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Dieses Thema hat 4 Antworten
und wurde 877 mal aufgerufen
 Götter
Inga Offline

Rabe


Beiträge: 496

06.12.2005 10:41
Jord? antworten

Liebe Raben,

angeregt durch den Artikel von Ansuz zum Gott "Donar" habe ich versucht, mehr über die Göttin Jord zu erfahren.
Odin hat seinen Sohn Thor doch eigentlich mit der Erdenmutter "Fjörgyn" gezeugt? Ist "Jord" gleichbedeutend mit "Fjörgyn"? und gilt sie dann als Göttin?

Zu guter letzt war ich am Ende total verwirrt, als ich versuchte etwas über den Stammbaum der Erdenmutter heraus zu finden. Da habe ich erfahren, dass die Erdenmutter eine Tochter von "Nott" (der Nacht) und "Anar" (dem Anderen) ist! "Dem Anderen"?? macht man sich es hier in der Mythologie nicht ein wenig leicht??

Das wäre ja, als wäre mein Sohn "Tim" der Sohn von "Inga" und dem "Anderen"!!

Wißt ihr näheres über Anar??

Viele Grüße
Inga



"Nichts ist so beständig wie der Wandel"

Max Offline

Rabe

Beiträge: 353

07.12.2005 17:27
#2 RE: Jord? antworten

Hallooo Inga!

wenn ich die Tage mal Zeit habe, werde ich mir Deinen Beitrag mal so ~10-20 mal durchlesen um zu schnallen, was Du denn nun wissen willst

Viele Grüße,
Max

P.S. schönen Gruß an Tim, die drei Anderen und an den Jetzigen

Barbara ( Gast )
Beiträge:

07.12.2005 22:21
#3 RE: Jord? antworten

Liebe Inga.

Damit Du nicht als völlig unverstanden da stehst, möchte ich Dir hiermit - obwohl ich gar nicht mehr hier bin - sagen, dass ich ganz genau verstanden habe, was Du meintest...

"Der Andere" ist tatsächlich nicht allzu tief charakterisiert worden, aber:
Anar oder auch Annar ist der zweite von den drei Gatten der Riesentochter Nott (Die Nacht), mit dem sie die Göttin Jörd (Die Erde) gezeugt hat.
Es gilt zwar auch als "Der Andere" ist aber zumindest als Gatte von Nott etwas näher beschrieben und zudem, siehe unten, gibt es sogar Mutmassungen, dass es sich um Odin selbst gehandelt habe...

Ob das natürlich stimmt?? Keine Ahnung...

Fjörgyn ist die personifizierte Erde selbst, deren üppige Landschaft sich in Form einer schwangeren Frau ausbreitet.
Gleich gegen den Strom anschwimmenden Lachsen, die zum Laichen an ihren Geburtsort zurückkehren, so kehrt auch der Mensch am Ende seines Seins wieder in die Dunkelheit ihres geborgenen Leibes zurück.
Fjörgyn selbst wird als eine Tochter der Nott (Nacht) und des Anar (der Andere) bezeichnet, siehe oben.

Als urmütterliche Naturgottheit wurde sie bereits schon lange verehrt, als der Tyr- und Odin- Glaube noch gar nicht bestand.
Weitere wichtige Namensbezeichnungen in der Edda lauten auch Hlódyn, Nerthus, Bestla oder Jörd.
Als Bestla (möglicherweise eine andere Bezeichnung für die Urkuh Audhumla) wird sie schon als Urmutter der drei Götter Odin, Wili und We erwähnt.

Als Jörd oder Hlódyn zeugte Odin mit ihr seinen ersten Sohn, den mächtigen Thor, der die Götter und die Menschen mit seiner Erdkraft gegen die Riesen schützt. Aus diesem Grund nennt man Thor auch den „Sohn der Erdgöttin“.
Odins Gattin Frigg ist ebenfalls eine direkte Tochter von Fjörgyn, der von Snorri zwar als ihr Vater angegeben wird, vermutlicher aber mit der Erdmutter selbst identisch ist.
Als eine Vertreterin der Erdgöttin wird auch die spröde Riesin Rinda angesehen, die der Göttervater durch eine List schwängert, damit der künftige Sohn später den Mord an seinem Sohn Balder rächt. In diesem Mythos verkörperte Rinda die noch gefrorende Wintererde, die hartnäckig verweigert, sich den befruchtenden Strahlen der Sonne (Odin) hinzugeben.

Unter dem Namen Nerthus wird die Erdgöttin ebenfalls von dem römischen Geschichtsschreiber Tacitus erwähnt, der schon im 1. Jahrhundert unser Zeit berichtet, wie man zu ihren Ehren einen von Kühen gezogenen Wagen durch das ganze Land fuhr, der reich geschmückt war. In dieser heiligen Zeit herrschte überall festliche Stimmung und die Waffen mussten ruhen.

Die Gestirne und auch Tag und Nacht wurden personifiziert; die Nacht, Tochter Nörwis, eines Riesen und Sohnes von Loki (siehe unten), ist als Riesentochter und als Nichte der Göttin der Unterwelt, Hel, einer Tochter Lokis, schwarz wie Hel selbst;
aber vermählt mit dem von den Göttern stammenden Dellingr wurde sie die Mutter des Tages (Dag), der hell wie seine asischen Ahnen ist.
Aus einer früheren Ehe mit Anar (an manchen Stellen = Odin???) hatte die Nacht eine Tochter:
Jörd... die Erde.


Loki
/ \
Nörwi Hel
|
Nacht (Nôtt)


Odin gab der Nacht und dem Tag je einen Wagen, je mit einem Rosse bespannt, Hrimfaxi (Reifmähnig) der Nacht, Skinfaxi (Glanzmähnig) dem Tag, auf welchen sie die Erde umfahren; morgens fällt aus dem Gebiss von Hrimfaxi Schaum; das ist der Reif; aus Skinfaxis Mähne aber strahlt Licht, Luft und Erde erleuchtend.
Somit ist der Gedanke, dass Odin letztlich selbst beteiligt war, vielleicht wirklich nicht ganz abwegig.

Viele liebe Gruesse,
Barbara


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gleicht der Empfindung des Kranken
für die Gesundheit
(Schiller)

Ansuz Offline

Hausmeister


Beiträge: 5.151

07.12.2005 22:39
#4 RE: Jord? antworten

Hallo Barbara,

vielen Dank für diese interessante Erklärung

Ich hatte schon befürchtet, dass man zur beantwortung dieser Frage einen Streifzug durch die Edda unternehmen muß

Viele Grüße
Ansuz




"Man erlangt die Erleuchtung nicht, indem man sich das Licht vergegenwärtigt, sondern indem man die Dunkelheit erforscht." (CG Jung)

Inga Offline

Rabe


Beiträge: 496

07.12.2005 22:47
#5 RE: Jord? antworten

Liebe Barbara,

vielen Dank und ein großes Kompliment für die tolle Erklärung
Ich bin tatsächlich ausnahmsweise einmal (ohne Rückfragen) wunschlos zufrieden gestellt

Liebe Grüße
Inga



"Nichts ist so beständig wie der Wandel"

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