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Dieses Thema hat 5 Antworten
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 Götter
bragi Offline

Barde

Beiträge: 37

19.01.2006 00:06
Bragi antworten

Bragi- Sohn Odins und der Frigg, Gatte der Idun. Umschreibungen: Der Dichtkunst Urheber, der langbärtige Ase, Sohn Odins.
Man sagt auch, in seine Zunge wären Runen geritzt. Im Naturmythos verkörpert er den Vogelgesang der wärmeren Jahreshälfte.

Bragi ist wohl einer der unbekannteren Götter. Er vollbringt keine gewaltigen Heldentaten, und er spielt auch keine besonders heimtückischen Streiche.
In der Gylfaginning heißt es über ihn: "Bragi ist ein Ase, der ist berühmt wegen seiner Klugheit und besonders wegen Sprachgewandheit und Kunst der Worte. Er versteht am meisten von Dichtung, und nach seinem Namen nennt man "Brag der Männer" (bragur karla) oder "Brag der Weiber" (bragur kvenna) den, der an Wortgewandheit anderen überlegen ist, Weib oder Mann."

Was seinen Wohnort angeht, ist er wohl am ehesten in Gladsheim (Freudenheim) zu finden, wo er in Wallhall Odins Kriegern seine Lieder vorträgt, während sie von seiner Frau Idunn bewirtet werden.

Alles in allem, könnte man nun behaupten, Bragi wäre eine eher langweilige Gestalt. Und dennoch; -Jeder von euch, dem es auch nur ein einziges mal gelang, einen klaren Satz für etwas ansonsten unbeschreibliches zu finden, der hat Bragi gespürt.
Genauso ein jeder, der sich in einer Erzählung, sei sie nun musikalischer, geschriebener oder geschauspielerter Art ganz und gar selbst verlieren konnte, während er las oder lauschte; -Der erspürte Bragi ebenfalls.

Bragi ist nicht so sehr die siedende, rasende Erfarung Odrörirs, des Skaldenmets. Diese Erfahrung ist eher seinem Vater, Odin zuzuordnen. Bragi ist eher das, was nach dieser Erfahrung kommt. Das was bleibt, wenn sich die ärgsten Wogen gelegt haben und man sich daran machen kann, die so gewonnenen Erfahrungen in Worte, in Geschichten umzuwandeln. Der Skalde braucht eben die rechte Verbindung zwischen Himmel und Erde,- Odin und Frigg.
Ein bragur karla oder eine bragur kvenna müssen eben beides können: Sich gleich Odin in Raserei versetzen, und im rechten Augenblick auf den Boder der Realität zurückkommen.

Ein weiterer, für mich aüßerst beachtenswerter Aspekt dieses Gottes, der leider so gut wie nie irgendwo Erwähnung findet, ist jener der Magie.
Die vielzitierte "Magie der Worte", beinhaltet mehr, als einfach nur eine gute Geschichte erzählen zu können. Worte können Träger des Willens und verschiedenster Energien sein. Wer im richtigen Moment die richtigen Worte auf richtige Art und Weise ausspricht, der kann in einem anderen Menschen tiefgreifende Prozesse auslösen. Heilsame und schädliche gleichermaßen. (Und nicht nur im Menschen; -Aber das würde hier zu weit führen).
Vorraussetzung für ein solches "Zauberwort", ist natürlich das Erkennen der Qualität des Augenblicks sowie die Fähigkeit, dieser Qualität entsprechend die richtigen Worte zu äußern. Was nicht leicht ist, wie allein schon jeder weis, der einmal erfolglos nach einem Wort zur Hilfe gesucht hat, oder dem es nicht gelang, seinem Zorn auf rechte Weise Ausdruck zu verleihen.
Aber genau hierin, kann uns Bragi eben eine große Hilfe sein. Er als Skalde, weiß ja wie Worte wirken, und seine empfängliche Künstlerseele, vermag sich zu jeder Zeit in die vorherrschende Schwingung einzufühlen.

Bragi vermag uns also viel zu lehren. Und er tut dies auch recht gerne; -Nur zuhören müssen wir lernen.


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Barbara ( Gast )
Beiträge:

19.01.2006 00:37
#2 RE: Bragi antworten

Hallo Bragi.

Kaum hier - schon interessante Beiträge. Vielen Dank!

Allein Deine Erläuterung zeigt, dass Bragi keine langweilige Gestalt sein kann - wenngleich Loki über ihn spottete.
Eine Frage habe ich: Mehrfach las ich, Bragi sei Sohn Odins und Friggs, an anderer Stelle jedoch hiess es, Bragi sei Sohn Odins und der Riesin Gunnlod. Da Du Dich ausgiebig damit beschäfigt zu haben scheinst - was davon ist zutreffend oder - worauf beruhen diese widersprüchlichen Überlieferungen?

Hab herzlichen Dank vorab,
viele Gruesse und eine gute Nacht,
Barbara


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bragi Offline

Barde

Beiträge: 37

19.01.2006 11:03
#3 RE: Bragi antworten

Hallo und danke Barbara...

...für deinen Hinweis auf diese Wiedersprüchlichkeit, die ich oben in meiner Schwärmerei gleich ganz zu erwähnen vergaß. Nur- Was jetzt wirklich zutrifft, kann ich leider auch nicht feststellen.
Die Wiedersprüchlichkeit beruht wohl auf der Umschreibung Bragis als "Sohn Odins". Weshalb dann natürlich Frigg als seine Mutter, auf den ersten Blick nahe zu liegen scheint.
Die Eddas verraten leider nicht mehr über die genaue Herkunft Bragis. In einem Mythologielexikon habe ich den knappen Hinweis auf folgende Geschichte gefunden:
Bragi wurde in einer glitzernden Tropfsteinhöhle geboren, wo seine Mutter Gunnlöd den Wein der Dichtkunst bewachte. Die Zwerge gaben dem liebreizenden Kind eine magische Harfe und ließen es in einem ihrer meisterhaft gebauten Schiffe zu Wasser. Dort sang Bragi dann sein ergreifendes Lied des Lebens. -

Leider findet sich in dem Lexika kein Hinweis darauf, woher und aus welcher Zeit diese Geschichte stammt.
Aus selber Quelle entnehme ich auch den Hinweis, dass Bragi möglicherweise erst sehr spät in den nordischen Pantheon aufgenommen wurde, vieleicht durch die Erhebung des Dichters zum Gott. (Die Enzyklopädie der Mythologie; Arthur Cotterell)
Denkbar ist in diesem Zusammenhang natürlich, dass dann Frigg als (Adoptiv?-) Mutter angenommen wurde, da man das rohe Wesen der Riesin nicht mit der feingeistigkeit Bragis in Verbindung bringen konnte/wollte. Wogegen allerdins wieder spricht, dass Riesen ja nicht prinzipiell als stumpsinnig eingestuft wurden. (Siehe Mimir)
Vom Zusammenhang Skaldenmet-Bragi her, erscheint natürlich Gunnlöd als Mutter logisch.

Mehr kann ich dir zu deiner Frage momentan leider auch nicht sagen. Vieleicht finde ich ja jetzt, wo du mich auf dieses Thema gebracht hast, noch irgendwo irgendwelche Hinweise. Danke.



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Barbara ( Gast )
Beiträge:

19.01.2006 17:19
#4 RE: Bragi antworten

Hallo Bragi.

Dankeschön für Deine Reaktion.

Was die unterschiedlichen Aussagen ob der Herkunft Bragis angeht, habe ich nun folgendes gefunden, was leider nicht wirklich weiterhilft, aber ich möchte es dennoch nicht vorenthalten:

Gunnlöd ist eine Riesin vom Geschlecht der Jötunn. Sie bewachte den Skaldenmet ihres Vaters Suttungr (oder Surtr). Der verweigerte Odin einen Schluck von diesem Met. Um ihn dennoch zu erhalten kroch Odin in Schlangengestalt zu Gunnlöd und verführte sie. Nachdem er drei Nächte bei ihr verbracht hatte, durfte er drei Schlucke des Mets trinken. Daraufhin entfloh Odin in Gestalt eines Adlers und nahm so den Odrörir mit sich. Gunnloed gebar in Gedächtnis an dieses Ereignis den Dichtergott Bragi.

Anschliessend suchte ich weiter und fand folgende "Sprösslinge" die dem Odin zugeordnet wurden:

Als sein ältester Sohn gilt Thor bzw. Asathôr, den er mit der Jörd zeugte (Gylfaginning, 9), die Mutter wird auch Hlodyn genannt (Völuspá, 47).

Ein anderer Sohn des Odin ist Baldur (Völuspá, 25, Gylfaginning, 22).

Mit der Frigg ist Odin Vater des Hödur.

Mit der Rind ist er Vater des Wali (Gylfaginning, 30)

Mit der Gridr ist Odin Vater des Widar.

Bragi ist Sohn Odins und der Riesin Gunnlod.

Neben leiblichen Kindern hat Odin auch Wunschsöhne. Diese sind all jene Menschen, die auf der Walstätte ihr Leben lassen und zu den Einheriern stoßen. Demnach heißt Odin auch Walvater (Gylfaginning, 20).

Viele Gruesse,
Barbara


Dass Bragi erst später in den nordischen Pantheon aufgenommen wurde, habe ich auch gelesen, kann Dir aber auch hier leider keine nähere Begründung dafür geben.

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bragi Offline

Barde

Beiträge: 37

19.01.2006 20:13
#5 RE: Bragi antworten

Großes Grübeln............liebe Barbara.

Die Geschichte von der Erlangung des Skaldenmets kenne ich zwar. Allerdings kann ich in meinen Ausgaben der jüngeren Edda (Diederichs gelbe Reihe; Reclam, übersetzt von Arnulf Krause) diese Sache mit Gunnlöd gebar......... .......nicht finden.
Woher stammt diese Info denn?

Mit neugierigen Grüssen, Bragi


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Barbara ( Gast )
Beiträge:

21.01.2006 19:21
#6 RE: Bragi antworten

Hallo Bragi.

Gute Frage, so auf die Schnelle. Die Info stammt aus einem Buch und aus einer Edda-Überseztung...
Ich glaube bei Snorri, des weiteren findet sich das in NORDISCH – GERMANISCHE MYTHOLOGIE
als Mysteriengeschichte; Ernst Uehli J.Ch. Mellinger Verlag Stuttgart 2. Auflage 1984.

Beste Gruesse,
Barbara


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