Warum gab man sich solche Mühe, die Steine auf derart komplizierte Weise zu verschlüsseln? Wäre es nicht einfacher gewesen, die Runen konsequent umlaufend anzubringen, sodass der Betrachter nur der imaginären Schlange hätte folgen müssen? Offenbar wollten die Künstler genau diese Einfachheit vermeiden. Stattdessen demontieren sie den Text und zwangen dazu, nicht nur der komplizierten Reihenfolge Beachtung zu schenken, sondern auch darüber nachzudenken, warum sich bestimmte Satzteile vorne oder hinten, auf der Spitze oder an der Seite befinden. Die Positionierung von Satzteilen oder einzelnen Wörtern drückt somit bedeutende und weniger bedeutende Momente aus, sie ist vergleichbar mit einer Dramaturgie, die darauf abzielt, den Leser zu fesseln und herauszufordern. Seine Vorbilder hat dieser Aufbau in den Skaldendichtungen, wie sie uns in Form der großartigen Werke aus dem Beowulf oder der Edda erhalten geblieben sind. Runensteinkünstler mussten mit wesentlich weniger Wörtern auskommen, aber sie hatten den Vorteil, entscheidende Satzteile strategisch platzieren zu können. Die Künstler sind somit als Kompositeure zu betrachten, die wahrscheinlich stolz waren auf ihr Können und darauf gespannt sein konnten, wer ihr Rätsel entschlüsseln würde. Einfaches Lesen der Runen reichte nicht aus, es bedurfte eines Verständnisses für die Gesamtkomposition.
ich schließe mich Vanadis Frage an - deine Abhandlung finde ich zwar spannend, habe aber noch gar keinen Bezug herstellen können. Erzähl mal mehr zu dem Stein.
Liebe Grüße
Ragana
Wenn etwas nicht geht, mache es trotzdem. Tust du es nicht, existiert es nicht.
Hej, Loki, dieser Runenstein ist ja sehr gut erhalten, wenn auch im Heft für "Archäologie in Deutschland" vermutlich farblich nachbearbeitet. Magst du mal schreiben, wo der Standort dieses Steines sich befand? Oder noch befindet? Ich dachte erst, es wäre der von Jellinge, aber nach genauerem Hinsehen stimmt der Verlauf des Textes nicht überein. Man hat früher auch neben den Runenzeichen Tiermuster in die Steine eingearbeitet. Über die Gründe dafür liegen diverse Erklärungen vor. Eines ist aber sicher: Die Menschen früher hatten weitaus mehr Interesse daran, sich auch im Alltag mit schönen Dingen zu umgeben, weil sie - außer den Steinen auch die Haushaltsgeräte etc. - häufig ein Leben lanng halten mussten. Vielen Dank für deinen Bericht. Liebe Grüße Tanith
der Runenstein steht in Nordschweden (Järvsta,Gästrikland). Die Steine in Skandinavien sind oft richtige Kunstwerke. Bei diesem Stein wird wohl von einer verschollenen Schiffsmanschaft berichtet. In dem grünen Feld nennt der Verfasser seinen Namen und Herkunft. Das graue Feld nennt die Brüder: Tjuder,Gudlev und Karl. Gelb = Fließtext. Blau = der verstorbene Vater Tjudmund. Rot = Gebetsformel Zum Vergleich mal ein schlichter Stein von Haithabu:
über so was sehen wir hier doch einfach hinweg Liebe Grüße Tanith
PS OT Endlich geht es dieses Jahr mal wieder nach Schweden!!!! Järvsta liegt gar nicht so weit von dem Ort entfernt, zu dem ich hinfahren werde. Mal sehen, ob die Zeit reicht, einen Ausflug dorthin zu machen. Auf jeden Fall nehme ich es mir vor.
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