun einschlagen möchte und auch kann.

Die Taufe ist wie der Elementkreislauf im Chinesischen. Dieser Elementkreislauf hört mit dem Wasser auf, welches dann für die Ernte des begangenen Lebens steht. Also kann man bis zu seinem Lebensende noch bestimmen, welches Taufwasser man nun wirklich an sich heranlässt.

Gruss
Isa

----Besser ist es vor Nidhögg zu schweigen, doch gut ist es mit ihm zu reden, wenn er dich gefunden hat.------

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