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Dieses Thema hat 44 Antworten
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 Runen und Tiere
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Tanith Offline

Altrabe


Beiträge: 8.393

22.02.2012 10:08
Wie gehen wir mit dem Tod um? antworten

Liebe Raben,
nachdenklich hat mich der Bericht von Per Somnium gemacht. Er schreibt:

Zitat
"Letzte Woche sah ich bei uns auf dem Hof ein paar Vogelfüße aus dem Schnee schauen ... da dachte ich noch OK ... was soll ich machen tot ist tot.
Einen Tag später waren es nicht mehr zwei sondern drei Füße ... ich schob den Schnee beiseite und neben dem Vogel vom Vortag lag der Partner ..., nun konnte ich nicht anders, ich wusste zwar begraben kann ich beide bei diesem Frost nicht, aber ich holte eine Tüte, steckte beide zusammen hinein und legte sie mit einem stillen nachdenklichen Gedenken in die Tonne."


Viele von uns - und da schließ ich mich durchaus ein - sehen den Tod aus unserer sehr menschlichen Sicht. Vor einigen Jahren haben wir im Wendland Störche bei der Aufzucht beobachtet. Es war ein heißer Frühsommer und Regen wurde vermisst. Die Wiesen lagen schon trocken und auch die Bäche waren nur noch Rinnsale. Eines Tages lag eines der Storchenjungen am Fuß des Mastes, auf dem sich das Nest befand, und war verendet. Wir - Städter, die wir sind - haben diesen "armen" Kleinen zu Grabe getragen und uns damit den Missmut unserer Gastgeber, der Bauern, eingehandelt. Wir lernten, dass dieses Junge nicht mehr gefüttert werden konnte, weil es nicht genug für alle im Nest gab und das Kleinste dran glauben muss. Unten am Fuß des Mastes hätte es aber durchaus anderen Tieren als Nahrung gedient.
Gut, in einem Grab wird es auch dem einen oder anderen den Hunger gestillt haben. Was ich damit sagen will und was auch Ansuz schon hat anklingen lassen: Traurig, ja traurig machen mich stille Tode immer, aber heute bin ich eher der Meinung, von mir gefundene tot Tiere an einen stillen Ort zu legen, ihrer zu gedenken -. dazu dient eine extra gefertigte Kerze auf meinem Altar - und dann anderen in harten Zeiten die Möglichkeit zu geben, zu überleben.
Liebe Grüße
Tanith

It's time to put the Troll on a diet".ICH

Hallvard Offline

Rabe


Beiträge: 238

22.02.2012 10:42
#2 RE: Wie gehen wir mit dem Tod um? antworten

Hallo Raben, hallo Tanith,

mich hat der Tod auch lange beschäftigt und beschäftigt mich auch immer mal wieder. Mittlerweile sehe ich ihn als Teil des Kreislaufs an, der egal nun ob bei Mensch oder Tier, einfach dazugehört. Für mich fühlt es sich so an wenn ich ein z.B. totes Tier finde das eine gewisse Trauer in mir aufkommt über den Verlust dieses Wesens, gleichzeitig eine stille Freude das er/sie/es zurück in den Kreislauf gegangen ist.

Ich finde die Vorstellung sehr beruhigend das jede Seele und für mich hat alles eine Seele selbst ein Stein, wenn sie stirbt sich in drei Teile teilt (das kommt soweit ich weiß aus der Kabbala) ein Teil der Nahe an unserer Welt bleibt und mit dem wir noch reden/kommunizieren können, ein Teil der in eine höhere Sphäre aufsteigt und ein Teil, der Kern unseres Wesens der, nach meiner Vorstellung, nach Hel geht um dort in kühler Ruhe eine Pause zu machen vor seiner nächsten Wiedergeburt.

Von daher trauere ich nicht mehr lange, auch wenn der Schmerz mancher Verluste sehr lange zu spüren ist, gleichzeitig hält er aber auch die Erinnerung an dieses Wesen wach und über diese können wir uns freuen.

Nachdenkliche Grüße
Hallvard

Die Wahrheit ist leicht zu verstehen, wenn sie erst entdeckt ist. Das Schwierige ist nur sie zu finden. - Galileo Galilei

hanniball Offline

Rabe


Beiträge: 173

22.02.2012 12:51
#3 RE: Wie gehen wir mit dem Tod um? antworten

hallo Tanith,hallo Hallvard
ich glaube das broblem mit dem Tod ist, das er eine lücke reist die wir menschen nicht füllen können.
lg Hanniball

Ich mag verdammen, was du sagst, aber ich werde mein Leben dafür einsetzen, dass du es sagen darfst.
Voltair (1649-1778)

Ourobo Offline

Rabe


Beiträge: 238

22.02.2012 21:53
#4 RE: Wie gehen wir mit dem Tod um? antworten

Hm...
Der Tod ist ja ziemlich tabuisiert und aus dem öffentlichen Leben verschwunden.
Jugendwahn.
Lächelnde Wurst. Kastenfisch.
Er steht ewig im Schatten vor der Türe und zeigt uns, dass wir keine Kontrolle über unser Leben haben - also das negiert, worauf wir dressiert sind.
Dinge, Freunde, Jobs, (Ex)Partner, Süchte,... loslassen fällt uns schwer - also diese "sterben" zu lassen.
Doch kann dann Neues, Fruchtbringendes zu uns kommen?!

Eines Sylvesters bei den Oshos in Köln: Der Wolf tanzt, die Order war "tanzt die Liebe!" - und dem Wolf kam: "ICH MUSS TÖTEN!!!".
Eine wichtige Erkenntnis kam von tief unten: wenn ich heilen möchte, muss im gleichen Moment töten. Viren, Bakterien, Muster ,Traumata, Ängste,...
In Achtsamkeit dargebracht ein höchst kostbares spirituelles Opfer ().

Eines anderen Jahres: Im Freundeskreis ging der Tod um - bei einem Zweijährigen. Tiefe Trauer überall. Traumatisiert. Unverständnis. Hoffnungslosigkeit. Letztlich konnte ohne Überraschung auch der Pastor keine sinnvollen Worte finden...
Im Kontakt mit dem kleines Wesen, was natürlich auch noch "da" war: Er fand die Luftballons auf dem Sarg ganz toll - und konnte gar nicht verstehen, warum Ma und Pa so traurig waren.
Erkläre das mal den Eltern. Und meinen Ängsten. Und meinem erlernten Verhalten.
Dass du die Sonne spürst und die Vögel hörst, die dir von Hoffnung und Licht singen wollen. Von der Ewigkeit.
Mit wem darüber reden?
Ich fand sie.

Vielleicht hilfst.
Nachdenkliche Grüße vom Wolf

Wo ein Kopf ist, ist meistens auch ein Brett...

Ourobo Offline

Rabe


Beiträge: 238

22.02.2012 21:55
#5 RE: Wie gehen wir mit dem Tod um? antworten

Ach ja: eine gute Ergänzung ist der Tod, der in den Scheibenwelt-Romane immer in GROSSBUCHSTABEN spricht und seine eigene Form von Humor hat.
Sehr empfehlenswert.
Wolf

Wo ein Kopf ist, ist meistens auch ein Brett...

Dumba Offline

Rabe


Beiträge: 204

22.02.2012 23:01
#6 RE: Wie gehen wir mit dem Tod um? antworten

Hallo Hallvard,
danke für Deine Signatur =

"Die Wahrheit ist leicht zu verstehen, wenn sie erst entdeckt ist. Das Schwierige ist nur sie zu finden. - Galileo Galilei"


EinesTages werde ich die Wahrheit über den Tod finden - das ist sicher.


Zitat von Hallvard
ein Teil der Nahe an unserer Welt bleibt und mit dem wir noch reden/kommunizieren können, ein Teil der in eine höhere Sphäre aufsteigt und ein Teil, der Kern unseres Wesens der, nach meiner Vorstellung, nach Hel geht um dort in kühler Ruhe eine Pause zu machen vor seiner nächsten Wiedergeburt.



davon hatte ich bisher nie etwas gehört.
Ich danke Dir für diesen Beitrag.

Aber heute *lebe* ich
und ich werde mir den Rest des Abends noch schön machen !!!

Liebe Grüße aus Südhessen
Dumba
.
.
.

Die weisesten Menschen sind oft die, die uns am wenigsten zu sagen haben

Hallvard Offline

Rabe


Beiträge: 238

23.02.2012 11:53
#7 RE: Wie gehen wir mit dem Tod um? antworten

Hallo Dumba,

Hab ich gern geteilt. Für mich ist diese Idee einfach schlüssig und einleuchtend und erklärt auch viele Dinge.

Ich hab mir das aus einem Roman geklaut der einen Bezug zur Kabbala hat. Das Buch der Namen - Jill Gregory, Karen Tintori - Übersetzt von Anja Schünemann

Gruß
Hallvard

Die Wahrheit ist leicht zu verstehen, wenn sie erst entdeckt ist. Das Schwierige ist nur sie zu finden. - Galileo Galilei

Vanadis Offline

Rabe


Beiträge: 481

23.02.2012 20:41
#8 RE: Wie gehen wir mit dem Tod um? antworten

Hallo liebe Raben

auch ich lebe in dem Glauben, das jeder Mensch, jedes Lebenwesen nach dem physischen Tod immer wieder neue Lebenszyklen durchläuft und wir alle auch schon vorangegangene Zyklen gelebt haben. Auf eine genaue Vorstellung, wie das abläuft, kann / will ich mich nicht festlegen.
Aber es ist vielleicht ein tröstlicher Gedanke, dass man sich in den verschiedensten Stadien immer wieder begegnet ist oder begegnen wird, so dass Unausgesprochenes nicht auf immer unausgesprochen bleiben muss.
Aber der Verlust eines lieben Menschen oder auch eines Tieres ist trotzdem schwer zu ertragen.
Als meine kleine Mieze Mary vor einiger Zeit verschwunden ist, da habe ich auch lange getrauert. Es ist vor allem, wenn es sich um jemand handelt, der noch lange hätte leben können.
Oder vor Jahren ein guter Kumpel, ein Freund der wirklich schon immer ein ganz besonderer Mensch war und den es von jetzt auf gleich aus dem Leben gerissen hat. Sowas kann man nicht so einfach verstehen, so abgeklärt ist man nicht.

Liebe Grüße
Vandis

Hugin und Munin müssen jeden Tag
Über die Erde fliegen
Ich fürchte, dass Hugin nicht nach Hause kehrt;
Doch sorg ich mehr um Munin.
Grimnismal 20

Skyla Offline

Altrabe


Beiträge: 1.786

23.02.2012 22:35
#9 RE: Wie gehen wir mit dem Tod um? antworten

Liebe Raben,

dies ist ein Thema, was mich momentan nicht so begleitet. Allerdings hatte ich vor einem Jahr mich damit auseinanderzusetzen, als zuerst im Januar ein Schulfreund meines Sohnes im Alter von 20 Jahren an seiner Zuckerkrankheit starb und dann im Februar sich ein Freund und MArktkollege sich im Alter von 29 Jahren selbst das Leben nahm.
Einige hier wissen vll. noch, dass mich das sehr belastete.
Heute vor einem Jahr waren wir bei seiner Beerdigung, welche mich ziemlich angegriffen hatte, da sie so war, als wäre ein anderer Mensch gemeint.
Um mich von dem Schock, in den mich dieses Ereignis versetzte, zu befreien, schrieb ich einen Tag später dieses Zeilen, welche hier auch im Blog stehen. Aber ich kopier sie hier einfach mal rein.
Und möchte ihm damit noch einmal gedenken. Oftmals hatte ich das Gefühl, dass er auf dem einen oder andern Markt mit dabei war.

Zitat

Hinter den Schleiern

da bist jetzt Du
legtest Dich in diesem Leben
zur eigenen letzten Ruh.

Hast nicht gewartet
auf den der bestimmt
die Seele zu holen
zur Reise im Wind.

Nahmst den Weg
der scheller dich trägt
hinter die Schleier
wo Hoffnung steht.

Dein Herz zerbrochen
ließest uns da
ein Stück Deiner Sehnsucht
die keiner recht sah.

Hinter den Schleiern
vom Nebelland
dein ruheloses Herz
eine neue Heimat fand.

Wir gingen mit dir
zu deinem Grab
doch DU gingst nicht
in die Erde hinab.

Du standest bei uns
lachtest uns an
so wie Du es hast
im Leben getan.

Hinter den Schleiern
da bist jetzt Du
schaust von dort
dem Seelenwind zu.

Ab und an der Schleier sich hebt

ich spür,
wie hinter dem Nebelland
Du weiter lebst.

Skyla

Für M., den wir gestern verabschiedeten auf seinem Weg hinter die Schleier.....
Machs gut!



Eine Erinnerungsseite haben wir ihm auf unserer Marktgefährten HP gewidmet.
http://www.tiedentrekker.de/marco.html

Etwas traurige Grüße
von Skyla

* Solange Menschen denken, dass Tiere nicht fühlen, müssen Tiere fühlen, dass Menschen nicht denken. *

Shiva Offline

Altrabe


Beiträge: 610

23.02.2012 22:47
#10 RE: Wie gehen wir mit dem Tod um? antworten

Liebe Skyla,

dieses Gedicht ist sehr schoen und hat mich tief beruehrt! Ich habe Traenen in den Augen...

Es beschreibt etwas, was ich sehr gut nachempfinden kann, weil ich schon einige Menschen zu Grabe tragen musste,

deren Zeit noch nicht reif war!

Danke fuer's erneute Teilen!

Liebe Gruesse

Shiva*

Skyla Offline

Altrabe


Beiträge: 1.786

23.02.2012 22:57
#11 RE: Wie gehen wir mit dem Tod um? antworten

Liebe Shiva,

Danke !

LG von Skyla

* Solange Menschen denken, dass Tiere nicht fühlen, müssen Tiere fühlen, dass Menschen nicht denken. *

Ansuz Offline

Hausmeister


Beiträge: 5.165

24.02.2012 05:53
#12 RE: Wie gehen wir mit dem Tod um? antworten

Liebe Skyla,

danke, für das schöne Gedicht

lieben Gruß
Ansuz



"Man erlangt die Erleuchtung nicht,
indem man sich das Licht vergegenwärtigt, sondern indem man die Dunkelheit erforscht."(CG Jung)

Ourobo Offline

Rabe


Beiträge: 238

24.02.2012 09:40
#13 RE: Wie gehen wir mit dem Tod um? antworten

Zitat von Vanadis
Aber der Verlust eines lieben Menschen oder auch eines Tieres ist trotzdem schwer zu ertragen.


Guten Morgen.

Dieser Aspekt sollte uns zum Nachdenken anregen...
Trauern wir für das verstorbene Wesen - insofern als dass wir bedauern, dass dieses Wesen durch den Tod einen Verlust erlitten hat?
Trauern wir über uns als "alleine Gelassene" - weil es ein Verlust für uns ist, den also wir erlitten haben?

Ersteres ist für mich ein Anzeichen eines speziellen Glaubensmusters (oder Unglaubens), nämlich dass danach entweder nichts kommt oder so etwas wie die Hölle droht/drohen könnte.
Zweiteres kann einfach Wehmut sein (also Phase, bis wir uns an den neuen Zustand gewöhnt haben und wieder in den alltäglichen Lebensfluss eintauchen) oder Ego-Geschrei: Wie kann dieses Wesen so gemein sein, so egoistisch, und mich jetzt hier alleine zurück lassen!?

Je nach dem Chor an bewussten wie unbewussten Stimmen in uns wird es meist eine Mischung aus allem sein...
Oder wie sind eure Erfahrungen dazu?

Gruß vom Wolf

Wo ein Kopf ist, ist meistens auch ein Brett...

Garm Offline

Moderator


Beiträge: 945

24.02.2012 09:46
#14 RE: Wie gehen wir mit dem Tod um? antworten

Moin Ourobo,

ich gehe da weniger nüchtern ran.
Für mich ist der Verlust eines geliebten Lebewesens nicht schlichter Wehmut, der Zustand der vorbei geht, oder Selbstmitleid.
Mir fehlt dann etwas und das betrachte ich auch als etwas, das dem Kosmos fehlt. Hier ist von nun an eine große Lücke.
Ich nenne das Schmerz. Ein Schmerz der mich lähmt, mich zerreißt.

Aber das ist natürlich Garm-Meinung.

Schönen Gruß
Garm



Ich war als Kind schon scheiße

Tanith Offline

Altrabe


Beiträge: 8.393

24.02.2012 10:50
#15 RE: Wie gehen wir mit dem Tod um? antworten

Lieber Garm,

Zitat
Hier ist von nun an eine große Lücke.
Ich nenne das Schmerz. Ein Schmerz der mich lähmt, mich zerreißt.



Mit dieser Meinung stehst du hier nicht allein. Ich fühle ebenso und je näher der Mensch/das Tier mir gestanden hat, desto größer und anhaltender ist der Schmerz um den oder die, die diese Lücke gerissen hat. Als meine besete Seelenfreundin starb, hab ich monatelangen körperlichen Schmerz verspürt. Ich habe gewusst: Sie selbst ist auf der sicheren Seite, denn sie hatte ein Leben voller jahrelanger Qualen hinter sich gelassen. Auch, wenn ich fest daran glaube, dass nichts in dieser Welt vergeht, so fehlt mir selbst doch jemand. Und schmerzlich wird mir bewusst, dass ich - zumindest real - nie mehr wieder gemeinsam mit ihm oder ihr Dinge tun kann, an denen wir eine gemeinsame Freude hatten. Wir können nicht mehr zusammen lachen oder über etwas Trauriges gemeinsam weinen. Das Feinstoffliche, was weiter besteht, ersetzt diesen Verlust nur schwerlich bis gar nicht.
Dieses "nie wieder" wird einem erst klar, wenn eine solche Lücke entstanden ist.
@Liebe Skyla, vielen Dank für deine berührenden Zeilen.
Liebe Grüße
Tanith

It's time to put the Troll on a diet".ICH

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