wie ja bekannt ist, versuche ich seit geraumer Zeit die Runen zu kapieren In meinem mittelalterlichen Leichtsinn habe ich mir gedacht (mach ich nicht wieder, versprochen!!), ich mach mich mal an die Zauberlieder von unserem lieben Odin. Also die Erkenntnis die er an der Weltenesche über die Runen gewonnen hat, währenddessen er dort hing.
Gesagt, getan, verzweifelt. Ich verstehe das nicht. Könnten wir an dieser Stelle vielleicht die Zauberlieder behandeln? So quasi analog zu den Monatsrunen?
Wenn mich nicht alles täuscht, dann heißt das Lied zu Berkana:
Noch ein achzehntes weiß ich. Doch weder`nem Weibe, Das schon vermählt ist, noch Mädchen sag ich`s. Der Schwester sogar verschweig ich`s und Allen. Außer der Einen, die oft mich umarmt. Denn vorzüglich bewährt sich dies Zaubermittel Nur solang man die List und das Liedchen allein weiß.
Ist Klasse, oder? Wie finde ich jetzt den Bezug zu Berkana? Und was will Odin mir damit sagen???
mit diesem Beitrag hast Du unser Forum vor eine große Herausforderung gestellt
Ich freue mich schon auf die Gedanken unserer Rabenbäumlinge. Ich habe die Erfahrung bei Odins Runenlied gemacht, dass alles, was am Anfang völlig klar war, bei zweimaligem Lesen dann plötzlich völlig unklar. Durch Deinen Beitrag ermutigt, werde ich mich auch mal wieder damit beschäftigen.
Viele Grüße
Ansuz
"Die Größe und den moralischen Fortschritt einer Nation kann man daran messen, wie sie die Tiere behandelt." (Mahatma Gandhi)
im Folgenden habe ich Euch den Originaltext zum Runenlied Odins eingefügt. Ich fürchte, Ihr seid mit Eurer Runenzuordnung auf dem Holzweg. Es gibt nur 18 Zauberlieder im Runenlied. Das lässt eher auf das (18er) Armanen-Futhark als auf das (24er) Ältere-Futhark schließen. Im Armanen-Futhark ist Berkana oder Bar die dreizehnte Rune. Das Lied zur Rune würde nach meiner Auffassung demzufolge:
Ein dreizehntes kann ich, soll ich ein Degenkind In die Taufe tauchen, So mag er nicht fallen im Volksgefecht, Kein Schwert mag ihn versehren.
lauten.
In Antwort auf: Havamal (3. Teil)
Odins Runenlied
139. (1.) Ich weiß, daß ich hing am windigen Baum Neun lange Nächte, Vom Speer verwundet, dem Odin geweiht, Mir selber ich selbst, Am Ast des Baums, dem man nicht ansehn kann Aus welcher Wurzel er sproß.
140. (2.) Sie boten mir nicht Brot noch Met; Da neigt ich mich nieder Auf Runen sinnend, lernte sie seufzend: Endlich fiel ich zur Erde.
141. (3.) Hauptlieder neun lernt ich von dem weisen Sohn Bölthorns, des Vaters Bestlas, Und trank einen Trunk des teuern Mets Aus Odhrörir geschöpft.
142. (4.) Zu gedeihen begann ich und begann zu denken, Wuchs und fühlte mich wohl. Wort aus dem Wort verlieh mir das Wort, Werk aus dem Werk verlieh mir das Werk.
143. (5.) Runen wirst du finden und Ratstäbe, Sehr starke Stäbe, Sehr mächtige Stäbe. Erzredner ersann sie, Götter schufen sie, Sie ritzte der hehrste der Herrscher.
144. (6.) Odin den Riesen, den Alfen Dain, Dwalin den Zwergen, Alswid aber den Riesen; einige schnitt ich selbst.
145. (7.) Weißt du zu ritzen? Weißt du zu erraten? Weißt du zu finden? Weißt zu erforschen? Weißt du zu bitten? Weißt Opfer zu bieten? Weißt du wie man senden, weißt wie man tilgen soll?
146. (8.) Besser nicht gebeten, als zu viel geboten: Die Gabe will stets Vergeltung. Besser nichts gesendet, als zu viel getilgt; So ritzt es Thundr zur Richtschnur den Völkern. Dahin entwich er, von wannen er ausging.
147. (9.) Lieder kenn ich, die kann die Königin nicht Und keines Menschen Kind. Hilfe verheißt mir eins, denn helfen mag es In Streiten und Zwisten und in allen Sorgen.
148. (10.) Ein andres weiß ich, des alle bedürfen, Die heilkundig heißen.
149. (11.) Ein drittes weiß ich, des ich bedarf Meine Feinde zu fesseln. Die Spitze stumpf ich dem Widersacher; Mich verwunden nicht Waffen noch Listen.
150. (12.) Ein viertes weiß ich, wenn der Feind mir schlägt In Bande die Bogen der Glieder, So bald ich es singe, so bin ich ledig, Von den Füßen fällt mir die Fessel, Der Haft von den Händen.
151. (13.) Ein fünftes kann ich: fliegt ein Pfeil gefährdend Übers Heer daher, Wie hurtig er fliege, ich mag ihn hemmen, Erschau ich ihn nur mit der Sehe.
152. (14.) Ein sechstes kann ich, so wer mich versehrt Mit harter Wurzel des Holzes: Den andern allein, der mir es antut, Verzehrt der Zauber, ich bleibe frei.
153. (15.) Ein siebentes weiß ich, wenn hoch der Saal steht Über den Leuten in Lohe, Wie breit sie schon brenne, ich berge sie noch: Den Zauber weiß ich zu zaubern.
154. (16.) Ein achtes weiß ich, das allen wäre Nützlich und nötig: Wo unter Helden Hader entbrennt, Da mag ich schnell ihn schlichten.
155. (17.) Ein neuntes weiß ich, wenn Not mir ist Vor der Flut das Fahrzeug zu bergen, So wend ich den Wind von den Wogen ab Und beschwichtge rings die See.
156. (18.) Ein zehntes kann ich, wenn Zaunreiterinnen Durch die Lüfte lenken, So wirk ich so, daß sie wirre zerstäuben Und als Gespenster schwinden.
157. (19.) Ein elftes kann ich, wenn ich zum Angriff soll Die treuen Freunde führen, In den Schild fing ich's, so ziehn sie siegreich Heil in den Kampf, heil aus dem Kampf, Bleiben heil wohin sie ziehn.
158. (20.) Ein zwölftes kann ich, wo am Zweige hängt Vom Strang erstickt ein Toter, Wie ich ritze das Runenzeichen, So kommt der Mann und spricht mit mir.
159. (21.) Ein dreizehntes kann ich, soll ich ein Degenkind In die Taufe tauchen, So mag er nicht fallen im Volksgefecht, Kein Schwert mag ihn versehren.
160. (22.) Ein vierzehntes kann ich, soll ich dem Volke Der Götter Namen nennen, Asen und Alfen kenn ich allzumal; Wenige sind so weise.
161. (23.) Ein fünfzehntes kann ich, das Volkrörir der Zwerg Vor Dellings Schwelle sang: Den Asen Stärke, den Alfen Gedeihn, Hohe Weisheit dem Hroptatyr.
162. (24.) Ein sechzehntes kann ich, will ich schöner Maid In Lieb und Lust mich freuen, Den Willen wandl ich der Weißarmigen, Daß ganz ihr Sinn sich mir gesellt.
163. (25.) Ein siebzehntes kann ich, daß schwerlich wieder Die holde Maid mich meidet. Dieser Lieder, magst du, Loddfafnir, Lange ledig bleiben. Doch wohl dir, weißt du sie, Heil dir, behältst du sie, Selig, singst du sie!
164. (26.) Ein achtzehntes weiß ich, das ich aber nicht singe Vor Maid noch Mannesweibe Als allein vor ihr, die mich umarmt, Oder sei es, meiner Schwester. Besser ist was einer nur weiß; So frommt das Lied mir lange.
165. (27.) Des Hohen Lied ist gesungen In des Hohen Halle, Den Erdensöhnen not, unnütz den Riesensöhnen. Wohl ihm, der es kann, wohl ihm, der es kennt, Lange lebt, der es erlernt, Heil allen, die es hören.
Aber wer weiß schon, was sich Allvater dabei dachte Es verspricht ein interessantes Thema zu werden. Danke Inga
Weißte was Garm, irgendwie biste n richtiger Spielverderber. Jetzt hatte ich so ne heiße Theorien darüber entwickelt, wer denn nun *die Eine* aus Ingas Berkana Lied ist; über Frigg, als verschwiegene Gattin, ihren Schattenaspekt verkörpert durch Hel, Anima, Mutter, Seelenpartnerin u.s.w. war alles dabei aber gut, so ganz richtig ausgeklügelt war die Idee natürlich nicht, eher mal wieder ein bisschen wirr, von daher bin ich Dir letztendlich doch dankbar, daß Du mich und vor allen Dingen Euch vor diesem Beitrag gerettet hast.
Andererseits muß ich sagen zu dem roten Lied Berkana-Lied kommt mir momentan noch keine Assoziation, mal sehen, muß ich noch ein bisschen wirken lassen.
Auf jeden Fall ein tolles Thema – vielen Dank Inga! Liebe Grüße Zita
deine Gedanken bzw. das Posting, dass Du im Kopf hattest, ist ja deswegen nicht vergebens. Denn die Strophe des Runenliedes existiert ja.
In Antwort auf: Andererseits muß ich sagen zu dem roten Lied Berkana-Lied kommt mir momentan noch keine Assoziation, mal sehen, muß ich noch ein bisschen wirken lassen.
So geht es im Moment wahrscheinlich uns allen.
Odin erkannte bei seinem Hängeopfer in der Weltenesche die wahre Natur der Runen als heilige Zeichen. Die einzelnen Strophen des Runenliedes sind Anweisungen und Erklärungen zu den magischen Eigenschaften der Runen. Inhaltlich will uns Odin mitteilen, wie wir die Zeichen anwenden sollen.
@Garm: Vielen Dank für den Hinweis, ich war bereits auf dem Holzweg.
Viele Grüße Ansuz
"Die Größe und den moralischen Fortschritt einer Nation kann man daran messen, wie sie die Tiere behandelt." (Mahatma Gandhi)
In Antwort auf: Weißte was Garm, irgendwie biste n richtiger Spielverderber.
Ich hatte soetwas schon befürchtet. Und ich hatte auch überlegt, ob ich wirklich diese Verbesserung einbringen soll. Schließlich habe ich mich aber dafür entschieden es doch zu tun. Dieses Thema hat einfach zuviel Potential, als dass man es unter falschen Gesichtspunkten beginnen sollte.
Für mich ist das Runenlied ohnehin die Königsdisziplin und beschäftigt mich, seitdem ich mich mit den Runen beschäftige. Dass dieses Thema nun von Inga kam, sollte mich eigentlich nicht verwundern. Versprechen kann ich jedoch denjenigen unter Euch, die beim Thema bleiben und mitgrübeln wollen, es wird garantiert nicht langweilig.
In Antwort auf:deine Gedanken bzw. das Posting, dass Du im Kopf hattest, ist ja deswegen nicht vergebens. Denn die Strophe des Runenliedes existiert ja.
Stimmt Fragt sich nur, auf welche Rune es sich bezieht.
@Garm:
In Antwort auf:Ich hatte soetwas schon befürchtet. Und ich hatte auch überlegt, ob ich wirklich diese Verbesserung einbringen soll. Schließlich habe ich mich aber dafür entschieden es doch zu tun. Dieses Thema hat einfach zuviel Potential, als dass man es unter falschen Gesichtspunkten beginnen sollte.
nachdem ich mit meiner Strophe danebengelegen habe, habe ich versucht mich auf diese Strophe zu konzentrieren.
In Antwort auf: Ein dreizehntes kann ich, soll ich ein Degenkind In die Taufe tauchen, So mag er nicht fallen im Volksgefecht, Kein Schwert mag ihn versehren.
Wenn ich nun mal außer acht lasse, dass Heiden nicht im christlichen Sinne getauft wurden, kann es sich im ersten Satz nur um eine Art Einweihung für werdende Krieger handeln. Die Begriffe "Taufe", "Kind" verbinde ich mit Familie, Geburt, Sippe, hier bin ich dann auf Berkana und mit ihr "Frigg" gekommen.
"So mag er nicht fallen im Volksgefecht," läßt wieder an einen jugendlichen Krieger denken. allerdings muß vorher etwas mit ihm passieren und ich glaube hier kommt Runenmagie ins Spiel. Vielleicht wurde die Weihe oder Taufe unter der Rune Berkana ausgeführt, oder man hat ihm Brot in Form von Berkana gegeben .
ich habe mich runentechnisch einmal ein wenig schlau gemacht Demzufolge ist "Gibor" die achzehnte Rune des Armanenfuthark. "Guido von Liszt" erschien diese Rune in einer vorübergehenden Erblindung als eine Art Vision.
Gibor bedeutet: Götterrune Gott-Alles Kosmisches Bewußtsein Vermählung der Kräfte das Zeugende und das Empfangende Sakrale Ehe Geber, Gabe Erfüllung
Also diese Texte haben es ja wirklich in sich, wie Garm schon schrieb: Königsdisziplin!
Was wohl im Germanischen Glauben die 13 bedeutet hat?
Ein lieber Freund hat mir vor einigen Tagen erzählt, daß man Gebärenden Berkana auf den Bauch als Schutz gemalt hat. Da musste ich an diese eine Auto-Werbung denken, mit dem kleinen Jungen auf der Schaukel, wisst Ihr welche ich meine, genial gemach, wie ich finde.
@Silke: Ich kann nicht anders, ich starre diese Rune nun schon ne ganze Zeit an und kann immer nur denken: Ein Geschenk Zorro´s is so.
In Antwort auf: Was wohl im Germanischen Glauben die 13 bedeutet hat?
Zahlen sind auch in der nordischen Tradition von großer Wichtigkeit. Die wesentlichen Zahlen der nordischen Tradition beruhen auf der Dreizahl der Götter. Die Dreizahlen der Götter und Göttinnen kreieren die Grundlage der Welt. Es gibt dreimal drei Welten. Odin hängt neun Nächte lang in der Weltenesche Yggdrassil. Ihm werden 18 (zwei mal neun) Zauberlieder beigebracht. Die Dreizahl ist ein Dreh- und Angelpunkt der gesamten nordischen Spiritualität. Aus zwei Gegensätzen wird ein drittes erschaffen. Wie kommen wir nun auf die dreizehn? Vielleicht indem wir die neun: Die Vollendung, (die drei miteinander verbundenen Dreiecke des Valknut symbolisieren die Vollendung) und Odin und die vier: (Die zahl vier steht für "Ordnung". Das Symbol dieser Zahl ist das Sonnenrad (Swastika), welches auch das Symbol des Thor ist. Thor kämpft gegen die Mächte des Chaos und erhält die Ordnung aufrecht. Auch die vier Zwerge der vier Himmelsrichtingen stützen die Welt. Vier Hirsche knabbern an den Ästen der Weltenesche und können als vier Hauptkräfte (zerstörerisch) empfunden werden, welche die Weltordnung und die Zahl vier in einem Zyklus kreisen lassen.) miteinander addieren und somit die Kräfte verbinden?
Oder nehmen wir "neun" , "drei" und "eins"?
Schön, diese "Königsdisziplin"
Liebe Grüße
Ansuz
"Die Größe und den moralischen Fortschritt einer Nation kann man daran messen, wie sie die Tiere behandelt." (Mahatma Gandhi)
nachdem die Edda seit einigen Tagen wieder zu meiner Pflichtlektüre gehört, bin ich gestern auf eine Übersetzung von Wilhelm Jorden gestoßen, die nahelegt, dass das 17. und 18. Runenlied damit zusammen hängen könnte, wie junge Menschen damals verheiratet wurden.
Siebzehnte weiß ich, dass schwerlich wieder Die holde Maid mich meidet. Diese Lieder, magst du, Flaumbart, Lange ledig bleiben. Doch wohl Dir, weißt Du sie, Heil dir, behältst du sie, Selig, singst du sie!
Noch ein achzehntes weiß ich, das ich aber nicht singe Vor Maid noch Mannesweibe Als allein vor ihr, die mich umarmt, Oder sei es, meiner Schwester. Besser ist, was einer nur weiß; So frommt das Lied mir lange.
Bei den Germanen war, wie auch bei vielen anderen Völkern, die Ehe ein Akt der Vernunft. Der Fortbestand der Sippe mußte gesichert werden. Darüberhinaus galt es, große Sippen miteinander zu verbünden. Doch offenbar waren auch Liebe und Sehnsucht unseren Altvorderen nicht unbekannt und so könnten diese beiden Lieder auch Zauberlieder sein, um dennoch die wahre Liebe in die Arme schließen zu können.
Einen schönen Sonntag Ansuz
"Man erlangt die Erleuchtung nicht, indem man sich das Licht vergegenwärtigt, sondern indem man die Dunkelheit erforscht." (CG Jung)
gerade als ich mich so schön an die Theorie von Dirk gewöhnt hatte, habe ich bei Igor Warneck gelesen, dass er die Runen aufsteigend ab Fehu den Runenliedern zuordnet.
Dann fehlen aber wieder die letzten Runen oder die entsprechenden Runenlieder Könnte es vielleicht sein, dass man ab der 19. Rune keine Magie mehr damit treibt??
Ich werde nochmal verrückt! (also... noch verrückter)
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