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 Allgemeines zum Asatru
Sigurd Offline

Altrabe


Beiträge: 1.900

26.08.2006 13:01
Priester antworten
Liebe Raben,

nun möchte ich Euch erstmal das letzte Thema zum allgemeinen im Asatru präsentieren. Ich werde mich natürlich aber auch weiterhin im Netz schlau machen und alles brauchbare hier reinsetzen :

Priester

"In diesem Zusammenhang ist ein Wort über den germanischen ’Priesterstand’ am Platze. Wenn man, gerade etwa aus den Sagas, die Unmittelbarkeit des Verhältnisses zwischen dem germanischen Bauern und seinem göttlichen ’fulltrui’ (Treufreund) erkennt, so ist klar, daß dieser Bauer niemals einen Mittler zwischen sich und seinem Gott benötigte. Und so gab es in Wirklichkeit auch keinen germanischen Priesterstand, der sich zwischen Mensch und Gott geschaltet und diese Aufgabe als sein Lebenswerk betrachtet hätte."
Strobel

Für die frühgermanische Zeit gibt es Zeugnisse von Seherinnen, von denen auch Tacitus noch gehört zu haben scheint. Daher auch seine Schilderung, daß die Germanen ihren Frauen etwas heiliges beimessen. Nach Cassius ist der römische Feldherr Drusus an der Elbe einer Seherin begegnet, einer "übermenschlich großen Barbarin". Es gibt weiterer Nennungen, so Ganna oder Waluburg. Maier dazu: "Religionsgeschichtlich bemerkenswert erscheinen die Namen der beiden Seherinnen Ganna und Waluburg, da man sie mit altnordisch gandr und völr, zwei Wörtern für «(Zauber-)Stab» verbinden kann."
Diese Seherinnen, Tacitus nennt Veleda von den Brukterern und Albruna, werden aber wohl keine Priesterinnen im üblichen Sinn gewesen sein. Dieses Bild von den Seherinnen wandelte sich: In den isländischen Sagas erscheinen sie eher als Hexen.
Zum Thema Seherinnen s.a. die Seite über Völventum, zu Veleda siehe auch die Seite über die Externsteine.

Bei Strabon finden wir die Beschreibung der Priesterinnen der Kimbern (s.a. Vorzeichen) sowie den Hinweis auf den chattischen Priester Libes. Eunapios berichtet kurz von den Priestern und Priesterinnen der Westgoten. Ammianus Marcellinus nennt den obersten burgundischen Priester, Sinistus. (Beispiele nach Maier)

Tacitus beschreibt aber auch germanische Priester. Diese hatten z.B. bei Thing-Versammlungen als einzige das Recht, "jemand zu töten, zu fesseln oder auch nur zu schlagen". Vielleicht haben sie das Thing auch geleitet, auf jeden Fall aber war es ihre Aufgabe, die Runen in Stammesangelegenheiten zu befragen, was für die Familie der Hausherr machte. Hier wird deutlich, daß die dörfliche Gemeinschaft eine andere Art von Priester benötigte als das familiäre Zusammenleben. Neben der Erwähnung des Familienvaters in Priesterfunktion kann man sich gut vorstellen, daß der Kult der Göttinnen / Wanen von Frauen ausgeübt wurde.
Auch im Zusammenhang mit der Göttin Nerthus erwähnt Tacitus (Germania, 40) einen Priester, weiterhin einen Priester in weiblicher Tracht beim Alces-Kult der Nahanarvaler.
Eine Priesterkaste wie die keltischen Druiden gab es bei den Germanen zu dieser Zeit nicht. Die von Tacitus erwähnten Priester werden wohl einer ’normalen’ Arbeit nachgegangen sein, wenn sie nicht als Priester tätig waren. Man muß wohl auch trennen zwischen der heutigen Konzeption von Priester(-amt) und der Priesterfunktion von damals. Vielleicht waren die Personen, die von fremden Beobachtern als Priester bezeichnet wurden, lediglich "Kultleiter".

Im wikingerzeitlichen Island gab es die sogenannten Goden (an. goði (männlich), gyðja (weiblich); got. gudja als Übersetzung von hiereús (jüdischer Priester), die weltliche und religiöse Macht hatten. Man kann sie durchaus als "Bezirkshäuptlinge" ansehen. Goði ist schon auf einem Runenstein des 5. Jahrhunderts u.Z. als ’gudija’ belegt. Der in Sagas auftauchende Begriff ’hofgoði’ besagt, daß der Gode Vorsteher eines ’Hof’ war, was vermutlich nicht auf einen richtigen "Tempel" hinweist, sondern einen üblichen Bauernhof, auf dem auch heilige Feste abgehalten wurden. Man kann sich die Rolle der Goden so vorstellen, daß sie - wie ein christlicher Priester im heutigen Sinne - die Opferrituale durchführten, aber auch bei Versammlungen ihres "(Tempel)Bezirks" den Vorsitz führten, Recht sprachen usw. Man kann davon ausgehen, daß das Godenamt im spätwikingerzeitlichen Island recht "säkularisiert" war. Die weibliche Gyðja hatte vermutlich nur die religiöse Rolle innen und es mag die Spekulation erlaubt sein, daß sie v.a. im Rahmen eines Fruchtbarkeitskultes ihren Platz hatte.
Wichtig ist auch, daß die Goden nichts mit Seiðr-Magie oder Völventum zu tun hatten.

Die ahd. Bezeichnungen bluostrari, harugari und parauuari (für Priester) sind späte Bildungen, was sich lt. Maier an der Endung -ari, einer Ableitung aus dem Lateinischen, ablesen lasse.

"Altnordisch goði «Gode» wiederum erinnert zwar von der sprachlichen Bildung her an gotisch gudja, kann aber nur in sehr eingeschränktem Sinn mit «Priester» übersetzt werden, da die Goden auf Island vor allem als politische Führungsschicht in Erscheinung treten und Aussagen über ihre einstigen religiösen Funktionen zumindest teilweise auf der Rückspiegelung christlicher Verhältnisse in die heidnische Vorzeit beruhen. All dies spricht letztlich dafür, daß es einen klar definierten Priesterstand in der gemeingermanischen Zeit noch nicht gegeben hat und die Bemerkungen unserer Schriftquellen über die Verhältnisse der spätheidnischen Zeit für frühere Jahrhunderte nicht vorausgesetzt werden dürfen."
B. Maier


"Wir lehnen den geschlossenen Priesterstand, der sich durch die Einsegnung und Ordination definiert, ab und setzen dieser christlichen Anschauung den Begriff des offenen Priesterwesens entgegen. ...
Das Priesterwesen als abgeschlossener Stand oder als soziale Schicht müssen wir verwerfen, die weltliche und in der Sündendogmatik wurzelnde religiöse Macht des Priesterstandes müssen wir bekämpfen."
Björn Ulbrich
(Quelle: alte-sitte.de)


Liebe Grüße
wotan28



Nur dem, der sich selbst helfen kann, is es möglich auch anderen zu helfen.
(Sigurd W.)

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