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Dieses Thema hat 7 Antworten
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 Märchen, Sagen und Legenden
Algiz Offline

Altrabe


Beiträge: 590

21.01.2006 21:21
Die wilden Schwäne antworten
Liebe Raben,
Ich habe mal ein bischen gekramt, aber Loki ist es zu verdanken, das ich diese Geschichte wiedergefunden habe. (ich verliere schon mal den Überblick bei den ganzen Büchern die wir haben)

Also wie versprochen das Märchen von den wilden Schwänen von Hans-Christian Andersen
(heute nicht alles auf einmal,denn das Märchen ist zu Lang)

Wei tvon hier, da, wohin die Schwalben fliegen, wenn wir Winter haben, wohnte ein König, der elf Söhne und eine Tochter, Elisa, hatte. Die elf Brüder waren Prinzen, sie gingen mit dem Stern auf der Brust und dem Säbel an der Seite in die SChule;sie schrieben mit Diamantgriffeln auf Goldtafeln und lernten ebensogut auswendig, wie sie lasen; man konnte sogleich hören, daß sie Prinzen waren. Die Schweseter Elisa saß auf einem kleinen Schemel von Spiegelglas und hatte ein Bilderbuch, das unmenschlich viel Geld gekostet hatte.
Oh die kinder hatten es gut, aber so sollte es nicht immer bleiben!
Ihr Vater, der König über das ganze Land war, verheiratete sich mit einer bösen Königin, die den Kindern gar nicht gut war. Schon am ersten Tage konnten sie es merken; in dem ganzen Schlosse war große Pracht, und da spielten die Kinder"Besuch"; aber anstatt sie sonnst all den Kuchen und die gebratenen Äpfel erhielten, die nur zu haben waren, gab die Königin ihnen nur Sand in eine Teetasse und sagte, sie könnten so tun, als ob es etwas wäre.
Die Woche darauf brachte sie die kleine Elisa auf das Land zu einem Bauerpaar, und lange währte es nicht, da redete sie dem König so viel von den Prinzen vor, daß er sich schließlich gar nicht mehr um sie bekümmerte.
"Fliegt hinaus in die Welt und helft euch selbst!" sagte die böse Königin; "fliegt als große Vögel ohne Stimme!" Aber sie konnte es doch nicht so schlimm machen, wie sie gern wollte; sie wurden elf herrliche Schwäne. Mit einem sonderbaren Schrei flogen sie aus den Schlossfenstern hinaus über den Park und den Wald dahin.
Es war noch ganz früh am Morgen, als sie da vorbeikamen, wo die Schwester Elisa in der Stube des Landmannes lag und schlief; hier schwebten sie über dem Dache, drehten ihre langen Hälse und schlugen mit den Flügeln, aber niemand hörte oder sah es. Sie mußten wieder weiter,hoch gegen die Wolken empor, hinaus in die weite Welt; da flogen sie nach einem großen Wald, der sich gerade bis an den Strand des Meeres erstreckte.
Die kleine Elisa stand in der Stube des Landmannes und spielte mit einem grünen Blatte, anderes Spielzeug hatte sie nicht;sie stach ein Loch in das grüne Blatt,sah da hindurch gegen die Sonne empor, und da war es gerade, als sähe sie ihrer Brüder klare Augen, und jedesmal, wenn die warmen Sonnenstahlen auf ihre Wangen schienen, gedachte sie aller ihrer Küsse.
Der eine Tag verging ebenso wie der andere. Strich der Wind durch die großen Rosenhecken draußen vor dem Haus, so flüsterte er den Rosen zu:"Wer kann schöner sein als ihr?" Aber die Rosen schüttelten das Haupt und sagten :"Elisa ist es!" Wenn die alte Frau am Sonntag an der Tür saß und in ihrem Gesangbuch las,so wendete der Wind die Blätter um und sagte zum Buch: "Wer kann frömmer sein als du?"
"Elisa ist es!" sagte das Gesangbuch und das war die reine Wahrheit, was die Rosen und das Gesangbuch sagten.
Als sie fünfzehn Jahre alt war, sollte sie nach Hause kommen; da aber die Königin sah, wie schön sie war, wurde sie ihr gram und voll Haß und hätte gern auch sie in einen wilden Schwan verwandelt wie die Brüder, aber das wagte sie nicht sogleich, weil ja der König seine Tochter sehen wollte.
Früh des Morgens ging die Königin in das Bad, das von Marmor erbaut und mit weichen Kissen und den prächtigsten Decken geschmückt war, nahm drei Kröten, küsste sie und sagte zu der einen:" setze dich auf Elisas Kopf, wenn sie in das Bad kommt, damit sie dumm wird wie du! -Setze dich auf ihre Stirn", sagte sie zur andern, damit sie häßlich wird wie du, so daß ihr Vater sie nicht kennt! -Ruhe an ihrem Herzen", flüsterte sie der drittenzu, "laß sie einen bösen Sinn erhalten, damit sie Schmerzen davon habe!" Dann setzte sie die Kröten in das klare Wasser, das sogleich eine grüne Farbe erhielt,rief Elisa, zog sie aus und ließ sie in das Wasser hinabsteigen. Indem sie untertauchte, setzte sich eine Kröte ihr in das Haar, die andere auf ihre Stirn und die dritte auf die Brust; aber Elisa schien es nicht zu merken, sobald sie sich emporrichtete, da schwammen drei rote Mohnblumen auf dem Wasser. Wären die Tiere nicht giftig gewesen und von der Hexe geküßt worden, so wären sie in rote Rosen verwandelt worden, aber Blumen wurden sie doch, weil sie auf ihrem Haupte und an ihrem Herzen geruht hatten;sie war zu fromm und unschuldig, als daß die Zauberrei Macht über sie haben konnte.
So rieb sie das Mädchen mit Walnußsaft, so daß sie ganz schwarzbraun wurde, bestrich das hübsche Antliz mit einer stinkenden Salbe und ließ das herrliche Haar sich verwirren; es war unmöglich, die schöne Elisa wiederzuerkennen.
Daher erschrak ihr Vater sehr, als er sie erblickte, und sagte, es sei nicht seine Tochter; niemand wollte sie wiederrekennen außer dem Kettenhund und den Schwalben, aber das waren arme Tiere, die nichts zu sagen hatten.
Da weinte die arme Elisa und dachte an ihre elf Brüder, die alle weg waren.
Betrübt verließ sie das Schloß und ging den ganzen Tag über Feld und Moor bis in den großen Wald hinein. Sie wußte gar nicht, wohin sie wollte, aber sie fühlte sich sehr betrübt und sehnte sich nach ihren Brüdern, die sicher auch gleich ihr in die Welt hinausgejagt waren, diese wollte sie suchen und finden.
Nur kurze Zeit war sie im Walde gewesen, als die Nacht einbrach; sie war ganz von Weg und Steg abgekommen. Da legte sie sich auf das weiche Moos nieder,betete ihr Abendgebet und lehnte ihr Haupt an einen BAumstumpf. Es war da ganz still, die Luft war mild, und ringsumher im Grase und im Moose leuchteten , einem grünen Feuer gleich, viele Hunderte Johanniswürmchen;als sie einen der Zwige mit der HAnd berührte, giehlen die leuchtenden INsekten wie Sternschnuppen zu ihr nieder.
Die ganze NAcht träumte sie von ihren Brüdern; sie spielten wieder als Kinder, schrieben mit dem Diamantgriffel auf die Goldtafel und betrachteten das herrliche Bilderbuch, das soviel Geld gekostet hatte, aber auf die TAfel schrieben sie nicht wie früher Nullen und Striche, sondern die mutigsten Taten, die sie vollführt, alles was sie erlebt und gesehen hatten; und im Bilderbuch war alles LEbendig, die Vögel sangen, und die Menschen gingen aus dem Buch heraus und sprachen mit Elisa und ihren Brüdern, aber wenn sie das Blatt umwandte, sprangen sie sogleich wieder hinein, damit keine Verwirrung in den Bildern entsehen möchte.
Als sie erwachte, stand die Sonne schon hoch; Elisa konnte sie freilich nicht sehen, die hohen Bäume bereiteten ihre Zweige dicht und fest aus, aber die Strahlen spielten dort oben gerade wie ein wehender Golflor. Da war ein Duft von dem Grünen, und die Vögel setzten sich fast auf ihre Schultern. sie hörte das Wasser plätschern, das Waren Quellen, die alle in einen See fielen, in dem der herrlichste Sandboden war; freilich wuchsen hier dichte Büsche ringsherum, aber an einer Stelle hatten die HIrsche eine große Öffnung gemacht, und hier ging Elisa zum Wasser hin. Das war so klar, daß, hätte der Wind nicht die Zweige und die Büsche berührt, so daß sie sich bewegten, sie hätte glauben müssen, das sie auf den Boden gemalt seien, so deutlich spiegelte sich jedes Blatt, sowohl das von der Sonne beschienene,als das im Schatten.
Sobald sie ihr eigenes Antliz erblickte, erschrak sie gewaltig, so braun und häßlich war es. Doch als sie ihre kleine Hand benetzte und Augen und Stirn rieb, glänzte die weiße Haut wieder vor; da entkleidete sie sich und ging in das frische Wasser hinein; ein schöneres Königskind, als sie war, gab es nicht in dieser Welt.
Als sie wieder angekleidet war und ihr langes Haar geflochten hatte, ging sie zur sprudelnden Quelle, trank aus der hohlen Hand und wanderte tiefer in den Wald hinein, ohne selbst zu wissen, wohin. Sie dachte an ihre Brüder, dachte an den Lieben Gott, der sie sicher nicht verlassen werde; er ließ ja die wilden Waldäpfel wachsen, um den Hungrigen zu sättigen, und er zeigte ihr einen solchen Baum, dessen Zweige sich unter der LAst der Früchte beugten. Hier hielt sie ihre Mittagsmahlzeit, setzte stützen unter die Zweige und ging dann in den dunkelsten Teil des Waldes hinein. Da war es so still, daß sie ihre eigenen Fußtritte hörte, sowie jedes kleine, vertrocknete Blatt, das sich unter ihrem Fuße bog. Nicht ein Vogel ar da zu sehen, nicht ein Sonnenstrahl konnte durch die großen, dichten Baumzweige dringen; die hohen Stämme standen so nahe beisammen, daß, wenn sie geradeaus sah, ein Balkongitter sie zu umschließen schien. Oh hier war eine Einsamkeit, die sie früher noch nie gekannt hatte!

Die NAcht wurde sehr dunkel, nicht ein einziger Johanniswurm leuchtete aus dem Moose. BEtrübtlegte sie sich nieder, um zu schlafen. Da schien es ihr als ob die Baumzweige über ihr sich zur Seite bewegten und der liebe Gott mit milden Augen auf sie niederblickte, und kleine Engel sahen über seinen Kopf und unter seinen Armen hervor.
Als sie am nächsten Morgen erwachte, wusste sie nicht, ob sie geträumt habe oder ob es wirklich so gewesen sei.
Siw ging einige Schritte vorwärts, da begegnete sie einer alten Frau mit vielen Beeren in dem Korbe, die sie im Walde fleißig gesammelt hatte. Die Alte gab ihr einige davon. Elisa fragte, ob sie nicht elf Prinzen durch den Wald habe reiten sehen.
"Nein", sagte die Alte, "aber ich sah gestern elf Schwäne mit goldenen Kronen auf dem Haupte in der Nähe schwimmen."
Sie führte Elisa ein Stück weiter vor zu einem Abhange, an dessen Fuß sich ein kleiner Fluß schlängelte; die Bäume an seinen Ufern streckten ihre langen, blattreichen Zweige einander entgegen, und wo sie ihrem natürlichen Wuchse nach nicht zusammenreichen konnten, da hatten sie die Wurzeln aus der Erde losgerissen und hingen, mit den Zweigen ineinandergeflochten, über das Wasser hinaus.
Elisa sagte der Alten Lebewohl und ging den Fluß entlang, bis dieser in den großen, offenen Strand mündete.
Das ganze herrliche Meer lag vor dem jungen Mädchen; aber nicht ein Segel zeigte sich darauf, nicht ein Boot war da zu sehen, wie sollte sie nun weiter fortkommen? Sie betrachtet die unzähligen, kleinen Steine am Ufer; das Wasser hatte sie alle rund geschliffen. Glas, Eisen, Steine, alles was da zusammengespült lag, hatte die Getalt des Wassers angenommen, das doch viel weicher war als ihre feine Hand. "Das rollt unermüdlich fort, und so ebnet sich das Harte, ich will ebenso unermüdlich sein; Dank für eure Lehre, ihr kleinen, rollenden Wogen; einst, das sagt mir mein Herz, werdet ihr mich zu meinen lieben Brüdern tragen!"
Auf dem angespülten Seegrase lagen elf weiße Schwanenfedern; die sammelte sie . Einsam war es dort am Strande, aber sie fühlte es nicht; denn das Meer mot ewige Abwechslung, ja, es wandelte sich in wenigen Stunden mehr als die süßen Landseen in einem ganzen Jahr. Kam da eine große, schwarze Wolke, so war es, als ob die See sagen wollte: Ich kann auch finster aussehen. Und dann bließ der Wind, und die Wogen kehrten das Weiße nach außen; schienen aber die Wolken rot und schliefen die Winde, so war das Meer einem Rosenblatte gleich; bald wurde es grün, bald weiß; aber wie still es auch ruhte, am Ufer doch eine leise Bewegung; das Wasser hob sich schwach wie die Brust eines schlafenden Kindes.
Als die Sonne im begriff war, unterzugehen, sah Elisa elf wilde Schwäne mit Goldkronen auf dem Kopfe dem Land zufliegen, sie schwebten der eine hinter dem anderen; es sah aus wie ein langes, weißes Band. Da stieg Elisa den Abhang hinauf und verbarg sich hinter einem Busche; die Schwäne ließen sich nahe bei ihr nieder und schlugen mit ihren großen weißen Schwingen.
Sowie die Sonne unter dem Wasser war, fielenplötzlich die Schwanenhäute, und elf schöne Prinzen, Elisas Brüder, standen da. Sie stießn einen leisen Schrei aus; denn obwohl die Brüder sich sehr verändert hatten, so wußte Elisa doch, daß sie es waren, fühlte, daß sie es sein mußten; sie sprang in ihre Arme, nannte sie bei Namen, und die Brüder waren ganz glücklich, als sie ihre Schwester sehen und erkannten, die nun groß und schön war. Sie lachten und weinten und bald hatten sie einander erzählt, wie grausam ihre Stiefmutter gegen sie alle gewesen war.
"Wir Brüder" , sagte der Älteste, "fliegen als wilde Schwäne, solange die Sonne am Himmel steht; sobald sie untergegangen ist, erhalten wir unsere menschliche Gestalt wieder.Deshalb müssen wir immer dafür sorgen, daß wir beim Sonnenuntergang eine Ruhestätte für die Füße haben, denn fliegen wir dann gegen die Wolken an, so müssen wir als Menschen in die Tiefe hinunterstürzen. Hier wohnen wir nicht; es liegt ein ebenso schönes Land wie dieses jenseits der See, aber der Weg dahin ist weit. Wir müssen über das große Meer, und es findet sich keine Insel auf unserem Wege, wo wir übernachten können. Nur eine einsame Klippe ragt in der Mitte daraus hervor, sie ist nicht größer, als daß wie Seite an Seite darauf Platz haben; ist die See stark bewegt, so spritzt das Wasser hoch über uns , aber doch dabken wir Gott für die Ruhestelle. Da übernahcten wir in unserer Menschengestalt ; ohne diese Kllippe könnten wir nie unser liebs Vaterland besuchen, denn zwei der längsten Tage des Jahres brauchen wir zu unserem Fluge. Nur einmal im Jahre ist es uns vergönnt, unsere Heimat zu besuchen, elf Tage können wir hierbleiben, über den großen Wald hinfliegen, von wo wir das Schloß erblicken können, wo wir geboren wurden und wo unser Vater wohnt, den hohen Kirchturm sehen, wo die Mutter begraben ist. - Hier kommt es uns vor, als wären Bäume und Büsche mit uns verwandt, hier laufen die wilden Pferde über die Steppen hin, wie wir es in unserer Kindheit gesehen haben, hier singt der alte Kohlenbrenner die alten Lieder, nahc denen wir als Kinder tanzten, hier ist unser Vaterland, hierher zieht es uns, und hier haben wir dich, du liebe Schwester, gefunden! Zwei Tage können wir noch hierbleiben, dann müssen wir fort über das Meer nach einem herrlichen Lande, das aber nicht unser Vaterland ist. Wie nehmen wir dich mit? Wir haben weder Schiff noch Boot!"
"Auf welche Art kann ich euch erlösen?" fragte die Schwester.
Sie unterhielten sich fast die ganze Nacht und schlummerten nur einige Stunden.
Elisa erwachte durch das Rauschen der Schwanenflügel über ihr. Die Brüder waren wieder verwandelt und flogen in großen Kreisen und zuletzt weit weg - aber der eine von ihnen, der jüngste, blieb zurück, er legte seinen Kopfin ihren Schoß, und sie streichelte seine Flügel; den ganzenm Tag waren sie beisammen.
Gegen Abend kamen die anderen zurück, und als die Sonne untergegangen war, standen sie in ihrer menschlichen Gestalt da.
"Morgen fliegen wir von hier weg und können nicht vor Verlauf eines Jahres zurückkehren, aber dich können wir nicht so verlassen! Hast du Mut, mitzukommen? Mein Arm ist stark genug, dich durch den Wald zu tragen, sollten wir da nicht alle so starke Flügel haben, um mit dir über das Meer zu fliegen?"
"Ja, nehmt mich mit!" sagte Elisa.
Die ganze Nacht brachten sie damit zu, ein großes und starkes Netz aus der geschmeidigen Weidenrinde und dem zähen Schilf zu flechten. Auf dieses legte sich Elisa, und als die Sonne hervortrat und die Brüder in wilde Schwäne verwandelt wurden, ergriffen sie das Netz mit ihren Schnäbeln und flogen mit ihrer lieben Schwester, die noch schlief, hoch gegen die Wolken an. Die Sonnenstrahlen fielen ihr gerade auf das Antlitz, deswegenflog einer der Schwäne über ihr Haupt, damit seine breiten Schwingen sie beschatten möchten.
Sie waren weit vom Lande entfernt, als Elisa erwachte; sie glaubte noch zu träumen, so sonderbar kam es ihr vor, hoch durch die Luft, über das Meer getragen zu werden. An ihrer Seite lag ein Zweig mit herrlichen, reifen Beeren und ein Bund wohlschmeckender Wurzeln. Die hatte der jüngste der Brüder gesammelt und ihr hineingelegt; sie lächelte ihn dankbar an, denn sie erkannte ihn, er war es, der über ihrem Haupte flog und sie mit den Schwingen beschattete.
Sie waren so hoch, daß das erste Schiff unter ihnen eine weiße Möve zu sein schien, die auf dem Wasser lag. Eine große Wolke stand hinter ihnen, das war ein Berg, und auf ihm sah Elisa ihren eigenen Schatten und den der elf Schwäne, so riesengroß flogen sie davon. Das war ein Gemälde, prächtiger als sie früher je eines gesehen; doch als die Sonne höher stieg und die Wolke weiter zurückblieb, verschwand das Schattenbild.
Den ganzen Tag flogen sie gleich einem sausenden Pfeil durch die Luft, aber es ging doch langsamer als sonst, sie hatten ja die Schwester zu tragen. Es zog ein böses Wetter auf, der Abend näherte sich. Ängstlich sah Elisa die Sonne sinken, und noch war die einsame Klippe im Meer nicht zu erblicken; es kam ihr vor, als machten die Schwäne stärkere Schläge mit den Flügeln.

So morgen gehts weiter :-)
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Wenn du eine weise Antwort verlangst, mußt du vernünftig fragen
- Johann Wolfgang von Goethe -

MACHT ZU BESITZEN UND NICHT AUSZUÜBEN IST WAHRE GRÖßE
- FRIEDEL BEUTELROCK-

Max Offline

Rabe

Beiträge: 353

31.01.2006 20:39
#2 RE: Die wilden Schwäne antworten

Liebe Algiz,

gerade wenn’s am Spannendsten wird, wird Deine Katze krank. Ich hoffe es geht ihr schon ein bisschen besser. Knuschel sie mal ganz lieb von mir.

Liebe Grüße,
Max.

Algiz Offline

Altrabe


Beiträge: 590

07.02.2006 19:56
#3 RE: Die wilden Schwäne antworten

Hallo ihr Lieben Raben,
heute ist es geschafft, das Märchen ist fertig abgetippt!
Leider konnte ich es nicht wie vorgesehen unter den oberen Teil per Edit einfügen, darum ist hier nun der zweite Teil.
Ist so auch leichter wiederzufinden für diejenigen die so neugierig waren und schon alles gelesen haben
( Hätte ich natürlich auch gemacht)



....
Ach, sie war schuld daran, daß sie nicht rasch genug fortkamen; wenn die Sonne untergegangen war, so wurden sie Menschen, mußten in das Meer stürzen und ertrinken. Da betete sie aus tiefstem Herzen zu Gott, aber noch erblickte sie keine Klippe; die schwarze Wolke kam immer näher, die starken Windstöße verkündeten einen Sturm, die Wolken standen in einer einzigen großen drohenden Welle da, die fast wie Blei vorwärts schoß, Blitz leuchtete auf Blitz.
Jetzt war die Sonne gerade am Rande des Meeres. Elisas Herz bebte; da schossen die Schwäne hinab, so schnell, dass sie zu fallen glaubte; aber nun schwebten sie wieder. Die Sonne war halb unter dem Wasser, da erblickte sie erst die kleine Klippe unter sich. Sie sah nicht größer aus, als ob sie ein Seehund wäre, der nur den Kopf aus dem Wasser streckte. Die Sonne sank schnell; jetzt erschien sie nur noch wie ein Stern, da berührte ihr Fuß festen Grund – die Sonne erlosch gleich dem letzten Funken in brennendem Papier. Arm in Arm sah sie die Brüder um sich stehen, aber mehr Platz als gerade für sie alle war auch nicht da. Sie See schlug gegen die Klippe und ging wie ein Staubregen über sie hin; der Himmel leuchtete in fortwährendem Feuer, und Schlag auf Schlag rollte der Donner, aber Schwester und Brüder hielten einander an den Händen, woraus sie Trost und Mut schöpften.
In der Morgendämmerung war die Luft rein und still, sobald die Sonne emporstieg, flogen die Schwäne mit Elisa von der Insel fort. Das Meer ging noch so hoch, es sah aus, wie sie hoch in der Luft waren, als ob der weiße Schaum auf der schwarzgrünen See Millionen Schwäne wären, die auf dem Wasser schwammen.
Als die Sonne höher stieg, sah Elisa vor sich, halb in der Luft schwimmend, ein Bergland mit glänzenden Eismassen auf den Felsen, und mitten darauf erstreckte sich ein sicher meilenlanges Schloß, mit einem kühnen Säulengange über dem anderen, unten wogten Palmenwälder und Prachtblumen, so groß wie Mühlenräder. Sie fragte, ob dies das Land sei, wohin sie wollten, aber die Schwäne schüttelten den Kopf, denn das, was sie sah, war der Fata Morgana herrliches, alle Zeit abwechselndes Wolkenschloß, da durften sie keinen Menschen hineinbringen. Elisa starrte es an, da stürzten Berge, Wälder und Schloß zusammen, und zwanzig stolze Kirchen, alle einander gleich, mit hohen Türmen und spitzen Fenstern, standen da. Sie glaubte die Orgel ertönen zu hören, aber es war das Meer, das sie hörte. Nun waren sie den Kirchen ganz nahe; da wurden diese zu einer ganzen Flotte, die unter ihr dahinsegelte, sie sah nieder, und es waren nur Meernebel, die über dem Wasser hinglitten. Ja, eine ewige Abwechslung hatten sie vor Augen, und nun sahen sie das wirkliche Land, nach dem sie hinwollten. Da erhoben sich die herrlichen, blauen Berge mit Zedernwäldern, Städten und Schlössern. Lange bevor die Sonne unterging, saß sie auf dem Felsen vor einer großen Höhle, die mit feinen, grünen, Schlingpflanzen bewachsen war; es sah aus, als wären es gestickte Teppiche.
„ Nun wollen wir sehen, was du diese Nacht hier träumst!“ sagte der jüngere Bruder und zeigte ihr die Schlafkammer.
„ gebe der Himmel, dass ich träumen möge, wie ich euch erretten kann!“ sagte sie, und dieser Gedanke beschäftigte sie dann lebhaft. Sie betete inbrünstig zu Gott um seine Hilfe, ja selbst im Schlafe betete sie fort. Da kam es ihr vor, als ob sie hoch in die Luft fliege, zu Fata Morganas Wolkenschloß. Die Fee kam ihr entgegen, schön und glänzend, und doch glich sie ganz der alten Frau, die ihr Beeren Walde gegeben und ihr von den Schwänen mit Goldkronen auf dem Kopfe erzählt hatte.
„Deine Brüder können erlöst werden!“ sagte sie, „ aber hast du Mut und Ausdauer? Wohl ist das Wasser weicher als deine feinen Hände und formt doch die Steine um, aber es fühlt nicht die Schmerzen , die deine Finger fühlen werden, es hat kein Herz, leidet nicht die Angst und Qual, die du aushalten musst. Siehst du die Brennessel, die ich in meiner Hand halte? Von derselben Art wachsen viele rings um die Höhle, in der du schläfst, nur die dort und die , welche auf des Kirchhofs Gräbern wachsen, sind tauglich, merke dir das. Diese musst du pflücken, obgleich sie deine Haut voll Blasen brennen werden. Brich die Nesseln mit deinen Füßen, so erhältst du Flachs, mit diesem musst du elf Panzerhemden mit langen Ärmeln flechten und Binden, wirf diese über die elf Schwäne, so ist der Zauber gelöst. Aber bedenke wohl, dass du von dem Augenblicke an, wo du diese Arbeit beginnst, bis sie vollendet ist, wenn auch Jahre darüber vergehen, nicht sprechen darfst. Das erste Wort, das du sprichst, fährt wie ein tötender Dolch in deiner Brüder Herz; an deiner Zunge hängt ihr Leben. Merke dir das alles!“
Die Fee berührte zugleich ihre Hand mit der Nessel; es war einem brennenden Feuer gleich, Elisa erwachte dadurch. Es war heller Tag, und dicht neben ihr lag eine Nessel wie die aus dem Träume. Da fiel sie auf ihre Knie, dankte dem lieben Gott und ging aus der Höhle hinaus, um ihre Arbeit zu beginnen.
Mit den feinen Händen griff sie hinunter in die hässlichen Nesseln, sie waren wie Feuer; große Blasen brannten sie an ihren Händen und Armen, aber gern wollte sie es leiden, wenn sie die lieben Brüder befreien konnte. Sie brach jede Nessel mit ihren bloßen Füßen und flocht den grünen Flachs.
Als die Sonne untergegangen war, kamen die Brüder, die sehr erschraken, Elisa stumm zu finden; sie glaubten, es sei ein neuer Zauber der bösen Stiefmutter; aber als sie ihre Hände erblickten, begriffen sie, was ihre Schwester ihrethalben tue, und der jüngste Bruder weinte, und wohin seine Tränen fielen da fühlte sie keine schmerzen , da verschwanden die brennenden Blasen.
Die Nacht brachte sie bei ihrer Arbeit zu, denn sie hatte keine Ruhe, bevor sie die lieben Brüder erlöst hatte. Den ganzen folgenden Tag, während die Schwäne fort waren, saß sie in ihrer Einsamkeit, aber nie war die Zeit so eilig entflohen. Ein Panzerhemd war schon fertig, nun fing sie das zweite an.
Da ertönte ein Jagdhorn zwischen den Bergen; sie wurde von Furcht ergriffen, der Ton kam immer näher, sie hörte Hunde bellen, erschrocken floh sie in die Höhle, band die Nesseln, die sie gesammelt und gehechelt hatte, in einen Bund zusammen und setzte sich darauf.
Zugleich kam ein großer Hund aus der Schlucht hervorgesprungen, und gleich darauf wieder einer und noch einer; sie bellten laut, liefen zurück und kamen wieder vor. Es währte nicht lange, so standen alle Jäger vor der Höhle, und der schönste unter ihnen war der König des Landes; dieser trat auf Elisa zu, nie hatte er ein schöneres Mädchen gesehen.
„Wie bist du hierhergekommen, du herrliches Kind?“ sagte er. Elisa schüttelte das Haupt, sie durfte ja nicht sprechen, es galt ihrer Brüder Erlösung und Leben; und sie verbarg ihre Hände unter der Schürze, damit der König nicht sehe, was sie leiden müsse.
„ Komm mit mir!“ sagte er, „ hier darfst du nicht bleiben! Bist du so gut, wie du schön bist, so will ich dich in Seide und Samt kleiden, die Goldkrone dir auf das Haupt setzen, und du sollst in meinem schönsten Schlosse wohnen!“ – Und dann hob er sie auf sein Pferd. Sie weinte, rang ihre Hände, aber der König sagte: „ Ich will nur dein Glück! Einst wirst du mir dafür danken.“
Dann jagte er fort durch die Berge und hielt sie vorn auf dem Pferde, und die Jäger jagten hinterher.
Als die Sonne unterging, lag die schöne Königsstadt mit Kirchen und Kuppeln vor ihnen. Der König führte sie in das Schloß, wo große Springbrunnen in den hohen Marmorsälen plätscherten, wo Wände und Decken von Gemälden prangten, aber Elisa hatte keine Augen dafür, sie weinte und trauerte. Willig ließ sie die Frauen ihr königliche Kleider anlegen, Perlen in ihre Haare flechten und feine Handschuhe über die verbrannten Finger ziehen.
Als sie in all ihrer Pracht dastand, war sie so blendend schön, das der Hof sich noch tiefer vor ihr verneigte, und er König erkor sie zu seiner Braut, obgleich der Geistliche den Kopf schüttelte und flüsterte, dass das schöne Waldmädchen sicher eine Hexe sei; sie blende die Augen und betöre das Herz des Königs.
Aber der König hörte nicht darauf, ließ die Musik ertönen, die köstlichsten Gerichte auftragen, die lieblichsten Mädchen um sie tanzen. Sie wurde durch duftende Gärten in prächtige Säle geführt; aber nicht ein Lächeln kam auf ihre Lippen oder sprach aus ihren Augen, die voll Trauer waren. Nun öffnete der König eine kleine Kammer, dicht daneben wo sie schlafen sollte; sie war mit köstlichen, grünen Teppichen geschmückt und glich ganz der Höhle, in der sie gewesen war. Auf dem Fußboden lag das Bund Flachs, das sie aus den Nesseln gesponnen hatte, und unter der Decke hing das Panzerhemd, das fertig gestrickt war; alles dieses hatte einer der Jäger als eine Seltenheit mitgenommen.
„Hier kannst du dich in deine frühere Heimat zurückträumen“.
Als Elisa das sah, was ihr am Herzen lag, spielte ein lächeln um ihren Mund, und das Blut kehrte in die Wangen zurück. Sie dachte an die Erlösung ihrer Brüder, küsste des Königs Hand, er drückte sie an sein Herz und ließ durch alle Kirchenglocken das Hochzeitsfest verkünden. Das schöne, stumme Mädchen aus dem Walde war des Landes Königin.
Da flüsterte der Geistliche böse Worte in des Königs Ohr, aber sie drangen nicht bis zu seinem Herzen. Die Hochzeit sollte sein, der Geistliche selbst musste ihr die Krone auf das Haupt setzen, und er drückte in seinem Unwillen den engen Ring fest auf ihre Stirn nieder, so dass er wehe tat. Doch es lag ein schwererer Ring um ihr Herz, die Trauer um ihre Brüder; sie fühlte nicht die körperlichen leiden. Ihr Mund war stumm, ein einziges Wort würde ja ihren Brüdern das Leben kosten, aber in ihren Augen sprach sich eine innige Liebe zu dem guten hübschen Könige aus, der alles tat, um sie zu erfreuen. Sie gewann ihn von Tag zu Tag lieber und wünschte nur, dass sie sich ihm Vertrauen, ihm ihre Leiden klagen dürfte! Aber stumm musste sie sein, stumm musste sie ihr Werk vollbringen. Deshalb schlich sie nachts von seiner Seite, ging in die kleine Kammer und strickte ein Panzerhemd nach dem andern fertig; aber als sie das siebente begann, hatte sie keinen Flachs mehr.
Auf dem Kirchhof, das wusste sie, wuchsen die Nesseln, die sie brauchen konnte, aber selbst musste sie diese pflücken; wie sollte sie das tun, wie sollte sie dahinaus gelangen?
„Oh was ist der Schmerz in meinen Fingern gegen die Qual, die mein Herz erduldet!“ dachte sie, ich muß es wagen! Der Herr wird seine Hand nicht von mir zurückziehen!“ Mit einer Herzensangst, als sei es eine böse Tat, die sie vorhabe, schlich sie sich in der mondhellen Nacht in den Garten hinunter, ging durch die langen Alleen, in die einsamen Straßen nach dem Kirchhofe hinaus.
Nur ein einziger Mensch hatte sie gesehen, der Geistliche; er war wach, wenn andere schliefen. Nun hatte er doch recht gehabt, wie er meinte, dass es mit der Königin nicht sei, wie es sein sollte. Sie war eine Hexe, deshalb hatte sie den König und das ganze Volk betört.
Er erzählte dem König , was er gesehen und was er fürchtete, und als die harten Worte seiner Zunge entströmten, rollten zwei schwere Tränen über des Königs Wangen herab. Er ging nach Hause mit Zweifel in seinem Herzen. Er stellte sich, als ob er in der Nacht schlafe, aber es kam kein ruhiger Schlaf in seine Augen, er merkte, wie Elisa aufstand, jede Nacht wiederholte sie das, und jedesmal folgte er sachte nach und sah, wie sie in ihre Kammer verschwand.
Tag für Tag wurde seine Miene finsterer. Elisa sah es, begriff aber nicht, warum; es ängstigte sie, und noch mehr litt sie in ihrem Herzen für ihre Brüder. Auf den königlichen Samt und Purpur flossen ihre heißen Tränen. Sie war nun bald mit ihrer arbeit fertig, nur ein Panzerhemd fehlte noch; aber Flachs hatte sie auch nicht mehr und nicht eine einzige Nessel. Einmal noch, nur dieses letzte Mal, musste sie deswegen zum Kirchhof und einige Hände voll pflücken. Sie dachte mit Angst an diese einsame Wanderung, aber ihr Wille stand fest wie ihr Vertrauen auf den Herrn.
Sie ging, aber der König und der Geistliche folgten nach; sie sahen Elisa bei der Gitterpforte hieneinverschwinden, undals sie sich näherten, saßen Hexen auf dem Grabsteine, und der König wendete sich ab; denn unter diesen dachte er sich die, deren Haupt noch diesen Abend an seiner Brust geruht hatte.
„ Das Volk muß sie verurteilen!“ sagte er, und das Volk urteilte, sie solle verbrannt werden.
Aus den prächtigen Königssälen wurde sie in ein dunkles, feuchtes Loch geführt, wo der Wind durch das Gitter hineinpfiff, anstatt Samt und Seide gab man ihr das Bund Nesseln, das sie gesammelt hatte, darauf konnte sie ihr Haupt legen. Die harten, brennenden Panzerhemden, die sie gestrickt hatte, sollten ihre Decke sein, aber nichts Lieberes konnten sie ihr geben, sie nahm wieder ihre Arbeit auf und betete zu Gott. Draußen sangen die Straßenbuben Spottlieder auf sie, keine Seele tröstete sie mit einem freundlichen Worte.
Da sauste gegen Abend dicht beim Gitter ein Schwanenflügel; es war der jüngste der Brüder, der die Schwester gefunden hatte, und sie schluchzte laut vor Freude, obgleich sie dachte, dass die Nacht, die da kam, warscheinlich die letzte sein werde, die sie zu leben habe; aber nun war ja auch die Arbeit fast beendet, und ihre Brüder waren hier.
Der Geistliche kam nun, um die letzte Stunde bei ihr zu sein, das hatte er dem König versprochen; aber sie schüttelte den Kopf, bat mit Blick und Mienen, er möge gehen. In dieser Nacht musste sie ja ihre Arbeit vollenden, sonst war alles unnütz, alles, Schmerz, Tränen und die schlaflosen Nächte. Der Geistliche entfernte sich mit bösen Worten gegen sie, aber die arme Elisa wusste, dass sie unschuldig war, und fuhr in ihrer Arbeit fort.
Die kleinen Mäuse liefen auf dem Fußboden, sie schleppten Nesseln zu ihren Füßen hin, um doch etwas zu helfen. Ein Vogel setzte sich an das Gitter des Fensters und sang die ganze Nacht, so munter er konnte, damit Elisa den Mut nicht verliere.
Es war noch nicht Morgendämmerung, erst nach einer Stunde konnte die Sonne aufgehen, da standen die elf Brüder an der Pforte des Schlosses und verlangten, vor den König geführt zu werden. Das könne nicht geschehen, wurde geantwortet, es sei ja noch Nacht, der König schlafe und dürfe nicht geweckt werden. Sie baten, sie drohten, die Wach kam, ja selbst der König trat heraus und fragte, was das bedeute; da ging die Sonne auf, und es waren keine Brüder mehr zu sehen, aber über das flogen elf wilde Schwäne hin.
Aus dem Stadttore strömte das Volk, es wollte die Hexe verbrennen sehen. Ein alter Gaul zog den Karren, auf dem sie saß, man hatte ihr einen Kittel von grobem Sackleinen angetan, ihr herrliches Haar hing lose um das schöne Haupt, ihre Wangen waren totenbleich, ihre Lippen bewegten sich leise, während die Finger den grünen Flachs flochten. Selbst auf dem Wege zu ihrem Tode unterbrach sie die angefangene Arbeit nicht, die zehn Panzerhemden lagen zu ihren Füßen, an dem elften strickte sie. Der Pöbel verhöhnte sie: „ Sieh die Hexe, wie sie murmelt! Kein Gesangbuch hat sie in der Hand, nein, mit ihrer hässlichen Gaukelei sitzt sie da. Reißt sie ihr in tausend Stücke!“
Man drängte auf sie ein und wollte die Panzerhemden zerreißen; da kamen elf weiße Schwäne geflogen, die setzten sich rings um sie auf den Karren und schlugen mit ihren großen Schwingen. Da wich der Haufen erschrocken zur Seite.
„Das ist ein Zeichen des Himmels! Sie ist sicher unschuldig!“ flüsterten viele, aber sie wagten nicht, es laut zu sagen.
Nun ergriff sie die Büttel bei der Hand, da warf sie hastig die elf Panzerhemden über die Schwäne, und alsbald standen elf schöne Prinzen da; aber der jüngste hatte einen Schwanenflügel anstatt des einen Armes, denn es fehlte ein Ärmel in seinem Panzerhemde, den hatte sie nicht fertig bekommen.
„Nun darf ich sprechen!“ sagte sie, „ich bin unschuldig!“
Als das Volk sah, was geschehen war, neigte es sich vor ihr; aber sie sank ohnmächtig in der Brüder Arme, so hatten die Spannung, die Angst und der Schmerz auf sie gewirkt.
„Ja, unschuldig ist sie!“ sagte der älteste Bruder, und nun erzählte er alles, was da geschehen war. Während er sprach, verbreitete sich ein Duft wie von Millionen Rosen, denn jedes Stück Brennholz im Scheiterhaufen hatte Wurzeln geschlagen und trieb Zweige. Da stand eine duftende Hecke, hoch und groß mit roten Rosen; ganz oben saß eine Blume, weiß und glänzend, sie leuchtete wie ein Stern. Die brach der König und steckte sie an Elisas Brust. Da erwachte sie mit Frieden und Glückseligkeit im Herzen.
Alle Kirchenglocken läuteten von selbst, und die Vögel kamen in großen Zügen; es wurde ein Hochzeitszug zurück zum Schlosse, wie ihn noch kein König gesehen hatte.


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Ursprünglich hatte ich vor, dieses Märchen Original abzuschreiben, also nach der "Rechtschreibreform", nach der ich lesen gelernt habe.
Leider habe ich den zweiten Teil in Word geschrieben, und der hat alles automatisch umgeändert
Also ist der Zweite Teil Modern...


Liebe Grüße Algiz


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- Johann Wolfgang von Goethe -

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- FRIEDEL BEUTELROCK-

Zita ( gelöscht )
Beiträge:

07.02.2006 20:55
#4 RE: Die wilden Schwäne antworten
Du bist ein Schatz!

Ansuz Offline

Hausmeister


Beiträge: 5.160

08.02.2006 21:25
#5 RE: Die wilden Schwäne antworten

Liebe Algiz,

vielen Dank für die Mühe, die Du Dir hier gemacht hast.


Liebe Grüße
Ansuz



"Man erlangt die Erleuchtung nicht, indem man sich das Licht vergegenwärtigt, sondern indem man die Dunkelheit erforscht." (CG Jung)

Hel Offline

Rabe


Beiträge: 93

08.02.2006 21:36
#6 RE: Die wilden Schwäne antworten

Liebe Algiz,

den ersten Teil habe ich mit Hingabe verschlungen. Da ich das Märchen nicht kannte, konnte ich die Fortsetzung gar nicht abwarten

Umso mehr habe ich mich gefreut, dass Du die Zeit gefunden hast es nun fertig zu stellen

Vielen Dank und liebe Grüße
Hel


kann es etwas schöneres als das Leben geben?

Silke Offline

Rabe

Beiträge: 200

26.02.2006 08:34
#7 RE: Die wilden Schwäne antworten

Liebe Algiz,

ich bin so froh, dass Du die Zeit gefunden hast, das Märchen fertig zu schreiben

WUNDERSCHÖN!!!!!

Vielen Dank
Silke


Algiz Offline

Altrabe


Beiträge: 590

14.04.2006 17:32
#8 RE: Die wilden Schwäne antworten

Hi meine Lieben Raben;

gerne geschehen

Liebe Grüße und frohe Ostern wünscht Algiz
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