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Dieses Thema hat 10 Antworten
und wurde 875 mal aufgerufen
 Germanischer Schamanismus
Hallvard Offline

Rabe


Beiträge: 238

28.07.2010 18:46
Pfade des Lernens antworten

Hallo ihr,

mir ist gerade mal wieder beim Stöbern eine Abhandlung über indianischen Schamanismus in die Finger gefallen. Darin war die Rede von verschiedenen Pfaden die man beschreiten kann zur "Erleuchtung".
Da gibt es den Pfad des Kriegers, den Pfad des Schamanen, den Pfad des Priesters und den Pfad des Lehrers die wohl aufeinander aufbauen oder auch nicht.
Ich habe schon mehrfach gehört das es da unterschiedliche Pfade gibt, nun meine Frage wisst ihr ob es so etwas auch für den germanisch/nordischen Schamanismus gibt?
Bisher zumindest habe ich in davon nichts gefunden oder gehört.

Freu mich auf eure Antworten
Hallvard

Si vis pacem para bellum.

Radegunde Offline

Altrabe


Beiträge: 957

28.07.2010 19:31
#2 RE: Pfade des Lernens antworten

Hallo Hallvard,
über "indianischen Schamanismus" wird im Eso-Bereich unglaublich viel Stuss geschrieben, der hauptsächlich dazu dient, dem Autor Geld einzubringen. Zunächst einmal: es gibt keinen "indianischen" Schamanismus. Es gab/gibt unglaublich viele verschiedene Ethnien auf den amerikanischen Kontinenten mit eben so vielen religiösen Anschauungen. Einige davon könnten als "schamanisch" bezeichnet werden, d.h., sie weisen in der Form einige Gemeinsamkeiten mit dem mongolisch-sibirischen Schamanismus auf.
Der germanische/nordische Schamanismus weist ebenfalls ähnliche Formen auf.

In der Ethnologie wird im Bezug auf Völker der amerikanischen Kontinente unterschieden zwischen "Schamane", "Medizinmann" und "Priester". Zwischen Schamanen und Medizinmännern (oder -Frauen) mag es fliessende Übergänge geben. Der Hauptunterschied ist, dass ein Schamane sein Handwerk auf übernatürliche Weise lernt und ausschliesslich handelt, wie es ihm in Visionen mitgeteilt wird. Ein Medizinmann ist bei einem anderen Medizinmann in die Lehre gegangen.
Priester sind in ein hierarchisches Kastensystem gebunden und kamen ausschliesslich in den Hochkulturen vor. (Also nicht bei denselben Völkern, die Schamanen hatten)

Die Tatsache, dass es in Deiner Pfadgeschichte sowohl um Schamanen wie auch um Priester geht (es gab keine völkerübergreifende Religion, die diese beide Aspekte hätte vereinigen können), und vor allen Dingen, dass es um "Erleuchtung" geht, macht mir das ganze sehr suspekt.

Viele Grüsse
Radegunde


Krächz

Hallvard Offline

Rabe


Beiträge: 238

28.07.2010 19:46
#3 RE: Pfade des Lernens antworten

Hallo Radegunde,
ich muss dir Recht geben der Begriff "indianischer Schamanismus" ist sehr allgemein und nicht für all Indianer zutreffend.
Auch mir erscheint diese Einteilung ein wenig seltsam, aber sie sollte nur als Beispiel dienen für die Bezeichnung der Pfade.
Danke für deine klärenden Worte, ehrlichgesagt hab ich vorher mir nicht wirklich darüber Gedanken gemacht gehabt, muss dir aber nach deinem Post vollkommen recht geben das es sehr verallgemeinernd ist.
Nichtsdestotrotz kann ich mir durchaus vorstellen das es verschiedene Wege gibt auf denen man Erfahrungen mit sammeln kann. Ich glaube es kommt ein bisschen auf die Persönlichkeit an und auf die Kräfte mit denen man zu tun bekommt bzw. die einen auswählen. Mancher Weg ist kriegerischer andere eher mit Rätseln behaftet. Wenn man jetzt mal z.B. den Weg Odins oder Thors vergleichen würde.
Gruß
Hallvard

Si vis pacem para bellum.

Tharen Offline

Altrabe


Beiträge: 1.468

02.08.2010 08:58
#4 RE: Pfade des Lernens antworten

Hallo Hallvard,

verstehe ich es richtig, dass du dich auf den Weg des Schamanen begeben möchtest? Oder geht es dir vielmehr darum, Aspekte des Schamanismus zu erlernen, wie eben die schamanischen Reisen?
Die sogenannten Pfade sehe ich individuell. Spirtualität wächst nur so schnell, wie du bereit bist, dazuzulernen, auch wenn man einen Haufen Bücher durchwälzt. Man kann somit das Prinzip schon lange verstanden haben, aber dennoch nicht anwenden, weil man selbst noch nicht so weit ist.
Aber vielleicht verstehe ich dich auch miss und du möchtest tatsächlich aus den ganzen Schamanenpaket einfach nur einen begehbaren Weg für dich finden. Dennoch halte ich es für sehr abstrakt. Was wirklich "germanisch" ist/war ist diesem Bereich womöglich nur noch nach zu erahnen, aber nicht mehr konkret zu rekonstruieren.

Lieben Gruß
Luthien

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Ihwar Offline

Altrabe


Beiträge: 2.163

02.08.2010 15:53
#5 RE: Pfade des Lernens antworten

Hallo Hallvard

Die Sache mit dem indianischen (amerikanischen)Schamanismus hat Radegunde ja schon erläutert.

Mit dem sogenannten "germanischen Schamanismus" ist es so, dass er einfach nur die Grundprinzipien des aus in noch bestehenden Kulturen praktizierten Schamansimus übernimmt und sie entsprechend den "germanischen" Gegebenheiten anpasst und sie auch mit dem wenigen was an Überlieferung da ist vermengt.
Es handelt sich dabei also immer um eine -je nach Autor- mehr oder weniger hübschen Mischmasch, der -je nach Praktizierenden- mehr oder weniger gut funktioniert. Es ist, bzw. kann aber niemals ein "traditioneller Schamanismus" per se sein, eben weil wir keine ungebrochene schamanische Tradition haben.

Ihwar

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Die Runen behandeln einen so wie man sie selbst behandelt. Meistens.
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Hallvard Offline

Rabe


Beiträge: 238

02.08.2010 17:41
#6 RE: Pfade des Lernens antworten

Hallo ihr,

@Luthien: Verschiedene Aspekte des Schamanismus sind mir nicht ganz unbekannt wie z.B. das schamanische Reisen. Ich bin mir noch nicht ganz sicher wo mein Weg liegt bzw. wie er aussehen wird. Was mir immer bewußter wird ist das ich nicht diesen "friedlichen" Schamanen Weg gehen kann und will der viel propagiert wird.
Das passt weder zu mir noch zu den Dingen um mich her wie ich sie wahrnehme. Deswegen habe ich versucht mir einen allgemeinen Überblick zu verschaffen über die verschiedenen Arten des Schamanismus und verwandter spiritueller Traditionen.
Was mir insbesondere am germanisch/nordischen Schamanismus gefällt ist das er vom erfahren und erleben lebt, weil eben keine großen Traditionen mehr da sind. Traditionen finde ich gut und wichtig, aber wenn man sich in festgefahrenen Pfaden bewegt neigt man dazu nicht mehr neben den Weg zu sehen und die Blume zu übersehen die dort vielleicht blüht.

@Ihwar
Viele "traditionelle" Arten des Schamanismus haben ja leider nicht überdauert. Wobei ich beim lesen der Edda immer wieder über viele schamanistische Bilder stolpere die mir weiterhelfen auf meinem Weg. Momentan versuche ich mich langsam durch die Edda zu tasten und immer wieder Reisen zu unternehmen, stoße da aber noch an meine Grenzen, was auch gut so ist.. Manchmal möchte ich Dinge einfach zu schnell, werde aber dann meist ausgebremst.. Mittlerweile bringt mich das dann zum Lachen über mich selbst und meist wenn ich mein drängen und meine Fehler erkannt habe komm ich einen Schritt weiter, aber meist dann in eine andere Richtung als ich es gewollt habe, die dann aber überraschend besser zu mir passt.
Ich lese momentan sehr viel von verschiedenen Autoren über Schamanismus usw., aber derer Wege sind zwar interessant aber nicht meine Weg. Manche helfen mir weiter und über manche kann ich nur den Kopf schütteln.

Gruß
Hallvard

Si vis pacem para bellum.

Ihwar Offline

Altrabe


Beiträge: 2.163

02.08.2010 18:07
#7 RE: Pfade des Lernens antworten

Hallo Hallvard

Zitat
Ich lese momentan sehr viel von verschiedenen Autoren über Schamanismus usw., aber derer Wege sind zwar interessant aber nicht meine Weg. Manche helfen mir weiter und über manche kann ich nur den Kopf schütteln.



Ich glaube das ist einer der wesentlichen Aspekte des Schamanismus. In ursprünglichen Kulturen, wo sich die Art zu leben und das Weltbild nur geringfügig verändert hat, wächst das Individium eingebettet in ein festes Vorstellungsnetz von der Beschaffenheit der Geisterwelt auf. Da gibt es, was weiß ich, sagen wir den "großen Geist des schwarzen Panthers", dem der Schamane auf seiner Reise begegnet. Und da der schwarze Panther seit zig Generationen ein Teil der Vorstellungswelt der nativen Kultur ist, fällt es dem Schamanen leicht seine Begegnung zu deuten und auch, sie mit seinen Mitmenschen zu teilen. Weil den schwarzen Panther und was er bedeutet ja alle kennen.

Wenn jetzt ein moderner Europäer bei besagter Kultur quasi in die "Schamanenschule" geht, sich ihr genug hingibt um deren Weltbild zu verinnerlichen, kann auch er dem schwarzen Panther begegnen und den Leuten dort seine Begegnung mitteilen- Er wird verstanden werden.
Wie sieht es aber aus wenn er ein Buch darüber schreibt? Oder wenn jemand der noch nie vom Gedankennetz der betreffenden Kultur gehört hat, auch einen schwarzen Panther auf einer seiner Reisen trifft?

Genau dieses Prinzip ist der Grund warum uns das eine weiterhilft und das andere nicht. Wir sind Teil einer Kultur die zum einen Wert auf Individualität und Glaubensfreiheit legt, was natürlich ein gemeinsames Gedankennetz verhindert, und zum anderen auch noch schamanischen Praktiken generell eher skeptisch gegenübersteht.
Ich glaube die Schwierigkeit für Menschen wie uns liegt gar nicht so sehr darin schamanisch zu praktizieren, sondern vielmehr darin, Missverständnissen vorzubeugen.

Ihwar

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Die Runen behandeln einen so wie man sie selbst behandelt. Meistens.
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Valkyrja Offline

Altrabe


Beiträge: 1.146

03.08.2010 17:49
#8 RE: Pfade des Lernens antworten

Hallo Hallvard,
hallo liebe Raben,

Schamanismus kommt wohl gerade in Mode.. zumindest scheint es mir so...
Dabei ist es ja nun die älteste Art "Religion" oder wohl besser "Form des Weltverstehens" der Menschheit.

Dabei denke ich, dass es einige grudsätzliche Elemente gibt, die Herr Harner ja als Core-Schamanismus bezeichnet und die sich überall auf der Welt bei Schamanen finden lassen (sollen). Da ich selbst nicht um die ganze Welt gereist bin, kann ich das nicht aus eigenem Erleben heraus bestätigen.
Aber im Schmananismus zählen doch letztendlich die Ergebnisse, die erzielt werden. Wie der einzelne Schamane an sich vorgeht, lässt sich ja eh meist gar nicht objektivieren.

Insofern baut sich jeder schamanisch Praktizierende seine Form des Schamanismus selbst. Warum dann nicht auch eine "germanische" ? Form? Und wenn es keine überlieferte Tradition mehr gibt, dann hindert uns ja nichts daran, eine neue zu begründen

lieben Gruß
Corvina



Das Leben ist eine Lektion in Fleisch und Blut, die deine Seele sich gewählt hat.

Hallvard Offline

Rabe


Beiträge: 238

03.08.2010 17:56
#9 RE: Pfade des Lernens antworten

Hallo Corvina

ich glaube das unter anderem die Hinwendung zu alten Dingen wie Schamanismus usw daher rührt das viele die Welt wie sie ist eben nicht mehr begreifen. Vielleicht liegt es auch mit am Beginn des Wassermann-Zeitalters.

Oft hab ich das Gefühl das es die Sehnsucht nach festen Werten und einem Gefühl von Freiheit ist das die Leute zurück in die Natur und in die Wahrnehmung treibt. Viele sind doch sehr festgefahren in Beruf, Familie und das was die Gesellschaft von ihnen erwartet und sehnen sich nach einem bisschen "Wildheit"

Auch geb ich dir recht das uns nichts daran hindert den "germanischen" Schamanismus wieder aufleben zu lassen. Ich halte das für eine sehr gute Idee, da sehr viel in ihm enthalten ist das in meinen Augen sehr wertvoll ist.

Gruß
Hallvard

Si vis pacem para bellum.

Skyla Offline

Altrabe


Beiträge: 1.786

05.08.2010 10:55
#10 RE: Pfade des Lernens antworten

Hallo Raben, hallo Hallvard,

ich sehe - und erlebe es auch - so, dass einem in der schamnaschen Welt die Wesen begegnen, zu denen man sich auch hingezogen fühlt und mit denen man etwas anfangen kann. Sie treten dann in den Vordergrund und gerade in der heidnisch germanischen Tradition ist ja über die Jahrhunderte vieles verloren gegangen und ich denke dass sich unsere Götter, Naturgeister, Ahnen etc. echt freuen, dass wir wieder auf sie afmerksam werden und versuchen ihnen zu lauschen. Damit wird der germanische Schamanismus wieder belebt und da gebe ich Corvina recht, warum nicht diesen neu ergründen!!! Dazu kommt der Zeitenwandel, wir selbst leben anders als die Menschen vor 2000 Jahren, also werden auch unserere persönlichen Erfahrungen damit einfließen und die Wesen der anderen Welten sind bestimmt auch nicht rückständig und machen diese Entwicklung auch mit.

LG Skyla

* Solange Menschen denken, dass Tiere nicht fühlen, müssen Tiere fühlen, dass Menschen nicht denken. *

Tanith Offline

Altrabe


Beiträge: 8.363

08.08.2010 20:17
#11 RE: Pfade des Lernens antworten

Hej, Skyla,
ich bin froh, dass du das noch einmal darstellst.

Zitat
Dazu kommt der Zeitenwandel, wir selbst leben anders als die Menschen vor 2000 Jahren, also werden auch unserere persönlichen Erfahrungen damit einfließen


Vieles von dem, was unsere Vorfahren gemacht haben, können wir heute so nicht mehr umsetzen. Aber wir können uns der Zwischenwelt nähern, eben mit den GEgebenheiten, die heute um uns sind. Und sie werden dadurch nicht geringer einzuschätzen sein als vor vielen huntern Jahren (oder auch tausend).
Wenn wir uns dem, was das Heute ausmacht, öffnen, haben wir ein Riesenspektrum zur Verfügung, weil wir dazu noch Wissen einbringen können, was früher fehlte. Wir können sozusagen die Wahrheit von der Lüge trennen und müssen uns nicht irgendeinem Aberglauben hingeben - in keiner Weise.
Lieb eGrüße
Tanith

In einem Sumpf schwimmst du dich nicht frei ich

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