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Dieses Thema hat 4 Antworten
und wurde 1.105 mal aufgerufen
 Götter
Ansuz Offline

Hausmeister


Beiträge: 5.159

09.07.2005 07:34
Der Riese Mimir antworten

Liebe Rabenbäumlinge,

der Monat ist noch jung und die Monatsrunen haben uns in diesem Monat mit vielen interessanten Themen versorgt. Da Mimir der Rune Sowilo zugeordnet wird, habe ich heute meinen Bücherschrank und meinen Kopf für Euch durchwühlt

MIMIR heißt das Urwesen ("Riese"), das wissend und weise war. Mimir wohnte an den Wurzeln des Weltbaums Yggdrasil, der die Teile des Kosmos zu einem einzigen Organismus verbindet, und hütete dort eine Quelle, deren Wasser Weisheit und Sehertum gab. Odin, der Vater der Götter, opferte ein Auge dafür, um aus ihr zu trinken. Das ist einer der drei Wege, durch die er zum Gott der geistigen Kräfte wurde. Als Mimir getötet wurde, hielt Odin seinen Kopf am Leben. Immer wenn der Welt Gefahr droht, berät er sich mit Mimirs Kopf.

Von A. Kayser-Langerhannß, habe ich das folgende Gedicht gefunden, aus dem ich allerdings nur den Teil des Opfers zitieren möchte, da der gesamte Text sehr lang ist.

Odins Gang zu Mimirs-Born:

In Antwort auf:
....Wollt`er erkennen, wollt`erbeuten
Das Allgeheimnis, dasß ihm fremd,
Er ahn, es galt etwas zu deuten,
Dagegen kühn sein Stolz sich stemmt.
Verborgen wohnt in Mimirs Quelle
Allwissenheit.-Ward sie ihm nicht?-
Und heißer strömt des Blutes Welle.
Maß er doch jedes Sternes Licht,
Maß aller fernsten Erden Weiten,
Des Meeres Tiefen, das Gebiet
Der Himmel; ja Unendlichkeiten,
die kein Geschaff`ner sonst erriet,
Vermocht er teilweis zu durchdringen,
Doch Urgrund alles Weltenseins
Gelang dem Geist nicht zu erringen.
Die Welt schien ihm nur Welt des Scheins.
--
Die Sonne lenkte ihren Wagen
Im glühend purpurnen Gewand,
Er sollte sie hinunter Tragen,
Bis zu des Meeres Flutenrand.
Und Odins Seele, hochbegeistert,
Schwang sich zum Sonnensitz empor,
Vom Wissensdurste ganz bemeistert,
Lieh seinen Raben nicht das Ohr.
Die Vögel, die ihn wild umkreischten,
Sie warnten vor geplantem Ziel,
Und Unheil kündend , von ihm heischten
Zu lassen vom verweg`nen Spiel.

Doch Odin, in sich selbst versunken,
Vom Allmachtstolz bewegt zur Tat,
Vom Feuerblick der Sonen trunken,
Wies ab der dunklen Vögel Rat.
Die Sonne hielt an Mimirs Brunnen,--
Wie einsam war`s und totenstill,
Als wenn die Lebenskraft veronnen,
Und Alles schlafen, träumen will.
Selbst Odin wagt`nicht sie zu wecken.
Kein Lüftchen weht, die Welle schwieg,-
Da war`s als ob dem Wasserbecken
Der alte Brunnengeist entstieg.
Und mit metallos tiefer Stimme,
Begann er also:,,Sage an,
Was willst Du Gott, kommst Du im Grimme?
Feindschaft und Hass liegt hier im Bann.
Was suchst Du mich vom Riesenstamme,
Den du bekämpfst seit langer Zeit?
Wohl weil die Urwelt meine Amme,
Und Mimirs Wissen weltenweit,
Hast Du den Gang zu mir gewendet?
Doch nun sei schnell Dein Schritt gehemmt,
Mein Reich beginnt, wo Deines endet,
Kehr um, wir beide sind uns fremd."

Und Odin hob das Haupt zu Greise,
Das Augenpaar voll Sonnenschein,
,,Als Wand`rer komm ich, von der Reise,
Nichts als ein Gott in Deinem Hain.
Gönn` mir aus den kristall`nen Wellen.
Den Labegruß, bin mat und krank.
Reich aus dem Born, dem wunderhellen,
Dem Gaste den Erfrischungs-Trank."
,,Nichts birgt sich , Odin meiner Seele,
Ich weiß gar wohl, wonach Du bangst.
Ob auch Dein Wort es mir verhehle,
Erriet ich, was Du heiß verlangst.
Aus meiner Flut willst Du Dich laben,
Weil Allerkennen in ihr quillt,
Doch der Erkenntnis höchste Gaben
Sind auch vom tiefsten Schmerz erfüllt.
Und willst Du Urlichtstrahl gewinnen,
Gib mir ein Auge voll Sonnenschein,
Das senk ich, ziehst Du von hinnen,
Tief in die stille Flut hinein."-

Und Odin, Leidenschaft-durchglühet,
Schlug auf das Aug`zum letzten Mal,
Daß es in alle Weiten sprühet,
Noch einmal trinke Himmelsstrahl.
D`rauf hat er`s Mimir eingetauschet,
Für einen Trunk, als ew`ges Pfand,
Doch was die Quelle ihm gerauschet,
Das hat er keinem Ohr bekannt.
Nur wenn er schlief, zuweilen flüstert
Die Lippe von vermess`ner Tat,
Und daß die Seele, Schreck-umdüstert
Furchtbar Geschick erkundet hat.

Als er die Götter wieder schaute,
Einäugig nun, frug jeder Blick,
Doch vor dem Wort die Seele graute,
Sie hielten`s Schmerz bewegt, zurück.
Nur Wöla finster, ganz im Schweigen
Erkannte Alles, was gescheh`n,
Sah Odin zu der Quelle steigen,
Im Born sein Auge untergeh`n.
Und als der Gott Unruh-getrieben,
Zu ihr trat in der Höhle Grund,
Sprach sie:,,Wohl weiß ich, wo geblieben
Dein lichtvoll Auge, doch mein Mund
Hat keinen Trost für Deine Sorgen.-
wer kühn allwissen aufgesucht,
Erkannte, daß am Schöpfungs-Morgen
Die Schuld in`s Weltbuch eingebucht.
Aus deinem Aug`daß du gespendet,
trinkt Mimir Met an jedem Tag.
Von Dir hast Du ein Teil verpfändet,
Weißt Du, was das bedeuten mag?"--


Leider ist das Gedicht nun doch umfangreicher geworden, als ursprünglich geplant. Ich hoffe, dass Ihr es trotzdem bis zu Schluss geschafft habt.

Viele Grüße

Ansuz



"Die Größe und den moralischen Fortschritt einer Nation kann man daran messen, wie sie die Tiere behandelt." (Mahatma Gandhi)

Max Offline

Rabe

Beiträge: 353

09.07.2005 23:55
#2 RE:Der Riese Mimir antworten

Hallo Ansuz,

welches Auge hat er denn geopfert?
Diese Frage läßt mich einfach nie los, wenn ich daran denke.

Viele Grüße,
Max

Ansuz Offline

Hausmeister


Beiträge: 5.159

10.07.2005 13:37
#3 RE:Der Riese Mimir antworten

Hallo Max,

In Antwort auf:
welches Auge hat er denn geopfert?
Diese Frage läßt mich einfach nie los, wenn ich daran denke.

Mich auch nicht Einige schlaue Köpfe gehen davon aus, dass Odin bereits vor dem Gang zu Mimirs Brunnen einäugig war. Demzufolge wäre er danach blind gewesen. Vielleicht hat ihm das die Weitsicht und Fühlungnahme gegeben, über die er nach diesem Opfer verfügte.


Liebe Grüße

Ansuz



"Die Größe und den moralischen Fortschritt einer Nation kann man daran messen, wie sie die Tiere behandelt." (Mahatma Gandhi)

LOKI Offline

Rabe


Beiträge: 309

10.07.2005 16:51
#4 RE:Der Riese Mimir antworten

Hi

In Antwort auf:
welches Auge hat er denn geopfert?
Diese Frage läßt mich einfach nie los, wenn ich daran denke.

Ich weis nur das er das auge freiwillig nach dem tod Mimir´s geopfert hatt, und dann aus dem Brunnen getrunken hatt.

Welches Auge er Geopfert hatt? Ich glaube das rechte...

Gruß LOKI
__________________________ ____________ _________

Die Felsengründe waren sein, mit Gold verziert und Edelstein und Silbern köstlich ausgelegt, das Tor mit RUNENKRAFT Geprägt...( J.R.R. Tolkien )

Garm Offline

Moderator


Beiträge: 945

28.11.2005 10:17
#5 RE: RE:Der Riese Mimir antworten

Hallo Loki,

In Antwort auf:
Ich weis nur das er das auge freiwillig nach dem tod Mimir´s geopfert hatt, und dann aus dem Brunnen getrunken hatt.

Hier liegst Du falsch. Das Auge hat Odin zu Lebzeiten Mimirs geopfert. Mimir wurde von den Vanen enthauptet, als diese feststellten, dass sie einen schlechten Tausch gemacht hatten um den Frieden nach dem ersten großen Krieg zwischen Asen und Vanen zu besiegeln.

Odin belebte den Kopf seines Freundes neu, indem er ihn mit Kräutern und Galdr salbte und ihn anschließend an Mimirs Brunnen ablegte. Zu diesem Zeitpunkt hatte Odin allerdings schon lange sein Auge geopfert.

Viele Grüße
Garm




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