Sie sind vermutlich noch nicht im Forum angemeldet - Klicken Sie hier um sich kostenlos anzumelden Impressum 

Sie können sich hier anmelden
Dieses Thema hat 55 Antworten
und wurde 20.784 mal aufgerufen
 Krafttiere
Seiten 1 | 2 | 3 | 4
Algiz Offline

Altrabe


Beiträge: 590

27.09.2006 20:13
Spinne antworten

Liebe Raben,
Ich hätte da mal eine große bitte an euch. Wer kann mir etwas über die Spinne als Krafttier berichten.
Es ist Herbst und ich werde wiedermal heimgesucht. Viermal das selbe Tier in meinem Zimmer neben dem BEtt.Ich habe sie extra weit weg gebracht aber sie kam immer wieder.Vorgestern kam dann der dazugehörige Witwer in meinem Zimmer natürlich vorbeiglaufen um nach seiner angebetetn zu suchen. Ich bin fix und fertig mit den Nerven, zumal es sich um die Art Tegenaria atrica handelt.Die Winkel-oder HAusspinne. Es ist furchtbar, aber sicher hat es eine tiefere Bedeutung. Das hat auch mein Freund gemeint, der zitierte einen bekannten Autor und meinte wenn ein Problem immer wieder auftaucht will es gelöst werden, und es wird erst dann aufhören, wenn ich mich damit auseinandergesetzt hätte.
Ich wäre also dazu berufen mich mit diesen kleinen[großen]viechern zu beschäftigen.

Liebe Grüße Algiz

PS ich habe gehört man soll die Spinnen über 60 m weit wegbringen, sonst kämen sie wieder zurück. Ich bin sogar nachts im NAchthemd zur Kirche gelaufen mit der Spinne im Insektenfänger und habe sie da ausgesetzt. Nach zwei Tagen war sie wieder da
Ichhabe schon albträume und traue mich abends nicht mehr ins Bett....
________________________________

Wenn du eine weise Antwort verlangst, mußt du vernünftig fragen
- Johann Wolfgang von Goethe -

MACHT ZU BESITZEN UND NICHT AUSZUÜBEN IST WAHRE GRÖßE
- FRIEDEL BEUTELROCK-

Bärin2 ( gelöscht )
Beiträge:

28.09.2006 00:40
#2 RE: Spinne antworten
Hallo Algiz,

ich würde Dir gern etwas über die Spinne als Krafttier schreiben. Genauer gesagt habe ich einen Beitrag zur Spinne bereits seit einer Weile im Anschlag, habe ihn aber noch nicht ganz ausgearbeitet. Er kommt aber sobald ich ein bisschen Zeit dazu gefunden habe, denn es liegt mir sehr am Herzen, etwas über die Spinne zu schreiben.

Über kaum ein Tier nämlich gibt es, so glaube ich, derartig viele und widersprüchliche Ansichten. Ganz besonders, wenn es um die Spinne als Krafttier eines Menschen geht, sind die Meinungen kontrovers und die Diskussionen intensiv.

Ebenso ist die Darstellung der Spinne in den Mythologien vieler Völker sehr verschieden. Sie reichen von der Spinne als weiser und heiliger Erschafferin oder Glücksbringerin über die Spinne als Symbol für Witz, Schlauheit und sogar Charme bis zur Spinne als Verkörperung von Hinterlist, Gier, Krankheit und Grausamkeit. Auf jeden Fall ist die Spinne scheinbar ein Tier, dass für die meisten Menschen von Interesse ist - und sei es nur, weil ihnen vor ihr graut.

Ich persönlich meine, dass die Spinne an sich wohl alle oben genannten Aspekte in sich vereint. Vielleicht ist das genau das Problem. Vielschichtigkeit verbunden mit der ihr eigenen Unabhängigkeit im geistigen Sinn, d.h. was die Spinne als Prinzip anbelangt, und, im weltlichen Sinn, schnelle, unvorhersehbare Bewegung, plötzliches Auftauchen, potentielle Giftigkeit, sowie eine Form, die der menschlichen sehr unähnlich ist, machen sie zwar interessant aber eben auch u.U. unheimlich.
Darüber würde ich gern demnächst etwas Detaillierteres schreiben, wie gesagt.

Was meine eigene Beziehung zur Spinne anbelangt, so habe ich mich ihr durch viele Jahre hindurch angenähert. Auch ich fühlte mich sehr lange auf den verschiedensten Ebenen und auf die unterschiedlichsten Arten "heimgesucht" (von sich wiederholenden Träumen bis zu diversen weltlichen Erlebnissen), hatte an einem bestimmten Punkt das Gefühl, dass es dringend anläge, mich mit ihr zu beschäftigen, schob es auf (mehrere Jahre lang), hatte eine Riesenangst vor ihr. Selbst eine Spinne raussetzen ging gar nicht, jemand anders musste es tun - oder ich verliess einfach das Zimmer, Tür zu, Spinne drin und aus meinen Augen.

Irgndwann schaffte ich es dann doch, mich nicht nur mit ihr zu beschäftigen, sondern sie als Krafttier zu akzeptieren - und auch auf die Gefahr hin, dass es vielleicht für einige etwas seltsam klingt: meine Angst war schlagartig weg. Erst begann ich, die Spinne zu schätzen, dann begann ich, sie zu mögen. Sie ist ein großer Schutz für mich. Von jedem persönlichen Krafttier "leiht" man sich ja auch ein Stück von dessen speziellen Eigenschaften. Ein Krafttier zu finden, zu akzeptieren und kennenzulernen bringt meistens aber auch Veränderungen mit sich, die u.U. tiefgreifend sein können. Die Spinne leiht mir ihre Unabhängigkeit, ihre Beobachtungsgabe, Geduld, Entschlusskraft und eben ihren Schutz. Ich persönlich habe nicht das Gefühl, dass eine Spinne als Krafttier zu haben für mich gefährlich wäre oder dass sie als Krafttier unzuverlässig wäre (zwei der Attribute, die ihr von manchen Quellen, welche sich mit modernem Schamanismus und Krafttieren beschäftigen, zugeschrieben werden).

Jeder Mensch ist natürlich anders und hat seinen eigenen Weg und ich schreibe hier nur über meine persönliche Erfahrung.

Außerdem gern so bald, wie möglich, mehr zur mytholgischen Bedeutung bzw. den vielen Bedeutungen der Spinne.


Viele Grüße
Bärin

P.S. Vielleicht würdest Du einige "Geschenke" von der Spinne bekommen und vielleicht gäbe es, sollte sie eine Begleiterin von Dir werden, einige Veränderungen in Deinem Leben...u.U. sogar solche, die Du dir wünschst. Auf jeden Fall glaube ich, dass sie Dich nicht umsonst besucht. Dazu fällt mir jetzt der Spruch ein, den Alvara als Signatur hat ('tschuldigung liebe Alvara, ich zitiere ihn einfach mal):"Mut bedeutet nicht, keine Angst zu haben, sondern es ist die Entscheidung, dass etwas anderes wichtiger ist, als die Angst." (Ambrose Red Moon)...besonders gut an diesem Spruch finde ich die Aussage, dass manchmal etwas anderes einfach wichtiger ist, als die Angst. Das kann auch die Angst vor der Spinne und dem, was sie repräsentiert, betreffen.

Alles wächst und nichts geht verloren

Alvara Offline

Rabe


Beiträge: 237

28.09.2006 09:29
#3 RE: Spinne antworten

Hallo Algiz,

die Spinne als Krafttier und damit als zeitweiser Begleiter des Lebens ist in unserem Kulturkreis sicher ungewöhnlich.
Aber dennoch scheint es Kulturen zu geben, in denen Insekten und Arachnidae durchaus einen anderen Stellenwert haben.

Z. B. ist es in indianischen Kreisen durchaus üblich, auch die Spinen als Krafttier anzunehmen und zu ehren.
Was bedeutet es denn genau, sich auf sein Krafftier einzulassen? In meinen Augen heisst das, sich auf bestimmte Zeit mit den Eigenschaften des Tiers vertraut zu machen, diese in sich zu integrieren und auf die Lebenssituationen anzuwenden.

Eine Spinne ist eine geniale Künstlerin - bis heute versuchen die Menschen, einen Faden zu schaffen, der die Eigenschaften des Spinnenfadens hat - und bis heute ist es nicht gelungen. Schau die mal ein Netz im Morgengrau an, wenn z. B. Tautropfen darin glitzern o. ä, es ist ein Bild voller Schönheit!

Eine Spinne webt ihr Netz und wird deshalb in vielen Mythen mit der Schöpferin gleichgesetzt, hat Bärin auch schon gesagt. Gleichzeitig ist der gesponnene Faden mit einem Weg gleichzusetzen, an dem man langlaufen und sich orientieren kann (Ariadne-Mythos), letztendlich der sein kann, der zur Errettung führt. Neben der Spirale oder dem Labyrinth ist ein Spinennetz in meinen Augen ein weiteres System der Unendlichkeit. Sicher, man kann sehen, wo es aufgehängt ist. Aber wo ist sein Anfang und wo sein Ende?

Eine Spinne webt also, sie jagt um sich zu ernähren und sie lebt äusserst einsam. Sie ist kein geselliges Tier. Das kann ein Hinweis darauf sein, dass eine Zeit ansteht, in der man sich auf sich selbst besinnen soll.
Jahreszeitlich passt das auch ins Bild ;-) - die dunklere Zeit beginnt, die Zeit der Einkehr und der Reflexion.
Die Spinne ist wachsam, sie registriert jede Erschütterung ihres Netzes. Sie schützt sich, in dem sie abwartend beobachtet.

Ich denke, die Spinne in deinem Haus, die gehört zeitweise dazu. Wenn Du sie als Krafftier sehen kannst, nimm sie an für eine Zeit. Sie wird Dir nicht schaden.

Algiz, auch ich habe mich im Laufe der Jahre an Spinnentiere angenähert. War nicht leicht, denn je fremder uns ein Wesen erscheint, umso mehr Angst entwickeln wir ihm gegenüber. Mein Opa hat jahrelang im Naturkundemuseum gearbeitet, Insekten gesammelt und gezüchtet und wir sind als Kinder bereitwillig und gerne losgezogen, um Futter für die Tiere zu sammeln. Spinnen legte er ab und zu die "geklatschten" Sutbenfliegen ins Netz, immer verbunden mit dem Wort: "Wo Spinnen sind, gibt es kein Ungeziefer".
Irgendwann war es normal, dass z. B. eine Gespensterheuschrecke über den Frühstückstisch hüpfte :-). Aber Spinnen blieben ein Mysterium, und mehr noch als Angst war da eine Art Ekel.
Als er starb, da hat er mir seine Naturbücher vererbt, darunter eins mit dem Titel "die schönsten Spinnen Mitteleuropas". Ich las und konnte aufeinmal die Schönheit entdecken, die Genialtität ihres Wesens.

Ich liebe sie auch heut noch nicht, aber ich kann mit ihnen leben. Ab und zu mache ich so böse Sachen wie sie einfach aufsaugen udn entschuldige mich dafür (jep, als wir in dieses alte Haus kam, wimmelte es von ihnen und durch den nahen Wald sind sie immer noch da *g* - aber irgendwie musste man ja renovieren).

Also denke ich, dass Du - und immerhin setzt Du dich mit dem Gedanken, sie zuzulassen als Krafttier sehr auseinander - sie annehmen lernen kannst.

Ach noch was: ich denke, dass ein Biss dieser Spinnenart (kommt selten vor, denn instinktiv lassen sie ihre 8 Beinchen von uns - wir sind einfach zu gross fürs winkelnetz *g*) höchstens wie ein leichter Insektenstich zu spüren ist: leichte Lähmungen und Rötungen um die Bisstelle. Es gibt bei bisehr nur wenige Arten, die gefährlicher sind, darunter einige Wolfshaarspinnen (das sind unsere einheimischen "Vogelspinnchen", reine Raubspinnen, das heisst, die bauen keine Netze sondern haben Nester). Allerdings werden in den nächsten Jahrzehnten insektentechnisch aufgrund der Klimaveränderung einige Veränderungen auf uns zukommen, aber das ist eine andere Geschichte...

@ Bärin - danke! Ich hab ihn so gerne, den Spruch, weil er einfach stimmt! Und immer noch auf mein Leben passt, also wird er mich auch noch ein wenig begleiten.


Liebe Grüsse

Alvara

****************************************************

Mut bedeutet nicht, keine Angst zu haben, sondern es ist die Entscheidung, dass etwas anderes wichtiger ist, als die Angst. (Ambrose Red Moon)

Bärin2 ( gelöscht )
Beiträge:

28.09.2006 10:21
#4 RE: Spinne antworten
Huhu Algiz,

(kaum ist die Spinne ins Forum gekrabbelt, sind auch schon wieder zumindest zwei - bzw. jetzt drei - Beiträge in ihrem Thread...über Nacht entstanden. Das meinte ich, als ich eingangs schrieb, dass sie anscheinend Interesse weckt *g*).

Eine Kleinigkeit wollte ich zu dem, was ich bisher schrieb, noch ergänzen:
Ich finde es wichtig,in den Informationen, die man in Büchern über ein Tier und seine mythologische Bedeutung findet und in dem, was andere über eigene Erfahrungen berichten, zwar Anregungen zu sehen, aber dennoch einen ganz eigenen Weg zu finden, ein Tier kennenzulernen. Egal, ob die Spinne nun ein Krafttier von Dir sein könnte oder ob sie nur eine Art Kurzbesuch bei Dir macht, es ist immer Deine spezielle Spinne.

Was die Krafttiere anbelangt, so habe ich sogar die Erfahrung gemacht, dass es sein kann, dass ein Tier erst einmal kennengelernt werden möchte, bevor man Informationen findet. Als ich z.B. meinen Tiger kennenlernte, fand ich einige Wochen lang keine Bücher über Tiger, keine Bilder o.ä. in den Buchläden. Ich habe mich wirklich bemüht, war in einer großen Hamburger Buchladen-Kette und in mehreren Kaufhäusern auf der Suche und habe diverse Verkäufer genervt. Tiger-Stofftiere fand ich jede Menge - aber keine Informationen (Internet hatte ich noch nicht). So musste ich meinen Tiger erstmal selbst kennenlernen und mich auf ihn einlassen, was gut war, denn jedes Krafttier ist auch eine Persönlichkeit, deren Eigenschaften in Teilen mit denen übereinstimmen mögen, welche ihr traditionell zugeschrieben werden, die aber eben niemals eine unumstößliche Aussage oder eine komplette Charakteristik sein können.

So gesehen könnte es im Fall der Spinne sogar ein Vorteil sein, dass die Informationen über sie vielfältig und widersprüchlich sind. Auf diese Weise bleibt genug Raum für einen eigenen Weg.

Liebe Grüße
Bärin

Alles wächst und nichts geht verloren

Brigid ( gelöscht )
Beiträge:

28.09.2006 11:35
#5 RE: Spinne antworten

Liebe Raben,

dann spinn ich doch auch noch mit , zumal in den letzten Tagen Spinnen fleissig in meine Wohnung kommen, hat aber vermutlich eher mit dem kommenden Winter als mit Krafttier zu tun. Ich fand zwar, dass ein Netz besonders gut zu mener Wohnzimmerlampe gepasst hätte, entschloss mich dann aber doch, meinen Gästen zuliebe, das Tier auf den Balkon umzuquartieren, es kam auch nicht mehr.

Geschichten und Mythen über Spinnen haben sehr viel mit weiblicher (Sexual)Kraft zu tun.

Die Spinnenfrau (Spider Woman, Erste Frau) hat den Indianern das Weben beigebracht, aber nicht nur das, sie war einer der großen Göttinnen, die Erdfrau. Sie konnte es zum Beispiel ermöglichen, die Grenze zwischen der Ober- und Unterwelt zu überqueren. Den Sagen nach hat sie die ganze Schöpfung gewoben, ist zugleich Schaffende und Zerstörende.

Eine "Spinnenfrau" gibt es aber in allen Kulturen, den Archetypus der Wilden Frau, die für die Instinktnatur, die Naturseele steht. Sie ist vorausahnend, denkt mit dem Bauch. Sie ist die Große Weise. Ohne den Zugang zu den Aspekten der Wilden Frau haben Frauen keinen klaren Zugang zu ihren inneren Sinnesorganen (und Männer nicht zu ihrer Anima).

In der Traumdeutung steht sie für den fortdauernden Aspekt der eigenen – weiblichen - Natur, den Aspekt des Lebenskreises,- für Kreativität, Intuition.

Es gilt folgende Assoziationen zu verknüpfen: Lauernd wie eine Spinne im Netz,- Furcht,- Ekel,- spinnen - verrückt sein.

Sie ist aber auch eine klare Offenbarung über den Platz im heiligen Netz des Lebens,- ein Hinweis darauf, wie wir uns genau zu diesem Zeitpunkt mit dem Netz des Lebens verweben sollen.

Das Bild der Spinne birgt viel Symbolkraft. Im normalen Leben werden der Spinne wenig Sympathien entgegengebracht. Im Traum steht sie für Verschlagenheit und für das Künstlerische im Träumenden. Spinne steht oft für sexuelle Bedürfnisse und andere Leidenschaften, in denen man sich verfangen hat, zumal, wenn dies mit Ängsten und Schuldgefühlen verbunden ist.. Alte Deutungen sehen in ihr den Konflikt der Tochter mit der Mutter. Für andere gilt die Spinne als ein Symbol für den Orgasmus. Der Träumende befürchtet, dass ihm Kraft und Energie ausgesaugt werden, nicht nur beim Sex. Vielleicht hat er sich auch in einer Sache verrannt, aus der er jetzt nicht mehr herauskommt. Mag sein, dass um ihn herum Intrigen gesponnen werden oder er sich selber in solche, wissentlich oder unwissentlich, verwickelt hat.

Die Spinne hatte im Mittelalter die Bedeutung des triebhaft-Bösen im Menschen. Was der Spinne ins Netz gerät, ist verloren. Oft wird mit diesem Bild auch die Angst des Mannes vor einer kalten, berechnenden Frau dargestellt. Dieses Bild deutet dann wahrscheinlich auf einen Mutterkomplex hin.

Im Traum ist die Spinne aber unter Umständen ein ernstzunehmendes Gefahrensymbol. Sie kann den Anfang von schwerwiegenden seelischen Störungen, von Neurosen bis zu Psychosen signalisieren. Wenn die anderen Symbole des Traumes günstig sind, kann die Traumspinne jedoch ein richtiges Glückstier sein, das unseren Lebensfaden spinnt, unsere Gedanken auf das Wichtige, das Machbare konzentriert, was mit der kunstvoll gesponnenen Mitte des Spinnennetzes umschrieben ist. Sieht man aber eine Spinne an einem einzigen Faden, hängt das Glück des Träumers im Wachleben an dem berühmten seidenen Fädchen. Die Spinne im Traum und das Mandala besitzen eine ähnliche Symbolik. Die Spinne erschafft ein Netz wie ein Mandala, welches den Träumenden gleichzeitig nährt und schützt.

(Quelle: auszugsweise Didimos Traumlexikon)




Grüne Grüße
Brigid

********************

Ein Baum, der fällt,
macht mehr Krach als ein Wald, der wächst.

Weisheit aus Tibet

Bärin2 ( gelöscht )
Beiträge:

28.09.2006 12:22
#6 RE: Spinne antworten
Hallo nochmal alle zusammen ,

habe bis eben offline den angekündigten Spinnenbeitrag überarbeitet und deshalb nicht gesehen, dass Brigid nun auch geschrieben hat. Jetzt wird vermutlich einiges doppelt zu lesen sein...aber nochmal überarbeiten mag ich nu nich (sorry also für eventuelle Überschneidungen).

Spinnen haben in allen Kulturen der Erde die unterschiedlichsten Bedeutungen. Sie gelten als Glücksbringer und Todesboten, sind Krankheitsdämon und Medizin. Sie sollen das Wetter „vorhersagen“, dienen als Orakel beim Glücksspiel, sollen vom Militärdienst befreien, gegen Blitz schützen und vieles mehr.

In vielen Kulturen steht die Spinne allgemein für die große Mutter, die alles erschafft und zerstört und für die Großmutter sowie die weibliche Ahnin.

In der keltischen Mythologie war ihr Netz Symbol für die Verbindung zwischen Allem, was ist.

In der griechischen Mythologie war sie den Schicksalsgöttinnen zugeordnet, welche die Schicksalsfäden der Menschen spinnen, gegen die auch die Götter machtlos sind.

Auch in der nordischen Mythologie ist es, soweit ich weiß so, dass die Nornen, welche den Lebensfaden spinnen, so wirken, als stünden sie außerhalb des Einflusses anderer Mächte, als sei ihr Wirken etwas immerwährend Fortlaufendes, das nicht verändert oder angetastet werden kann. So wirkt es zumindest auf mich vor dem Hintergrund der Informationen, welche ich bisher habe.

In der indianischen Mythologie können weder Blitz noch Pfeil der Spinne schaden. Ihr Netz schützt vor Angriffen, weshalb es oft auf die Kleidung speziell von Kindern gestickt wird. Der indianische Traumfänger ist ein Spinnennetz, in dem die schlechten Träume sich verfangen, die guten aber durch das Loch in der Mitte hindurch gehen sollen. Bei vielen indianischen Stämmen ist die Spinne ein mächtiges und hilfsbereites Wesen, das zwischen Himmel und Erde vermittelt und Geschichten über die Gegensätze von z.B. Leben und Tod erzählt und so diese Gegensätze zusammenbringt.

In der indischen Mythologie ist das Spinnennetz das Sinnbild der kosmischen Ordnung. Der Körper der Spinne in der Mitte wird durch die liegende 8, also das Unendlichkeitssymbol, dargestellt. In China gilt die Spinne als Glücksbringerin, in Japan dagegen leben, dem Volksglauben zufolge, Spinnendämonen in Erdlöchern. In einigen afrikanischen Mythen gibt es die Figur der Spinne Anansi, die es mit Charme und Witz immer wieder schafft, sich aus verfahrenen Situationen zu befreien.

Im Mittelalter hatte das Erscheinen einer Spinne meist eine negative Bedeutung. Die Spinne galt als Hexentier, nur die Kreuzspinne war, dank des Kreuzes auf ihrem Rücken, ein gutes Omen.

Einige Quellen, die sich mit modernem Schamanismus beschäftigen, warnen davor, die Spinne als alleiniges Krafttier zu haben, da sie entwicklungsgeschichtlich weiter vom Menschen entfernt ist, als ein Säugetier und somit ihr Bewusstsein sehr andersartig ist.

Die Spinne als Krafttier kann eine kluge Lehrerin sein, die beobachten, abwarten, aufbauen und zerstören kann, die mit uns in die dunklen Ecken und Winkel geht, um dort Ordnung und Klarheit zu schaffen. Sie hilft uns, jene Teile von uns selbst ausfindig zu machen, welche unsere Lebensenergie lähmen, uns täuschen, einlullen und abhängig machen. Sie kann uns lehren, selbst die Verantwortung für unser Leben zu übernehmen, unsere, eventuell vorhandene, bequeme Opferhaltung aufzugeben, das Warten zu beenden und damit zu beginnen, stetig und konzentriert an der Verwirklichung unserer Träume und Visionen zu arbeiten. Sie kann uns helfen, Zusammenhänge und Verstrickungen in unserem Leben zu erkennen. Sie konfrontiert mit Vergänglichkeit und Tod und fordert uns auf, aufzuwachen. Auf was wollen wir am Ende unseres Lebens zurückblicken? Was erwartet uns, wenn wir weiterhin wie gelähmt vor uns hindümpeln?

Viele Grüße
Bärin

P.S. Nur noch kurz zur Verbindung der Spinne mit der weiblichen Natur und der wilden Frau, welche Brigid erwähnte: in diesem Thread haben bisher nur Frauen geschrieben *g*...aufgefallen? (Diese Bemerkung bitte jetzt nicht ganz so ernst nehmen)

Alles wächst und nichts geht verloren

Brigid ( gelöscht )
Beiträge:

28.09.2006 12:36
#7 RE: Spinne antworten
Liebe Bärin,

entschuldige bitte, wenn ich dir nun vorgegriffen habe. Jedoch, du schreibst so viel Neues und Interessantes, dass es bestimmt jedem Freude macht, das ein oder andere doppelt zu lesen.

Dass nur Frauen antworten, wundert mich nicht , auf die Frage "Wovor haben Sie Angst" antwortet im Ernst jeder zweite Mann mit "Vor Spinnen und Schlangen" (alternativ vor Krankheit). Auch musste ich bei meinen Kindern feststellen, dass der Ekel vor Spinnen manchmal auch anerzogen wird. Meine Älteste hatte nie ein Problem, bis sie im Kindergarten (vor vielen Jahren) "aufgeklärt" wurde, dass man vor Spinnen keine Angst haben muss, paradox, aber wahr.

editiert: PS Haben die armen Männer dann nun eigentlich vor uns Angst *grübel*

Grüne Grüße
Brigid

********************

Ein Baum, der fällt,
macht mehr Krach als ein Wald, der wächst.

Weisheit aus Tibet

Bärin2 ( gelöscht )
Beiträge:

28.09.2006 12:45
#8 RE: Spinne antworten
Liebe Raben,

@Brigid
warum solltest Du dich bei mir entschuldigen? Schließlich war ich einfach langsam (und zu faul, nochmal zu editieren *g*). Aber wenn ich mir unser aller Beiträge hier nun nochmal so durchlese, finde ich, dass sie sich schön ergänzen und ein nettes Netz bilden. Interessant, wie schnell es entstanden ist...praktisch über Nacht, wie gesagt .

@Algiz,
eine Frage spukt mir noch in meinem Kopf herum. Vielleicht ist sie weit hergeholt - aber sie ist nunmal in meinem Schädel und deshalb würde ich Dich einfach gern fragen. Warum hast du eine Spinne zur Kirche getragen? Wohnst Du einfach in der Nähe einer Kirche, bei der ein grüner Platz ist, an dem Du die Spinne absetzen wolltest? Miss dieser Frage bitte nicht zuviel Bedeutung bei. Mir ist dieser Satz in Deinem Beitrag nur aufgefallen und es interessiert mich ganz einfach.
Außerdem fällt mir gerade ein, dass Du dich ja schon eine ganze Weile mit dem spinnen von Wolle beschäftigst. Ich assoziiere hier einfach nur so vor mich hin. Bitte entschuldige, wenn es etwas wirr ist.


Viele Grüße
Bärin

Alles wächst und nichts geht verloren

Algiz Offline

Altrabe


Beiträge: 590

28.09.2006 19:53
#9 RE: Spinne antworten

Ihr lieben Schätze,
ich danke euch erst mal von ganzem Herzen. Eure Berichte haben mir sehr gut gefallen und mir auch schon ein bischen "weitergeholfen". Ich habe noch gar nicht mit so einer schnellen Antwort gerechnet.
Ich habe mich dazu entschlossen eine Spinne zu beheimaten. Gestern fiel der Entschuss. Ich habe bereits eine kleine Faunabox bestellt und die nächste die um Wohnhilfe bittet, bekommt sozusagen ein "Zimmer". Jetzt bin ich schon ganz gespannt, hoffe aber dass erst die box geliefert wird, und dann vielleicht die Spinne kommt
Es geht mir gut bei diesem Gedanken.
In der freien Natur habe ich keine Angst vor diesen Tieren. Ich kann sie auch auf die Hand nehemen, das tue ich immer im Garten, diese kleinen braunen "Gartenspinnen". Sie laufen mir dort ja auch immer über die Nakten Füße. Es macht mir nichts. Nur im Haus kann ich sie nicht ertragen, und natürlich die richtigen Brocken.

Liebe Brigid,

In Antwort auf:
entgegengebracht. Im Traum steht sie für Verschlagenheit und für das Künstlerische im Träumenden. Spinne steht oft für sexuelle Bedürfnisse und andere Leidenschaften, in denen man sich verfangen hat, zumal, wenn dies mit Ängsten und Schuldgefühlen verbunden ist.

Ängste und Schuldgefühle würden ja schon mal auf mich zutreffen. Nich unbedingt in Sexueller hinsicht aber doch zutreffend. vielleicht sollte ich mich weiter damit auseinandersetzen und nicht weiter davor davon laufen. Zumal die Schuldgefühle keine sein sollten, da ich eigendlich das Opfer war.

In Antwort auf:
Im Traum ist die Spinne aber unter Umständen ein ernstzunehmendes Gefahrensymbol. Sie kann den Anfang von schwerwiegenden seelischen Störungen, von Neurosen bis zu Psychosen signalisieren.

Ich schrieb zwar von albträumen, kann diese aber nicht in Worte fassen. Es ist eher so, dass ich einfach wach werde mit dem Gedanken dass gerade so eine Spinne unter der Decke oder an der Wand neben mir hockt und mich ansieht oder einfach da ist. Dann mache ich Licht und sehe in jede Ecke in meinen Zimmer nach, das macht mir dann noch mehr angst. Das ist wie im Dunklen Wald spaziern gehen, plötzlich bekommt man ein mulmiges Gefühl, und man weiß genau, wenn du jetzt rennst, ist es vorbei, irgend was kriegt dich, und wenns nur die Panik ist die einen überrollt.

Liebe Bärin,
In Antwort auf:
Die Spinne als Krafttier kann eine kluge Lehrerin sein, die beobachten, abwarten, aufbauen und zerstören kann, die mit uns in die dunklen Ecken und Winkel geht, um dort Ordnung und Klarheit zu schaffen. Sie hilft uns, jene Teile von uns selbst ausfindig zu machen, welche unsere Lebensenergie lähmen, uns täuschen, einlullen und abhängig machen. Sie kann uns lehren, selbst die Verantwortung für unser Leben zu übernehmen, unsere, eventuell vorhandene, bequeme Opferhaltung aufzugeben, das Warten zu beenden und damit zu beginnen, stetig und konzentriert an der Verwirklichung unserer Träume und Visionen zu arbeiten. Sie kann uns helfen, Zusammenhänge und Verstrickungen in unserem Leben zu erkennen. Sie konfrontiert mit Vergänglichkeit und Tod und fordert uns auf, aufzuwachen. Auf was wollen wir am Ende unseres Lebens zurückblicken? Was erwartet uns, wenn wir weiterhin wie gelähmt vor uns hindümpeln?


Ich glaube die Spinne ist in meinem Fall tatsächlich eine gute Lehrerin, nur brauche ich jetzt jemanden der mich an die HAnd nimmt und dabei gleichzeitig kräftig in den allerwertesten tritt. Ich habe da eine klare Ahnung was sie mir vielleicht sagen möchte. Aber den ersten schritt zu tun istnicht leicht

In Antwort auf:
eine Frage spukt mir noch in meinem Kopf herum. Vielleicht ist sie weit hergeholt - aber sie ist nunmal in meinem Schädel und deshalb würde ich Dich einfach gern fragen. Warum hast du eine Spinne zur Kirche getragen? Wohnst Du einfach in der Nähe einer Kirche, bei der ein grüner Platz ist, an dem Du die Spinne absetzen wolltest? Miss dieser Frage bitte nicht zuviel Bedeutung bei. Mir ist dieser Satz in Deinem Beitrag nur aufgefallen und es interessiert mich ganz einfach.
Außerdem fällt mir gerade ein, dass Du dich ja schon eine ganze Weile mit dem spinnen von Wolle beschäftigst. Ich assoziiere hier einfach nur so vor mich hin. Bitte entschuldige, wenn es etwas wirr ist.


JA ich wohne in der Nähe einer Kirche, ich dachte das wäre weit genug weg, und schön ist es da auch. Zumindest für Spinnen, immerhin wollte ich auch nicht dass sie verhungert oder so. Ihr hat es da scheinbar nicht gefallen.
Ich habe es ein andermal mit unserem Pflaumenbaum gaaaaaaaanz unten auf der Wiese versucht, tja, diese Gattung ist eben ortstreu. Ihren Mann habe ich ja auch entdecket, als er nach seiner Angebetetn suchte. Oh hat der mich böse angesehen. Papa hat ihn rausgeworfen.
Tja, das mit dem spinnen hat glaube ich wenig damit zu tun, ist so ein Teekesselchen, wie mit Birne zum leuchten und Birne zum Essen

Ich danke euch nochmals von ganzem Herzen
Liebe Grüße Algiz

Ps. Ich kenne auch viele Männer die große Angst haben vor Spinnen und Schlangen, aber Schlangen finde ich persönlich eine tolle Erfindung, hätte gerne selbst eine, aber keine kohle für ein Artgerechtes zuhause, also lasse ich es
________________________________

Wenn du eine weise Antwort verlangst, mußt du vernünftig fragen
- Johann Wolfgang von Goethe -

MACHT ZU BESITZEN UND NICHT AUSZUÜBEN IST WAHRE GRÖßE
- FRIEDEL BEUTELROCK-

Bärin2 ( gelöscht )
Beiträge:

08.01.2007 14:59
#10 RE: Spinne antworten
Hallo liebe Raben,

ganz zu Beginn dieses Threads erwähnte ich, dass da auch noch ein paar persönliche Erfahrungen meinerseits mit der Spinne existieren. Ich habe eine Weile überlegt, ob ich sie poste. Jetzt dachte ich mir, ich tue es einfach mal. Einen großen Teil des Textes hatte ich vor längerer Zeit schon begonnen, zu schreiben.

(Achtung, es ist ein laaanger Beitrag geworden, Bärin hat's mal wieder nicht knapper hingekriegt - ich nehme es niemandem übel, wenn er oder sie ihn sich nicht komplett durchlesen mag).

Die Spinne nahm zu mir Kontakt auf, lang bevor ich bewusst nach einem Krafttier/Totemtier/Verbündeten (jeder wähle sich den Begriff, der ihm am meisten zusagt) zu suchen begann.

Ich glaube, ich war damals 23 oder 24 Jahre alt. Ich hatte zwar schon davon gehört, dass es so etwas wie Krafttiere gibt, verstand dies aber als ein Konzept, welches anderswo, d.h. in anderen Kulturen existierte. Ich empfand es als ein sympathisches Konzept und hätte gern eine tiefe Verbindung zu einem Tier gehabt, einfach deshalb weil ich der Natur und meinen tierischen Verwandten nahe sein wollte.
Anstalten, mein Wissen diesbezüglich zu vertiefen machte ich damals allerdings nicht, sondern ging einfach mit einer Selbstverständlichkeit, die mir heute geradezu merkwürdig erscheint, davon aus, dass ich - als Europäerin - wohl keinen Zugang zu diesem Konzept besitzen würde, quasi davon ausgeschlossen sei. Vielleicht, so dachte ich, könnte ja ein Wolf oder ein Hund mein Krafttier sein. Damals hatte ich vier Schlittenhunde (Alaskan Malamutes) und einen altdeutschen Schäferhund. Sie waren Freunde für mich, ich fühlte mich ihnen verbunden und dachte, dass diese freundliche Verbundenheit und mein Zusammenleben mit ihnen doch ausreichen müsste, um sie zu meinen Krafttieren zu machen. Mir war damals noch nicht klar, dass es nicht unbedingt eine Sache der bewussten Entscheidung ist, welche Verbündeten man hat, bzw. welche Verbündeten zu einem kommen.

Ich hatte einfach Sehnsucht danach, irgendwie eine innigere Verbindung zu Tieren zu haben, eine Verbindung, die über streicheln, spielen und zusammenleben hinausging, eine geistige Verbindung eben - aber ich wusste nicht, wie und ob das überhaupt möglich für mich wäre. Wenn ich Musik hörte, ließ ich oft Bilder von Tieren in Bewegung bei geschlossenen Augen an mir vorbeiziehen. Dieses "Bilder laufen lassen" hatte ich schon als Kind getan, es war leicht, die Bilder waren klar und deutlich, ich konnte das stundenlang tun.

Eines Abends saßen mein damaliger Freund und ich nebeneinander auf dem Sofa, wir hörten Musik, hatten Kerzen an und ich ging meiner "Bilder-laufen-lass-Beschäftigung" wieder ausgiebig nach. Auf einmal drängten sich in meine bewegten Bilder von Hunden, Hasen, Pferden, Möwen, etc. Bilder von Spinnen. Ich wurde sie nicht mehr los, sah Netze mit Tautropfen, schwarze, goldene, grüne Spinnen in allen möglichen Größen. Ich hasste Spinnen, hatte furchtbare Angst vor ihnen. Wenn irgendwo eine auftauchte, lief ich einfach aus dem Raum, Tür zu, Spinne drin - und somit aus meinen Augen. Jemand anders musste sie dann entfernen. An diesem Abend aber begann mir meine Abneigung - nur ganz kurz - irgendwie leid zu tun. Ich empfand zwar keine Zuneigung aber zumindest eine gewisse Achtung vor dem Wesen der Spinne. Ich bat um Verzeihung und (leichtsinnigerweise) auch noch um ein Zeichen, falls die Entschuldigung angekommen sei.

Als ich die Augen öffnete, lief gerade eine Spinne (bei uns gab es die großen schwarzen) auf meiner Seite unters Sofa. Gleichzeitig bückte sich mein Freund auf seiner Seite des Sofas und hob eine Spinne auf. Meine Reaktion war natürlich aufspringen, um mich ganz fix zum Lichtschalter zu begeben, wobei ich im Laufen meinen Freund noch sagen hörte: "Mach mal das Licht an, hier sind ganz viele Spinnen". Ich tippte dann nur schnell im Vorbeirennen den Schalter an, weil ich es vorzog, gleich komplett den Raum zu verlassen. Mein Freund erzählte mir später, er habe drei Spinnen unter dem Sofa gefunden. Es war ein kleines Sofa mit nur zwei Sitzflächen, das mitten im Raum stand, d.h. keinen Zugang zu, bei diesen Spinnen beliebten, Winkeln und Ecken bot...und die Spinnen waren vorher definitiv noch nicht da gewesen.
Diesem Erlebnis (für einen anderen Menschen vielleicht nicht aufregend, ist es doch nur ein kleines Tier, für mich aber aufgrund meiner Angst beeindruckend) folgten ein paar Jahre, in denen ich mich nicht mal traute, mir das Bild einer Spinne vorzustellen, denn sie pflegten aufzutauchen - in der alltäglichen Welt - sobald ich das tat (zwar nicht in Scharen - aber eine reicht auch, wenn man sich fürchtet und sie prompt auftaucht, sobald man an sie denkt). So hatte ich mir die Verbindung zu einem Tier nun nicht vorgestellt...ein großer flauschiger Hund ist eine Sache, eine fette Spinne eine Andere.

Vor einigen Jahren nahm ich dann an einer schamanischen Ausbildungsgruppe teil (Treffen zweimal im Monat jeweils abends von 19 Uhr bis irgendwann spät nachts, stattfindend über drei Jahre hier am Ort). Dort meldete sich zunächst die Familie der Katzenartigen bei mir und mit ihr der völlig uneuropäische Tiger, der "ganz normal" auf einer "ordentlichen" Krafttierreise zu mir kam, der mir, zumindest für mich erstaunliche, Veränderungen brachte - und mit dem ich nach wie vor gern verbunden bin. Ich war zufrieden. So hätte es bleiben können. Leider aber begann auch die Spinne ein wenig später verstärkt, sich bemerkbar zu machen.

Sie kam während der Reisen in der Gruppe zu mir (körperlich in der Alltagswelt). Ich fand sie dann z.B. im Kopfkissen, sie lief mir beim reisen über den Hals...und dann begann ich auch noch, nachts von ihr zu träumen. Es waren positive Träume. In einem Traum erschien sie mir als wunderschönes, goldgrünes, wie mit Juwelen besetztes Tier auf der Fensterbank meines Schlafzimmers, in einem anderen Traum beschützte sie mich vor Verfolgern, indem sie mich mit sich verschmelzen ließ, so dass ich mich praktisch in ihr verstecken konnte (die Verfolger trauten sich nicht an sie heran). Diese Träume passten nicht zu dem Entsetzen, das ich ihr gegenüber im Wachzustand nach wie vor empfand. Sie passten auch nicht zu den Warnungen, die in einigen Quellen, welche sich mit modernem Schamanismus beschäftigen, zu finden sind. Weder hatte sie versucht, mich zu fressen, noch war es schwer gewesen, sich nach der Verschmelzung im Traum wieder von ihr zu lösen. Das Bewusstsein, mit dem ich während der Verschmelzung im Traum in Kontakt kam, war allerdings, meiner Empfindung nach, sehr verschieden von dem, was ich sonst bei meinen Krafttieren kennengelernt hatte. Es war ein Gefühl von großer Entschlossenheit und Ruhe, Sicherheit, Einfachheit und Konsequenz in einer Form, die mir fremdartig erschien.

Ich wollte mich dennoch nicht mit ihr beschäftigen, weil ich mich immer noch viel zu sehr fürchtete. Bis vor einem dreiviertel Jahr blieb dieser Status quo auch erhalten. Eine Zeitlang wurden auch die Träume wieder weniger. Ich wusste zwar, dass ich mich irgendwann noch einmal mit dem Thema Spinne auseinandersetzen sollte, hoffte aber, es vielleicht noch ein wenig aufschieben zu können. Eines Nachts hatte ich dann einen Traum, in dem die Spinne sich in eine Frau verwandelte. Sie stand erst mit dem Rücken zu mir, drehte sich dann um und sah mich an. Alles in diesem Traum war gruselig: die Umgebung, das düstere, schlossartige Gemäuer, in dem ich mich befand – und nicht zuletzt die vielen Spinnen, die darin herum huschten. Die Augen der Frau aber, in welche die Spinne sich verwandelt hatte, waren nicht gruselig. Sie waren ruhig, ernst und freundlich. Diesen Traum nun konnte ich nicht einfach wegschieben. Ich hatte eine Art Hilfestellung erhalten, denn nun konnte ich mich mit der Spinne auseinandersetzen, ohne sie auf meinen Reisen bildlich vor mir sehen zu müssen, indem ich die Frau anreiste und mit ihr sprach. Ich tat das eine Weile regelmäßig. Irgendwann begann die Frau, sich wieder zu verändern. Erst veränderten sich ihre Füße und Hände zu Spinnenbeinen und dann setzte sich der Wandel nach und nach über den restlichen Körper fort. Ich begann wieder, „Muffensausen“ zu kriegen und bat schamanisch arbeitende Freunde um Unterstützung. Sie halfen mir mit einem kleinen Ritual, bei dem ich eine Spinne genau auf die Art rufen musste, wie ich es Jahre zuvor auf dem Sofa meines Freundes getan hatte, sie anschließend auf die Hand nahm und als Verbündete akzeptierte.
Das muss wohl der letzte nötige Schritt gewesen sein, denn meine Angst war anschließend weg und ich fühlte mich, als habe ich ein Geschenk erhalten.

Viele Grüße
Bärin


"Die erste Regel ist, einen ruhigen Geist zu bewahren. Die Zweite, den Dingen ins Gesicht zu sehen und sie als das zu erkennen, was sie sind." (Marcus Aurelius)

Avansys Offline

Novize


Beiträge: 14

09.01.2007 21:13
#11 RE: Spinne antworten

Hallo alle miteinander

Ich möchte zu diesem Thema kurz weg von der Idee der Spinne als Krafttier und hin zu einer anderen Deutung, welche ich nicht uninteresant finde und damals für mich gut annehmen konnte, da ich das Gefühl hatte, es passte bei mir.

Mir wurde durch eine Schamanin auf einer schamanischen Reise mitgeteilt, dass die Spinne für eine Verbindung zu meinen Ahnen stünde und dass die Spinnweben, mt denen ich dort immer wieder zu kämpfen hatte, für die Verstrickungen stehen, durch die ich in meinem Leben gebremst würde.
Hinsichtlich des damals anstehenden Themas konnte ich daran arbeiten um (alten) Balast loszuwerden.

Vielleicht stehen (oder standen, das Thema ist ja schon älter) in Deinem Fall die Spinnen dafür, dass es Zeit wird, eine alte Verstrickung aufzulösen und Lebensbalast loszuwerden. Diese können durchaus auch aus der Kindheit kommen, nicht unbedingt aus einem anderen Leben.

Ich persönlich habe auch ein Thema mit Spinnen und würde lieber eine andere Richtung einschlagen als diese, doch manchmal kommt man nicht drum herum, sich zu arangieren, gerade jetzt im Winter.


Gruß an alle, alles Liebe

Avansys
__________________________________________________

Verantwortlich ist man nicht nur für das, was man tut, sondern auch für das, was man nicht tut.
(Laotse, chin. Philosoph, 4-3 Jhd. v. Chr. )

Nichts auf der Welt ist so gerecht verteilt wie der Verstand. Denn jedermann ist überzeugt, dass er genug davon habe.
(Rene Descartes, fr. Mathematiker u. Philosoph, 1596-1650 )

Ihwar Offline

Altrabe


Beiträge: 2.163

10.01.2007 15:38
#12 RE: Spinne antworten

Hallo zusammen.

Ich habe einmal irgdendwo gelesen das besonders sensitive, "aurasichtige" Personen, das Energiefeld von Spinnen als besonders schillernd und leuchten wahrnehmen. Dies wäre vieleicht eine Erklärung warum sie uns -ob gehasst oder geliebt- immer ganz besonders "ins Auge stechen" sobald wir wo eine erblicken.
Interessant finde ich auch, das kaum mal jemand das Thema Spinnen mit einem Achselzucken abtut, sondern sehr stark entweder in die "Iii, ist das eklig", oder "Wow, ist das cool" Richtung tendiert. Jedenfalls weckt die Spinne zumeist mehr Emotionen als eine Ameise oder ähnliches Krabbelgetier. (Zumindest in meinem Umfeld erlebe ich das so)
So rein technisch gesehen ist die Spinne auch ne fabelhafte Konstruktion. Gut gepanzert, äußerst beweglich, blitzschnell und mit absolut feinen Wahrnehmungsinstrumenten ausgestattet...
Also ich mag Spinnen und füttere sie manchmal. Trotzdem fasse ich sie nicht an wenn es sich vermeiden lässt, obwohl ich keine Panik kriege wenn mal eine über mich drüber krabbelt. Sehr schön finde ich tautropfenglänzende Spinnennetze im Sonnenlich; -Das lädt zum innehalten ein.

Ihwar
.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-
Wer ein ausgeglichenes Leben führt hat keine Zeit für Hausputz.(Jan Fries)

Algiz Offline

Altrabe


Beiträge: 590

12.01.2007 18:48
#13 RE: Spinne antworten

Hi,
Also die Spinne ist mir in den Vergangenen Wochen viel Sympatischer geworden al sich dachte das es möglich sein würde.
Ich habe ja eine Spinne für einige Zeit bei mir im Zimmer in einer Faunabox wohnen lassen. Wir haben uns in den Drei Monaten tatsächlich aneinander gewöhnt. Ich habe sie gefüttert und sie hat insgesammt 5 Kokons gebaut. Ich habe eine menge über diese Tiere gelernt, und meine Panik ist in etwas umgeschlagen, dass ich nicht genau beschreiben kann.
Ich habe meine Elfriede wieder frei gelassen, da alle Heimchen aufgebraucht waren und ich keine neuen kaufen wollte.
Ich habe die Box mir geöffnetem Deckel in unser Gartenhaus gestellt, dort wohnen viele Artgenossen und Futtertiere.
Sie wohnt immer noch in ihrem Nest das sie sich gebaut hat. Ich sehe alle paar Tage nach ihr, habe immer etwas Angst wenn ich die Box in die Hand nehme, dass sie in diesem Moment heraus kommt und mir über die Hand läuft, aber ich bin auch immer Froh wenn sie noch da ist. Ich mag sie schon ziemlich gerne.
Nur nicht im Haus!
Aber ich denke ich kann mich nun mit ihr und ihren Artgenossen arangieren. Und das tut mir sehr gut.
Gestern hatte ich wieder eine Begegnung mit der Art, wohl durch den anhaltenden Regen ist sie ins Haus gekommen, mein Papa hat sie eingefangen mit einem Spinnenretter und ich habe sie nach draußen gebracht. Ich habe sie vor der Benachbarten Kirche ausgesetzt und hoffe dass sie sich dort wohl genug fühlt und nicht wieder zurück läuft.
Ich habe keine Träume mehr über Spinnen, aber vor einigen Tagen einige wunderschöne gefrorene Spinnennetze gesehen.
Liebe Grüße
Algiz

________________________________

Wenn du eine weise Antwort verlangst, mußt du vernünftig fragen
- Johann Wolfgang von Goethe -

MACHT ZU BESITZEN UND NICHT AUSZUÜBEN IST WAHRE GRÖßE
- FRIEDEL BEUTELROCK-

Tanith Offline

Altrabe


Beiträge: 8.335

13.01.2007 00:38
#14 RE: Spinne antworten

Hej, Algiz, hast du eigentlich während der Zeit der "Annäherung" an die Spinne (oder die Spinnen) ein gutes Bestimmungsbuch über die hier heimischen kleinen Spinnenzire zur Verfügung gehabt, welches du weiter empfehlen kannst? Ich leide an sich nicht an Spinnenangst, aber eine einzige Art macht mir Probleme und ich weiß nicht, wieso. Ich denke, wenn ich heraus finde, wer bzw. zu welcher "Familie" sie gehört, würde es mir leichter fallen, mich ihr zu "nähern". Sie macht keine Radnetze, lebt meist in Küchenecken und "spinnt" so eine Art mehrschichtiger Gewebe, über denen sie sitzt und sich deshalb auch dem Zugriff ganz gut entziehen kann, weil man natürlich erst das Gewebe berühren muss, will man sie fangen. Ich bekomme regelmäßig schweißnasse Hände, wenn ich allein zu Haus bin und sie selbst fangen und aussetzen muss (mittels eines Glases und eines Stücks Pappe).
Ich wäre dir dankbar, wenn du mir eine Buchempfehlung geben könntest.
Liebe Grüße - und es freut mich, dass du deine Panik abbauen konntest - weitesgehend.
Tanith

Brigid ( gelöscht )
Beiträge:

13.01.2007 08:37
#15 RE: Spinne antworten
Liebe Tanith,

das könnte die "gemeine Winkelspinne", tegenaria derhami, sein. http://de.wikipedia.org/wiki/Winkelspinnen

Vielleicht bist du ja mutig genug, sie damit zu fangen http://www.jako-o.de/produkt/de/produkt_...b_v301_ch=490ea , wobei natürlich du entscheiden musst, ob sie dir nicht womöglich noch unheimlicher wird.

Ich überlege schon seit ein paar Tagen, ob Spinnen ihre Kraft nicht gerade den Menschen anbieten, denen sie nicht geheuer sind. Meine Tochter 2 ist immer die, bei der die Spinnen sind, im Schlafsack beim Zelten z.B., selbst wenn da fünf andere Schlafstätten sind. Dabei hat sie panische Angst. Es sieht mir ganz so aus, als ob sich gerade die "heim-gesuchten" Menschen mit ihr auseinander setzen sollen.

LG

Brigid

______________________________________________

Nichts fördert das Kreative mehr als die Liebe
Erich Fromm

Seiten 1 | 2 | 3 | 4
 Sprung  

Dieses Forum ist Teil der Internetpräsenz www.rabenbaum.com.
Sollten Sie Fragen, oder Anmerkungen zu unserem Forum haben,
dann beantworten wir Ihnen diese gern telefonisch oder per E-Mail.
Sie finden unser Impressum unter anderem unter www.rabenbaum.com

Xobor Erstelle ein eigenes Forum mit Xobor