|
Der Beifuß ist eine "Schwellenpflanze". Das wird schon durch die Orte seinen Wachstums deutlich: auf Schutthalden, an Straßenrändern, auf verlassenen Grundstücken - überall dort, wo die Zivilisation die Wildnis berührt. Er spielt eine wichtige Rolle in den weiblichen Mysterien und im Schamanismus.
In der Pflanzenheilkunde wird der Beifuß verwendet, um am Zyklusanfang die Fruchtbarkeit der Frau zu erhöhen, aber auch um eine Geburt zu beschleunigen und zu erleichtern. Oft fand er Verwendung um den Ausstoß der Nachgeburt zu fördern oder einen toten Fötus abzutreiben. Auch hilft er, eine ausbleibende oder zu schwache Menstruation anzuregen. Hierfür empfehlen sich Sitzbäder und Tees. Bei einer Schwangerschaft ist der Verwendung von Beifuß unbedingt abzuraten, da er abortiv wirken kann. Vorsichtshalber sollte man dann auch auf den Einsatz von Beifuß als Gewürz verzichten. Wegen seiner guten Wirkung bei frauenspezifischen Problemen wurde der Beifuß auch Schoßkraut genannt.
Der Name Gänsekraut deutet eine andere Verwendung des Krautes an- nämlich als Gewürz bei fetten Speisen, wie zum Beispiel Gänsebraten. Das Kraut ist bestens geeignet um die Saftproduktion in Magen und Darm anzuregen und regt ebenfalls den Gallefluss an- kurz, es fördert die Verdauung. Gänse, ebenso wie Schwäne wurden in Europa aber auch mit Schamanen in Verbindung gebracht. Später dazu mehr. Geburts- und Totenbetten beinhalteten oft Beifuß um den Übergang der Seele zu erleichtern. Schon vor 70.000 Jahren fand er Verwendung bei Bestattungsriten, wie Funde von Neandertalergräbern im Irak belegen.
„Beifuß“ wird das Kraut genannt, da es im Schuh getragen den Wanderer (auf der Reise zwischen zwei Orten!) vor Fußschmerzen, Müdigkeit, sowie Hunde- und Schlangenbissen schützt- so berichtet der Volksglauben. Odin ist der Schutzpatron der Wanderer und gleichzeitig Gott der Schamanen. Dieses Motiv findet man auch in der Zaunreiterin- der hagazusse, der Hexe. Bei vielen schamanischen Einweihungen fand der Beifuß Verwendung als Räucherung und wurde ebenfalls verwendet, um dem schamanisch Reisenden den Tritt über die Schwelle zu erleichtern. Eine Verbindung zum nordischen Schamanismus ist definitiv vorhanden.
Der Beifuß ist die kleine Schwester des großen Bruders Wermut. Er enthält ähnliche Wirkstoffe, aber in höherer Konzentration. Wofür man den Beifuß verwendet, kann man auch den Wermut verwenden, rein medizinisch gesehen mit höherer Wirkung. Um zum Bsp. eine Geburt einzuleiten (mit Hebamme absprechen!) kann man der Wemuttee genauso wie Beifuß trinken, allerdings ist er ungenießbar bitter. (Und wirkt in zu hohen Dosen toxisch.) Der Beifuß scheint mir hier auch das traditionellere Kraut zu sein.
Beifuß wird idealerweise in der Zeit von Juli bis September geerntet. Hier entfaltet er seine ganze Kraft. Am geeignetsten ist die Mittagszeit, wenn der Saft in den Pflanzen besonders hoch steht (möglichst um die Vollmondzeit herum) und es einige Tage nicht geregnet hat. Die geernteten Pflanzen dürfen nicht gewaschen werden, da sie dann ihren Wert als Heilkraut verlieren. Es ist von Pflanzen, die an großen Straßen wachsen, abzusehen, denn sie haben die Schadstoffe- verursacht durch den Straßenverkehr- aufgenommen. Es werden die oberen, nicht verholzten Triebspitzen abgeschnitten und zum Trocknen aufgehängt. Dies muss geschehen, wenn die Blütenknospen noch geschlossen sind, da nach ihrem Aufblühen der Bitterstoffgehalt in den Blättern zunimmt. Sie eignen sich dann nicht mehr zum Würzen. Die Wurzel des Beifuß wird im Herbst geerntet.
Man könnte noch viel mehr erzählen, aber das muss erstmal reichen.
Liebst, Cai
Golther, Wolfgang, Handbuch der Germanischen Mythologie, marixverlag, 2004 Pahlow, Apotheker M.; Das große Buch der Heilpfanzen, Weltbild, 2006 Storl, Rätsch, Ebeling; Hexenmedizin, AT, 1999 Storl, W.-D.; Pflanzendevas, AT, 1997 Storl, W.-D.; Kräuterkunde, Aurum, 1996 Walker, Barbara G.; Das geheime Wissen der Frauen, Arun, 2004

Selbst der Schwächste ist stark genug, um den Stärksten zu töten. -Thomas Hobbes
| |