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 Über Raben
Hel Offline

Rabe


Beiträge: 93

07.03.2006 20:03
Wo Hühner nichts zu lachen haben antworten

Liebe Raben,

nachdem Ihr mich angesteckt habt mit Eurer Liebe zu den schwarzen Vögeln, habe ich Heute auch einen Beitrag gefunden.

Zitat von Helmuth Karasek
Wo Hühner nichts zu lachen haben

Vogelgrippe: So unheimlich war das gefiederte Vieh lange nicht. Unheil zu beklagen, das nicht mehr zu bessern, heißt um so mehr, das Unheil nur vergrößern. William Shakespeare, "Othello"
Von Hellmuth Karasek

Hamburg -
Geht man im Winter und Vorfrühling allein spazieren, dann sind die Krähen die zuverlässigste Gesellschaft, die man findet. Vor allem, wenn man Kritiker ist, fühlt man sich ihnen verbunden, und man hat keine Angst vor ihnen, denn laut Sprichwort heißt es: Eine Krähe wäscht die andere! Oder heißt es: Eine Hand hackt der anderen kein Auge aus?

Jedenfalls sind es unheimliche trauerschwarze Tiere, die in Pulks krächzend über die kahlen, schneeigen Felder herfallen. Unweigerlich fällt einem, ist man allein in kalter Luft beim Wandern, Nietzsche ein:

Die Krähen schreien / und ziehen schwirren Flugs zur Stadt: / Bald wird's schneien, wohl dem, der jetzt noch Heimat hat!

Jetzt also, wo ich am Bodensee wieder ihr hohles drohendes Gekrächze höre, während sie aufflattern oder sich niederlassen, irgendwie böse und gleichgültig, ist aber Vogelgrippe, eine Ente im See verstarb am gefährlichen Virus. Und da denkt man, wenn sie sich in den grauen schweren Himmel heben und wieder schnarren, eher an Hitchcock, an "Die Vögel". So unheimlich war das gefiederte Vieh lange nicht.

Zufällig habe ich in einer Kladde von 1994 ein Gedicht gefunden, zu dem sich Rudolf Augstein frohgemut bekannte, als er es mir rezitierte:

Die Krähe lacht. / Sie weiß, was in der Vogelscheuche steckt. / Und daß sie nicht wie Huhn mit Curry schmeckt.

Das ist ihr Glück in guten wie in Vogelgrippetagen. Sie ist zu schlau, um sich von Vogelscheuchen etwas vormachen zu lassen. Und schmecken tut sie auch nicht. Also wird sie weder gegessen noch gekeult, was auch immer das für eine Todesart meint. In Panikzeiten hat unser Nutzvieh mit uns nichts zu lachen!

Am See picken zierliche schwarze Vögel, die eine weiße Blesse auf der schmalen Stirnfront haben. Eine Schautafel über Wasservögel am Bodensee belehrt mich darüber, daß es sich um ein Bleßhuhn handelt. Die Tiere ahnen nichts von der Vogelgrippe, sie sind wie immer: Sind wir bedrückt, wirken sie auch auf uns so. Ich denke auf einmal an die tote Ente und sage halblaut in Richtung Huhn: God bless you, Bleßhuhn!

Und ich meine das ernst, weder blasphemisch noch bleßphemisch.


Liebe Grüße
Eure Hel


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