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Dieses Thema hat 34 Antworten
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 Germanischer Schamanismus
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Valkyrja Offline

Altrabe


Beiträge: 1.146

04.09.2011 18:15
Schamanen antworten

Hallo liebe Raben,

angestoßen von dem Link mit dem Interwiev mit Ch. Rätsch wollte ich doch mal die Frage in den Raum stellen, ob es denn überhaupt noch Schamanen in unserem Kulturkreis gibt... Sicher sind da viele Menschen, die Seminare besuchen, Bücher lesen, mal die ein oder andere schamanische Reise machen, aber das ist ja nicht das Gleiche!

Auch gehört ja laut Rätsch eine Initiation dazu... ein Erlebnis, das einen zum Schamanen beruft.
Und anschließend eine langjährige Ausbildung bei mehreren SChamanen. Wenn ich diese Voraussetzungen mal als Tatsache annehmen würde, dann gäbe es bei uns wohl niemals mehr die Gelegenheit, Schamanen in der Gesellschaft zu haben, die auch hier verwurzelt sind, denn sie könnten ja nur in Gebieten auf der Welt gelernt haben, wo noch "echte" Schamanen leben und wirken...

Was das Initiationserlebnis angeht, so stimme ich dem zu. Nur wie "intensiv" das sein muss, damit es "anerkannt" wird... wer will das beurteilen??
Ich denke, dass alles was ein Schamane wissen muss, auch in den anderen Welten gelehrt wird, wenn denn jemand Zugang zu diesem Wissen bekommen soll. Und müssen nicht auch irgendwann mal die ersten Schamanen dieser Welt ihr Wissen auf diese Weise erlangt haben?? Irgendwann muss es ja mal begonnen haben, zumindest auf der menschlichen Ebene...

Um jetzt nicht missverstanden zu werden: Ich bin auch der Meinung, dass es viele Menschen gibt, die mit großen Begriffen um sich schmeißen, weil sie mal ein Seminar besucht oder ein Buch gelesen haben. Aber das trifft wohl auf so ziemlich jeden Bereich der "esoterischen" Welt zu. In vielen Fällen steckt wohl mehr heiße Luft als etwas Handfestes dahinter.

Mich würde nur interessieren, ob ihr es für möglich haltet, dass wir Westeuropäer in der Lage sind, einen neuen Zugang zu unseren Wurzeln zu finden und auch wieder einen schamanischen Anteil in unserer Kultur zuzulassen? Dabei geht es mir gar nicht um irgendwelche "authentisch" wiederbelebten Rituale und Bräuche unserer Ahnen, denn das funktioniert sowieso nicht. Wir können doch nur eine Rückbesinnung zustanden bringen, auf deren Basis eine zukünftige "Tiefe" erreicht werden kann... neue Traditionen schaffen, die in die heutige Zeit passen und trotzdem ein Stück "back to the roots" sind.

Bin gespannt, wie ihr das seht...

heilsa
Corvina



Das Leben ist eine Lektion in Fleisch und Blut, die deine Seele sich gewählt hat.

Radegunde Offline

Altrabe


Beiträge: 957

05.09.2011 11:42
#2 RE: Schamanen antworten

Hallo Corvina,
Vorneweg: Christian Rätsch ist ein Ethnologe, der "native" gegangen ist. In der Ethnologie gibt es so wenig Jobs nach dem Studium, dass einige Ethnologen es vorziehen, den Lebensstil der von ihnen untersuchten Völker mehr oder weniger zu imitieren und Kurse/Seminare dazu anzubieten, sodass auch Nichtethnologen auf der Suche nach esoterischen Erlebnissen von ihrem Wissen profitieren können. (Rätsch ist nicht der Einzige - es gibt sogar amerikanische Ethnologie-Professoren, die solche Kurse in den Universitäts-Ferien anbieten - schliesslich wird ein Professor in den USA in den Ferien nicht bezahlt und er muss ja auch von irgendwas leben!)

Ein Schamane wird tatsächlich "berufen" (das sogenannte initiatorische Erlebnis) - er wird Schamane, nicht weil er es möchte, sondern weil er es "muss" - es wird ihm von einer höheren/göttlichen Macht befohlen. Und das ist die einzige "Anerkennung", die für ihn zählt.
In tribalen Gesellschaften ist das Schamanen-Dasein nicht etwas, was aktiv gesucht wird, es sind nämlich eine ganze Reihe von unangenehmen Dingen damit verbunden - Tabus, Opfer, Schmerzen und im Allgemeinen materielle Armut.
"Die langjährige Ausbildung bei mehreren Schamanen" ist meines Erachtens eine moderne Erfindung von Rätsch - schliesslich muss er dafür sorgen, dass seine und anderer Leute Kursbesucher auch weiterhin kommen!

Ein Schamane kann alles, was er wissen muss direkt in der "anderen Welt" vermittelt bekommen. (In unserer modernen Welt öffnet das natürlich Tür und Tor für alle möglichen Scharlatane, die es selbstverständlich auch in den tribalen Gesellschaften gab und gibt)

Eine langjährige Ausbildung bei menschlichen Lehrern (im Gegensatz zu den "göttlichen Lehrern und sonstigen Geistwesen im Schamanismus) kennzeichnet den Unterschied zwischen Schamane und Medizinmann - ein gewaltiger Unterschied, den Rätsch eigentlich kennen müsste.
Ein "berufener" Schamane kann natürlich bei einem Medizinmann in die Lehre gehen, wenn er von diesem bestimmte Dinge lernen möchte, aber es besteht keine Verpflichtung dazu, da er im Allgemeinen auf einer völlig anderen (geistigen) Ebene arbeitet, als der Medizinmann, der eher mit einem Kräuterdoktor verglichen werden kann.

Meine persönliche Meinung dazu ist: Wenn Person A sagt, sie hätte einen direkten Draht zu Gott und Person B sagt, so etwas sei erst dann anzuerkennen, nachdem A ein 10-jähriges Theologiestudium absolviert hätte, und dieses nach den Qualitätskriterien von B, dann ist B jemand, der entweder Macht ausüben oder Geld verdienen möchte.
Warum sollte A die Anerkennung von B nötig haben, wenn er doch bereits die Anerkennung von Gott hat?

Viele Grüsse
Radegunde


Krächz

Ourobo Offline

Rabe


Beiträge: 238

05.09.2011 16:19
#3 RE: Schamanen antworten

Hallo Rabenvolk,

immer wieder - hier wie andernorts in Foren - wird das Weltbild und die "Meinung" durch Bücher vertreten...
Die Frage ist aber, welche Erfahrungen liegen diesem Zugrunde!?
Und inwieweit haben diese ein Anrecht auf Ausschließlichkeit (oder wollen dieses auch gar nicht)?!

Nichts Prinzipielles gegen diverse Autoren und "Meinungsmacher" - aber wir glauben zu schnell zu sehr, dass etwas wahr sein muss, "weil es ja da (bei einem respektieren Schreiber) steht". Oder weil es "überliefert" ist (was immer das konkret heißt).
Das wäre zunächst nicht anders, als wenn wir der Bibel oder anderen "heiligen" Schriften folgen, ohne nachzudenken, ohne erfahren zu wollen, ohne das Weltbild zu überprüfen - und meine Vorurteile zu hinterfragen.


Zitat von Corvina

Mich würde nur interessieren, ob ihr es für möglich haltet, dass wir Westeuropäer in der Lage sind, einen neuen Zugang zu unseren Wurzeln zu finden und auch wieder einen schamanischen Anteil in unserer Kultur zuzulassen? Dabei geht es mir gar nicht um irgendwelche "authentisch" wiederbelebten Rituale und Bräuche unserer Ahnen, denn das funktioniert sowieso nicht. Wir können doch nur eine Rückbesinnung zustanden bringen, auf deren Basis eine zukünftige "Tiefe" erreicht werden kann... neue Traditionen schaffen, die in die heutige Zeit passen und trotzdem ein Stück "back to the roots" sind.

Bin gespannt, wie ihr das seht...


Ich halte es nicht nur für möglich, ich gehe diesen Weg mit einigen anderen zusammen.
Allerdings: was sind denn "unsere" Wurzeln? Waren wir inkarnationsübergreifend schon immer "hier in Nordeuropa"? Wenn ja, in welchem Teil zu welchen Zeiten in diesem riiiiiesigen bewegten Schmelztiegel? Habe ich auch die Runen der Goten gekannt? War ich nicht auch schon in der Vinca-Kultur mit ihren runenähnlichen Zeichen zuhause? Wo war ich vorher?
Warum ist die Symbolik der Rune Sol identisch mit der der Göttin Ishtar?

Tiefe gibt es nur jetzt. in. mir.
Aber ich kann aus dem schöpfen/erinnern, was dereinst entdeckt und versteckt wurde an Weisheiten und Wissen, seien es die Runen, das I Ging, bestimmte Rituale und Techniken (z.B. Pentagramm-Arbeit, Räuchern, Trancen), Schwitzhütten verschiedener Traditionen uvm.
Aber auch was alt wirkt, ist im Angesicht der Unendlichkeit ein zeitlicher Witz und seit Jahrtausenden durch die religiöse Strömung des Patriarchats geprägt. Also auch die Sichtweisen und Erfahrungsdeutungen der "alten Traditionen".

Und ich sollte aus dem schöpfen, was ich von den Spirits (Götter, Engel, Krafttiere, Devas, Elemente etc.) lernen kann. Im Austausch für die Hingabe, damit etwas Sinnstiftendes anzufangen!

Soweit ein bisschen Euphorie vom Wolf
Es wird noch mehr folgen...

Wo ein Kopf ist, ist meistens auch ein Brett...

Tanith Offline

Altrabe


Beiträge: 8.335

05.09.2011 16:34
#4 RE: Schamanen antworten

Hej, ihr lieben Raben,
ich setze hier mal voraus, dass es im Grunde nichts gibt, was es nicht gibt. So denke ich, dass sich in einer Person auch Medizinmann und Schamane vereinigen können, soll es geben. Ich habe immer die große Hoffnung, dass im Innersten ein Mensch fühlt, ob er diesen Weg oder einen anderen beschreiten kann. Es gibt doch so etwas wie Naturtalente. Ich kenne zum BEispiel jemanden, der durch Zufall entdeckt hat, dass er fähig ist, "Hypnose" anzuwenden, ohne dass er es gelernt hat. Ich kenne eine Frau, die schamanische Reisen anbietet und diese - unentgeltlich - durchaus anderen zugute kommen lässt, die sie benötigen, ohne dass sie eine Ausbildung gemacht hat. Mein Großvater mütterlicherseits konnte Schmerzen mit der Hand bei anderen "erfühlen", ohne dass diese ihm vorher gesagt haben, was ihnen weh tut. Ein wenig von dieser Gabe habe ich ererbt, obwohl es sich bei mir auf Kopf und Nacken beschränkt. Leider.
Radegunde hat recht mit dem Beispiel von A und B. Die Neigung nach Zeugnisforderungen und Zertifikaten ist leider der Zeitgeist. Anders glaube ich aber auch nicht einfach jemandem nur so. BEstimmte "Beweise" muss er schon bringen, an meinem Leib und meiner Seele.
Ich möchte daran glauben, dass wir Fähigkeiten auch in unserer Zeit trainieren können, wenn wir sie in uns fühlen und wachsen fühlen. Diese dann mit Hilfe von Gleichgesinnten erforschen und dazu lernen, dieser Weg ist meiner Ansicht nach ein gangbarer.
Wir sollten uns nicht scheuen, immer wieder in uns hineinzuhorchen und uns nicht ins Bockshorn jagen lassen, wenn "Ungläubige" es nicht wahrheben wollen, dass es Dinge zwischen Himmel und Erde gibt, die nicht in Lehrbüchern beschrieben werden, sondern die in uns vorhanden sind.
Allen Mut zu den eigenen Fähigkeiten
wünscht euch
Tanith

PS
Nun ist mein PC schon wieder zweifach abgestürzt. Deshalb konnte sich jemand dazwischen drängeln, huhuuuu Ourobo!

In einem Sumpf schwimmst du dich nicht frei ich

Valkyrja Offline

Altrabe


Beiträge: 1.146

05.09.2011 17:55
#5 RE: Schamanen antworten

Liebe Raben,

ich musste beim Lesen eurer Antworten ein bisschen schmunzeln, weil ich sie als sehr energiegeladen empfunden habe.

Und ich hab auch gemerkt, dass ich mich mal wieder nicht an allen Stellen klat genug ausgedrückt habe...
Ich wollte mich keineswegs an Rätsch festbeißen, denn das war einfach nur der aktuelle Anstoß.. da gibt es genug andere, auch aus ganz anderen Fachbereichen, die ähnliche Töne anstimmen... Sollte also nicht um die Person an sich gehen.

Ich möchte auch noch aml auf die "Wurzeln" kommen.. denn sicher ist man im Laufe der verschiedenen Inkarnatiobsetappen immer mal wieder hier und da anzutreffen, um das mal locker flockig auszudrücken. Aber zum Beispiel habe ich in diesem Leben das Gefühl, meine Wurzeln ganz deutlich zu spüren. Mag sein, dass sie auf dem nächsten Wegabschnitt nicht mehr so bedeutsam sind... jetzt sind sie es. Aber die sind eher individuell bedeutsam. Daneben gibt es aber eben auch ein regionales Brauchtum, was meiner Meinung nach bei uns zu kurz kommt. Es geht weniger um die Bräuche an sich, als das was sie mit sich bringen. So stelle ich an den meisten Menschen eine totale Entfremdung zu natürlichen Zyklen wie Jahreszeiten etc fest... nur ein Gedanke dazu...

Ich finde bei euch viele meiner eigenen Gedanken wieder!! Und das freut mich total, weil es mir das Gefühl gibt, dass es doch ein Umdenken gibt, was immer weitere Kreise zieht...
Denn auch wenn ich eigentlich weiß, dass es nicht so ist, so fühle ich mich manchmal mit meinem Weg doch recht alleine... auch das kennt ihr wahrscheinlich phasenweise..

heilsa
Corvina



Das Leben ist eine Lektion in Fleisch und Blut, die deine Seele sich gewählt hat.

Ihwar Offline

Altrabe


Beiträge: 2.163

05.09.2011 19:52
#6 RE: Schamanen antworten

Hallo Corvina

Ich glaube das, was heute in unserem Kulturkreis einem Schamanen am nächsten kommt, sind Menschen die in irgend einer Weise hervorragend psychologisch geschult sind, und dieses Wissen auch verwenden können und wollen um anderen Menschen zu helfen. Im Idealfall haben sie auch noch ein fundiertes Wissen in der "Körpermedizin", so wie der Schamane ja auch mit Kräutern usw. umgehen kann. (Wobei, was spricht dagegen, das hier mehrere Menschen auf verschiedenen Ebenen zusammenarbeiten?)
Aber bleiben wir beim psychologisch geschulten Menschen, nennen wir ihn der Einfachheit halber Psychologe. Ein Psychologe weiß im Idealfall, wie die Seele seines Patienten funktioniert, welche Ebenen wie aufeinander wirken, und auf welcher Ebene er wie wirken muss Veränderungen herbeizuführen. Das Vokabular welches er dabei verwendet, ist Ergebnis seines Kulturkreises, ebenso wie seine Methoden dem Weltbild seiner Kultur angepasst sind.
Ein Schamane macht meiner Meinung nach nichts anderes. Es ändert sich lediglich sein Vokabular und das Weltbild in dem, bzw. mit dem er arbeitet.
Es macht letztlich keinen Unterschied, ob ein Mensch gesundet weil sein Schamane verärgerte Geister besänftigt, oder weil sein Therapeut mit ihm verdrängte Erlebnisse aufarbeitet. Ich glaube auch, dass Schamane und Psychologe ohne weiteres die Patienten tauschen und trotzdem Erfolge erzielen könnten, wenngleich vielleicht auch mit mehr Vorlaufzeit, weil es dauert bis die beiden ihre Patienten begriffen und ihre Methoden angepasst haben.
Wenn unsere Kultur nach wie vor an unsichtbare Mächte, Geister, an mehrere Daseinseben etc.glauben würden, wenn es tief verwurzelte Rituale und Bräuche geben würde, dann wären unsere Psychologen Schamanen. Und Schamanen, deren Kultur dieser Glaube abhanden kommen würde, wären unsere Psychologen....
Das ist jetzt natürlich alles stark vereinfacht ausgedrückt und in Wahrheit wohl differenzierter zu betrachten, aber im Grunde und ganz naiv ausgedrückt, läuft es darauf hinaus, denke ich.

Ihwar

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Runen? Äh ja, keine Ahnung wann ich das letzte mal welche in der Hand hatte.

Valkyrja Offline

Altrabe


Beiträge: 1.146

05.09.2011 21:17
#7 RE: Schamanen antworten

Hallo Ihwar,

ja.. den Gedankengang hatte ich auch schon öfter und teile ihn zumindest zum größten Teil.
Auf einen Psychologen mit einer sehr guten Intuition, der sich nicht nur auf seine akademische Ausbildung, sondern sein Herz berufen kann, kommt dem sicher sehr nahe. Aber genau das setzt es eben voraus...

Ich denke oft, uns ist ein großes Stück Menschlichkeit abhanden gekommen.... uns allen...
Alle sehnen sich nach Nähe, Wärme, Kontakt... und was machen wir? Gehen uns aus dem Weg, grüßen uns kaum noch, selbst wenn wir im selben Haus wohnen etc. Das lässt sich ja beliebig weiter spinnen.
Die Macht der Bildersprache und den dazugehörigen Welten - die, in denen auch Schamanen zu Hause sind - berührt die Herzen, ist die Sprache des Herzens. Nur leider verstehen sie viele kaum noch. Ich glaube, da könnte z.B. Schamanismus ein möglicher Weg sein, dies wiederzufinden.

heilsa
Corvina



Das Leben ist eine Lektion in Fleisch und Blut, die deine Seele sich gewählt hat.

Ihwar Offline

Altrabe


Beiträge: 2.163

07.09.2011 20:08
#8 RE: Schamanen antworten

Hallo Corvina

Zitat
Ich denke oft, uns ist ein großes Stück Menschlichkeit abhanden gekommen.... uns allen...
Alle sehnen sich nach Nähe, Wärme, Kontakt... und was machen wir? Gehen uns aus dem Weg, grüßen uns kaum noch, selbst wenn wir im selben Haus wohnen etc. Das lässt sich ja beliebig weiter spinnen.



Ich weiß nicht ob die Welt wirklich so viel kälter geworden ist. In Summe, so glaube ich, eigentlich nicht. Sicher wurde früher mehr persönlich geredet, aber das liegt meiner Meinung nach am fehlen anderer schneller Kommunikationsmittel wie Handy und Internet zum einen, und zum anderen einfach am Bedürfnis nach Information, welche heutzutage ja ebenfalls in weitaus größerem Umfang über Internet und Kabelfernsehen konsumierbar ist. Sowohl in den großen Weltthemen, als auch im halbprivaten. Den ganzen Klatsch und Tratsch den meine Großmutter mit ihren Bekannten auf der Straße ausgetauscht hat, kann (oder muss) ich heute auf facebook nachlesen. Ist persönliche Kommunikation von Angesicht zu Angesicht zwangsläufig besser als ein Gespräch per mail? Ich glaube das hängt vom Thema ab. Und die wirklich wichtigen Dinge, glaube ich, reden die Leute heutzutage nach wie vor im selben Ausmaß wie früher unter sich aus.
Grüßen scheint generell aus der Mode zu kommen. Vielleicht liegt das am Bevölkerungswachstum. Je kleiner die Ortschaft, desto eher grüssen sich die Menschen, und sie grüssen sich weil sie sich kennen. Was ich interessant finde ist, dass sich wildfremde Menschen vor allem dann grüßen, wenn sie sich an exponierten Orten begegnen, etwa auf Bergwanderungen und ähnlichem.

Zitat
Die Macht der Bildersprache und den dazugehörigen Welten - die, in denen auch Schamanen zu Hause sind - berührt die Herzen, ist die Sprache des Herzens. Nur leider verstehen sie viele kaum noch. Ich glaube, da könnte z.B. Schamanismus ein möglicher Weg sein, dies wiederzufinden.



"Nur leider verstehen sie viele kaum noch." ...Wobei sich jetzt die Frage stellt, ob es Schamanen nicht nur aus dem Grund gibt, weil der Mensch seit jeher Schwierigkeiten mit der Sprache seines Herzens hat. Natürlich kann ein Schamane in einer relativ kleinen Gemeinschaft mit relativ einheitliche Wertvorstellung, einheitlichem Welt- und Rollenbild so eine Art Vorsorge-Schamanismus praktizieren um der "Taubheit gegenüber dem Herzen" der Menschheit vorzubeugen.
Aber wie sieht das in unserer Gesellschaft aus, die einerseits starken Wert auf Individualität legt, sich andererseits doch auch nach Konformität sehnt, wo Rollenbilder oft nicht mehr klar definiert sind, sich Wertvorstellungen stärker unterscheiden und es viele verschiedene Weltbilder gibt? Das muss ja dann letztlich auch Heerscharen von Schamanen/Psychologen mit verschiedenen Ansätzen hinauslaufen, oder?

Ihwar

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Valkyrja Offline

Altrabe


Beiträge: 1.146

07.09.2011 20:46
#9 RE: Schamanen antworten

Hallo Ihwar,

deine Beobachtung, dass Menschen sich an besonderen Orten gerade dann zu grüßen scheinen, wenn sei "wildfremd" sind, finde ich spannend.. und wenn ich mich so erinnere, dann stimmt das tatasächlich. Wobei ich auch feststelle, das sich z. B. Hundebeseitzer bei ihren Spaziergängen eher grüßen und ins Gespräch kommen, als andere Menschen.. wäre sicher auch mal ein interessanter Ansatz.

Sicher hat sich INformatio und Kommunikation gewandelt und ich kann und will mich dem auch nicht verschließen. Und trotzdem finde ich, dass wir teilweise einen sehr hohen Preis dafür zahlen. Sicher kann man den Wert einer persönlich "getratschten" Info gegenüber einem Post auf Facebook in Frage stellen, aber im persönlichen Kontakt findet in meinem Erleben noch eine Menge mehr statt... Besonders körperlicher Kontakt ist doch in unserer Gesellschaft inszwischen in sehr kontrollierte Rahmenbedingungen gepresst worden, auch wenn wir alle wissen, dass jeder Mensch ein Bedürfnis danach hat. Trotzdem scheint die Abwehr gegen den Eindringlich in den persönlichen körperlichen Bereich wichtiger, als jenes Bedürfnis...
Ein Pseudo-Begrüßungs-Küsschen links und rechts macht da auch nichts her..

Um das mal klar zu sagen: Ich will nicht sagen "Früher war alles besser".. absolut nicht!
Aber bei allem Streben nach Individualität sehe ich doch so viele Menschen, die sich eigentlich wesentlich mehr nach den von ihnen selbst angenommenen Wümschen ihrer Mitmenschen richten, als den wirklichen eigenen Ansichten... wie paradox! Unsicherheit zeigt sich oft durch die Maske der Überheblichkeit, Arroganz, Distanz, etc...

Ich glaube auch nicht, dass es Schamanen geben muss, damit die Menschen wieder zu sich selbst finden können, um das mal sehr vereinfacht zu sagen... ich glaube vielmehr, dass eine Öffnung des Bewusstseins für eine schamanische Weltsicht den Menschen in seiner Entwicklung sehr unterstützen kann. Macht einen heute guten Schamanen denn nicht gerade aus, dass er nicht auf ein bestimmtes Weltbild festgelegt ist, sondern es im mehr darum geht, den Menschen die Brille zu reichen, damit sie ihren Weg selbst sehen können?

heilsa
Corvina



Das Leben ist eine Lektion in Fleisch und Blut, die deine Seele sich gewählt hat.

Ihwar Offline

Altrabe


Beiträge: 2.163

08.09.2011 14:42
#10 RE: Schamanen antworten

Hallo Corvina, hallo zusammen

Zitat
ich glaube vielmehr, dass eine Öffnung des Bewusstseins für eine schamanische Weltsicht den Menschen in seiner Entwicklung sehr unterstützen kann. Macht einen heute guten Schamanen denn nicht gerade aus, dass er nicht auf ein bestimmtes Weltbild festgelegt ist, sondern es im mehr darum geht, den Menschen die Brille zu reichen, damit sie ihren Weg selbst sehen können?



Auf jeden Fall, würde ich sagen.

Ich finde das Thema sehr spannend. Mich würde diesbezüglich auch sehr interessieren, wie ihr für euch den Begriff "schamanische Weltsicht" definiert.

Ihwar

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Valkyrja Offline

Altrabe


Beiträge: 1.146

08.09.2011 20:22
#11 RE: Schamanen antworten

Hallo Ihwar,

also für mich persönlich beinhaltet ein schamanisches Weltbild zu allererst den Grundgedanken, dass alles beseelt ist.. alles lebt! Und somit ist kein Mensch wichtiger als ein Hund, als ein Baum, als ein Grashalm, als ein Stein, als ein Sandkorn etc...

Außerdem existieren für mich verschiedene "Dimensionen".. man kann sie auch Welten nennen, die parallel zu unserer Alltagswirklichkeit sind. Die kann man bereisen und dort das eigentlich wichtige Wissen erwerben.. zumindest empfinde ich es als das wesentliche Wissen, das nicht unbedingt mit unserem kognitiven Wissenbegriff gleichzusetzen ist.

Ich find das immer wieder schwer in Worte zu fassen...

heilsa
Corvina



Das Leben ist eine Lektion in Fleisch und Blut, die deine Seele sich gewählt hat.

loki66 Offline

Rabe


Beiträge: 445

09.09.2011 14:34
#12 RE: Schamanen antworten

Hallo Raben,

Diese Diskussion finde ich sowas von interessant und leider kann ich mich da nicht so fallenlassen, um auf Eurem Nivau und mit Euren Erfahrungen mitzureden.
Der Schamanismus generell ist ja auch etwas mit Tiefgang,was uns heutzutage total abhanden gekommen ist. Wie schon erwähnt, sind es Naturtalente oder geschulte
Menschen. Neben dem Bewußtsein,sind wahrscheinlich auch psychoaktive Wirkstoffe zum Einsatz gekommen. Es heißt doch auch zurück zu den Wurzeln und ich meine,dass so etwas nur in Nordeuropa,Afrika und Nordamerika und Australien praktiziert wurde. Kann es sein,dass der Schamanismus sich im traditionellen Sinne
in Nordeuropa von anderen Kulturen unterscheidet?
Neu aufgerollt,von den Wikingern bis Mercedes Benz. Es interessiert mich total und möchte nicht in die falsche Ecke gedrängt werden.
Mal ein Beispiel: die Völkerwanderung ist doch an Skandinavien und Friesland vorbei gegangen.
Hat das im germanischen Schamanismus überhaupt was zu sagen?
In dem Buch "Traumpfade" ging es um Schamanismus bei den Aborigines im Outback,wo eine Engländerin aufgenommen wurde und sie hat dann ihre Gedanken auf beeindruckende Weise niedergeschrieben.
Oder ein Buddhist in China hat mit Gebeten Quellen zum Sprudeln gebracht.
Der Schamanismus ist doch oft jenseits aller Vorstellungen und die Philosophie darüber kann auch,ich würde mal sagen in der Denkweise einen regelrechten Zwiespalt auslösen.
Sehe ich das Alles verkehrt oder ist mein Denkansatz zu primitiv?

Gruß loki66

Valkyrja Offline

Altrabe


Beiträge: 1.146

09.09.2011 17:14
#13 RE: Schamanen antworten

Hallo loki,

Schamanismus wird wohl in jedem kulturellen Kontext anders ausgeprägt vorkommen, bzw. vorgekommen sein. Michael Harner hat viele Völker "besucht" und mit ihnen gelebt, in denen Schamanen und schamanische Praktiken und Rituale auch heute noch ganz lebendig sind. Dabei hat er festgestellt, dass gewisse schamanische Elemente scheinbar überall auf der Welt zu finden sind und hat dies als Core-Schamanismus zusammengefasst.
Ich bin überzeugt davon, dass es überall auf der Welt Schamanen gegeben hat... nur weil wir seit geraumer Zeit die Wissenschaft und das Forschen als Zeichen der Intelligenz und höheren Entwicklung bewerten, heißt das nicht, dass die feiner stofflichen Ebenen nicht existieren, nur weil man sie nicht sehen, anfassen, erklären oder messen kann... wobei hier ja auch langsam in der Physik Erkenntnisse gewonnen werden, die vieles von dem bestätigen, was das schamanischen Erleben auch "wissenschaftlich" bestätigt.. aber Physik ist nicht so meine Welt... mir reicht da meine eigene Wahrheit...

Ich muss gestehen, dass ich deinen Post etwas konfus fand..

Zitat von loki66


Der Schamanismus ist doch oft jenseits aller Vorstellungen und die Philosophie darüber kann auch,ich würde mal sagen in der Denkweise einen regelrechten Zwiespalt auslösen.



Was meinst du damit?

heilsa
Corvina



Das Leben ist eine Lektion in Fleisch und Blut, die deine Seele sich gewählt hat.

loki66 Offline

Rabe


Beiträge: 445

09.09.2011 17:53
#14 RE: Schamanen antworten

Liebe Corvina,

Mag schon sein,hätte mich da nicht reinhängen sollen.
Es waren nur Gedanken.
Möchte ja nur verstehen.
Desshalb doppelten Dank für Deine Antwort.

Liebe Grüße
loki66

loki66 Offline

Rabe


Beiträge: 445

09.09.2011 18:27
#15 RE: Schamanen antworten

Von Anfang an,

Meinte doch nur, den praktizierten Realismus in unserer Zeit.
OK,Christian Rätsch,ich meinte nur,es muß auch eine gewisse Anerkennung in
unserer Gesellschaft stattfinden, oder sehen wir uns als Raben als Randgruppe?
Sicher,wir stehen über Vielem,aber wie weit geht das?

Gruß loki66

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