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Dieses Thema hat 4 Antworten
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 Kräuter
Samina Offline

Altrabe

Beiträge: 1.893

27.10.2008 23:14
Fenchel ~ Foeniculum vulgare (Umbelliferae) antworten

Fenchel, Foeniculum vulgare (Umbelliferae)

Liebe Raben,

eine altbewährte Pflanze bittet um Einlass ~ der Fenchel. Mit seinem anisähnlichen Geschmack ist Fenchel eine ausgezeichnete Verdauungshilfe. Zarte Stiele in Salate hacken. Blätter in fette Fische wie Makrele 'stopfen' oder fein gehackt auf Salat und gekochtes Gemüse streuen. Samen in Saucen, Brot, pikante Biscuits, Wasser beim Pochieren von Fisch, geben.
Fenchel ist eine der ältesten Kulturpflanzen und wurde von den Römern sehr geschätzt; Gladiatoren sollen ihn in ihr Essen gemischt haben und Siegerkränze aus Fenchel getragen haben. Bei Banketten nahmen römische Krieger Fenchel um der Gesundheit willen zu sich, römische Damen assen ihn, um schlank zu bleiben. Jeder Teil der Pflanze, von der Wurzel bis zum Samen, ist essbar.
Das Wort Fenchel leitet sich her vom althochdeutschen "fenahhal" und ist eine Abwandlung des lateinischen Wortes foeniculus. Dies wiederum hat seinen Ursprung im lateinischen Wort für Heu, - Foenum. Heu deswegen, weil der Geruch der Pflanze an Heu erinnert oder weil die getrockneten Blattspitzen heuähnlich aussehen. Der Artname vulgare besagt, dass die Pflanze allgemein bekannt und verbreitet ist. Alte deutsche Bezeichnungen für den Fenchel waren auch Finkel, Fennekel, Fenichl und Fennkol.

Berühmt ist das Lob des Fenchels durch Walahfrid Strabo: „Auch die Ehre des Fenchels sei hier nicht verschwiegen; er hebt sich kräftig im Spross, und er streckt zur Seite die Arme der Zweige, sowohl sehr süßen Geschmacks als auch süßen Geruches. Nützen soll er den Augen, wenn sie Schatten trügend befallen, und sein Same, mit Milch einer Ziege getrunken, lockere, so sagt man, die Blähung des Magens und fördere lösend alsbald den zaudernden Gang der lange verstopften Verdauung. Ferner vertreibt die Wurzel des Fenchels, vermischt mit dem Weine getrunken, den keuchenden Husten.“. In den Versen des Walahfrid Strabo, Berater der karolingischen Könige und Abt von der Reichenau (gest. 849), sind alle Anwendungen versteckt, die dem Bitterfenchel von der Klostermedizin zugesprochen worden sind; die wichtigsten gelten auch heute noch. Dioskurides nennt in seiner ‚Materia medica’ aus dem 1. Jh. nach Chr. neben der Förderung der Muttermilch und der Menstruation, auch Nieren- und Blasenleiden. Er spricht von harntreibender Wirkung, der Heilung von Bissen durch tollwütige Hunde sowie vom Einsatz in Augenmitteln. Das erfolgreichste Kräuterbuch des Mittelalters, der ‚Macer floridus’ (11 Jh.) des Odo Magdunensis, wiederholt alle Anwendungen des Dioskurides, betont dabei ganz stark eine zu erwartende Verbesserung der Sehkraft und empfiehlt den Fenchel zudem bei Übelkeit und Magenproblemen.
Hildegard von Bingen schreibt in ihrem Kräuterbuch, dem ersten Buch der sogenannten ‚Physica’: „Wie auch immer er gegessen wird, macht er den Menschen fröhlich und vermittelt ihm angenehme Wärme und guten Schweiß und eine gute Verdauung.“ Die Verdauung steht dann bei ihr ganz im Vordergrund, außerdem gilt ihr Fenchel als ein Mittel zur allgemeinen Stärkung, während der Husten fehlt.

Das ‚Leipziger Kräuterbuch’ aus dem 15. Jh. bietet alle Anwendungen des Mittelalters und setzt hinzu, dass der Fenchel auch die Fruchtbarkeit verbessert. Bis heute konnte der Fenchel seinen Platz in der Kräuterheilkunde behaupten, auch wenn sich nicht alle Anwendungsgebiete gehalten haben. Der mittelalterliche lateinische Name „maratrum“ kommt übrigens von der griechischen Bezeichnung „marathos“. Die Schlacht von Marathon fand demnach auf einem Fenchelfeld statt.

Karl der Grosse verkündete im Jahr 812, Fenchel gehöre in jeden kaiserlichen Garten. Im Mittelalter galt Fenchel als Aphrodisiakum. Im 11. Jahrhundert verbrauchten größere Haushalte bis zu 4 Kilogramm Fenchelsamen im Monat. Fenchel und Fisch gehören seit vielen Jahrhunderten unbedingt zusammen. Sehr arme Leute aßen früher an Festtagen nur Fenchel, die Wohlhabenden dagegen Fisch und Fenchel. Es ist eine heute weltweit verbreitete Gemüse-, Gewürz- und Heilpflanze. Eine alte deutsche Bezeichnung für mehrere würzige Doldenblütler ist Köppernickel. Selbst in der altchinesischen Heilkunde wurde der Fenchel bereits sehr geschätzt.

Und der Aberglaube sagt voraus, daß derjenige, der am 24. Juni, dem Tag des Heiligen Johannes, Fenchelsträuße an Tür und Fenster aufhängt, das Eindringen böser Geister verhindert. Wer Neuvermählten Fenchelsamen auf den Weg streut, sorgt für ihr Glück; wer Fenchelsamen in die Schlüssellöcher spukender Häuser legt, treibt so die bösen Mächte aus, und wer schließlich Wein mit Fenchelsamen trinkt, bringt Schwung in sein Liebesleben. Traditionell bekamen Frauen nach der Entbindung Fenchel geschenkt um die Fliegen vom Baby abzuhalten und um mit einem daraus zubereiteten Tee die Milchproduktion anzuregen. Wahrsager sollen mit Fenchelsamen verzauberte Personen heilen.



Anbau

Standort: Vollsonnig.
Boden: Gut dränierter Lehmboden.
Vermehrung: Im Spätfrühling oder Frühsommer säen (versamt sich auch selbst). Im Herbst teilen.
Pflege: Auf 50 cm Abstand ausdünnen oder auseinander setzen. Samenköpfe, falls nicht benötigt, entfernen, um Blattwachstum zu fördern. Fenchel lässt sich nicht im Haus ziehen.
Ernte: Junge Stengel und Blätter nach Bedarf pflücken. Reifen Samen sammeln. "Knollen" im Herbst ausgraben.
Aufbewahrung: Blätter tiefgefrieren oder in Öl oder Essig einlegen. Samen trocknen.

Blüte: Kleine, aromatische, flache Büschel im Hochsommer.
Samen: Gekrümmt, gerippt, aromatisch, klein und grünbraun.
Blatt: Aromatisch, fein geschnitten, lindengrün, wird bis zum Herbst dunkelgrün
Stengel: Rund, liniiert, dunkelblaugrau, saftig, wenn jung, wird später hohl.
Gemüsefenchel: Als einjährige Pflanze anbauen, um den saftigen zwiebelähnlichen Wurzelstock zu ernten, der roh oder gekocht gegessen wird. Höhe 75 cm - 1 m.

Im Februar läßt sich der Fenchel vortreiben, nach den letzten Nachtfrösten kann er an einer nährstoffreichen, feuchten, tiefgründigen und kalkhaltigen Stelle ausgepflanzt werden. Im Herbst sollte der Fenchel eine Handbreit über dem Boden abgeschnitten werden und mit Reisig abgedeckt werden. Wie beim Anis müssen die Samenstände nacheinander geerntet werden. Fenchel verträgt sich nicht mit Tomaten, Busch- und Stangenbohnen, die stark in ihrem Wachstum gehemmt werden, wenn Fenchel in ihrer Nähe steht. Ebenso darf er nicht neben Dill gepflanzt werden, da die Pflanzen einander gegenseitig bestäuben, und nicht zu Koriander, da dieser die Samenproduktion des Fenchels hemmt. Ein guter Nachbar ist Fenchel dagegen für Salbei, Dill, Salat, Gurken, Erbsen Kohl und Zichorie.

Verwendung

Dekoration
Ganze Pflanze: Schön in Rabatten.

Küche
Samen: In Saucen, Fischgerichten und Brot; Keime für Wintersalate.
Blatt: Fein über Salat und gekochtes Gemüse schneiden. Zu Suppen, Füllungen, öligem Fisch.
Stengel: Junge Stengel an Salat geben.
Knollen: Gemüsefenchel: In Scheiben oder geraffelt an Salate und in Sandwiches. Als Wurzelgemüse kochen.
Fenchel findet darüber hinaus auch in einigen Spirituosen Verwendung. Häufig dient er dabei zur geschmacklichen Abrundung eines Getränkes, das als einen der Hauptbestandteile Anis (oder Sternanis) enthält, z. B. Absinth oder Pastis.
Fenchelknollen lassen sich sowohl als Rohkost wie auch gekocht oder gebraten verspeisen. Viel Vitamin A und doppelt soviel Vitamin C wie Orangen, dazu viel Calcium, Eisen und Phosphor machen das mit nur 24 Kilokalorien pro 100 Gramm schlanke Gemüse zu einem gesunden Genuss. Ein zusätzliches Plus für das Wellness-Food: auch der Gemüsefenchel enthält, wie die für den Tee verwendeten Fenchelsamen, bestimmte ätherische Öle, die magenberuhigend und entzündungshemmend wirken.
Wie schön, dass das würzige Gemüse fast das ganze Jahr über zu zivilen Preisen zu kaufen ist. In Deutschland reicht die Saison etwa von Juni bis Oktober, den Rest des Jahres kann man Fenchel aus italienischer, französischer und spanischer Ernte beziehen.
Frische Fenchelknollen sind hart und glänzen weiß, die äußeren Blätter sind vom dicken Blattstängel her grün geädert. Die zarten fiedrigen Blätter sollten leuchtend grün sein und nicht schlapp herunterhängen. In Folie gewickelt und so vor dem Austrocknen geschützt, hält er sich im Kühlschrank vier bis fünf Tage.

Kosmetik

Samen: Als Augenbad absieden oder als Kompresse gegen Entzündungen. Kauen verbessert den Atem.
Samen und Blatt: In Gesichtsdampfbädern und Vollbädern zur Tiefenreinigung.

Gesundheit

Samen: Als Tee aufgiessen zur Verdauungsförderung und gegen Verstopfung.
Milchbildend: Wie der Anis fördert der Fenchel die Milchbildung bei stillenden Müttern (und beugt somit beim Stillen des Säuglings gegen Blähungen vor). Außerdem wirkt Fenchel leicht menstruationsfördernd und lindernd bei Perioden-Krämpfen. Er kann in den Wechseljahren Linderung bringen. Bei einigen wirken die ätherischen Öle auch gegen Migräne.
Hustenwirksam: Gegen Husten bei Kindern eignet sich mit ätherischem Fenchelöl verdünnter Honig.

Nebenwirkung: In seltenen Fällen können bei einer Überempfindlichkeit gegen Fenchel bei der Einnahme allergische Reaktionen der Haut und der Atemwege auftreten. Auch Personen, bei denen eine Sellerie-Allergie bekannt ist, können auf Fenchel allergisch reagieren.
Reines Fenchelöl sollte nicht bei Säuglingen oder Kleinkindern verwendet werden, da akute Atemnot oder Erregungszustände hervorgerufen werden können. Die Anwendung von Präparaten mit niedrigem Gehalt an ätherischen Ölen wie Tee oder Fenchelhonig ist unbedenklich. Außerdem sollten Fenchelzubereitungen für Schwangere und Säuglinge nicht mehr als 5–7 g ätherische Öle enthalten.
Bei akuten Beschwerden, die trotz Behandlung länger als eine Woche dauern oder immer wiederkehren, sollte ein Arzt aufgesucht werden.

Achtung: Keine allzugrossen Dosen nehmen.


Blühender Fenchel


Fenchelknolle

Quelle: u.a. Das große Buch der Kräuter (AT Verlag)

Viel Freude beim Fenchelkochen und mit Fenchel würzen wünscht Euch

*samina*

~~~
Einen anderen zu heilen ist nicht schwer. Es genügt, ihn zu lieben, ihn zum wichtigsten Wesen der Welt zu machen, sich ihm ganz hinzugeben und sich selbst dabei zu vergessen. (Indianische Weisheit)

aettna Offline

Altrabe


Beiträge: 3.441

28.10.2008 12:15
#2 RE: Fenchel ~ Foeniculum vulgare (Umbelliferae) antworten


Liebe Samina,

vielen Dank für deine tollen Kräuterbeiträge, dem gibt es kaum noch was hinzuzufügen....außer einige
magische Beziehungen :

Planet : Sonne

Element : Luft

Schwingung : heiß / niedrieg

Geweiht : Cerridwen, Hera

Kraft : mentale Energie, psychische Energie
für den magischen Durchblick Blätter auf die Augen legen
als aufgeladener Tee klärt Fenschel den Kopf und stärkt das Erinnerungsvermögen

Runen :


Gruß aettna





*Je mehr ich entdecke, desto mehr wundere ich mich.Je mehr ich mich wundere, desto mehr verbeuge ich mich.Je mehr ich mich verbeuge, desto mehr entdecke ich.*

Samina Offline

Altrabe

Beiträge: 1.893

30.10.2008 23:08
#3 RE: Fenchel ~ Foeniculum vulgare (Umbelliferae) antworten

Liebe aettna,

In Antwort auf:
magische Beziehungen

woher hast Du diesen interessanten Beitrag? Ich habe mir die Finger wund gewühlt, aber darüber nichts gefunden. Gibt es zu Kräuter ein spezielles Büchlein mit diesen Zuordnungen?

Liebe Grüße
*samina*

~~~
Einen anderen zu heilen ist nicht schwer. Es genügt, ihn zu lieben, ihn zum wichtigsten Wesen der Welt zu machen, sich ihm ganz hinzugeben und sich selbst dabei zu vergessen. (Indianische Weisheit)

aettna Offline

Altrabe


Beiträge: 3.441

31.10.2008 15:29
#4 RE: Fenchel ~ Foeniculum vulgare (Umbelliferae) antworten




Hi Samina,

es gibt schon etliche Bücher über magische Zuordnungen.
Unter anderem mein Favorit:
Magister Botanicus "Magisches Keutherkompendium" ISBN 3-931939-006 <2980>

Viel Spaß damit....

Grüßlis...aettna





*Je mehr ich entdecke, desto mehr wundere ich mich.Je mehr ich mich wundere, desto mehr verbeuge ich mich.Je mehr ich mich verbeuge, desto mehr entdecke ich.*

Samina Offline

Altrabe

Beiträge: 1.893

01.11.2008 22:17
#5 RE: Fenchel ~ Foeniculum vulgare (Umbelliferae) antworten

Liebe aettna,

super. Danke für den Tipp. Ich schreibe mir das jetzt erstmal auf meine ellenlange Liste von Büchern, die ich mal erwerben möchte^^. Zur Zeit habe ich gerade fünf neue, die von mir gelesen werden möchten . Aber ich denke, ich habe noch ein wenig Zeit. So kannst Du das ja dann 'erstmal' ergänzen, wenn es mich mal wieder überkommt, über ein Kräuterlein zu schreiben .

Liebe Grüße
*samina*

~~~
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