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Dieses Thema hat 1 Antworten
und wurde 628 mal aufgerufen
 Allgemeines zum Asatru
Sigurd Offline

Altrabe


Beiträge: 1.900

09.08.2006 10:34
Ethik antworten
Liebe Raben,

nun möchte ich Euch etwas über die Ethik der Germanen erzählen:

(With regard to Norse burial customs, the dying Buliwyf...) said to King Rothgar, in the midst of the festivities, "I have no slaves."
"All of my slaves are your slaves," Rothgar said.
Then Buliwyf said, "I have no horses."
"All of my horses are yours," Rothgar answered. "Think no more on these matters."
M. Crichton


Die alte Sitte der Germanen ist eine enge Verknüpfung zwischen zwischen Schicksal, Ethik und Kult.
Die Ethik durchdringt den Kult und ist immer am Schicksal des Einzelnen, mehr noch, der Sippe, orientiert. Pileatus, ein Teilnehmer des Eldaring-Forums schrieb im Heuert 02, daß bei dieser Religion der religiöse Kult nicht von der Ethik zu trennen sei: Ein reiner "Götzenkult" werde dem Wesen der Alten Sitte nicht gerecht. Das sehe ich genauso.
Damals glaubte man, dass eine Tat genau die gleichen Folgen haben würde.
Das Gesetz war somit das gemeinsame Schicksal einer Gruppe bzw. eines Stammes: die Ahnen machten dies oder jenes so, es hat sich nicht geändert, so daß es noch heute für alle gilt usw. (das ist im ethischen Bereich die "Alte Sitte").
Die grundsätzliche Vorstellung von einem Menschen geht davon aus, daß er teilhat am "Sippenglück" (Hamingja) und daß er mit einer eigenen Portion "Heil" ausgestattet ist, welche ihm die Norne zuteilte, die bei seiner Geburt anwesend war. Dieses persönliche Heil (und indirekt dann das Sippenheil oder -glück) kann jeder Mensch eigenverantwortlich mehren oder mindern. Dies geschieht durch seine Taten, durch ehrliches / ehrenhaftes und verbindliches Verhalten. Darum sind Wahrhaftigkeit, Ehre und Treue auch heute noch Kernpunkte moderner Ethik. Die vermutlich schlimmste Tat in der alten Zeit war der Eidbruch. Siehe zu diesen Ausführungen auch die über das Wyrd.
Gerne wird die Formulierung "trua a matt sinn ok megin" (auf seine eigene Macht und Stärke vertrauen) hervorgekramt, um damit z.B. zu belegen, daß die Nordleute quasi Atheisten waren. Das scheint jedoch falsch zu sein. In der Olafs saga hins helga wird über Olaf gesagt, er hätte das Hammerzeichen gemacht, wie alle, die ihrer eigenen Macht und Stärke trauen. Die Formulierung verweist auf das Heil des Einzelnen, mehr noch der Sippe, und dessen / deren eigenverantwortliches Handeln. Heil und Glück aber sind das Erbe des Einzelnen, ihm mitgegeben von den Vorvätern und letztlich bezieht dies sich auf die Götter.


Vor allem müssen wir uns davon frei machen, die Germanen in historischen Tatsachen zu einen "Warmduscher-Volk" zu machen. Sie hatten sich nicht alle lieb ... Ehre und Treue, der Einzelne und seine Sippe, das kaum veränderbare Schicksal und der Lebenskampf - all das ist zentral und sollte sich in irgendeiner Form auch in der modernen Form der Alten Sitte finden.


Die Havamal
Meist wird die Ethik aus den Havamal abgeleitet, der Spruchdichtung in der Edda. Das Problem ist, daß diese Quelle eher unzuverlässig ist: Es ist heute schwer zu sagen, was daran echte germanische Weltanschauung ist, wie sie auch Jahrhunderte früher gelebt wurde, und was späte Erfindung oder christliche Umgestaltung / Beeinflussung ist.

"Die Havamal sind also zumindest in der uns erhaltenen Form ein Produkt des 12. oder frühen 13. Jahrhunderts, das zwar älteres Material verwendet, aber mit seinen Anleihen bei antiken und christlichen Werken dem christlichen Hochmittelalter näher steht als dem germanischen Altertum."
Simek

Van den Torn unterscheidet zwischen heroischer Ethik und der Havamal-Ethik, die bei ihm nicht so gut wegkommt:

"The ethics displayed are materialistic and utilitarian, and most can be reduced to one central conception: self-interest ... Hávamál ethics are essentially rustic; the moderation propagated is a mediocrity and the caution changes into suspiciousness."

Andersson hingegen zeigt, daß es nicht der "self-interest" ist, der in den Havamal dominiert, sondern der "mittlere Weg", der kluge Weg der Mäßigung. Der Autor belegt, daß die Havamal den isländischen Familiensagas gleichen und daß das heroische Ideal zugunsten eines sozialen verschwunden ist.
Gegen Anderssons Annahme mögen die Verse 75 und 76 (Simrock) sprechen, in denen es heißt, daß der Nachruhm nicht mit dem Menschen stirbt. Andersson setzt die beiden Strophen in den Kontext der sie umgebenden. Diese sprechen von der Unbeständigkeit des Lebens, davon, daß Reichtum schnell gewonnen und auch ebenso schnell wieder zerronnen ist. Somit gewinnen die scheinbar "heroischen" Strophen 75 und 76 eine andere Bedeutung: Der Nachruhm, das ’Urteil über den Toten’ (Jordan), ist Trost.

"Das Vieh stirbt, die Freunde sterben,
Endlich stirbt man selbst;
Doch nimmer mag ihm der Nachruhm sterben,
Welcher sich guten gewann.

Das Vieh stirbt, die Freunde sterben,
Endlich stirbt man selbst;
Doch eines weiß ich, daß immer bleibt:
Das Urteil über den Toten."
Simrock, Havamal 76

(Quelle: alte-sitte.de)

Über weitere Ausführungen freue ich mich sehr.


Liebe Grüße
wotan28






Nur dem, der sich selbst helfen kann, is es möglich auch anderen zu helfen.
(Sigurd W.)

Ansuz Offline

Hausmeister


Beiträge: 5.160

10.08.2006 18:47
#2 RE: Ethik antworten

Hallo Wotan,

vielen Dank für diesen ausführlichen Beitrag

In Antwort auf:
Über weitere Ausführungen freue ich mich sehr.

Kann man denn da noch irgendetwas hinzufügen??

Viele Grüße
Ansuz




"Man erlangt die Erleuchtung nicht, indem man sich das Licht vergegenwärtigt, sondern indem man die Dunkelheit erforscht." (CG Jung)

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