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Dieses Thema hat 9 Antworten
und wurde 635 mal aufgerufen
 Märchen, Sagen und Legenden
aettna Offline

Altrabe


Beiträge: 3.441

21.02.2009 13:01
Von der traurigen Traurigkeit antworten

Das Märchen der traurigen Traurigkeit


Es war eine kleine Frau, die den staubigen Feldweg entlang kam.
Sie war wohl schon recht alt, doch ihr Gang war leicht, und ihr Lächeln hatte den frischen Glanz eines unbekümmerten
Mädchens.
Bei der zusammengekauerten Gestalt auf ihrem Weg blieb sie stehen und sah hinunter.
Sie konnte nicht viel erkennen. Das Wesen, das da im Staub des Weges saß, schien fast körperlos.
Es erinnerte an eine graue Fanelldecke mit menschlichen Konturen.
Die kleine Frau bückte sich ein wenig und fragte:"Wer bist du?" Zwei fast leblose Augen blickten müde auf.
"Ich? Ich bin die Traurigkeit"flüsterte die Stimme stockend und leise, das sie kaum zu hören war.
"Ach, die Traurigkeit!"rief die kleine Frau erfreut aus, als würde sie eine alte Bekannte begrüßen.
"Du kennst mich?"fragte die Traurigkeit mißtrauisch."Natürlich kenne ich dich!Immer wieder einmal hast du mich ein Stück des
Weges begleitet." "Ja, aber...."argwöhnte die Traurigkeit, warum flüchtest du dann nicht vor mir?Hast du denn keine Angst?"
"Warum sollte ich vor dir davon laufen, meine Liebe?Du weißt doch selbst nur zu gut, das du jeden Flüchtigen einholst.
Aber was ich dich fragen will:"Warum siehst du so mutlos aus?" "Ich...ich bin traurig",antwortete die graue Gestalt mit
brüchiger Stimme.
Die kleine alte Frau setzte sich zu ihr."Traurig bist du also",sagte sie und nickte verständnisvoll mit dem Kopf.
"Erzähl mir doch, was dich so bedrückt."
Die Traurigkeit seufzte tief.Sollte ihr diesmal wirklich jemand zuhören wollen? Wie oft hatte sie sich das schon
gewünscht.
"Ach weißt du", bgann sie zögernd und etwas verwundert, "es ist so, das mich einfach niemand mag. Es ist nun mal meine
Bestimmung unter die Menschen zu gehen und eine gewisse Zeit bei ihnen zu verweilen. Aber wenn ich zu ihnen komme,
schrecken sie zurück. Sie fürchten sich vor mir und meiden mich wie die Pest."
Die Traurigkeit schluckte schwer"Sie haben Sätze erfunden mit denen sie mich bannen wollen. Sie sagen:Papperlapapp,das
Leben ist heiter. Und ihr falsches Lachen führt zu Magenkrämpfen und Atemnot. Sie sagen:Gelobt sei, was hart macht. Und dann
bekommen sie Herzschmerzen. Sie sagen, man muß sich nur zusammenreißen. Und sie spüren das Reißen in den Schultern und
im Rücken. Sie sagen, nur Schwächlinge weinen. Und die aufgetauten Tränen sprengen fast ihre Köpfe.
Oder aber sie betäuben sich mit zuviel Essen, Alkohol oder Drogen, damit sie mich nicht fühlen müssen."Oh ja, bestätigte
die alte Frau, solche Menschen sind mir schon oft begbegnet."Die Traurigkeit sank noch ein wenig mehr in sich zusammen.
"Und dabei will ich den Menschen doch nur helfen.Wenn ich ganz nah bei ihnen bin,können sie sich selbst begegnen. Ich
helfe ihnen, ein Nest zu bauen, um ihre Wunden zu pflegen.Wer traurig ist hat eine besonders dünne Haut. Manches Leid bricht
wieder auf wie eine schlecht verheilte Wunde, und das tut sehr weh.Aber nur wer die Trauer zuläßt und all die ungeweinten
Tränen weint, kann seine Wunden wirklich heilen.
Doch die meisten Menschen wollen gar nicht, das ich ihnen dabei helfe.
Stattdessen schminken sie sich ein grelles Lachen über ihre Narben. Oder sie legen sich einen dicken Panzer aus
Bitterkeit zu.
Die Traurigkeit schwieg. Ihr Weinen war erst schwach, dann stärker und schließlich ganz verzweifelt.
Die kleine, alte Frau nahm die zusammengesunkene Gestalt tröstend in ihre Arme. Wie weich und sanft sie sich anfühlt,dachte
sie und streichelte zärtlich das zitternde Bündel."Weine nur Traurigkeit",flüsterte sie liebevoll,"ruh dich aus, damit
du wieder Kraft sammeln kannst.
Du sollst von nun an nicht mehr alleine wandern. Ich werde dich begleiten, damit die Mutlosigkeit nicht noch mehr an Macht
gewinnt." Die Traurigkeit hörte auf zu weinen. Sie richtete sich auf und betrachtete erstaunt ihre neue Gefährtin:
"Aber...aber-wer bist du eigentlich?"
"Ich?"sagte die kleine, alte Frau schmunzelnd, und dann lächelte sie wieder so unbekümmertwie ein kleines Mädchen.
"Ich bin die Hoffnung."


*Es gibt keinen Weg zum Glück.Glücklich sein ist der Weg.*

Ihwar Offline

Altrabe


Beiträge: 2.163

21.02.2009 13:11
#2 RE: Von der traurigen Traurigkeit antworten

Hallo Aettna

Das ist ein schönes Märchen

Ihwar

.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-
Nur weil man an etwas glaubt, heißt das noch lange nicht das es wahr ist.
-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.--.-.-.

Nachtfalke Offline

Altrabe


Beiträge: 1.168

21.02.2009 14:16
#3 RE: Von der traurigen Traurigkeit antworten

Sehr schöne Geschichte

Gruß,
Nachtfalke

"Die alten Götter sind nicht tot, sie denken vielmehr, dass wir es seien!"
(Altes Sprichwort der Hexen)

rabenfee Offline

Rabe


Beiträge: 494

21.02.2009 19:35
#4 RE: Von der traurigen Traurigkeit antworten

°°°°°°°°°°°°° Huuuuuuuuuuu Aettna °°°°°°°°°°°




wieeeeeeeeee war wieeeeeeeeee war ein Märchen oder was einem selbst wiederfährt


Manchmal so denke ich , fühle ich es auch soooooooo wie die Traurigkeit oder



Ein anderes Mal bin ich die alte kleine Frau jaaaaaaa , ich danke Dir für diese Zeilen ........

Mit Licht und Liebe und der Wärme der 2 Kerzen ............. Rabenfee

Wenn Liebe einmal gekeimt hat ,

trägt sich Wurzeln ,

die nicht mehr aufhöhren zu wachsen ........

Tanith Offline

Altrabe


Beiträge: 8.363

22.02.2009 11:56
#5 RE: Von der traurigen Traurigkeit antworten
Hej, aettna,
das ist eine wirklich schöne Geschichte. Ich danke dir, dass du sie hier eingestellt hast. Sie wird fortan eine meiner Lieblingsgeschichten sein.
Fühl dich umarmt. Möge die Hoffnung immer in der Nähe sein, wenn die Traurigkeit um Einlass bittet.
Liebe Grüße
TAnith

Leben ist das, was passiert, während du eifrig dabei bist, andere Pläne zu machen.
John Lennon

Dagny Offline

Altrabe


Beiträge: 670

11.03.2009 21:01
#6 RE: Von der traurigen Traurigkeit antworten

Hallo, ...


Möge die Hoffnung immer in der Nähe sein, wenn die Traurigkeit um Einlass bittet.



Was will man da noch schreiben



Gruß Dagny

"Wenn ihr eure Augen nicht gebraucht, um zu sehen, werdet ihr sie brauchen , um zu weinen."

Hark Oluf Offline

Rabe


Beiträge: 316

11.03.2009 21:30
#7 RE: Von der traurigen Traurigkeit antworten

Hi Aettna

Eine sehr schöne Geschichte.
Sie sagt so schön ,dass es immer Hoffnung gibt und ist die Situation auch noch so entmutigend.
Ich mag solche Geschichten

Darf ich die Geschichte einer Bekannten schicken?

Liebe Grüße Hark

aettna Offline

Altrabe


Beiträge: 3.441

11.03.2009 21:35
#8 RE: Von der traurigen Traurigkeit antworten



Hi Hark...

In Antwort auf:
Darf ich die Geschichte einer Bekannten schicken?


na klar...



*Der Augenblick ist Ewigkeit*

Hark Oluf Offline

Rabe


Beiträge: 316

11.03.2009 22:08
#9 RE: Von der traurigen Traurigkeit antworten

Hi Aettna

Danke dir!

Gruß Hark

Samina Offline

Altrabe

Beiträge: 1.893

14.03.2009 11:51
#10 RE: Von der traurigen Traurigkeit antworten

Liebe aettna,

einfach nur schön. Danke

*minchen*

~~~
Einen anderen zu heilen ist nicht schwer. Es genügt, ihn zu lieben, ihn zum wichtigsten Wesen der Welt zu machen, sich ihm ganz hinzugeben und sich selbst dabei zu vergessen. (Indianische Weisheit)

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