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Dieses Thema hat 14 Antworten
und wurde 710 mal aufgerufen
 Die Runen
Die Druidin Offline

Altrabe


Beiträge: 1.547

24.11.2012 13:00
Omas Paradies antworten

Ich lese gerade (wieder) Ralph Tegtmeiers "Runenalphabet"

Da schreibt er im Vorwort:

Zitat
Wenn die Runen Sie auf Ihrem Weg zu einem erfüllten, selbstbestimmten Leben nicht ein Stück freier und unabhängiger von den Zwängen machen, die Umwelt und Gesellschaft, Lehrer und Familie, Politiker und Arbeitgeber Ihnen auferlegen wollen oder bereits auferlegt haben - dann werfen Sie sie fort! Wozu Zeit und Kraft für etwas vergeuden, das Ihnen nichts bringt?
Wozu sich damit abquälen, seltsame Zeichen und Namen auswendig zu lernen, in ihr Symbolsystem einzudringen und es mühsam verstehen zu lernen, wenn das Ergebnis in keinem vernünftigen Verhältnis zum Aufwand steht?


Das hat mich daran erinnert, warum mich die Runen so fasziniert haben, schon als Kind.
Ich hatte das schon mal in einem anderen Forum geschrieben und finde, dass es auch hier erzählenswert ist.

Omas Paradies

Ich war fast sechs als ich aufhörte, mit meiner Mutter zu sprechen. Ich habe nie wieder mit ihr gesprochen.
14 Tage vorher waren wir unterwegs nach Hause als uns eine Nachbarin versuchte, aus dem Weg zu gehen und meine Mutter sie überschwenglich begrüßte.
Ich sah wie sich die "Hülle" der Nachbarin in dunkelstes Blau, Grau, verschwommenes Graugelb verwandelte aber sie hoch erfreut tat, uns zu sehen.
Ich war erzogen worden, die Wahrheit zu sagen denn man kann es an der "Hülle" ja doch sehen.
Als ich dann laut meinte: "Oh- die lüügt" schlug meine Mutter zu. Ich flog gegen die Hauswand und hatte eine Platzwunde am Hinterkopf und eine geplatzte Lippe.

Es war noch so schumrig, als ich auf dem Fahrradrücksitz meines Vaters so langsam zu mir kam. Es war neblig und kalt.
Wenigstens hatte ich unter meinem Po ein kleines Kissen, um nicht pur auf dem Metall zu sitzen. Ich hatte zwar einen Mantel an aber ich kam aus der Bettwärme und frohr erbärmlich.
Mein Körper zitterte vor Kälte und meine Zähnchen klapperten.
Jeder Atemzug kam wie eine Rauchwolke aus meinem Mund.
Ein paar Mal spitzte ich den Mund und entlies meinen Atem stoßweise, so das die Atemwolke über meine Lippen huschte und merkwürdige Gebilde erschienen.
Mein Vater ging, leicht humpelnd, neben dem Fahrrad und schob es. Er pfiff eine Mellodie.
Scheinbar war er fröhlich. Er sprach, wie fast immer, nicht mit mir.

Für mich war das nicht besonders wichtig, was er von mir dachte. Ich hatte keinen besonderen Bezug zu ihm.
Ich konnte mich also ruhig der Umgebung zuwenden.
Es ging mitten durch Hamburg. Durch viele Geschäftsstraßen mit den schönen Auslagen und stillen Alleen mit Bäumen bis in den Himmel.
Es waren nur wenige Menschen unterwegs.
Sie waren alle so gedrückt, so gefangen in ihren schwehren Gedanken oder noch halb im Schlaf.
Eine Siedlung mit vielen kleinen Häusern war unser Ziel.
Eine Laubenkolonie.
So viele Kreuzungen, Hecken und Gartenzäune verwirrten mich. Die Vorgärten sahen manchmal wie kleine verwunschene Orte aus.
Als wir endlich an einem Gartenzaun Halt machten zog mein Vater mich vom Rad.
Da stand ich nun.
In den Beinen etwas steif, starrte ich diese Gartenpforte an.
Die vom Wetter abblätternde grüne Farbe auf dem Holz. Die merkwürdigen schwarzen Zeichen auf den Lattenspitzen.
Die Pforte selbst hing einwenig durch.
Der leichte Nebel um uns tat sein Übriges um mir eine Gänsehaut zu verschaffen.
Mir war unheimlich und doch......machte mich das auch neugierig.
Ich sah meinen Vater an um zu erkunden , was wir denn hier sollten.
Ich griff an die Pfortenbretter und lugte durch einen Spalt. Weit im Hintergrund sah ich ein Haus.
Eine alte Frau mit schneeweißen welligen Haaren kam auf uns zu. Sie ging den Steinweg in der Mitte des Gartens entlang.
"Hallo Alex, da seid ihr ja. Kommt doch rein." Sie lächelte und reichte mir die Hand. Ihre Hand war warm und weich und doch fest.
Auf ihrem Handrücken hatte sie die gleichen Zeichen "gemalt" wie an der Pforte.
Ihr Lächeln galt meinem Vater aber irgendetwas war daran merkwürdig. Er reagierte eher noch distanzierter, unwirsch.
Ging sogar einen halben Schritt zurück.
"Nein Danke, ich muss gleich wieder los." Er machte eine abwehrende Handbewegung.
Er schob mich ein Stück nach vorn und brummte:" Hier bleibst du bis ich dich abhole. Sei brav und tu was deine Oma sagt."
Aha- DAS war also meine Oma.
Er ging ohne Abschied. Granma sah ihm lächelnd nach und dann mich an.
Ich sah in ihre Augen, die waren graublau und soo faszinierend. Voller Humor, Kraft und Neugier aber auch eine starke Bestimmtheit ging von ihr aus.
Hier war nichts so wie Zuhause.
Ich hatte kein Bedauern in mir, dies hier war interessanter, versprach Abenteuer.
"Na dann komm mal mit. Wir werden erstmal richtig frühstücken."
Mit meinem Koffer in der einen Hand und meiner Hand in ihrer Anderen gingen wir den Steinweg zurück Richtung Haus.
Vor der Haustür blieb sie stehen.
Sie lies mich und den Koffer los und murmelte etwas. Dann griff sie eine meiner Hände und drückte sie auf eines der Zeichen
dass recht groß in die Eingangstür geschnitzt war. Das fand ich etwas erschreckend denn es kam keine Erklährung dazu.
Ich wollte gerade hinein gehen als Granma mich am Mantelärmel zupacken bekam und zu sich zog.
Mit ernster Mine meinte sie:" Meine Liebe, erst einmal ziehen wir immer hier die Sachen aus, die wir nur für Draußen brauchen. Gehe niemals mit dem Mantel und den Stiefeln in die Stube." Ihr Blick war sehr klahr und ich wusste, mit der war nicht gut Kirschen essen, wenn ich nicht auf sie hörte.
So schnell hatte ich noch nie meinen Mantel und meine Stiefel aus. Ich schmiss meinen Mantel in die Ecke und meine Stiefel gleich hinterher und wollte mich gerade hinsetzen als ich sah, wie sie beides nahm, die Haustür öffnete und beides rausschmiss. Mitten vor die Haustür.
Erschrocken fragte ich: Warum machst du das?"
"Du scheinst die Sachen nicht mehr zu brauchen sonst wüdest du sie ja nicht in die Ecke pfeffern. Wenn dir etwas an den Dingen liegt, hol sie dir jetzt wieder, sonst sind sie in einer Stunde auf den Kompost".
Ich wollte beides natürlich behalten und holte sie mir zurück.
"Wie findest du deine Stiefel?"
"Gut"
"Was glaubst du, ist die Aufgabe deiner Stiefel?" Ich sah sie an und dachte- das weiß doch jeder.
"Sie sollen mich wärmen."
"Was noch?"
"Ich weiß nicht." Ich wollte nicht falsches sagen.
"Sie tragen dich von Ort zu Ort. Aus welchem Material sind deine Stiefel?"
Ich sah meine Stiefel das erste Mal richtig an. Sie waren aus braunem Rindsleder.
"Ich habe keine Ahnung."
"Sie sind aus der Haut eines großen Tieres. Dieses Tier ist für dich und andere gestorben um mit ihrer Haut deine Füße vor der Kälte zu schützen und du pfefferst sie einfach in eine Ecke. Ich wünsche dass du diesem Tier mehr Respeckt entgegen bringst. Ich zeige dir, wie du das in Zukunft machst."
So hatte ich meine Schuhe noch nie gesehen. Ich sah sie mit ganz anderen Augen an und... das Tier tat mit Leid.
"Können wir das Tier denn nicht Begraben?" Dabei überlegte ich schon, was ich denn statt dessen tragen sollte. Mir war zum Heulen zumute.
Sie lächelte: "Also, so einfach ist das nicht. Dieses Tier folgt seiner Bestimmung. Es lebt dafür, uns zu ernähren mit Milch und Fleisch und mit der Haut zu schützen. Dafür bekommt es unseren Respeckt und die Fürsorge des Bauern. Also gib mir deinen rechten Schuh."
Ich gab ihn ihr und sie griff hinein. In der anderen Hand hatte sie eine grobe Bürste und rubbelte damit über das Leder.
"Du MUST nichts dazu sagen aber denken solltest du: Rechter Schuh ich danke dir, bist Verstand und Handlung mir. Linker schuh ich danke dir bist Gefühl und Liebe mir. So, nun sehen sie richtig gut aus, sind vom Schmutz befreit und trocknen schneller."
Bildete ich mir das ein oder war da was mit meinen Schuhen?
Das war mein erster "Spruch" den ich lernte und ich hatte von da auf an immer warme Stiefel, und sie hielten laaaange.

Der Tisch
Als ich dann endlich saß, hatte ich Zeit mich umzusehen. Granma kochte den Kakao, (mit einer Priese Zimt) an einem Beistellherd. Ein Kohle oder Holzofen mit 3 Kochstellen. Man konnte die Töpfe entweder so auf den Herd stellen oder die Metallringe rausnehmen und die Töpfe mit dem Feuer direkt in Kontakt bringen.
Auf der rechten Seite war ein Wasserkasten und darunter eine Art Backofen, in dem sie im Winter Äpfel briet.
Als sie einen der Ringe rausnahm um den Milchtopf darauf zu stellen, stieg eine Flamme hoch und sie machte eine kurze Handbewegung.
Später erzählte sie mir, dass sie den Feuerwesen Nahrung gibt bei jedem Essen kochen indem sie ein wenig Muskat, Pfeffer oder Zimmt ins Feuer streut.
So ist sie sicher, dass der Herd nicht kalt wird oder die Feuerwesen überspringen.
Diese Art des Wärmens und Kochens ist eine besondere Wärme, nicht so künstlich, fast chemisch wie die Zentralheizungen.
(die Handbewegung war die Ingwaz, zum Binden)
Der Tisch an dem ich saß war fast schwarz. Auf der Oberfläche war am Rand entlang jede Rune eingeritz.
Ein paar Zentimeter mehr Innen hatte er Nägel, so alte Nietnägel die wie ein Zierrand um den Tisch angebracht waren.
Ich saß direckt vor der Rune Uruz und hatte das erste Mal doch etwas Angst.
Ganz vorsichtig fuhr ich mit dem Zeigefinger über die Vertiefungen und spührte, wie lebendig das war.... und zog den Finger schnell wieder zurück.
Doch nicht lange, ich war einfach zu neugierig.
Wieder und wieder fuhr ich mit dem Finger darüber und hatte ein freudiges Kribbeln im Bauch. (Uruz ist seitdem meine Lieblings Rune).
Ganz still beobachtete mich meine Großmutter und als ich aufsah lächelte sie als wüsste sie genau, was ich gerade fühlte.

Das waren so meine ersten Empfindungen den Runen gegenüber.
Was hat euch auf den Weg zu den Runen gebracht?

Liebe Grüße die Druidin

Weißt du zu ritzen? weißt zu erraten?
Weißt du zu finden? weißt zu erforschen?
Weißt du zu bitten? weißt du Opfer zu bieten?

Ingen na Morrígna Offline

Rabe (ehemalig)


Beiträge: 577

24.11.2012 19:17
#2 RE: Omas Paradies antworten

Liebe Druidin,

was für eine erste Begegnung mit den Runen!!!Mir fiel spontan zu Deiner Lieblingsrune ein,dass sie nicht nur die erste an Deinem Platz bei Tisch war sondern auch die erste direkte "Berührung" durch die Stiefel aus Rindsleder,deren Bedeutung Dir Deine Oma so einzigartig näher gebracht hat.Kein Wunder,dass sie nun einen besonderen Stellenwert für Dich genießt...in meinen Augen.Die erste "Liebe" ist immer etwas ganz besonderes

Aber wiegesagt,das ist nur meine Assoziation dazu.

LG Ingen na Morrígna

Es gibt immer einen Stein,der weiter fliegt....

Ulla Offline

Altrabe


Beiträge: 1.199

24.11.2012 20:12
#3 RE: Omas Paradies antworten

Liebe Druidin,

was für ein schöner Titel: "Omas Paradies"!

Ja, auch ein Paradies hat seine Regeln, die befolgt werden sollten.
Da ist es gut, wenn sie einleuchtend erklärt werden.

Deine erste Begegnung mit den Runen ist ganz besonders!
Dank fürs Teilen

Lieben Gruß

Ulla

Alles Verborgene ist offensichtlich,
alles Offensichtliche ist verborgen
UH

Die Druidin Offline

Altrabe


Beiträge: 1.547

24.11.2012 20:52
#4 RE: Omas Paradies antworten

Es war ein kleines Paradies mit Obstbäumen, Kräuter und angebautem Gemüse.
Alles was ich über unsere heimischen Pflanzen weiß, hab ich von ihr.

Liebe Grüße die Druidin

Weißt du zu ritzen? weißt zu erraten?
Weißt du zu finden? weißt zu erforschen?
Weißt du zu bitten? weißt du Opfer zu bieten?

RainBow Offline

Altrabe


Beiträge: 1.300

24.11.2012 22:57
#5 RE: Omas Paradies antworten

Hallo Druidin,

ich bin bei der Arbeit einmal einem Mann begegnet. Wir kamen ins Gespräch, später habe ich ihn besucht.
Damals wollte ich mich näher mit Magie befassen und den Weg der Göttin gehen.
Er machte mir einen Altar. Und er ritzte Runen rein. Ich kannte sie nicht und es hat noch ein paar Jahre gedauert bis sie zu mir durchdrangen.
Dann rief mich die Eibe...und dann geht es mit meinen Eibenrunen weiter.
Ich hatte nur meine Träume. Keine Lehrer, keine Seminare, ein paar Bücher.
So gesehen bin ich wohl noch ein Kücken im Vergleich zu dir.
Doch jetzt begleiten sie mich und werde nicht mehr auf sie verzichten.

LG RainBow

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Holle Offline

Rabe


Beiträge: 350

25.11.2012 06:53
#6 RE: Omas Paradies antworten

Hallo Druidin,

was für eine wundervolle Begegnung! Deine Geschichte hat mich sehr berührt. Geht sie noch weiter?
Ich selber weiß leider nicht mehr, wann und wie die Runen zu mir kamen. Ich weiß nur, sie rufen mich seit Jahrzehnten, da waren meine Kinder noch klein, und heute bin ich selber Oma.

LG Holle

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meine Runenblogs (in Arbeit): http://brunnenauge.blogspot.de/

Die Druidin Offline

Altrabe


Beiträge: 1.547

25.11.2012 10:39
#7 RE: Omas Paradies antworten

Hallo Holle,
ja, die Geschichte geht noch weiter.

Brot.

Noch am gleichen Tag oder am nächsten? Ich weiß das nicht mehr soo genau, haben wir Brot gebacken.
Heute mein Lieblingsbrot denn auch dazu hatte sie einen Spruch.
Wir gingen in den Garten, den ich damals als riesengroß empfand. So typisch deutscher Schrebergarten würde ich heute behaupten.
Sie zeigte mir, wo sie ihre Kräuter stehen hatte und erntete: Bärlauch, Petersilie, Oregano und Majoran.
In einer großen Schüssel kippte sie Mehl, Salz, Zucker, einen (gestrichenen) Teelöffel Muskatnus, warmes Wasser und die Hefe.
Beim Kneten sagte sie: fürs Herz, gegen den Schmerz, mit Liebe, gegen die Diebe.
Das war wie eine Art Mantra, solange sie knetete.
Ich hab sie irgendwann gefragt, was das mit den Dieben auf sich hat und sie erzählte, dass es noch garnicht so lange her ist dass es Menschen gab, die ihr ihr Ahnenwissen nehmen wollten.
Ich vermute mal, das hatte was mit dem Dritten Reich zutun.
Wenn der Teig hochgegangen war, gab sie die Kräuter zu und macht das Ritual nochmal.
Aus dem Teig machte sie einen riesen Zopf und ab in den Ofen.
Frisches Brot zieht bei mir seit dem eine Art Visionsschleife nach sich.
Ich sehe sie dann am Tisch kneten und "beten" und dieser Spruch klingt in meinen Ohren nach.
Fürs Herz galt wohl die Petersilie, Bärlauch, für die Liebe war wohl die Muskatnuss gedacht, was Majoran und Oregano bezweckte ist mir entfallen.
Aber ich hab hier einen Link:
http://www.gesundheit.de/medizin/naturhe...hmuck-der-berge

Holle Offline

Rabe


Beiträge: 350

25.11.2012 12:06
#8 RE: Omas Paradies antworten

Liebe Druidin,

so schön! Ich könnte deine Geschichte weiter und weiter lesen.
Solche Zopfbrote heißen bei mir "Hollezopf". Das hab ich mal irgendwo gelesen, dass Brote in dieser Form Frau Holle zu Ehren gebacken wurden. Ich mach das auch manchmal.

LG Holle

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Tanith Offline

Altrabe


Beiträge: 8.363

25.11.2012 15:55
#9 RE: Omas Paradies antworten

Liebe Druidin,
eine sehr beeindruckende Geschichte, die es verdient hat, wirklich näher überdacht zu werden. Vielen Dank für das Teilen.
Liebe Grüße
Tanith

Don't pay the ferryman, don't even fix a price..... Chris de Burgh

Die Druidin Offline

Altrabe


Beiträge: 1.547

25.11.2012 21:29
#10 RE: Omas Paradies antworten

Runen
Ich saß immer da, wo die Uruz war und fummelte mit meinen kleinen Fingern ständig an ihr rum.
Irgendwann hab ich sie dann doch gefragt, was das ist.
Und sie sagte nur einen Satz:" Das sind die Zeichen der alten Zeit." Drehte sich um und ich hatte das Gefühl, mehr wollte sie nicht sagen. (ich weiß das noch so genau weil durch dieses Satz erst recht meine Neugier geweckt wurde, weil sie so geheimnisvoll tat)
Also schwieg ich auch (erstmal).
Ein paar Tage später zeigte sie auf Uruz und fragte:" Was spührst du wenn du darauf fasst? Ich sehe ja wie du sie immer anfast, also muss es sich ja gut anfühlen oder?"
Ich nickte:"Sie ist so schön kribbelig. So will ich mich immer fühlen."
Sie nickte und dann war für Tage erstmal wieder Stillschweigen darüber.
Dann zeigte sie auf Raidho und sagte:"Fass die mal an und sag mir was du spührst."
Ich fasste sie an und auch hier war es kribbelig, nur... irgendwie anders, so als
würde sie mich gern in sich einsaugen und schnell nahm ich den Finger wieder weg.
Ich wollte nicht von ihr weggezogen werden.
"Wohin zieht sie mich?"
"Ich weis nicht, das ist bei jedem verschieden. Mich zieht sie zu den Götterpfaden.
Wir könnten es die nächsten Tage ja vielleicht doch mal ausprobieren. Traust du dich?"
Ich nickte denn bisher musste ich mir nie Sorgen machen bei meiner Großmutter, sie passte gut auf mich auf. Ich vertraute ihr, so wie sie mir.
Wir haben dann mit Raidho "zusammen" eine Reise gemacht.
Sie hat eine Kerze angezündet, mit einem Kraut (ich glaub es war Salbei) geräuchert,
Mit Salz um uns herum gestreut und dann gings los und was gemurmelt.
(ich weiß bis heute nicht mehr, was sie sagte. Dieses Gespräch hab ich auch nur in etwar nochmal nachempfunden. Den genauen Wortlaut weiß ich natürlich heute auch nicht mehr) Ich hab irgendwann meinen eigenen "Reise" Weg gefunden.
Ich stand vor einem sehr großen Fachwerkhaus und neben mir ein braunes Pferd. Es war vom Körperbau her etwas stabiler als ein Rennpferd. (Ich war ca. 17-18 J.männlich.)
Auf der linken Seite, im Hintergrund, sah ich viele unterschiedliche Felder mit unterschiedlichsten Anbauten. Von Weizen bis Kartoffel war alles dabei.
Dahinter, nur noch als Periferie sichtbar, weiße Berge die sich vom blauen Himmel sehr wenig abhoben.
Auf der rechten Seite, eine Koppel deren Ende nicht zu sehen war. Auf der Koppel hohes Gras, einige Pferde und verstreut immer mal einige Apfelbäume.
Sehr weit im Hintergrund einen Vulkan der leicht vor sich hinqualmte.

(So lernte ich die Runen durch Trancereisen.)

Doch das schönste Paradies hat irgendwann ein Ende und so war klahr, dass mein Vater irgendwann kommen würde.

Granma stirbt
Ich bin fast 13 und mein Vater steht vor der Tür.
Ich habe mich sehr erschreckt denn ich wusste ganz genau, wenn ER kommt dann wird er mich mitnehmen.
Ich kann nicht sagen, was ich empfunden habe als mein Vater in Tür stand. Am liebsten hätte ich mit den Händen "was" gemacht .
Doch Granni rief ihn rein.
"Ist es soweit?"
Er nickte und brummelte : "Hast du alles gepackt? Ich will mich hier garnicht erst lange niederlassen. Gib mir den Koffer und los!"
Ich war wie betäubt. Sie hatte mir nichts gesagt.
Einmal noch drehte ich mich zu Granni um, sah ihr in die Augen und ging dann hinter ihm her.
In der Zwischenzeit hatte er sich ein kleines Auto angeschaft und schon fuhren wir in Richtung Mutter und Brüder.
Dort angekommen wurden mir erstmal alle Brüder vorgestellt. Es waren inzwischen 3 geworden. Mutter kam mir entgegen und streckte die Hand aus. Aber nicht um mich zu begrüßen sondern sie wollte etwas von mir haben.
Ich rührte mich kein bischen.
Da kam sie ganz nahe. Griff überall hin und fand meine Karten und meine Runen.
Sie landeten im Feuer des Bollerofens.
Am nächsten Tag gingen Mutter und Vater arbeiten und ich blieb mit den 3 Jungen allein zurück.
2 Jahre später fuhr meine Mutter mit mir in ein Krankenhaus.
Ich weiß nicht mehr ob sie mir erzählt hatte weshalb. Als wir in ein Krankenzimmer eintraten sah ich sie, Granni war nur noch ein Schatten ihrer Selbst. Als sie mich sah, lächelte sie.
Mutter sprach ein paar Sätze mit ihr, dann lies sie mich mit ihr allein.
Ich weiß nur noch, ich sang für sie leise das Lied Odins, dass sie immer so gern aufsagte.
Sie schloss die Augen und genoss es.
Das war das letzte Mal dass ich sie gesehen habe.
Ich gestehe, ein kleiner Anteil in mir hasst diese zwei Menschen die mich gezeugt und geboren haben.
Es ist einfach zu vieles geschehen dass einem Kind nicht passieren dürfte.
Verzeihen? Ja- vergessen- eindeutig NEIN!

Liebe Grüße die Druidin

Weißt du zu ritzen? weißt zu erraten?
Weißt du zu finden? weißt zu erforschen?
Weißt du zu bitten? weißt du Opfer zu bieten?

Ulla Offline

Altrabe


Beiträge: 1.199

25.11.2012 22:03
#11 RE: Omas Paradies antworten

Liebe Die Druidin!
Zitat:

Zitat von Die Druidin im Beitrag #10
Verzeihen? Ja- vergessen- eindeutig NEIN!


Verzeihen ist die Grundlage des Weiterlebens.
Hättest du vergessen, wärst du verloren im ungreifbaren Nichts.
Wie gut, dass du mit deiner Großmutter leben und von ihr lernen durftest!

Danke fürs Mit-Teilen!

LiebenGruß

Ulla

Alles Verborgene ist offensichtlich,
alles Offensichtliche ist verborgen
UH

Holle Offline

Rabe


Beiträge: 350

26.11.2012 09:54
#12 RE: Omas Paradies antworten

Danke dir, liebe Druidin!

Ich verbeuge mich vor deinen tiefen Kindheitserfahrungen.

Herzgruß von Holle

¸.•*´¨`*•.¸¸.•¸.•*´¨`*•.¸¸.•*´¨`*•.•*´¨`*•.¸¸.•¸.•*´¨`*•.¸¸.•¸.•*´¨`*•.¸¸.•*´¨`*•.•*´¨`*•.¸¸.•¸.•

meine Runenblogs (in Arbeit): http://brunnenauge.blogspot.de/

Vanadis Offline

Rabe


Beiträge: 481

28.11.2012 19:03
#13 RE: Omas Paradies antworten

Liebe Druidin

zur Zeit habe ich irgendwie nicht die Kraft, das viele Neue, was auf dem Rabenbaum so abgeht zu lesen, bzw. zu verarbeiten.
Ist nix Schlimmes, nur so eine Art Müdigkeit.

Aber Deine Erzählungen aus Deiner Kindheit haben mich sehr berührt.
Sicher war es ein großes Glück für Deine Oma, dass Du zu ihr gekommen bist und sie jemanden hatte, dem sie das Alte Wissen weiter geben konnte.

Hast Du auch jemanden aus der jüngeren Generation, dem Du alles übermitteln kannst?

Liebe Grüße
Vanadis

Hugin und Munin müssen jeden Tag
Über die Erde fliegen
Ich fürchte, dass Hugin nicht nach Hause kehrt;
Doch sorg ich mehr um Munin.
Grimnismal 20

Die Druidin Offline

Altrabe


Beiträge: 1.547

28.11.2012 20:37
#14 RE: Omas Paradies antworten

Leider nein, aber Stück für Stück gab ich anderen das, was ich weiß.
So wie es ist, ist es gut. Soll so sein.
Hier gibt es ja jede Menge Menschen die mehr wissen als ich. und die ihr Wissen auch weitergeben.

Liebe Grüße die Druidin

Weißt du zu ritzen? weißt zu erraten?
Weißt du zu finden? weißt zu erforschen?
Weißt du zu bitten? weißt du Opfer zu bieten?

RainBow Offline

Altrabe


Beiträge: 1.300

11.12.2012 22:16
#15 RE: Omas Paradies antworten

Hallo Druidin,
deine Geschichte berührt mich. Danke fürs Teilen und dir auch mein Mitgefühl.
LG RainBow

*~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~*

 Sprung  

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