Als ich heute Nachmittag bei Weltuntergangsstimmung unterwegs war...
...und die übrig gelassenen Trauben auf den Weinreben sah, da musst ich an denken. Es ist ja ein alter Brauch, bei der Ernte als Dank an die Götter ein wenig übrigzulassen.
Gebo- Eine Rune die wir oft positiv sehen und auch erleben. Aber nicht immer. Womöglich ist gerade jetzt die Zeit dafür, sich auch mit der dunklen Seite dieser Rune auseinanderzusetzen. In der Natur wächst um diese Jahreszeit nichts. Wir sind auf das angewiesen was wir in der hellen Jahreszeit an Gaben bekommen haben. Angewiesen auf die Natur sein- Das ist etwas was wir heutzutage, wo wir scheinbar jederzeit und überall Nahrung kaufen können, leicht vergessen. Aber was hilft es alles kaufen zu können, wenn man kein Geld dafür hat? Man ist dann angewiesen auf die Gaben von anderen. Und dieses "angewiesen sein" ist ebenfalls einer der dunkleren Aspekte von Gebo. Damit verbunden auch das "an-nehmen lernen" Aber was ist mit dem Geben? Mit dem "geben müssen"? Ich meine, um zu leben müssen wir unaufhörlich irgend etwas geben. Wir geben unsere Arbeitskraft im Tausch gegen Geld oder anderes. Wir schenken jemanden unsere Aufmerksamkeit, weil wir mit diesem jemand befreundet sind- Oder weil wir uns aus unterschiedlichen Gründen dazu verpflichtet fühlen. Wieviel geben wir weil wir wollen, und wieviel weil wir müssen, und wieviel weil wir glauben zu müssen? Und nicht nur wieviel sondern auch WAS?
Tja, und solcherart in Gedanken versunken, stand ich dann plötzlich auch vor . Früher war das ein prächtiger Baum, jetzt nur noch ein kümmerlicher Rest. Aber dennoch könnte man sagen der Baum hat seine eigene Pracht zugunsten des Neuen gegeben, wie man aus den vielen jungen Trieben schließen kann.
(Ich wollte das ganze ursprünglich in den Biderthread geben, aber da es um Gebo geht und ich denke das da auch eine interessante Diskussion daraus entstehen kann, steht es nun hier. Wenns nicht passt bitte verschieben)
Ihwar
.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.- Nur weil man an etwas glaubt, heißt das noch lange nicht das es wahr ist. -.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.--.-.-.
Deine Überlegungen bezüglich Gebo finde ich sehr interessant... da das "Geben" und "Nehmen" eins der Themen ist, mit denen ich mich in mir seit längerem auseinandersetze ... Ist auch nötig...immer noch...
Das mit einem ausgewogenen (gesunden) Verhältnis ist ja nicht so einfach... Das geht ja schon mit der Frage los, was denn ausgewogen wäre... geht weiter damit, welches Verhältnis von Geben und Nehmen ich bei mir selber sehe... und ob das überhaupt dem tatsächlich, gelebten Verhältnis entspricht...
Also steht wie bei so vielem die ungeschminkte Selbsterkenntnis ganz vorne bei dieser Problematik... Nur so als Beispiel: Ich kenne Menschen, die meinen wunders wieviel sie geben... wo ich sagen würde: Nee, eigentlich nimmt der oder die hauptsächlich... Das kann daran liegen, daß derjenige sich und sein Geben total falsch einschätzt... Oder aber auch weil er Dinge anders bewertet als ich...
Womit wir bei der nächsten Frage hierbei sind...: Welche Werte hat ein Mensch...?
Hierzu gabs (natürlich in Amerika, wo sonst?) interessante Testreihen... Paarversuche...unter Freunden und Familienmitgliedern, usw... Es wurden immer sich gut bekannte Leute genommen wo jeder Punkte für sein Geben und Nehmen innerhalb der Beziehungsgeflechte angeben mußte... also für das was sein Gegebenes und sein Erhaltenes für ihn wert sei...
Seeehr interessant, WIE unterschiedlich Handlungen (Taten) bewertet wurden... Was bei dem einen nur 1 Punkt wert war, hielt ein anderer für ENORM wertvoll und gab 10 Punkte...
Ich denke beim Nehmen und Geben ist auch wichtig, abschätzen zu können wieviel etwas fürs (gebende oder nehmende) Gegenüber wert ist... Erst daran läßt sich der Wert oft erst festmachen... Für den einen ist das eine Riesenüberwindung, was für den Anderen ein Vergnügen ist...
Soweit erstmal spontan meine Gedanken dazu...
Ach ja, der Baum auf deinem Bild...... fast sehe ich, wie sich die Wurzeln unter Erde ebenfalls kreuzen und so die untere Hälfte von Gebo bilden...
das unterste Foto schmückt seit eben meinen Desktop...super gut gelungen!!!Danke!
Ich sehe Geben und Nehmen außerhalb von Zeit und Raum...Und immer wieder auf unterschiedlichen Ebenen...
Manchmal ackerst du ein ganzes Jahr lang und nichts ...aber auch gar nichts geschieht....
manchmal begleitest du Freundinnen deiner heute 92 gewordenen OMA nach Hause ...gibst ihnen ein kleines Blinken und bekommst
ein umwerfendes Strahlen mit auf deinen Weg.
So heute geschehen....man sollte einfach nichts erwarten....dann fallen viele Fragen einfach weg.
hab leckeren Rotwein...meine Omi schläft....aber ich feier weiter...aettna
*Je mehr ich entdecke, desto mehr wundere ich mich.Je mehr ich mich wundere, desto mehr verbeuge ich mich.Je mehr ich mich verbeuge, desto mehr entdecke ich.*
vielen Dank für diesen interessanten Denkanstoß und die stimmungsvollen Bilder.
In Antwort auf:Wieviel geben wir weil wir wollen, und wieviel weil wir müssen, und wieviel weil wir glauben zu müssen?
Genau diese Frage stelle ich mir seit geraumer Zeit. Allerdings eher bezogen auf das Berufsleben. Die Fragestellung ließe sich aber auch auf alle anderen Bereiche des täglichen Lebens anwenden.
Gebo funktioniert nicht mehr, wenn wir das Geben als Plicht empfinden. Ich empfinde diese Pflicht dann schnell als Zwang. Aus Zwängen will ich mich reflexartig befreien.
Häufig liegt es wohl an dem berühmten Tellerrand, über den man nicht hinwegblicken möchte und den somit das Gesamtgefüge nicht erkennt. Wenn man aber daran arbeitet, dann wird der Teil "geben müssen" immer kleiner.
viele Grüße Ansuz
"Man erlangt die Erleuchtung nicht, indem man sich das Licht vergegenwärtigt, sondern indem man die Dunkelheit erforscht."(CG Jung)
Danke, Ihwar, für die Bilder und die wunderbare GEBO-Meditation! Das Thema der (gegenseitigen) Abhängigkeit wird durch GEBO unweigerlich mit aktiviert, aber ich bin mir nicht mal sicher, dass das zur dunklen Seite gehören muss. Für mich ist jede GEBO, die mir begegnet, auch ein Knoten in dem unendlichen Netzwerk, das alles Lebende umfasst und enthält.
Hmmm-Abhängigkeiten sind mir ein Gräuel- jedenfalls die, in die ich mich begeben MUSS, um mein ÜBER-leben (und das derer, die "dranhängen" zu sichern. Aber- auch dabei gibt es graduelle Unterschiede- und Hell und Dunkel stellen sich (für mich) wie immer lediglich als eine Frage des Blickwinkels raus.
Das alles "seinen Preis" hat, ist klar- ich habs nur gern, wenn ich den vorher kenne...
Ich sehe ein Gebo, das sehr fest verwurzelt (Erde) ist mit der Landschaft. Dann sehe ich die 'neuen' Arme, die sich nach oben strecken (Luft) um von 'oben' zum empfangen. Und dann sehe ich ein fliessendes (Wasser) Gebo. Eins, das hinfort fliesst wie ein gebendes Gebo. Dann sehe ich das Holz (Feuer), den Stamm, der das Zeichen trägt.
Wir selber legen das Maß fest vom Geben und auch vom An-nehmen. Jeder für sich.
Für mich ist Gebo nur positiv. Es liegt an der Sichtweise. Ist mir etwas schwer oder habe ich mit etwas Probleme, dann ist dort nicht das rechte Maß vorhanden und ich empfinde es als negativ. Ist alles im Gleich-gewicht, so werden wir zu den Runen eine 'neutrale' Sicht bekommen.
In der Anwendung von Gebo können wir dann allerdings das positiv~negativ (Polaritäten) nutzen.
Liebevolle Grüße *samina*
~~~ Einen anderen zu heilen ist nicht schwer. Es genügt, ihn zu lieben, ihn zum wichtigsten Wesen der Welt zu machen, sich ihm ganz hinzugeben und sich selbst dabei zu vergessen. (Indianische Weisheit)
sehr schöne Fotos, ich liebe diese "Weltuntergangsstimmung"
Zu dem Baum: Der Baum, vermutlich eine Weide, ist "geschneitelt" worden. Dazu wird die Krone abgeschnitten und die neuen Triebe, welche dann quasi kerzengerade rauswachsen, werden zum Korbflechten verwendet. Geschneitelt wird auch die Esche und die jungen Triebe werden als Viehfutter verwendet.
In Antwort auf:Das kann daran liegen, daß derjenige sich und sein Geben total falsch einschätzt... Oder aber auch weil er Dinge anders bewertet als ich...
Diese Beobachtung habe ich auch schon gemacht. Da gibt es die einen, die geizig bis zum geht nicht mehr sind und dann, wenn sie doch einmal freiwillig etwas hergeben auch noch ein riesiges trara darum machen, und es gibt das andere Extrem, jene die ständig irgendwas für andere geben oder tun ohne das überhaupt jemals zu erwähnen. Mein subjektiver Eindruck ist, das der Geizige durch das trara das er macht, oft für großzügiger gehalten wird als der stille Freigiebige. Was möglicherweise auch nicht ganz falsch ist, denn das Geben verlangt dem Geizigen wohl mehr an Selbstüberwindung ab als dem Freibgiebigen. Im übrigen, wie du oben ja auch schon geschrieben hast, ist die Beurteilung der Wertigkeit einer Gabe natürlich immer persönlich und subjekitv.
In Antwort auf:Gebo funktioniert nicht mehr, wenn wir das Geben als Plicht empfinden. Ich empfinde diese Pflicht dann schnell als Zwang. Aus Zwängen will ich mich reflexartig befreien.
Da schreibst du mir aus der Seele. Ich habe es längere Zeit als Zwang empfunden überhaupt irgend einer Arbeit nachgehen zu müssen. Also habe ich dann auch darauf gepfiffen und mich gut drei Jahre lang vom System fürs Nichtstun bezahlen lassen. Nur irgendwie -hm, wie beschreibe ich das jetzt?- habe ich gegen Ende dieser Zeit auch das "arbeiten müssen nicht wollen" irgendwie als Zwang empfunden. Naja, da ich nun also die Wahl zwischen zwei Zwängen hatte, habe ich mich für den entschieden der mir am meisten Vorteile brachte- Und das war die Arbeit. Seitdem gehe ich eigentlich sehr gerne arbeiten und hatte zugleich auch das Glück erst einen guten, und durch diesen voriges Jahr einen noch besseren Arbeitsplatz zu finden. Ich denke das liegt daran, das ich einfach beide Varianten (Zwänge) ausprobieren und mich dadruch schließlich selbst entscheiden konnte.
@Molch: Wieder was neues gelernt, danke sehr
Ihwar
.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.- Nur weil man an etwas glaubt, heißt das noch lange nicht das es wahr ist. -.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.--.-.-.
Wunderschöne Bilder. Und auch eure Kommentare sind richtig schön, eben .
Was das Arbeiten betrifft, der Zwang für viel zu wenig Geld viel zu viel arbeiten zu müssen. Der Arbeiter kommt mit den paar Euros kaum über den Monat, wärend der Chef immer fetter wird. Das Gleichgewicht ist völlig aus dem Ruder. Aber wie immer kommt auch das zu den Gierigen und Geizigen zurück. Wenn die Arbeiter kein Geld verdienen, können sie nicht die vielen schönen Produkte kaufen. So bleiben die dicken fetten Chefs darauf sitzen. Die Lagerkosten fressen dann den fetten Gewinn auf.
In Antwort auf:In der Natur wächst um diese Jahreszeit nichts. Wir sind auf das angewiesen was wir in der hellen Jahreszeit an Gaben bekommen haben. Angewiesen auf die Natur sein- Das ist etwas was wir heutzutage, wo wir scheinbar jederzeit und überall Nahrung kaufen können, leicht vergessen.
Die Natur ist noch fest mit verwurzelt. Es gibt auch jetzt genug Nahrung in den Wäldern und Seen. Pilze zum Beispiel. Man findet jetzt Samtfußrüblinge, Grünlinge und Austernseitlinge, meist in alten Laubwäldern(Buche) auf Totholz und die in Massen. Wenn man noch so leben könnte, wie vor 1000 Jahren, würde es Wild geben und viele wirklich große Fische beißen gerade jetzt, besonders Hechte und Barsche lieben es sehr kalt. Auch Forellen beißen gerade jetzt richtig gut. Wenn nicht alles verboten wäre, könnte man auch im Winter überleben. An Kräutern wäre noch Petersilie zu finden und jetzt werden die Schlehen reif.
Für mich hat immer nur positives. Wenn eine Rune zu dieser Jahreszeit passen würde, wäre es für mich
Wer verurteilt kann sich irren, wer verzeiht irrt nie!
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