beim stöbern bin ich auf eine interessante Geschichte gestoßen. wir kennen die Runenfamilien unter den Bezeichnungen: "Freyrs Aett", "Hagalaz Aett" und "Tyrs Aett". Bei dieser Zuordnung handelt es sich vermutlich um eine Zuordnung, die ihren Ursprung im 17. Jahrhundert hat.
Bevor die Rune Fehu, dem Gott Freyr vorbehalten war, stand sie für den indogermanischen Gott "Vayu" (Windgott) infolge der mündlichen Überlieferungen wurde daraus "Fehu". Ursprünglich war die erste Rune dem Wodan (nordisch Odin) zugeordnet, denn Wodan war ja in der ältesten Zeit "Sturm und Totengott", erst in der Eisenzeit entwickelte er sich zum Hauptgott. Der Name wird abgeleitete von "Wut", der wut oder Raserei des Sturmwindes. Ein alter Beiname "Vafudr" (altnordisch Wind), belegt dies noch. Erst als Odin zum Hauptgott, zum Asen schlechthin wurde, wurde ihm die vierte Rune, die Asenrune zugeordnet. Somit hieß das erste Aett vermutlich "Wodans Acht".
Das zweite Aett beginnt mit der "Hagalaz-Rune", der Rune für Regen, Hagel und Gewitter. Nehmen wir nun hier auch die entsprechende göttliche Entsprechung, dann führt uns diese zu "Donar" (altnordisch "Thor"), der die Riesen des Winters mit seinem Hammer (dem Blitz)erschlägt. Eine Bedeutung der Rune heißt deswegen Zerstörung. Nun hätten wir also "Donars Acht".
Bei der Bezeichnung des dritten Aett hat sich nichts geändert. Tius (nordisch "Tyr") ist zwar vom Hauptgott zum Gott des Krieges und der Gerechtigkeit geworden, die Runenbedeutung aber blieb im wesentlichen unverändert. Das dritte Aett heißt also "Tius Acht". Der Gott Tius heißt auch Ziu, da aber der Runenlaut ein "T" ist, wird bei uns vermutlich Tyr oder Tius verwandt. Ziu kommt aus dem süddeutschen Sprachgebrauch.
Viele Grüße Ansuz
"Man erlangt die Erleuchtung nicht, indem man sich das Licht vergegenwärtigt, sondern indem man die Dunkelheit erforscht." (CG Jung)
Gut, die Zuordnung Tiwaz-Tyr ist ja nun am einfachsten, da es sich um die direkte Zuordnung Rune-Gottheit handelt. Auch Hagalaz-Hel fand ich persönlich immer einleuchtend. Schwierig finde ich jedoch Fehu-Freyr. Zum einen, weil dem Gott Freyr ebenfalls die Rune Wunjo zugeordnet ist, und er zum anderen eine eigene Rune -Ingwaz- in Tyrs Aett "hat". Nach manchen Meinungen ist auch Fehu noch Freyr zugeordnet, allerdings finde ich diese Zuordnung "schwächer" als die zu Ingwaz.
ausgehend von der bildlichen Darstellung "Besitz in Form einer Viehherde= fruchtbarer und mehrender Besitz" kann ich Freyr als Gott der Fruchtbarkeit eigentlich ganz gut erkennen. Oder, wie siehst Du das?
Liebe Grüße Ansuz
"Man erlangt die Erleuchtung nicht, indem man sich das Licht vergegenwärtigt, sondern indem man die Dunkelheit erforscht." (CG Jung)
ich stimme dir zu, Fehu kann durchaus als Rune der Fruchtbarkeit Freyr zugeordnet werden. Auch wenn ich persönlich eher die Deutung des Urfeuers, oder (nach Thorsson) die "anstürmende Rinderherde" bevorzuge. So etwa nach dem Motto: Dies ist die Welt, dies sind die Potentiale und Kapazitäten, dies ist die Materie, mach was draus.
Was mich aber verwirrt ist, dass die Freyr direkt zugeordnete Rune -Ingwaz- sich im Tyrs Aett befindet.
Ich finde die alten Benennungen der Aettir irgendwie passender.
Beim ersten Aett haben wir es mit grundlegenden, schöpferischen Kräften zu tun. Wir haben , die ja ursprünglich den Windgott Vayu/ Odin zugeschrieben wurde. Weiter haben wir den Auerochsen und damit eine Verbindung zur Urkuh Audhlumba. Wir haben die rohen Riesenkräfte , und die Asen als ihre Lenker. Dann finden wir als Symbol für den göttlichen Wagen oder die reitenden Götter, oder auch als Wege zwischen den Welten. Es folgt die Zauberrune mit ihren weitreichenden Deutungsmöglichkeiten vom kontrollierten Feuer als Fackel bis hin zum angehexten Geschwür. In haben wir die Gabe (der Götter), oder anders gesagt einfach den Austausch schöpferischer Kräfte. Zuletzt erleben wir in die Freude der vorangegenagenen schöpferischen Kräfte. Der Runenname Wunjo geht übrigens auf die selbe urgermanische Wurzel zurück wie der Begriff "Vanir" (Wanen), nämlich auf "wen" (verlangen, streben) Demnach finde ich es also passender wenn das erste Aett dem Schöpfergott und Göttervater Odin zugeordnet wird.
Im zweiten Aett haben wir es in erster Linie mit Naturkräften und ihren Auswirkungen zu tun. Der Hagel und die daraus resultierende Not . Das Eis . Der Jahreszyklus .Innerhalb dieses Jahreszyklus finden wir (immergrün!) die sowohl zum Werkzeug und Waffenbau, als auch zur Gewinnung von Pflanzngift so universell einsetzbare Eibe . Es folgt die in ihrer Deutung als Losbecher ertsmal nicht wirklich zu passen scheint. Aber ihr Name Perthro ist warscheinlich mit dem Namen der Göttin "Perchta" gleichzustezen, die bei der wilden Jagd mit Odin durch die Lüfte zieht, und die ein wesentlicher Bestandteil der Mysterien von Tod und Wiedergeburt ist. Als ihr Urbild wird zuweilen auch die Darstellung zweier sich in gegengestzte Richtungen drehender Spiralen vermutet, was hier ein weiterer Hinweis auf die natürlichen Transformationszykeln wäre. Weiter haben wir nun den Elch oder Schwan und damit die Verbindung zwischen den Erd- und Himmelkräften. Das Aett schlißt mit der Sonne , dem wohl alltäglcihsten und wichtigsten "Naturphänomen". Also erscheint mir hier die Bezeichnung Thors-Aett als passender, vor allem auch, weil es hier ja um viel mehr als um den Hagel geht. (Ich persönlich würde, so vom Gefühl her, dieses Aett überhaupt nach einer weiblichen Gottheit benennen)
Das dritte Aett hat einen gewissen Weisheitscharakter und viel auch mit Mystik zu tun. Wir haben hier den aus Notwendigkeit seine Hand opfernen Tyr , der sich nun zurückzieht um als Richter zu fungieren. Zwei der wichtigsten Eigenschaften dieses Gottes sind Aufrichtigkeit und Ehre, welche für den weiteren Weg durch das letzte Aett sehr wesentlich sind. Es folgt die Birkengöttin , die man in diesem Zusammenhang wohl auch als die weibliche Weisheitshälte Tars ansehen kann. Daraufhin begegnet und das Pferd . Pferde wurden früher auch für Orakelzwecke eingesetzt, außerdem finden sich in der Edda jede Menge Namen göttlicher Pferde. Außerdem haben diese Tiere ein sehr viel feineres Gespür als der Mensch, können mit diesem aber eine Einheit bilden. Nun kommt , der Mensch an die Reihe. Im Idealfall haben wir es hier bereits mit einem weisen, oder einem nach Weisheit strebenden Menschen zu tun. Außerdem scheint der Name Mannaz mit dem Mondgott Mannus in Verbindung zu stehen, der auch unter dem namen Heimdall bekannt ist. Als nächstes finden wir die Mysterien des Wassers , oder auch die wässriger Heilpflanzen (Laguz-Lauch). Nun treffen wir den Gott Ing , der Freyr ident ist und dessen Name auf die urgermanische Wurzel "ingneq" (Feuer) zurückgeht. Hier haben wir die Mysterien der Fruchtbarkeit. Daruafhin kommt , der Tag zum Vorschein. Der dazugeöhrige altenglische Runenvers lässt auf den Lichtgott Balder und die dazugehörigen Mythen schließen schließen:
ist der Botschafter der Herrn, teuer den Menschen, das berühmte Licht des Herrschers; Freude und Hoffnung für Arm und Reich ist nützlich für alle.
Zuletzt begegnen wir , dem ererbten Besitz. Esoterisch betrachtet finden wir hier all das vorangegangen als ererbtes Wissen in uns. In diesem letzten Aett finden wir also jede Menge an Götter und göttlichen Attributen. Im Gegensatz zu den schöpferischen Kräften des ersten Aetts und den darin waltenden Naturkräften des zweiten Aetts, wirkt dieses Aett irgendwie beständiger, weniger in ständiger Veränderung begriffen, zugleich aber auch schwerer fassbar, auf spezielle Art verschleierter. Vieleicht genau so wie die Fessel anmutete mit der Tyr den Wolfe band. Also soll es auch sein Aett bleiben.
So, das war jetzt ein etwas längerer Post, aber kürzer gings beim besten Willen nicht. Und ich denke gerade zu den Aettir ließe sich noch viel mehr sagen, vieles von obigen auch anzweifeln und diskutieren, weshalb ich auf euere Meinungen hierzu gespannt bin.
Ihwar
.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.- Nur weil man an etwas glaubt, heißt das noch lange nicht das es wahr ist. -.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.--.-.-.
Hey Ihwar. Mir ist ohne Witz beim Lesen deines Postings ein respektvoller Schauer über den Rücken gekrochen...Meine Meinung zu den Runen und Göttern ist unerfahren. Ich bin einer von denen, die erst an Götter glauben, wenn sie sie sehen. Aber mich erinnert Thurisaz an Thor, Ansuz an Odin und Tiwaz an Tyr, aber auch an Freija die Kriegsgöttin. Berkana und Perthro sind für mich typische Göttinnenrunen. Mehr ist da aus mir nicht zu holen. Bin ein armer Ketzer hehe (von Dannen schleich)
---Zum Gruße, Isa--- Ein Tag ohne Lächeln ist ein verlorener Tag (Charlie Chaplin)
DAnke,Ihwar, mir sind da grade so ein-zwei Lichter aufgegangen......
Grüßles Schakara
Grausamkeit gegen Tiere kann weder bei wahrer Bildung noch wahrer Gelehrsamkeit bestehen.Sie ist eines der kennzeichnenden Laster eines niederen und unedlen Volkes.
also ich liebe solche "längeren Postings" mit interessantem Inhalt. Ganz großes Kompliment und vielen Dank, dass Du mir damit Futter "zum drüber Nachdenken" geliefert hast
viele Grüße Ansuz
"Man erlangt die Erleuchtung nicht, indem man sich das Licht vergegenwärtigt, sondern indem man die Dunkelheit erforscht."(CG Jung)
Hi Ich denke es gibt eine dreifache Wirkung von Runen..einen Schöpfungsgesang..sowas wie ein metaphysisches Modell..einen kosmischen Zyklus, einen Jahreszyklus und einen menschlichen Zyklus. Also hier nun was zum menschlichen Zyklus..in Kurzfassung..
1.Aettir Erkenne dich selbst ! Schöpfung klang Rhythmus Fähigkeiten,Ausdruck,Kunst Einheitsbewußtsein Welt der Wunder
2. Aettir Finde das rechte Maß ! Eintritt zu Midgard,Hag,Hain nötiges Wissen um sich zu entwickeln Notwendigkeit das Wissen von Hagalaz umzusetzen Ausrichtung, Ziel,direkter Fluß auch Erstarrung ,wenn Hagalaz und Naudhiz kein Gehör finden Verwandlung, lichter Bereich Polaritätsbewußtsein Geburt , Menschwerdung Lichtträger..handeln aus der eigenen Mitte heraus wegfallen von Gut und Böse vollständig in Erscheinung treten, größtmögliche Bewußtheit
3. Aettir Welt der Götter Tu was du willst, solange es keinem schadet ! Bereich des spirituellen Menschen,handeln aus der Einheit heraus Selbstaufopferung geistiges Wiedererwachen, man ist bar..hat alles abgelegt was überflüssig war liebende, feste ,spirituelle Verbindung sich selbst als kosmischen Menschen erfahren können Liebe im kosmischen Sinne weiterwandernder Besitz,Samenkorn Verschmelzung von Raum und Zeit, Sternenlichtsehweise Transformation in den oberen Bereich Wissen der Ahnen,Erberinnerung Erkenntnisträger Geistiger Lehrer
Liebe ist die größte Kraft ! Gruß aettna
Die Erlebnisse an die man sich nicht mehr erinnern muß...sind die...die man niemals vergißt
Hallo Isa, meinen Namen verdanke ich eher der Zahl 8 ,die wie du sie drehst und wendest die Lemniskate bleibt..die Unendlichkeitsschleife. Es gab eine Zeit in der bin ich von einem Extrem ins andere gefallen und es fiel mir auf das man beide Seiten kennen muß, um die Wahrheit zu erkennen. Und um in der Mitte zu sein braucht es dann noch .Außerdem hat aettna eine ganz ähnlich Klangqualität wie mein Rufname und ich liebe Vulkane. Ich bin letztes Jahr auf dem Weg nach Malta über den Ättna drübergeflogen Aloha...aettna
Die Erlebnisse an die man sich nicht mehr erinnern muß...sind die...die man niemals vergißt
Diesen menschlichen Zyklus finde ich auch sehr faszinierend. Danke dir dafür, Aettna. Überhaupt faziniert mich immer wieder auf wieviele Weisen sich die Aettier, bzw. die Runen untereinander, ohne jetzt wirklich viel an ihnen herumbiegen zu müssen, in verschiedene sinnvolle Zusammenhänge bringen lassen.
Die Einteilung des älteren Futharks in drei Gruppen findet sich inschriftlich belegt übrigens in zwei Runenreihen, und zwar auf den Brakteaten von Vadstena und Grumpan. Eine Zeichnung des ersteren (und noch einige andere interessante Bilder) gibts hier zu sehen: http://titus.uni-frankfurt.de/didact/idg/germ/runentab.htm
Ihwar
.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.- Nur weil man an etwas glaubt, heißt das noch lange nicht das es wahr ist. -.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.--.-.-.
ich schmöker mich grade durch diesen Thread und finde hier ein paar Sachen, die mir nicht ganz einleuchten. Wer soll der "germanische Windgott Vayu" sein? In meinem Simek (Lexikon der germ. Mythologie) kann ich ihn nicht finden und von der Schreibung her scheint mir der Name eher aus dem Sanskrit zu stammen, sonst würde man ihn ja "Waju" - oder ällenfalls skandinavisch "Vaju" schreiben. In der Zeit der Entstehung der Runen konnte man f und w (wie in engl. "wonderful") auch keinesfalls verwechseln.
Außerdem nennt man Freyrs Ætt nicht umsonst das "Ætt des Bauern", da passen Freyr oder Freyja als Fruchtbarkeitsgottheiten doch wunderbar dazu.
Dass daa Fuþark mit "fehu", also "Vieh" beginnt, braucht also niemanden zu wundern. Das war für viehzüchtende Bauern einfach das Wichtigste - First things first! Nicht umsonst beginnt das semitische Alphabet mit dem Buchstaben "Aleph", was soviel wie "Ochse" heißt - vor der Erfindung des Traktors das Wichtigste für einen Ackerbauern seit Aski und Embla.
Hagalls - oder Hels - Ætt (das Ætt des Magiers) wiederum beschäftigt sich mit Dingen, die mit der Anderwelt zu tun haben, und bei Tyrs Ætt (dem Ætt des Kriegers) geht es um Dinge die eher Krieger betreffen - es beginnt ja auch gleich mit einer nach dem Kriegsgott bekannten Rune.
Dies war ja auch genau das, was mich auf die jahreszeitlichen Zuordnungen der Ættir und damit der einzelnen Runen brachte, die ich unter "Runen und Tierkreis" wohl an etwas falscher Stelle gepostet habe. Dem Bauern gehört die Zeit von Sommersonwend bis etwa Samhain (pardon my Celtic ), dem Magier der nächste Abschnitt bis kurz nach Imbolg und dem Krieger der Frühling bis zur Sommersonnwend (da ist man nämlich in den alten Zeiten am liebsen in den Krieg gezogen - die Aussaaat war erledigt und bis zur Ernte konnte man leicht ein bisserl plündern gehen).
Ar ok friðr,
dæg byþ drihtnes sond / deore mannum mære metodes leoht / myrgþ ond tohiht eadgum ond earmum / eallum brice
man möge es mir nachsehen, aber dieser Thread ist mehr als zwei Jahre alt.... Ich kann Dir also in Kürze ganz sicher nicht mit den Quellangaben dienen. Ich schaue aber gerne nach, ob ich den Quell des Wissens finde
viele Grüße Ansuz
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