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Dieses Thema hat 47 Antworten
und wurde 2.504 mal aufgerufen
 Märchen, Sagen und Legenden
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Die Druidin Offline

Altrabe


Beiträge: 1.547

20.11.2008 17:24
Runenranken antworten

Ich würde hier gern eine kleine Geschichte rein schreiben in mehreren Folgen,
die direkt und inderekt mit den Runen zutun hat.Sollte sie hier nicht richtig
sein weil in einem anderen Teil schon selbstgeschriebene Geschichten und
Gedichte stehen, bitte ich, sie zu versetzen.


Runenranken

Sie saß im Gras und schaute in den Himmel. Ihre Stirn legte sich in Falten. Die Wolken hingen tief und grau zum Anfassen nahe.
Die etwa 30 Ziegen, die sie mit ihren zwei Schwestern zusammen hütete, grasten, dem Wetter zum Trotz, gemütlich in der nahen Umgebung.
Candaree hatte die Verantwortung für die Ziegen genau so wie für ihre Schwestern. Keines durfte fehlen am Abend.
Es roch nach Schnee und sie zog die Schultern hoch in ihrem dicken Mantel weil die Nässe langsam in ihr hoch kroch.
Mit zittrigen Fingern entzündete sie ein kleines Feuer in dem Steinkreis der schon ewig dort lag. Sie stellte eine alte Kanne mit Wasser darauf als sie, wie ein Echo, die Stimme ihrer jüngsten Schwester von weit her hörte, die ihren Namen rief.
Sehr weit unten im Tal sah sie Velitera langsam aufsteigen.
Sie ging ihr entgegen und grüßte sie herzlich. „Hallo Schwesterlein, hast du den Teeduft gerochen?“ „Ach leider nein, Vater verlangt nach dir. Du sollst nach dem Hüten zu ihm kommen.“
Candaree nickte und wurde etwas blasser. Sie wusste genau, worum es ging.

In ihrer Familie war es üblich, dass die Mädchen, die ca. 14-15 Jahre alt waren, verheiratet wurden mit Söhnen von Familien, mit denen man Geschäfte machte oder machen wollte.
Sie war nun schon die 4 Tochter von Sieben, die mit einem Sohn in der Nachbarschaft verkuppelt wurde.
Er hieß Jabel und war einfach nur reich und langweilig. Selbst erst 13 Jahre jung hatte er nur Interesse für Pferde und Kämpfe. Mädchen waren ihm ein Gräuel, die ärgerte er gerne.

Als sie abends vor der Tür des Arbeitszimmers stand, atmete sie noch einmal tief durch und klopfte zaghaft an.
„Herein, mach die Tür zu und setz dich.“ Sagte ihr Vater knapp und räumte aufgerollte Papiere weg als wäre sie gar nicht anwesend.
Zögerlich trat sie ein und schloss die Tür, setzte sich mit halber Pobacke auf den Rand des Sessels, der vor dem riesigen Schreibtisch stand und wartete mit gesengtem Blick dass ihr Vater ihr sagte, was er wollte.
„Ich habe heute mit Meister Schmied gesprochen, im März nächsten Jahres wirst du Jabel heiraten. Ich brauche die Fähigkeiten seines Vaters für ein neues Geschäft. Du bist der Garant dafür, dass er nicht nein sagen kann. Ich will dass du dich bis dahin viel mit Jabel beschäftigst damit er dich kennen und lieben lernt.“
Erschrocken sah sie hoch: „Aber- ich hasse ihn, er ist strohdumm und nervt mich jedes Mal wenn er mich sieht.“
„Dass er dumm ist, kommt mir gerade Recht. Schließlich sollst du die Ehezügel in der Hand halten. Nicht umsonst habe ich dich Schreiben und Rechnen gelehrt. Wage nicht, ihn zu verärgern, ich brauche seinen Vater!“
Damit stand er auf und die Unterredung war beendet.
Mit gesenktem Kopf verließ sie das Büro und ging nach draußen. Nun musste sie erstmal tief Luft holen denn eigentlich wusste sie ganz genau was auf sie zukam. Ihre drei älteren Schwestern, hatten ihr genug darüber erzählt wie es in ihren Ehen zuging.
Die Schwestern hatten alle eine schreckliche Ehe, wie sie fand, Liebe war nicht im Spiel- aber reich waren sie geworden durch die Hilfe ihres Vaters, der immer neue Geschäftsideen in die Tat umsetzte. Sie waren fast so reich wie ihre Familie. Viele neue Kleider, viele Feste und noch mehr angebliche Freundinnen nannten ihre Schwestern ihr Eigen.


Candaree hatte einen dicken Kloß im Hals und unbemerkt lief ihr eine Träne über die Wange.
„Candaree, was machst du hier draußen? Willst du dich erkälten? Ich warte schon in der Küche auf dich. Komm schon, die Arbeit macht sich nicht von allein.“
„Ja Ma, ich komme.“ Kam zittrig ihre Stimme.
„Na Mädel, so schlimm ist eine Ehe nun auch wieder nicht. Sieh dir deine Schwestern an. Alle haben es gut getroffen. Sie haben alles. Na ja, fast alles. Die Männer muss man leider mit in Kauf nehmen. Euer Vater sorgt auf diese Weise sehr gut für euch, also greine nicht rum sondern sei dankbar.“
Mutter Ma ging zurück in die Küche und erwartete dass Candaree ihr folgen würde denn unterwegs sprach sie weiter.
„ Mach bitte das Abendessen heute für eine Person mehr denn wir bekommen Besuch vom Sohn des Meisters der Weber, von Jowander. Wir müssen schließlich schon für die Nächste vorsorgen. Zieh dich dann um und mach ein anderes Gesicht. Du erschreckst damit ja Sibell.“
Candaree ging an ihre Arbeit.
In gedrückter Stimmung bereitete sie die Speisen zu, zog sich ein anderes Kleid an und bediente den Gast als erstes.
Seine Hand berührte ihren Po und kniff sie.
Ohne mit der Wimper zu zucken, ließ sie eine heiße Kartoffel fallen und traf damit auf seinen Oberschenkel.
„Verdammt, sind eure Töchter alle so ungeschickt?“ schrie er und sprang auf.
„Entschuldige dich sofort bei Jowander.“ knurrte ihr Vater und hatte einen hochroten Kopf.
„Bitte entschuldige.“ Sagte sie mit einem ganz feinen Lächeln in den Augen und verschwand in Richtung Küche.
Sie war noch gar nicht ganz in der Küche angekommen, stand ihre Mutter hinter ihr.
„Candaree!?“ rief sie, Candaree drehte sich um und fühlte sofort wie ihre Wange heiß und rot wurde von dem Schlag ihrer Mutter.
„Das ist für deine Frechheit, und wenn du dich heute noch einmal daneben benimmst, schlage ich dich windelweich.“ Sie drehte sich um und ließ Candaree verblüfft zurück. Hatte Ma denn nicht gesehen, wie er sie angetatscht hatte? Oder war ihr das egal?
Wut löste so langsam ihre ängstliche Anspannung.
Sie würde sich nicht alles gefallen lassen. So ein Schwein. Ob ihre Schwester bescheid wusste? Waren die Männer der anderen Schwestern auch so? Bestimmt.
Wie konnten sie damit leben?
DAS war keine Ehe für sie. Jabel erschien ihr in dem gleichen Licht und sie schüttelte unbewusst den Kopf.
Sie versuchte so oft wie möglich in der Küche zu bleiben doch die Speisen mussten serviert werden und die alte Marga, die ihnen in der Küche half, war das nicht mehr zuzutrauen. Jowander bemerkte ihre rote Wange denn auch sofort und grinste übers ganze Gesicht.
Der Abend verging mit Jowanders dummen Witzen und dem ständigen Gekicher ihrer Schwester. Nun, es schien so als würde Sibell gerne in diese Ehe hineinschlittern.
Sie hatte andere Vorstellungen von ihrer Ehe.

Der Winter kam, die Tiere blieben im Stall und Candaree musste viel mehr im Haushalt tun. Jabel kam nun fast jeden Tag und verbrachte seine Zeit damit, sie zu kneifen, in den Haaren zu ziehen und sie bei jeder Gelegenheit zu provozieren.
Gerne hätte sie ihn so manches Mal geohrfeigt.
Der März rückte immer näher und ihr Widerwille wurde immer stärker. Eine Woche vor der Bekanntgabe der Hochzeit ritt sie mit ihm aus und er zwang sie wieder einmal zu einem waghalsigen, schnellen Wettreiten.
Sie konnte sich gut im Sattel halten und ritt auf seiner Höhe.
Als er merkte, dass sie ihm gewachsen war, streckte er blitzschnell die Hand aus und stieß sie vom Pferd.
Sie flog im hohen Bogen in ein Moosfeld.
Ein paar Zweige bohrten sich in ihre Haut, ansonsten war ihr nicht viel passiert. Weit vorne hörte sie ihn lachen.
Humpelnder Weise fing sie ihr Pferd ein und ritt zurück nach Hause.
Es brodelte in ihr.
Zuhause angekommen stürmte sie in ihr Zimmer und schmiss die Reitsachen auf die Erde.
„Warum kommst du ohne Jabel zurück, willst du deine Heirat gefährden?“
Ihre Mutter stand in der Tür und beobachtete mit wütendem Blick, was Candaree da trieb.
„Nein, ich muss mich nur umziehen. Ich bin vom Pferd gefallen.“ Sagte sie leise.
„Ich hoffe, dein Kleid hat nicht gelitten. Das kostet alles Geld.“ Ma blickte vorwurfsvoll.
„ Mein Kleid ist nur schmutzig geworden, ich wasche es selbst nachher aus.“
Sie wusch die Schrammen, die die Zweige angerichtet hatten vorsichtig aus und kleidete sich wieder an.
An diesem Tag kam Jabel nicht wieder.
Nachmittags hütete sie wieder mit den Schwestern die Ziegen und brachte die Milch in die heimische Küche. Verarbeitete sie zu Butter und Käse und brachte die restliche Molke in den tieferen Keller, den ihr Großvater vor 50 Jahren angelegt hatte.
Er war 15 Meter tief und nur über eine Leiter zu betreten. Dort war es so kalt dass immer Raureif auf dem Boden war, selbst im Sommer.

Der Abend kam und Candaree wurde immer stiller. Gedankenschwer machte sie ihre Arbeit und ging dann in ihr Zimmer. Niemand achtete auf sie.
Etwa eine Stunde las sie in einem Buch mit der Beschreibung Städte und Menschen in den Bergen. Ein kleines Volk dass berühmt war für ihr Kunsthandwerk.

Als alles still war im Haus, und ihr Vater seine Kontrollrunde durchs Haus beendet hatte, stand sie leise auf, zog sich ihre warme Unterwäsche, Hütekleidung und dicke Stiefel an, schnürte ein Bündel mit Brot, Wurst und etwas Geld, zog unten leise die Haustür hinter sich zu und schlich sich hinters Haus über die Wiesen in Richtung der kalten Berge. Über den breiten Weg Richtung Süden wollte sie nicht gehen, da hätte man sie zu lange verfolgt.
Bis auf den zunehmenden Mond und den Sternen war es recht dunkel.
Erst lief sie so rasch sie konnte um möglichst viel Weg hinter sich zu bringen doch bald ging ihr der Atem aus und sie musste die Geschwindigkeit drosseln. Nach drei Stunden Marsch kam sie bis an den Rand der schwarzen Wälder.
Erschöpft blieb sie stehen.
Man erzählte sich so viele Schauergeschichten über die Bewohner des Waldes. Sie sollen in den Bäumen wohnen und die Reisenden überfallen und verspeisen.
Was auch immer daran wahr war, sie musste da durch damit sie nicht mehr verfolgt würde.
Sie lauschte auf die Geräusche des Waldes und versuchte diese einzuordnen welches Tier wohl welche Töne von sich gab.
Ganz langsam ging sie auf die ersten Bäume zu. Versuchte das Dunkel mit den Augen zu durchdringen.
Sie hatte Angst aber sie hatte keine Wahl, wollte sie nicht enden wie ihre Schwestern.
Schritt für Schritt ging sie an Bäumen vorbei. An Bäumen, die im Dunkel der Nacht zu bizarren Figuren mutierten. Aus allen Richtungen kamen die Geräusche, die ihrer Phantasie die gruseligsten Möglichkeiten vorgaukelten.
Ein Flüstern lag in der Luft, oder war das nur der Wind? Raschelte da nicht was ganz in ihrer Nähe? Nun hörte sie doch wirklich Fußgetrappel- oder?

Fortsetzung folgt!
Liebe Grüße die Druidin

Magie ist unsere Natur, wer sie verweigert, verweigert das Leben.

Nachtfalke Offline

Altrabe


Beiträge: 1.168

20.11.2008 17:38
#2 RE: Runenranken antworten

Super Geschichte, ich freu mich auf eine Fortsetzung :)

Gruß
Nachtfalke

Frei fliege ich in der Dämmerung, der Nacht entgegen...

Samina Offline

Altrabe

Beiträge: 1.893

20.11.2008 19:45
#3 RE: Runenranken antworten

Liebe Druidin,

super! ~ ich freue mich auf die Fortsetzung.

Liebe Grüße
*samina*

~~~
Einen anderen zu heilen ist nicht schwer. Es genügt, ihn zu lieben, ihn zum wichtigsten Wesen der Welt zu machen, sich ihm ganz hinzugeben und sich selbst dabei zu vergessen. (Indianische Weisheit)

Die Druidin Offline

Altrabe


Beiträge: 1.547

20.11.2008 21:31
#4 RE: Runenranken antworten

Hallo ihr Lieben, hier nun eine kleine Fortsetzung-

Immer eiliger wurde ihr Gang.
Sie stieß im Dunkel gegen Baumstämme, fiel über tote Äste, ratschte sich die Haut auf an spitzen Zweigen, nur schnell wieder raus hier.
Sie lief als ginge es um ihr Leben.
Ihr Atem ging stoßweise und ihre Füße wurden immer schwerer, wie Blei.
Irgendwann fiel sie auf ihre Knie weil ihre Beine nachgaben. Weinend ließ sie sich ganz fallen und war so erschöpft dass sie einer Ohnmacht nahe war.
Wie von weit her hörte sie, das irgendwer leise flüsterte, irgendetwas zu jemand anderen sagte.
Sie spürte, wie sie hochgehoben und fort getragen wurde, ohne sich wehren zu können, dann wurde es schwarz um sie herum.
Die Erschöpfung forderte ihren Preis.

Es dämmerte schon als sie zu sich kam. Ängstlich setzte sie sich auf und sah gleichzeitig in ein leuchtendes Augenpaar dass sie ansah wie ein Weltwunder.
Lange schwarze Haare überall und eine kleine Stupsnase gehörten zu diesem Augepaar.
Mit den kleinen brauen Händen machte dieses Wesen eine beruhigende Geste und zeigte dann auf ein Holzschüsselchen in der eine unbekannte Speise lag. Etwas ähnliches, wie Brot und Käse.
Ein weiteres Wesen trat in ihr Blickfeld. Er sprach sie an und seine Worte kamen mit einem dicken rollenden R und einem scharfen S heraus.
„Wer bisst du? Warum kommst du hier her?“
„ Ich heiße Candaree. Ich muss in die Berge. Und- es gibt keinen anderen Weg als diesen.“
„Candaree, du bisst, seit du in unserem Wald läufst, im Kreis gerannt. Allein würdest du hier nicht raus finden.“
„Wie weit ist es denn bis zum Ende eures Landes?“
„Bis zum Ende brauchst du acht Tage und acht Nächte.“ Erschrocken meinte sie:
„Was kann ich tun um dort hin zu gelangen?“
„Wir könnten dir helfen.“
Ein Lächeln umspielte seinen Mund und seine Augen, die als Einziges zu sehen waren in dem Wust von Haaren im Gesicht.
„Unsere Krieger kennen den Weg bis zum Waldesrand genau.
Aber- was könntest du uns dafür geben?“
Sie sah an sich herunter und erblickte einen kleinen Ring an ihrem Finger.
„Wäre das etwas, was ihr haben möchtet?“
Der Ring war aus Gold und hatte einen kleinen Rubin in der Mitte stecken.
Norro, der als Kaufmann in seinem Land einen guten Ruf hatte, ergriff ihre Hand und betrachtete den Ring genauer. Ein Schauer der Fremdheit durchlief sie. Kühle, langfingrige, dunkle Hände, die eher ledern wirkten, umschlossen ihre Hand.
„Nun, wenn du nichts anderes hast, muss es reichen.“
Er stellte sich hin und drehte sich nach hinten zum Eingang dieser… Höhle- oder des Lagers um und im selben Augenblick erschien ein weiteres Wesen. Wesentlich kompakter in seiner Figur und anders gekleidet. Aber der gleiche dunkle Haarwuchs überall. „Ich habe dir Kirrick gerufen. Er ist unser bester Beobachter an den Grenzposten.“
„Wann hast du ihn gerufen?“ „Na während unseres Gesprächs natürlich.“ Kicherte Norro und bläckte die spitzen Zähne beim Lachen. „ Ich gebe dir auch die Morla mit, die kennst du schon.“ Und er zeigte auf das behaarte Wesen dass sie beim Aufwachen erblickte.
„Sie kennt die Gefahren des Waldes wie ihre Kräuterküche, ganz genau.“
Candaree stellte sich aufrecht, noch etwas wackeligen Beinen, und ging Richtung Ausgang.
Norro konnte sie gerade noch an ihrer Jacke festhalten, sonst wäre sie gestürzt. Mindestens Zwanzig Meter in die Tiefe.
Entsetzt sah sie vorsichtig nach unten.
„Wo um Himmelswillen bin ich?“ „Na, bei uns, den Waldmenschen, wie ihr uns nennt.“
„Wie, bitteschön kommt ihr hier rauf und runter?“
Norro lachte aus vollem Halse und wollte sich ausschütten.
„Wir denken uns nach unten oder oben. Ich weiß, das könnt ihr nicht, ihr habt es sehr mühsam auf dem Boden. Eure Gedankenwelt ist so… durcheinander. Wir leben nur in den … Bäumen.
Selten dass wir runter müssen, so wie durch dich. Es ist viel zu gefährlich da unten.“
Sie sah noch mal runter und Angst beschlich sie, dass sie hier festsitzen würde.
Nirgends war eine Leiter zu sehen.
„Natürlich helfen wir dir hier runter, wir haben dich ja auch rauf geschafft.“
Norro gluckste noch immer vor Lachen.
Morla tippte ihr grinsend auf die Schulter, stellte sich an den Rand der Höhle und ließ sich leicht nach hinten kippen so dass sie den Halt des Baumes unter ihren Füßen frei gab.
Nur langsam senkte sich ihr Körper eine „Etage“ tiefer. In Morlas Höhle.
„Schlaf dich erstmal aus, bevor du die Reise antrittst, denn sie ist gefährlich. In unserem Wald sind vielen Lebewesen, die nicht so friedlich sind wie wir. Ganz zu schweigen von den Wesen in den umliegenden Ländern.“ Norro reichte ihr einen Becher mit warmer Flüssigkeit und lächelte. „Trink das, es schmeckt leicht süßlich und lässt dich bis zum Tagesanbruch noch etwas schlafen. Vor allem fühlst du dich dann wirklich ausgeruht. Morla kennt sich mit solchen Sachen gut aus.“
Sie trank den Tee in einem Zug aus und legte sich, dankbar, dem Körper noch etwas Ruhe gönnen zu dürfen, wieder hin.
Der Schlaf kam fast sofort.
Die Träume spiegelten ihre Verwirrung wieder, die sie bei all dem Neuen empfand. Ihre Schwestern flogen an ihr vorbei und hatten alle an der gleichen Stelle ein Loch oder Riss im Kleid, nämlich dort, wo ihr Herz lag.
Das Gesicht ihres Vaters erschien ihr unten bei den Baumstämmen und knurrte nach oben. Jabel verschwand im Nebel mit einem Wackelkopf und schimpfte vor sich hin.

Eine Hand legte sich auf ihre Schulter und rüttelte sie sachte. Morla kniete vor ihrem Lager und legte ihr den Finger auf den Mund. Sie zeigte nach draußen und legte nun sich den Finger auf den Mund.
Candaree stieg leise aus dem Bett und lugt vorsichtig nach unten.
Fortsetzung folgt.

Magie ist unsere Natur, wer sie verweigert, verweigert das Leben.

Die Druidin Offline

Altrabe


Beiträge: 1.547

20.11.2008 23:54
#5 RE: Runenranken antworten

Hier nun eine weitere Fortsetzung.


Ein riesiges, fast nur aus Kopf und Maul bestehendes Tier stand, auf seinen Hinterpfoten, am Baumstamm und versuchte den Stamm zu bewegen um ihn zu rütteln.
Dieser “Bär-Wolf“ machte den Eindruck, als würde er jeden Augenblick den Stamm hinauf klettern wollen um an die leckeren „Tiere“ zu kommen die er so gerne fraß.
Morla gehörte zum Folk der Neffles, sie hatten sich zum größten Teil auf die mentalen Fähigkeiten ihres Geistes spezialisiert.
„Kann er uns riechen?“ Flüsterte Candaree ängstlich.
Morla nickte und zog sie wieder in den Raum hinein.
Der Bär-wolf wusste also ganz genau, wo die Neffles steckten.
So überraschend wie er aufgetaucht war, verschwand er mit eingezogenem Schwanz wieder, leise fiepend, als hätte er sich verletzt.
Gleichzeitig sah sie auf den gegenüberliegenden Bäumen 5-6 Neffles die ganz still standen auf einem kleinen Podest vor ihren Eingängen. Sie hatten ihn also in die Flucht geschlagen. Mit ihren Gedanken?
„Was war denn das?“ fragte Candaree mit erschrocken schauenden Augen.
Morla zeigt mit ihrem Zeigefinger auf ihre Stirn und legte gleichzeitig den anderen Zeigefinger auf ihren Mund. Sie sollte schweigen und empfangen.
Candaree war verblüfft, wie klar und still es auf einmal in ihrem Kopf zuging. Sie sah das Tier vor sich und „empfand“ den Namen Rauruf.
Also Rauruf hießen diese Biester.
Morla nickte. Und schon war sie wieder raus aus Candarees Kopf.
Kirrik erschien im Eingang und deutete mit den Händen, dass es Zeit war für den Aufbruch und dass sie sich zum Reisen fertig machen sollte. Morla reichte ihr eine Schale mit leckeren Nüssen, Samen und Gebackenem.
Der Tee, den sie diesmal bekam, war sehr erfrischend und sie fühlte sich fitt für den Tag.
Eine Stunde später wurde sie von Kirrik und Norro hinunter gebracht. Viele Neffles schauten aus ihren Eingängen und beobachteten sie misstrauisch dabei.
Ganz geheuer war ihr diese Art der Fortbewegung nicht. Skeptisch sah sie über den Podest des Eingangs und machte die Augen zu als es losging. Auf dem Boden angekommen bewegte sie erstmal ihre Beine, um wieder ein sicheres Gefühl für den Waldboden zu bekommen.
Tief atmete sie die Waldluft ein und folgte Kirrik und Morla.
Der Vormittag war ereignislos und sie kamen gut vorwärts. Das Mittagsmahl nahmen sie auf einer kleinen Lichtung ein und gingen zügig weiter.
An einem kleinen Bach füllte Candaree ihre Flasche und weiter ging es.
Die Sonne stand schon tief im Westen als Kirrik stehen blieb, sich zur linken Seite drehte und anfing nach Rechts zu laufen.
Candaree konnte ihm kaum folgen.
Morla lief direkt vor ihr und zog sie mit sich damit sie noch schneller liefe.
Als Candaree dann doch stürzte, griffen beide Neffles ihr unter die Arme und entschwanden in die höchsten Äste des Baumes vor sich.
Panisch klammerte sie sich an einen schwankenden Ast, auf den Kirrik sie rittlings gesetzt hatte, und hatte Mühe, bei dem Gewippe des Astes nicht runter zu fallen.
Drei Menschen gingen unten an ihnen vorbei. Sie waren in Leder gekleidet und jeder hatten einen schweren Bogen und Pfeile im Köcher bei sich. Sie waren auf der Jagt, das war ganz offensichtlich.
Candaree blieb regungslos auf ihrem Ast. Waren sie ihretwegen hier? Hatte ihr Vater sie geschickt? Ganz vorsichtig versuchte sie Blickkontakt mit Morla oder Kirrik zu bekommen ohne ihren Körper verlagern zu müssen. Beide waren nicht zu sehen.
Die Blätter des Baumes waren so dicht, dass dieser menschliche „Brocken“ da oben nicht sonderlich auffiel.
Die Jäger hatten ihr Augenmerk eher auf den Boden gesetzt.
Candaree spürte die Ruhe in ihrem Kopf und wusste, das war Morla. Das Bild, wie diese Jäger Neffles jagten, zeigte sich ihr, mit einem traurigen Unterton. Die Jäger hatten zwei Neffles gefangen und brachten sie in die Stadt. Dort wurden sie auf dem Marktplatz ausgestellt und die Jäger sammelten Geld für diese Kuriosität.
Sie sah, wie die Neffles an Hunger und Durst starben.
Eine dicke Träne kullerte aus ihren Augen und fiel einen langen Weg zu Boden.
So saß sie denn, etwa eine halbe Stunde auf dem recht dünnen Ast und bewegte sich keinen Zentimeter bevor sie wieder runter geholt wurde.
Ziemlich verkrampft in den Arm.- und Beinmuskeln ging sie schleppend hinter den beiden, sehr nachdenklich her.
So war das also, die Menschen waren diejenigen, die sie wie seltene Tiere behandelten und nicht umgekehrt, dass die Menschen Angst haben mussten vor den Neffles.
Alles Lüge? War überhaupt etwas von dem, was sie gelernt hatte, war? Sie schämte sich, ein Mensch zu sein.

Gute Nacht für heute.Die Druidin

Magie ist unsere Natur, wer sie verweigert, verweigert das Leben.

Hark Oluf Offline

Rabe


Beiträge: 316

21.11.2008 06:45
#6 RE: Runenranken antworten

Moin Druidin

Ich liebe solche Geschichten!
Also meinetwegen kannst du gerne noch viele weitere solch wirklich schöne Geschichten ins Forum setzen.

Liebe Grüße Hark

Samina Offline

Altrabe

Beiträge: 1.893

21.11.2008 09:14
#7 RE: Runenranken antworten

Liebe Druidin,

boah, das ist eine wirklich tolle Geschichte ~ weiterlesen will *bettel* ...
samina*

~~~
Einen anderen zu heilen ist nicht schwer. Es genügt, ihn zu lieben, ihn zum wichtigsten Wesen der Welt zu machen, sich ihm ganz hinzugeben und sich selbst dabei zu vergessen. (Indianische Weisheit)

Nachtfalke Offline

Altrabe


Beiträge: 1.168

21.11.2008 09:26
#8 RE: Runenranken antworten

Ich will auch mehr lesen! ^^

Gruß
Nachtfalke

Frei fliege ich in der Dämmerung, der Nacht entgegen...

Gelöschtes Mitglied
Beiträge:

21.11.2008 21:18
#9 RE: Runenranken antworten

Heh Druidin
Lass die Wissbegierigen jetzt nicht im Stich,was is jetzt,nun muss es aber weitergehen.Schöne Geschichte das.
Danke
Sachse

Die Druidin Offline

Altrabe


Beiträge: 1.547

21.11.2008 23:56
#10 RE: Runenranken antworten

keine Sorge, weiter gehts:

Während Kirrik immer etwas voraus ging um zu erkunden ob der Weg frei war, lief Morla mit den Augen nach unten gerichtet, durch die Gegend. Sammelte Beeren und Samen und Kräuter.
Es wurde schummrig und der Wald wollte kein Ende nehmen. Die Bäume begannen für Candaree wieder so merkwürdige Gestalt anzunehmen.
Kirrik winkte beide durch ein Gebüsch, auf eine sehr kleine Lichtung.
Auf der gegenüberliegenden Seite Stand eine mächtige Buche. Ihre Äste und Blätter reichten bis auf den Boden so dass man unter den Zweigen wie in einer Höhle stand.
Nach oben hin konnten sie die Baumkrone kaum sehen.
Hier werden wir übernachten, machte ihr Kirrik mit Handzeichen klar.
Candaree sah nach oben und schüttelte energisch den Kopf.
„Ich kann nicht so hoch oben sein. Dort gibt es keine Plattform auf die ich mich legen könnte in der Nacht. Ich würde im Schlaf runter fallen.“ Sagte sie ängstlich.
Morla sah sie an und nahm ihre Hand. >Du wirst dort wunderbar und sicher schlafen weil wir dir eine Art Hängebett machen.<
Candaree hielt die warme Hand Morlas fest und war ganz versunken in ihre dunklen Augen.
Erst als sie ein leises Kichern von Morla wahrnahm, bemerkte sie, dass sie längst oben in der Gabelung dreier dicker Äste stand und es eigentlich doch Bewegung zuließ. Morla hatte sie einfach, während sie mit ihr „sprach“, nach oben gebracht.
Sie aßen seltsame, aber leckere Früchte und tranken Tee. Morla legte eine Art dünnes Unterbett aus, dass sie in ihrem Rucksack zu einer kleinen Rolle gewickelt, mit sich führte.
Alle drei hatten sie Platz, sich in diese Gabelung zu legen.
Candaree schlief wie ein Murmeltier in der Mitte und beide Neffles lagen am Rand rechts und links.

Candaree erwachte in der Nacht darüber, dass jemand sich an ihren Füßen zu schaffen machte. Der jenige hob und senkte ihre Füße im Rhythmus ganz leicht und sie hatte das Empfinden, dass sie ihre Füße nicht mehr selbst bewegen konnte.
Ein leises Zirpen, wie von Grillen begleitete diese merkwürdige Handlung.
War das Morla, die sie leise wecken wollte?
Oder Kirrik, der ihr Gefahr andeutete?
Sie holte tief Luft um zu schreien und im selben Augenblick hörte sie ein Zischen, dass an ihrem Oberkörper vorbei flog. >Bleib liegen< schrie etwas in ihrem Kopf.
Ein Schlag folgte, als bekäme jemand einen Schlag auf die Brust und ein Schrei als wäre jemand wütend das er oder sie das Werk nicht zum Ende bringen konnte sondern sterben musste.
Jetzt trat Candaree mit aller Kraft, mit beiden Beinen zu. Es gab ein lautes "Plonk", als hätte derjenige eine Art Panzer an. Das Wesen, dass sich bis gerade eben an Candarees Füßen festgehalten hatte, fiel hinten über und verschwand über den Rand des dicken Geästs.
Der Aufprall des Körpers weckte nun endlich auch so manchen anderen Bewohner des Waldes und eine Art Kreischkonzert hob an.
Kirrik hob ihre Füße hoch und schnitt mit seinem Messer die Fäden auf, die das Wesen um sie herum gewickelt hatte.
„Igitt, ist das widerlich.“ Schrie Candaree um sich bei der Lautstärke überhaupt verständlich zu machen.

Keine Sorge ich komm wieder!!
Bis bald Die Druidin

Magie ist unsere Natur, wer sie verweigert, verweigert das Leben.

Samina Offline

Altrabe

Beiträge: 1.893

22.11.2008 00:02
#11 RE: Runenranken antworten

Liebe Druidin,

dieses Buch kaufen will *gg*. Das hast Du super geschrieben .

Freue mich schon auf die Fortsetzung.

Liebevolle Grüße
*samina*

~~~
Einen anderen zu heilen ist nicht schwer. Es genügt, ihn zu lieben, ihn zum wichtigsten Wesen der Welt zu machen, sich ihm ganz hinzugeben und sich selbst dabei zu vergessen. (Indianische Weisheit)

Radegunde Offline

Altrabe


Beiträge: 957

23.11.2008 22:05
#12 RE: Runenranken antworten

Liebe Druidin,

In Antwort auf:
dieses Buch kaufen will


Ich auch!!!!
Das ist nicht nett, genau dann aufzuhören, wenn die Spannung am höchsten ist!

Bitte, bitte weitererzählen!

Liebe Grüsse

Radegunde

Krächz

Gelöschtes Mitglied
Beiträge:

24.11.2008 00:42
#13 RE: Runenranken antworten

Haaaaalo
Gehts noch?Nich aufhören jetzt.
Sachse

Nachtfalke Offline

Altrabe


Beiträge: 1.168

24.11.2008 11:33
#14 RE: Runenranken antworten

Menno - weiter, weiter, weiter!

Gruß
Nachtfalke

Frei fliege ich in der Dämmerung, der Nacht entgegen...

Die Druidin Offline

Altrabe


Beiträge: 1.547

24.11.2008 12:08
#15 RE: Runenranken antworten

Vielen Dank ihr Lieben, ich schreibe heute Abend weiter.
LG Die Druidin

Magie ist unsere Natur, wer sie verweigert, verweigert das Leben.

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