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Dieses Thema hat 8 Antworten
und wurde 639 mal aufgerufen
 Die Runen
Ihwar Offline

Altrabe


Beiträge: 2.163

06.02.2011 09:11
Gedanken zur Runenreihe antworten

Hallo zusammen

Es gibt ja bekanntermaßen verschieden Möglichkeiten, die Runen ihrer Reihenfolge nach in einen Zusammenhang zu bringen. Es ist ein gute Meditation sich da etwas aus den Fingern zu saugen, und so habe ich die letzten paar Abende also sinnend vor dem PC gehockt um mir eine Rune nach der anderen brainstormingmäßig vorzunehmen.
Herausgekommen ist etwas, das man als vielleicht als lose Beschreibung des menschlichen Daseins definieren könnte. Mit jeder Menge Unklarheiten darin. Zwischendurch konnte ich immer wieder mal einen Bezug zum Alter des Menschen herstellen, so das die Sache folgerichtig mit dem Tod enden muss. Aber lest selbst, wenn ihr Zeit habt, denn es ist ein bisschen ein längerer Text geworden.
Jegliche konstruktive Kritik, in Frage Stellung und Anzweifelung meiner Interpretationen ist im Sinne einer lebendigen Diskussion natürlich ausdrücklich erwünscht.

"Geld regiert die Welt!". Und Geld, sinngemäß unser Besitz ist es, was uns umtreibt und beschäftigt. Das wo wir wohnen, was und wie wir essen, wie viel davon, auf welchen Möbeln wir vögeln und wo der geeignete Platz für den Fernseher ist. Ein beeindruckendes Maß an Energie, einen bemerkenswert großen Teil unserer gesamten Fähigkeiten, setzen wir täglich für den Erwerb und Erhalt von Dingen frei, die uns im Grab dann nicht mehr viel nützen werden. Doch unsere Fähigkeiten im Leben- Nützen sie uns im Grab nicht genau so viel wie unser Besitz? Was können wir besitzen ohne es im Tod zu verlieren? Eine viel zitierte Seele, samt der alten Frage ob die Seele den Menschen besitzt, oder der Mensch eine Seele? Von so lästigen Dingen wie Ich und Selbst einmal abgesehen.
Die Sache wird durch unsere Angewohnheit, unsere Fähigkeiten auch uneigennützig anderen zugute kommen zu lassen, nicht einfacher.

Jedenfalls, es ist wie es ist und steht vor uns wie die Kuh vor dem geschlossenen Tor und starrt uns blöde an. Und wir, das geschlossene Tor, starren noch blöder zurück.
Drastisch ausgedrückt, aber in dem ganzen Getue rund um die im Grabe wertlosen Dinge, muss man sich zwischenzeitlich natürlich schon einmal fragen, worin der Sinn des ganzen denn eigentlich liegt. Der Sinn, das Warum, die stets unerklärliche Ursache, der Grund warum wir hier sind. Wir brauchen nach der Geburt nicht all zu lange um unser Erinnerungsvermögen herauszubilden. Aus unseren Erinnerungen können wir in gewissem Maße rekonstruieren, wieso wir heute dort stehen wo wir stehen. Nur wirklich erklären können wir es uns nicht. Es ist wie es ist und der Glaube ist frei. Der Mensch ist ein Rindvieh.

Das Rindvieh also, welches nun endlich begriffen hat das es das Tor, also sich selbst, nicht einfach so lange anschauen kann bis es sich von alleine öffnet, wendet sich in eine andere Richtung und erkennt viel größere Unbill als ein geschlossenen Tor. Die Natur wütet da blind über seine Weiden. Sturm bricht das Gras, Blitz fällt Bäume und Hagel martert das Rindvieh, noch bevor Lava über alles hinweg fließt und zischend in der Flut erlischt.
Die Natur mordet wahllos. Die Menschnatur tut es ihr gleich. Diese urgewaltige blinde Kraft in allem. Nicht unpraktisch um alles in Schwung zu halten, oder auch an Ort und Stelle, wie man will. Aber blöd wenn sie sich nicht beherrschen lässt.

Bei all dieser Unbill, muss die Sache aber dennoch einen Sinn haben. Immerhin dreht sich die Welt unbeirrt um ihre eigene Achse, die Sonne nimmt ihren täglichen Lauf, der Mensch hat sein Leben. Wie es scheint ist das Chaos dann doch von einer Ordnung durchdrungen. Des Menschen Geist trachtet danach diese Ordnung zu begreifen. Oder zumindest irgend etwas das um einiges klüger und mächtiger ist als er selbst dahinter zu erkennen. Und wo er kann da schafft er selbst Ordnung und zuweilen auch Sinn.
Davon mal abgesehen, haben wir Menschen die seltsame Angewohnheit uns mit -rein aus überlebenstechnischer Sicht- so unnützen Dingen wie Kunst und Kultur auseinanderzusetzen. Oder wäre es wegen der Ordnung gewesen?

Wurscht. Wie dem auch sei, wir sitzen da in unserem Lebenswagen, rollen, rasen, holpern, flitzen oder rumpeln den Weg unseres Lebens dahin. Es ist schon eine Kunst, sich an all die bisher gefahrenen Wege zu erinnern. Noch schwerer, aus dieser Erinnerung heraus die zukünftige Beschaffenheit des Weges richtig zu erinnern. Sicher sagen kann man sowieso nicht, wann die Achse bricht und die Fahrt ihr Ende nimmt.
Wer zieht den Wagen? Wer lenkt ihn? Können wir ihn zumindest ein Stück weit selbst lenken? Wahrscheinlichkeiten sind eine beruhigende Sache, auf die zu bauen wir gelernt haben.

Wird’s denn Nacht und steigen wir mal ab vom Wagen, sehen wir uns im Flammenschein mal an was da so schwillt und schwärt. Tja, Arzt müsste man sein, in mancherlei Hinsicht. Oder auch der Zauberei mächtig. Oder zumindest ein Künstler. Oder einfach erfolgreich. Charismatisch. Respektiert. Beliebt. Es gibt so vieles was wir sein wollen und wir versuchen auf so viele unterschiedliche Weisen es zu sein. Ein Leben lang meist. Wenn wir Glück haben, finden wir unsere Fähigkeiten, finden wir woran wir uns entzünden und der Welt leuchten können. Wenn wir Pech haben, wollen wir sein was wir nicht sein können und brennen aus. Aber in beiden Fällen sind wir nicht vor dem Tod durch Geschwüre sicher.

Geburtstag feiern wir trotzdem. Auch allerhand anderes. Hauptsache Geschenke. Gaben. Mitbringsel. Aufmerksamkeiten. Handlungen für den anderen. Aus Liebe. Aus Konvention. Aus-? Die Sache mit dem Schenken ist eine Wissenschaft für sich, nicht zuletzt auch eine kulturelle und soziale. Aber wichtig.

Ist es falsch zu sagen, dass wir Menschen prinzipiell freudige Wesen sind? So im Großen und Ganzen kommen wir doch gut klar mit dem ganzen Getue rund um die für den Sarg ungeeigneten Dinge, der dummen, aber sympathischen Kuh, dem Chaos und der Intelligenz die vielleicht hinter allem steckt. Was macht es da schon, wenn unser Lebenswagen ab und an über ein Paar Felsen holpert und wenn wir nicht alles werden was wir sein wollen? Solange der eine oder andere Mensch liebevoll an uns denkt ist das Leben doch eigentlich ganz lebenswert. The show must sowieso go on, und wer ist schon gerne die Spaßbremse?
Immerhin ist die Freude am Leben essentiell. Was bliebe uns ohne ihr?

Doch zuweilen, wenn es uns die ganze Ernte verhagelt hat, der Blitz unser Häuser dem Erdboden gleichgemacht hat, unsere Lieben in der Sturmflut jämmerlich ersoffen sind, wenn wir vor den Trümmern unserer Existenz stehen, entflieht uns die Freude. "Wie gewonnen so zerronnen", lautet die Maxime unser ganzes Leben lang. Wir können jederzeit alles verlieren, unsere Situation sich von einer Sekunde auf die andere ins Gegenteil verkehren.
Und doch, irgendwo ganz tief in uns drinnen, glimmt wohl trotz allem immer noch ein Funken Lebensfreude der uns weitermachen lässt, der oft früher als später wieder auflodert und die Freude in uns entzündet. -Allein so unbeschwert lebensfroh wie in Kindertagen werden wir kaum mehr. Wir sind erwachsen geworden.

Wir haben gewonnen, wir haben verloren. Vielfacher Schmerz und Verlust haben uns gelehrt, dass die Not ein Teil unseres Daseins ist. Wir haben gelernt damit zu leben. Wir machen Lieder darüber, schreiben Gedichte, ja drehen ganze Filme zu dem Thema. Die Not inspiriert uns, und sie macht uns, wie das Sprichwort weiß, auch erfinderisch. Was hätten wir je erfunden, erdacht und erbaut, hätte nie eine Not uns geplagt?

Nun kennen wir also Freude und Leid. Stumpfen wir daran ab und werden kalt und starr wie Eis? Zum Teil ist es wohl so. Zum Teil erlernen wir Gleichgültigkeit, das "gefrieren" unserer Emotionen wohl auch als lebenswichtige Fähigkeit, um vernünftige Entscheidungen treffen zu können. Ganz so, wie das Wasser zwischen zwei Ufern friert und man so von einem zum anderen gelangen kann ohne von den Fluten mitgerissen zu werden.
Insofern ganz praktisch, doch so wie der Fluß einfach zufriert wenn es nur kalt genug ist, festigt sich auch das Weltbild eines Menschen, wenn es nur lange genug nicht erschüttert wird. Es friert ein, und das ziemlich rasch.

Allerdings sind die Gegenden die unablässig mit Eis bedeckt sind, auf dieser Welt sehr begrenzt. In den meisten Weltteilen erkennt man den Verlauf des Jahres am Wetter. So taut auch das Weltbild der meisten Menschen in regelmäßigen Abständen wieder auf, schmilzt, wird ungewiss, erblüht zu neuen Ansichten, bleibt eine Weile saftig frisch, stirbt dann ab und gefriert erneut zu toter Meinung.
Wir folgen Zyklen und sind selbst ein Zyklus. Was soll's. Am eisigen Acker Tomaten pflanzen zu wollen ist genauso sinnlos wie das erzwingen wollen einer neuen Weltsicht im geistigen Winter. Es kommt darauf an den richtigen Zeitpunkt zu erkennen und zu nutzen, dann klappt fast alles.

Nicht leugnen können wir indes, das wir gerne mal dem anderen ein bisschen einen Gifttrank mischen, oder ihn hinterrücks mit dem Eibenbogen erschießen. Lügen tun wir sowieso wie gedruckt, und wenn das nicht mehr hilft sind wir berechnend ehrlich. Wir sind findig, einfallsreich, verschlagen und listig. Damit kompensieren wir körperliche Nachteile und machen unseren Kontrahenten die Nahrung gleich samt seinem Weibchen streitig. Oder der Kontrahentin das Männchen, damit sich nun kein Geschlecht benachteiligt fühlt.
Die Welt ist so voller Wirrungen und Verstrickungen wie die Wurzeln des Eibenbaumes. Wir sind inmitten eines Waldes zickiger, verschlagener, missmutiger, machtbesessener, grausamer, überfürsorglicher, ängstlicher, tollkühner, neidischer und generell unzufriedener Eiben. Wir sind selbst eine solche Eibe. Genießen wir als den Weg durch diesen Wald, lernen wir, wie er funktioniert, wie wir selbst funktionieren. Dann wird Zickigkeit vielleicht zu Persönlichkeit, Verschlagenheit zu Gewandtheit, Missmut…..
In diesem Zusammenhang neigt der Mensch dazu sich immer wieder mal die Birne zuzudröhnen. Ob Drogen oder Meditation spielt dabei erst mal keine Rolle. "Turn on, Tune in, Drop out !", wie ein bekannter Guru der 60er Jahre mal gesagt hat. Über dem Eibenwald zu schweben ist eine Kunst für sich, heil in den Wald und den eigenen Baum zurück zu kommen eine andere.

Bis dahin vertreiben wir uns die Zeit mit ein wenig Glücksspiel. Rein mit den Würfeln in den Bechern, ordentlich durchschütteln und ab die Post. Gewonnen? Verloren? Wir sind ja Schicksalsschläge mittlerweile gewohnt, warum sollte uns da nicht auch das Glück einmal hold sein! Im Spiel ist es Glück wenn man entgegen einer gewissen Wahrscheinlichkeit gewinnt. Je größer die Unwahrscheinlichkeit eines Sieges, desto größer das Glück wenn es uns doch gelingt. Ist es im Leben genau so?
Manchmal spüren wir, wenn wir eine Glückssträhne, einen "Lauf" haben. Oder auch wenn wir eine Pechsträhne haben. Erstere lässt uns gerne alle Vorsicht vergessen, zweitere macht uns übervorsichtig und kleinkrämerisch. Die Mitte ist wohl das Ziel, wie immer.
Wie viel Glück liegt in unseren eigenen Händen?
Vorahnungen sind immer eine vertrackte Sache und manchmal eine lästige Angewohnheit.

So unsicher wie die Würfel fallen, kann es nicht schaden eine halbwegs gefestigte Persönlichkeit zu haben. Und was könnte unserer Persönlichkeit zuträglicher sein, als uns der Schöpfung verbunden, uns in ihr sicher zu fühlen? Fühlen wir uns als Teil davon, dann gleiten wir so leicht wie durch das Leben wie der Schwan übers Wasser, finden so sicher den Weg durch unser Dasein wie der Elch seinen Pfad durchs scharfe Sumpfgras, tun es ihm gleich und trotzen stolz erhobenen Hauptes den Unsicherheiten der Welt.
Ja, wir finden unseren Platz in der Welt, haben etwas gefunden woran wir glauben können, sind älter geworden, ein wenig weiser wohl auch.

Wie gesagt, so unbeschwert fröhlich wie in Kindertagen werden wir kaum jemals wieder sein. Aber die Sonne steht weiterhin hoch am Himmel. Wir fühlen uns gut und lebendig, aktiv und voller Tatendrang. Wir spüren den "flow" und dieses Gefühl ist in gewisser Weise die erwachsene Form kindlichen Frohsinns.

So ziehen die Jahre ins Land. Wir beginnen ein bisschen dem alten Tyr zu ähneln. Wir haben unsere eigenen Werte entwickelt denen wir die meiste Zeit über folgen. Gleich dem alten nordischen Haudegen gibt es Menschen -meist die eigene Familie- deren Wohlergehen wir über unser eigenes stellen, für die wir nicht nur einen Arm sondern auch unser Leben geben würden, wenn es denn sein müsste. Wir lernen, uns selbst nicht mehr ganz so wichtig zu nehmen, aber zugleich sind wir selbstsicher geworden, Autoritäten die sich nicht einreden lassen was sie durch Erfahrung besser wissen, denen aber auch bewusst ist, dass sie nicht alles wissen.
Zugleich geht uns nicht mehr alles so leicht von der Hand wie in jüngeren Jahren. Uns plagt so manches Zipperlein, gleich wie dem Tyr seine abgebissene Hand zu schaffen macht. So sind wir manchmal launisch und ungerecht gegenüber unseren Mitmenschen. Aber das ist nun mal so.

Die Birkendame steht dem alten Tyr in nichts nach. Auch sie muss nichts mehr beweisen, stellt das Wohl ihrer Kinder über ihr eigenes, ist selbstischer und um Rat nicht verlegen. Sie ist es, die den anderen liebevoll den Arm umlegt wenn der alte Tyr wieder einmal nur grantig vor sich hingrummelt. Und den jungen Mädchen verrät sie augenzwinkernd das eine oder andere Geheimnis über die Männer, während Tyr die jungen Burchen angrummelt ihn doch mit den lästigen Weibern in Ruhe zu lassen.
Wir kommen nicht umhin an unsere Großeltern zu denken, wenn wir nicht schon selbst welche sind.

Wobei böse Zungen behaupten, man solle das Denken doch lieber den Pferden überlassen, Des größeren Kopfes wegen. Vom Denken mal abgesehen, sind Pferde auf der Erde auch ganz praktische um einen von A nach B zu bringen. Auch lassen sich die Tiere in gewisser Weise als Alarmanlage verwenden, vorausgesetzt man beobachtet sie genau genug. Feinfühlig wie sie sind, bemerken sie das meiste schon vor dem Menschen. Und dennoch- Der Mensch zähmt und reitet das Pferd. Nicht umgekehrt. Womit wir wieder beim Denken wären. Was Pferde, ja Tiere generell, erwiesenermaßen ebenfalls können. Trotzdem sind wir ihre Herren, ebenso wie die Pferde des Sonnenwagens nicht Herr über die Sonne sind.
Odin reitet den achtbeinigen Sleipnir und beherrscht dabei die Welt. Sind wir also doch auch nur Pferde? Oder nicht einmal das, sonder nur Teil seines Pferdes?
Und ist unser Denken selbst nicht auch wie ein Pferd? Welches? Ein klappriger alter Hengst? Ein galoppierendes Rassepferd? Ungelenk wie ein Fohlen? Eine scheue Stute? Wir bewegen uns meist so durch die Welt wie wir denken.

Immerhin sind wir nun doch alt genug geworden, um Zeit für ein bisschen Geschichte zu haben. Der Mensch, das sind wir. Was macht uns dazu? Haben wir einst nicht begonnen, mit einem rohen Stock in der Erde herumzustochern um für uns und unsere Handvoll Mitmenschen ein paar essbare Wurzeln zu finden, während wir heut mit riesigen Maschinen ganze Landstriche bewirtschaften um Milliarden von Menschen zu ernähren?
Die Geschichte der Menschheit selbst, mit all ihrem Erfindungsreichtum, ihren Großreichen und deren Untergang, ihren Kriegen und Frieden -Dies alles sind wir. Heute. Der Mensch, die Menschen. Sind wir bloß eine weitere Spezies zwischen Göttern und Teufeln und Fabeltieren und Alfen und Alben und Zwergen und Riesen? Sind wir ein Produkt derselben? Oder ist es gar so, das diese uns selbst entspringen, in Außen projizierte Formen unserer Menschlichkeit sind? Fragen über Fragen. Warum sind wir wie und was wir sind?

Allein, und darin sind wir uns wohl alle einig, zum Leben brauchen wir Wasser. Wir selbst bestehen zu einem guten Teil daraus, unsere Welt ebenfalls, und das Leben hat ja bekanntlich im Meer begonnen. Wasser ist für uns Ressource, Grenze und Weg gleichermaßen. Ohne Wasser wächst nicht viel auf dieser Welt. Wen wundert es da, wenn so viele Priester unterschiedlichen Glaubens ihre Schäfchen ins Wasser tunken um sie irgendeiner Gottheit zu weihen. Wasser, in welcher Form auch immer, hat starken Einfluss auf unser seelisches Befinden. Ups. Da ist sie ja, die Seele, dieser umstrittene Begriff, mit dem wir so gerne unsere Gefühle und Gemütszustände in Zusammenhang bringen. Nun, kein Gefühl für das wir nicht eine wässrige Entsprechung fänden, oder?
Was lehrt uns das Wasser bezüglich unserer Seele? Genau, wenn wir heute Gift in den Teich schütten, gibt es morgen sauren Regen. Blut in der Quelle ist Blut überall. Unser Seelenleben ist ein komplexes Ökosystem aus Wasser, welches wir sauber halten sollten. Alles Wasser steht miteinander in Zusammenhang. Vergiften wir des Nachbarn Brunnen, wird das Gift früher oder später auch in unser Wasser gelangen. So einfach ist die Sache, und doch so bedeutend. So oft wird sie im Alltag vergessen.

Wie gesagt, wir sind älter geworden. Wir tragen unsere Fruchtbarkeit nicht mehr so ungestüm in die Welt hinaus wie in Jugendtagen. Generell sind wir ruhiger geworden. Wir haben gelernt das Dinge ihre Zeit brauchen und sind nun auch geduldig genug um ihnen diese Zeit zu lassen. Unsere Saat wächst, weil wir sie zum richtigen Zeitpunkt gesät, sie im rechten Maße und an den richtigen Tagen gegossen und ansonsten den Gesetzen der Natur vertraut haben.
Das Essen im Topf über dem Herdfeuer wir gar ohne anzubrennen, nicht zu lind und nicht zu scharf gewürzt. Wir haben gelernt, dass die Welt sich für uns nicht schneller oder langsamer dreht. Wir versuchen nicht mehr, Dinge zu ändern die wir nicht ändern können, sondern nehmen sie wie sie sind und kommen gut damit klar. Was wir nicht mehr Feuer und Flamme zusammenbauen können, errichten wir durch Geduld und mithilfe heiterer Gemütsruhe. So manchen wird dadurch besser, auch wenn es länger dauert.

Jetzt, an unserem Lebensabend, sitzen wir sinnend da. Unser Augenlicht ist ein wenig schwächer geworden, wir sehen nicht mehr alles ganz so scharf. Unsere Ohren sind weniger empfindlich, was uns dabei hilft nach innen zu blicken. Wir tun nicht mehr all zu viel, während die Unterschiede zwischen Tag und Nacht und anderen Polaritäten an Wichtigkeit verlieren. In diesem Licht scheint so vieles das wir getan haben als belanglos. Wir finden vieles was wir heute anders machen würden, aber auch vieles das wir gut gemacht haben. Die Erinnerung verdrängt allmählich das Heute.
Aber Geburtstag feiern wir immer noch gerne. Wir freuen uns am Leben der Jungen und wissen ihre manche Weisheit mit auf den Weg zu geben.

Dann, eines schönen Tages, liegen wir tot auf unserem Bette. Uns kümmert das nicht mehr.
Aber unsere Erben erinnern sich an unser Leben und vergleichen es mit dem ihren. Vielleicht finden sie etwas, dass sie genauso machen wollen wie wir damals.
Woanders aber, kommt ein Kind zur Welt. Es wird hineingeboren in eine Familie, deren Besitz zum Teil ein Erbe ist, deren Werte und deren Wirken sich zum Teil an verstorbenen Vorbildern orientiert. Und das Kind selbst, wird sich, mitsamt der ihm in die Wiege gelegten Veranlagungen, an seinen Eltern orientieren, und einst erben was sie geerbt und geschaffen haben. All die Dinge die im Sarg einst wertlos sein werden….

Ihwar

.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-
Die Runen behandeln einen so wie man sie selbst behandelt. Meistens.
-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-

Ansuz Offline

Hausmeister


Beiträge: 5.158

06.02.2011 09:23
#2 RE: Gedanken zur Runenreihe antworten

Hallo Ihwar,

vielen Dank für Dein Brainstorming!!!!!
Das ist megainteressant

Ich werde es mir noch viele Male durchlesen, da ich die Zusammenhänge in Deinen Gedanken so spannend finde.

Vielen Dank dafür

viele Grüße
Ansuz



"Man erlangt die Erleuchtung nicht,
indem man sich das Licht vergegenwärtigt, sondern indem man die Dunkelheit erforscht."(CG Jung)

Rabenwölfin Offline

Altrabe


Beiträge: 1.103

06.02.2011 10:59
#3 RE: Gedanken zur Runenreihe antworten

Sehr geehrter Herr Ihwar,


das nenn ich jetzt ein "Hammermässiges" Brainstorming
ich bin echt platt, wie Sie das alles zusammen gebrainstormt haben
WOW


mfg
Rabenwölfin

Über uns tanzen die Galaxien in die Unendlichkeit hinaus...unter unseren Füßen schlummert die uralte Erde...
~AnamCara~

Tanith Offline

Altrabe


Beiträge: 8.297

06.02.2011 13:59
#4 RE: Gedanken zur Runenreihe antworten

Hej, Ihwar,
ich habe die Ergebnisse deines "Brainstormings" mit größtem Interesse gelesen. Es gibt Details, die mir besonders gefallen, zum BEispiel, dass der Mensch ein Rindviech ist und vieles andere mehr. Eines ist mir aber auch wieder sehr deutlich geworden. Die Runen sind die philosophischen Wegweiser für jeden von uns. Schon lange meine Meinung. Ich habe mich stets dagegen gewehrt, Runendeutungen als eine Art "Vorhersage" zu sehen. Nein, das Beschäftigen mit dem eigenen Leben und dem Leben an sich, das macht die Kenntnis der Runen aus. Natürlich sind ihre Zeichen irgendwann einmal entstanden und festgeshrieben worden, aber nicht die Deutungen dazu, die wir immer wieder neu entdecken können.
Ich gratuiere dir zu diesem Text. Er macht nachdenklich und wird sicher in der einen oder anderen Weise in Überlegungen, die ich mit Runen anstelle, einfließen.

Liebe Grüße
Tanith

In einem Sumpf schwimmst du dich nicht frei ich

Valkyrja Offline

Altrabe


Beiträge: 1.146

07.02.2011 19:40
#5 RE: Gedanken zur Runenreihe antworten

Hallo Ihwar,

hatte leider bisher nur die Muße, deine Gedanken zu überfliegen... freue mich aber schon darauf, mich wirklich damit zu becshäftigen...
Danach auch mehr von meinen Eindrücken^^

Erst mal ein dickes Danke fürs Teilen!!

heilsa
Corvina



Das Leben ist eine Lektion in Fleisch und Blut, die deine Seele sich gewählt hat.

Radegunde Offline

Altrabe


Beiträge: 956

08.02.2011 09:52
#6 RE: Gedanken zur Runenreihe antworten

Lieber Ihwar,
wow, da warst Du aber echt inspiriert!
Gefällt mir ausgesprochen gut, diese Runenauslegung!

Liebe Grüsse
Radegunde


Krächz

Tharen Offline

Altrabe


Beiträge: 1.466

08.02.2011 16:59
#7 RE: Gedanken zur Runenreihe antworten

Hallo Ihwar,

erstmal danke für die tollen Assoziationen. Ich bin bisher aber "nur drüber geflogen", da es mir momentan *mal wieder* an Zeit mangelt. Am Wochenende habe ich mehr Zeit und werde mir deine Runenkunde vornehmen und mal auf mich wirken lassen.

Danke fürs Einstellen

Liebe Grüße
Luthien

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Tharen Offline

Altrabe


Beiträge: 1.466

12.02.2011 16:46
#8 RE: Gedanken zur Runenreihe antworten

Hallo Ihwar,

erst einmal danke! Ich habe oftmals sehr geschmunzelt Ich mag deine Art von Humor, gepaart mit dem Ernst des Lebens total Du verstehst es, den Leser in einem Bann zu halten, gleichzeitig Wissen zu vermitteln und dabei nicht einem äusserem, sondern deinem inneren Muster zu folgen, welches in uns allen ruht und wir uns selbst darin spiegeln und wieder finden können. Mein Kompliment

Vom Beginn des Lebens, über die Reife, die Weis-heit und den Tod schließt sich der aufgeschriebene Runenkreislauf und würde sicher auch beim Einäugigen für Schmunzeln und Komplimente sorgen. Mit hab ich es persönlich nicht besonders, obwohl wir uns langsam einander annähern. Aber durch deine optisch dargestellte Sicht, weiß ich nun auch ein Stück mehr, warum sie und ich so lange miteinander hader(te)n.

Danke für die Einsichten!

Liebe Grüße
Luthien

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RainBow Offline

Altrabe


Beiträge: 1.291

30.03.2014 21:53
#9 RE: Gedanken zur Runenreihe antworten

Hallo Ihwar,

bin heute hierrauf gestoßen, darf ich mir dein Brainstorming mal ausdrucken, das muß ich erstmal sacken lassen.

?????

Liebe Grüße RainBow

*~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~*

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