Ist ein heiliger Hain am Ende das gleiche wie ein Thing-Platz?
Es gibt heilige Eichenhaine und es gibt Birkenhaine. Leider kenne ich mich bei den Kelten nicht besonders gut aus, finde aber, dass es sich um ein interessantes Diskussionsthema handeln könnte. Ich könnte mir zum Beispiel vorstellen, das die Kelten (speziell die Druiden) ein ganz anderes Verhältnis zu den Bäumen hatten die, dem jeweiligen Hain den Namen gaben.
In Antwort auf:Ist ein heiliger Hain am Ende das gleiche wie ein Thing-Platz?
gute Frage. Kann sein, obwohl es sich erstmal widersprüchlich anhört. Der Hain als ein Symbol für die Gebärmutter lässt einen an Schutz, Zuflucht und Geborgenheit denken und nicht unbedingt an Rechtsprechung. Aber ist die Gebärmutter nicht der Ort, wo über Leben und Tod gerichtet wird, sei es auf natürliche Art und Weise, oder durch äußere Eingriffe?
In Antwort auf:Der Hain als ein Symbol für die Gebärmutter
Ist das die Bedeutung eines "Hain`s"
In Antwort auf: Aber ist die Gebärmutter nicht der Ort, wo über Leben und Tod gerichtet wird, sei es auf natürliche Art und Weise, oder durch äußere Eingriffe?
Über diesen Satz denke ich schon nach, seitdem Du ihn geschrieben hast. Er klingt sehr traurig, aber auf eine bizarre Art auch "wahr".
Ein Symbol kann doch nicht die Bedeutung sein. *kopfkratz* Aber da ich die Bedeutung eines "Hain´s" nicht richtig kenne, habe ich versucht, mich darüber ranzutasten, also Höhle; Hain; Gebärmutter.
den Vergleich finde ich garnicht schlecht Der heilige Hain ist sicherlich für die Druiden eine Art Schutzzone gewesen. Ein Ort an dem sie der großen Göttin besonders nahe waren. Als Kinder der großen Göttin waren sie ihr hier sicher am nächsten. Genau wie der Embryo im Mutterleib.
Leider konnte ich in meinem Fundus auch keine Bedeutung finden. Vielleicht habt ihr ja noch irgendwo ein wenig passende Lektüre stehen, damit wir dieses Rätsel lösen können.
Bei den Germanen waren die Esche Odin und die Eiche Donar geweiht, wie die berühmte Donareiche bei Fritzlar. Der Gottesdienst im schattigen, stillen Hain war bei vielen Völkern üblich. Inmitten eines von Bäumen umstandenen Rundes steht ein einzelner Baum, ein großer Stein oder sonst ein Heiligtum natürlicher oder menschlicher Herkunft.
Haine als heidnische Kultorte galten (womöglich) als Symbol der Gebärmutter der Großen Göttin.
Ich habe da einmal eine kleine Bitte an Dich und hoffe, dass es Dir möglich ist.
Wir haben in diesem Forum die Informationen für Jungraben, Du findest Sie in der Linkleiste oberhalb des Forums. Für das gemütliche Miteinander haben wir uns darauf geeinigt, dass wir in unseren Postings einen Gruß oder Anrede und eine Schlussformel nutzen.
Schön wäre es auch, wenn Du vielleicht etwas über Dich in der Rubrik "Ich bin neu hier" schreiben könntest. So bekommst Du für die Mitglieder unserer Sippe ein virtuelles Gesicht.
Viele Grüße Hugin
Und die Seele, hingesunken in die Schatten ringsumher, Wird gerettet - nimmermehr! (Edgar Alan Poe)
wenn ich versuche, meine ganzen Erinnerungen an die literarischen Ergüsse diverser Geschichtsschreiber hervor zu kramen, dann glaube ich mich daran zu erinnern, dass diese Orte oftmals für Beides genutzt wurden. Geht man mal davon aus, dass es "locker" verstreute Siedlungen waren, in denen die unterschiedlichen Familien lebten . Diese trafen sich an bestimmten Orten, um Verträge zu schliessen oder Gericht zu halten, da kann es durchaus logisch sein, dass es eben an den heiligen Plätzen geschah. Und vielleicht nur unterschiedliche Ereignisse bezeichnete. Wo sonst kann ein Wort mehr wert sein als unter den direkten Augen der Götter? Hört sich komisch an, ich weiss ;-) Thingplätze haben ja nicht unbedingt in den Siedlungen gelegen - andersrum sind Zeugnisse überliefert, in denen Siedlungen zu bestimmten Anlässen geweiht wurden und z. B. als Opferstätten dienten.
Hm ja, Geschichtsschreibung ist subjektiv und wir waren leider nicht mit unserem jetzigen Bewusstein dabei *g*
Ich glaube, dass es durchaus möglich sein kann, dass es sich um die gleichen Plätze handelt, sie aber je nach Anlass unterschiedlich bezeichnet wurden.
ich hab mal n biscehn im inet rungekrmt und dies gefunden:
Thing aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie Wechseln zu: Navigation, Suche
Germanische Ratsversammlung - Relief der Marc-Aurel-Säule zu Rom.Als Ding (auch, historisierend: Thing, germanisch, altnordisch und neuisländisch: Þing, interskandinavisch: Ting) wurden Volks- und Gerichtsversammlungen nach dem alten germanischen Recht bezeichnet. Die deutsche Bedeutung von Ding (und englisch: thing) als Sache leitet sich von der dort behandelten Rechtssache ab (vgl. auch lat. 'res publica' (Staat); 'res' = 'Sache'). Der Ort oder Platz an dem eine solche Versammlung abgehalten wurde heißt Thingplatz oder Thingstätte und wurde an einem etwas erhöhten Punkt angelegt.
Ursprünge der Thing Das Thing fand unter Vorsitz des Königs bzw. des Stammes- oder Sippenoberhaupts unter freiem Himmel oftmals unter Gerichtslinden (vergl. Irminsul) und stets am Tag statt (daher Tagung). Es dauerte drei Tage.
Das altgermanische Thing diente der politischen Beratung ebenso wie Gerichtsverhandlungen und auch kultischen Zwecken. Mit der Eröffnung der Versammlung wurde der Thingfriede ausgerufen.
In vorchristlicher Zeit sollen Thingplätze auch kultischen Spielen gedient haben.
Tacitus beschreibt in "Germania" (De origine et situ Germanorum) den Ablauf des Thing: Demnach wurden am ersten Tag der Zusammenkunft unter starkem Alkoholkonsum wichtige politische aber auch militärische Dinge besprochen. Beschlüsse wurden dagegen erst am nächstem Tag in nüchternem Zustand gefasst. Dieses Vorgehen hatte Tacitus zufolge den Vorteil, dass am ersten Tag die Teilnehmer leichter mit "freier Zunge" redeten.
tja, das scheint mal wieder so ein Fall, wo Wikipedia eben auch nicht prickelnd ist bzw. 100% stimmig ist. Der erhöhte Platz, nun ja...es gibt durchaus germanische Völker, die lebten da, wo es auf wenig erhöhte Plätze gab. Es gab Thingplätze, die sich in Siedlungen befanden, ebenso Ritualplätze, in denen gehöfte zu Tempeln (sorry, ich nenn das jetzt mal so) erklärt und geweiht wurden, es gab "wandelnde" Thingplätze, etc. Eins stimmt jedoch meistens: der Thing fand meist an heiligen Orten statt. Wo? Immer im heiligen Hain, oder eben auch in den geweihten Orten? Gab es nicht auch Siedlungen um Thingbäume/Gerichtlinden herum? Aber dann eben doch nicht immer?
ich habe noch einmal intensiv meine Literatur gequält und bin dabei auf Aussagen des Tacitus (Germania) gestoßen, die Rückschlüsse darauf schließen lassen, dass zum einen die heiligen Plätze unterschiedlichen Gottheiten geweiht und auch nur diese dort angebetet wurden..
"Insgesamt gründet sich der Kultbrauch auf den Glauben, daß von dort der Stamm sich herleite, dort die allbeherrschende Gottheit wohne, der alles andere unterworfen, gehorsam sei."
ein weiterer Hinweis auf die Lage von Heiligtümern auf erhöhten Plätzen findet sich in der folgenden Aussage..
"..aus angestammten Aberglauben, daß diese Gegenden dem Himmel besonders nahe seien und die Gebete der Sterblichen von den Göttern nirgends so nahe vernommen würden"
An den heiligen Plätzen finden sich oft Opfersteine mit sogenannten "Opfernäpfchen" (Vertiefungen um die Opfergaben aufzunehmen) Vielfach wurden diese Opfersteine als Gartenzierde gestohlen, was natürlich völlig sinnlos war, da die Stätten und nicht die Steine heilig waren.
In einigen Karten sind die ehemaligen Heiligtümer noch verzeichnet man kann jedoch auch an den Ortsnamen noch Rückschlüsse auf Heiligtümer und Opferstätten ziehen. Gütersloh (Lichtung= "Loh" Lo oder "Lug") könnte einmal einen heiligen Hain beherbergt haben, ebenso Oslo. opfersteine finden sich heute noch in der Nähe von Lage (Johannissteine) oder der Bischofsstein bei Treuenbrietzen.
Besondere Heiligtümer finden sich in den Orten oder Namen, die mit "Teufel" beginnen. Das Teufelsmoor bei Bremen/Worpswede wird vermutlich so ein Opfermoor gewesen sein. Unsere Germanischen Vorfahren wussten von der Angst der Christen vor dem Teufel und wählten diese Bezeichnung um die Christen von ihren Heiligtümern fern zu halten.
Viele Grüße Ansuz
"Man erlangt die Erleuchtung nicht, indem man sich das Licht vergegenwärtigt, sondern indem man die Dunkelheit erforscht." (CG Jung)
Lieber Ansuz, dein Eintrag ist zwar schon etwas (!) älter, aber ich habe heute erst reingeschaut. Zu den heiligen Plätzen und Kultplätzen gibt es ein sehr interessantes Buch von Gisela Graichen (Das Kultplatzbuch - Ein Führer zu den alten Opferplätzen, Heiligtümern und Kultstätten in Deutschland). Das Beste daran ist, dass man diese Stätten aufsuchen kann. Gisela Graichen beschreibt exakt die Wege dorthin und es sind Karten enthalten. Wir haben bei Trittau so einen Platz gefunden, mit Opferstein, ausgelegtem Steinkreis mit alten Pflasterteinen und - wenn auch sehr schlecht erhalten - einem Prozessionsweg. Den kann man kaum noch gehen, weil alles morastig geworden ist. Aber der Platz ist wunderschön. Befindet man sich dort, hat man das Gefühl, in einer anderen Welt zu sein. Wir sind häufig dort gewesen und haben immer kleine Opfergaben zu den acht Festen niedergelegt. Manchmal waren sie noch vorhanden, wenn wir wieder kamen. Mitunter waren sie aber auch weg. Da haben sich dann andere die Sachen ins haus geholt, was wir selbst gut finden. Das Buch ist bei Hoffmann und Campe im Jahr 1988 erschienen. Liebe Grüße Tanith
Ja,das Buch hab ich bzw. mein Ex-Gatte hat es seit 10 Jahren *g*. Ich meine, daß es vergriffen sei und nur noch antiquarisch zu haben. Eine weitere Möglichkeit, solche Plätze zu finden, ist natürlich das Buch "magisch Reisen Deutschland", mittlerweile bei Goldmann erschienen (ich hab noch ne alte Ausgabe).
Tanith, Trittau ist ja nicht so weit *g* - kennst Du eigentlich "mein" Hünengrab in Reinfeld?
Dieses Forum ist Teil der Internetpräsenz www.rabenbaum.com.
Sollten Sie Fragen, oder Anmerkungen zu unserem Forum haben, dann beantworten wir Ihnen diese gern telefonisch oder per E-Mail. Sie finden unser Impressum unter anderem unter www.rabenbaum.com