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Dieses Thema hat 8 Antworten
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 Kräuter
Garm Offline

Moderator


Beiträge: 945

08.05.2005 07:57
Der Bärlapp antworten

Liebe Kräuterlinge,

gestern beim Fernsehen, bin ich auf den Begriff Bärlapp gestoßen und habe irgendwie das Gefühl, dass diese Pflanze bedeutsam ist.

Nun läßt mich der Gedanke daran nicht mehr los. Alles was ich in meinem Fundus durchstöbert habe, war irgendwie unbefriedigend

Ist es wirklich nur so eine kleine Moos-Pflanze, oder womöglich die große Offenbarung?

Darf ich Euch einmal bemühen?


Liebe Grüße

Garm



Fleisch, ist mein Gemüse

Brigid ( gelöscht )
Beiträge:

08.05.2005 09:29
#2 RE:Der Bärlapp antworten

Lieber Garm,

am Bärlapp ist so viel dran, dass ich den Beitrag erst im Laufe des Tages schreiben kann, denn jetzt will MicoMaushund erst mal mindestens 10 km laufen, sonst frisst er mich .

Ihr werdet staunen, was Dr. Wolf-Dieter Storl, der diese Pflanze in sein Buch "Pflanzen der Kelten" aufgenommen hat, zu berichten weiß.

Und nicht nur Indianer, sondern auch die Tiere, allen voran die klugen Wölfe, nutzen ein Bärlappbett um Wunden zu heilen.

Grüne Grüße
Brigid
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Wenn der Nebel sich lichtet, sieht man den Regen (Irland)

Brigid ( gelöscht )
Beiträge:

08.05.2005 13:42
#3 RE:Der Bärlapp antworten

Bärlapp
Lycopodium clavatum, gall. Selago

Familie:
Bärlappgewächse (Lycopodiaceae)

Synonyme:
Alpenmehl, Blitzpulver, Chrampfchrut, Darmfraß, Drudenfuß, Drudenkraut, Erdschwefel, Felsschwefel, Gäbeli, Gichtmoos, Gürtelkraut, Harnkraut, Hexenkraut, Keulen-Bärlapp, Kolben-Bärlapp, Krampfkraut, Luuschrut, Moosfarn, Schlangenmoos, Teufelsklauen, Vollenschübel, Waldstaub, Wolfsklaue, Wolfsraute, Zigeunerkraut

Inhaltsstoffe
Alkaloide (Lycopodin), Fette, Flavonide, Steroide

Er steht in Österreich und Deutschland unter Naturschutz! Bitte nicht sammeln, da er auch sehr lange braucht um sich zu verbreiten. Bärlapp kauft man in Apotheken.

Schon die Schwarzfußindianer reinigten mit Bärlapp-Sporen die unterschiedlichsten Verletzungen - egal ob es sich dabei um Nasenbluten oder um Schnittverletzungen handelte. In der Volksheilkunde wird der Bärlapp mit großem Erfolg bei den verschiedensten Leberleiden eingesetzt, als Aphrodisiakum, gegen Durchfall, Ruhr, Würmer, Epilepsie, er wirkt fiebersenkend und harntreibend.

Allerdings ist die Verwendung von Bärlapp-Kraut und Bärlapp-Sporen sehr umstritten. Einige Homöopathen sind der Meinung, Bärlapp sei nur und ausschließlich in der Homöopathie brauchbar und ansonsten durch eine hohe Dosierung, wie sie in Form von Tee eingenommen werde, eine Gefahr für die Gesundheit. Andere Naturheilpraktiker sind wiederum von den erfolgreichen heilenden Wirkungen des Bärlapp in Form von Tee oder beim Einsatz von Auflagen und Bädern überzeugt.

Beschreibung:
Die vierjährige moosartige, immergrüne Pflanze kriecht in ein bis zwei Meter langen Ranken mit feinen, dünnen Würzelchen am Waldboden dahin. Aus den Ranken wachsen 7 - 10 mm lange, sich sehr weich anfühlende verästelte Stängelchen. Die zapfenförmigen, etwa 2 - 4 cm langen, aufrechten Sporophyllstände stehen meist paarweise am Ende der Sprosse. Die in ihnen enthaltenen Sporangien entlassen zahlreiche Sporen, die erst nach 6 - 7 Jahren einen Keimling bilden.

Verwechslung:
Die Pflanze kann sehr leicht mit anderen, z.T. sehr giftigen Bärlappgewächsen verwechselt werden!

Sporenreife:
Juli - August

Wolf-Dieter Sporl schreibt in seinem sehr empfehlenswerten Buch “Pflanzen der Kelten“ (auszugsweise)Folgendes:

Der Bärlapp, den viele für ein großes Moos halten, ist eine der ältesten Schamanenpflanzen. Die Gefäßsporenpflanze, die ein pflanzliches Fossil ist und schon in der Steinkohlezeit vor 300 Millionen Jahren vorhanden war, als es noch nicht einmal Dinosaurier gab, hat keine Blüten, sondern kolbenartige Sporenbehälter (Sporangien), in denen große Mengen goldgelben Sporenstaubs erzeugt werden. Dieses Sporenpulver, auch Teufelskrähenmeld, Hexenmehl, Drudenmehl, Erdschwefel oder Blitzpulver genannt, gehörte in den Medizinbeutel eines jeglichen Schamanen, der auf sich hielt. Das Pulver ist ölig und enthält viel Aluminium, so dass es äußerst leicht entzündlich ist. Es lässt, wenn man es ins offene Feuer streut, eine Stichflamme hervorschießen, es zischt und blitzt, als hätte der Götterbär zugeschlagen. Mit diesem Blitzeffekt untermalten die Zauberer ihre Beschwörungen. Sogar die Blitzlichter der Fotografie griffen auf den Sporenstaub zurück. Auch rieben sich die Schamanen die Hände mit dem Hexenmehl ein, und wenn sie dann ins Wasser griffen, blieb die Hand trocken und unbenetzt. Auch das muss vielen Teilnehmern einer Seance unheimlich vorgekommen sein.

Die Druiden haben den Kult des Blitzkrautes geerbt. Es war eine ihrer wichtigsten Pflanzen und es ist durchaus vorstellbar, dass das Kraut oder der Sporenstaub in den Initiationskessel der Keridwen gegeben wurde. Plinius ist es zu verdanken, dass wir etwas über das druidische Sammelritual wissen. Um das wichtige Kräutlein zu holen, musste der Druide barfuss, mit frisch gewaschenen Füßen und in weißen, ungesäumten Kleidern zum Bärlapp gehen. Da er vor allem eine Zauberpflanze war, wurde er in der Nacht bzw. in der Neumondnacht beschworen. Die Druiden, wie später auch die weisen Frauen im Mittelalter, verwendeten die Pflanze, um Schutzamulette gegen den Bösen Blick, Verhexung und Verzauberung herzustellen. Sie benutzten sie auch als Räuchermittel gegen alle Augenschäden.

Im keltischen Westeuropa blieb das druidische Ritual bis in die Neuzeit erhalten. Bei den Bretonen heißt das grüne Kräutlein „Goldkraut“. Es darf nur von heiligen guten reinen Menschen (saints gens) gesammelt werden. Auch sie müssen barfuss gehen, dürfen kein Eisen bei sich tragen und müssen das Kraut kniend pflücken. Alte Frauen tragen gegen Altersbeschwerden zur Sommersonnwendzeit einen Gürtel des heiligen Goldkrautes.

Die unzähligen Namen, mit der die kriechende Waldpflanze belegt wurde, geben uns eine Ahnung von der Bedeutung des Bärlapps in der heidnischen Zauberkunde und Weltanschauung. Plinius gibt den keltischen Namen als Selago an. Das ist aber eher ein lateinischer Name, denn die Nachsilbe –ago kommt auch in anderen lateinischen Pflanzennamen vor: Tussilago – Huflattich, Borrago – Borretsch, Plantago - Wegerich, Solidago – Goldrute, und bedeutet bewerkstelligen, vorwärtstreiben, machen. Die Vorsilbe sel- beruht auf dem indogermanischen si – binden. Es ist also ein Bindekraut. Wurde damit Bindezauber betrieben? Oder bedeutet es, dass man damit zur Sommersonnwendzeit Kränze und Gürtel binden konnte? Überall wo sie wächst, werden zur Mittsommerzeit Kränze aus dem Kraut geflochten und als Schutz gegen Zauberei an die Haustüre und Stalltüre gehängt. In Irland heißt der Bärlapp auch Devil's garter (Teufels Strumpfband) und ebenso in Tirol, wo er „Toifl sei Strumfbandl" genannt wird.

Alte Zauberpflanzen wurden oft nach dem Grünen Junker, dem Waldteufel und seinen wilden Gefährtinnen bekannt. So heißt die Pflanze auch Hexenmoos oder Teufelskrallen. Als „Alfkraut“ (Alf= Alp, Geist, Elfe) wurde es mit in die „Unruh“ getan. Darunter versteht man Gehänge, die an der Decke an einem Faden hängen und sich ständig leicht bewegen. Tritt ein böser Zauberer oder Unhold in den Raum, steht es still, dann habe man acht.

Ältere Benennungen beziehen sich auf Tiere, die einst keltische Totemtiere waren. Zuerst eben Bärlapp (Lapp kommt vom keltischen llap=Hand, Bärentatze) oder Bärenmoos. Der Name scheint sehr alt zu sein. Bärenpflanzen waren für die Kelten und Germanen, die den alten, bis in die Altsteinzeit zurückreichenden Bärenkult übernahmen und weiterpflegten, immer die großen, starken, besonders heil- oder zauberkräftigen Pflanzen.

Neben dem Bären wird die Pflanze auch mit dem Wolf assoziiert. Der Gattungsname lycopodium bedeutet Wolfsfüßchen. Wolfskräuter sind sonst immer sehr ätzende oder gewichtige Gewächse, wie Wolfsmilch, Bilsenkraut, Wolfskraut (Aconitum), Wolfsschiss (Helleborus) oder das Wolfsauge (Atropa). Der Wolf galt als Verschlinger und Vernichter (zu Unrecht! Private Anmerkung). Dennoch war das gefürchtete Tier ein Familiar des Schamanen oder Druiden. Mächtige Schamanen streiften als Wölfe durch die Wildnis, sie waren Werwölfe. Nur eine reine Seele, ein Druide oder Heiliger, kommt ungeschoren an einem Wolf vorbei oder kann durch ein Wolfsrudel gehen.

An zauberischer Verwendung des Waldkrautes fehlt es nicht. Das Mädchen, das sich Bärlapp in den Rock näht, wird beim Tanz – oder in der Disco – jede Menge gute Tänzer bekommen. Bei Behördengängen in der Rocktasche getragen, schützt das Kraut vor Behördenwillkür. Man kann Bärlapp auch in das Sofa oder Kissen stopfen, damit ein unliebsamer Besuch nicht allzu lange bleibt.

Da jedoch die hübsche Pflanze wegen Waldzerstörung und Umweltbelastung eher selten geworden ist und sogar auf der Roten Liste steht, ist vom Sammeln dennoch abzuraten.

Brigid


PS editiert, weil der Dreckfühlerteufel ;) wieder mal zugeschlagen hatte.
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Wenn der Nebel sich lichtet, sieht man den Regen (Irland)

Garm Offline

Moderator


Beiträge: 945

08.05.2005 18:01
#4 RE:Der Bärlapp antworten

Liebe Brigid,

ich bin platt, ja richtig platt, also sowas von platt nach diesem Beitrag, ich weis garnicht was ich sagen soll

Alles was mir im Moment einfällt ist, DANKE

Ich liebe das Kräuterforum, zumal ich nun (was meine Intuition angeht) bestätigt bin.


Lieeeebe Grüße

Garm Text



Fleisch, ist mein Gemüse

Max Offline

Rabe

Beiträge: 353

09.05.2005 09:47
#5 RE:Der Bärlapp antworten

Moin Zusammen!

Es könnte sein, daß es sich bei diesem Bärlapp um ein Moos handelt, daß ich hier aus Moorecke kenne und unheimlich schön aussieht. Besonders im Frühjahr, wenn die hellgrüngelben Spitzen aus dem satten dunklen Grün rauskommen, wie bei diesen Haarbürsten mit eine dichte Fläche von Borsten und vereinzelten, aber trotzdem in regelmäßiger Anordnung, die länger sind. Wenn man ganz leicht mit der Hand darauf drückt, (also auf das Moos, nicht auf die olle Bürste bildet der dunkle, untere Bereich einen ganz leichten Widerstand und die jungen Triebe fahren einem sanft zwischen den Fingern rauf. Fühlt sich irgendwie, ja ich weiß auch nicht, irre an, schön.

Und dann sehen diese Teppiche, die sich daraus bilden und ein bisschen so aussehen wie kleine Seen, oder Inseln, aber mehr lang gezogen, einfach phantastisch aus; besonders, wenn das Licht schräg darauf fällt, also morgens oder abends. Ich hab auch schon mal versucht, ein bisschen davon um ein paar hundert Meter weiter zu versetzten , es geht, bedingt, ist schwierig, so´n Moos sucht sich eben seinen eigenen Weg und das ist ja auch das Schöne daran.

Viele Grüße,
Max

Ansuz Offline

Hausmeister


Beiträge: 5.159

10.05.2005 19:59
#6 RE:Der Bärlapp antworten

Liebe Brigid,

nun habe ich Deinen Beitrag schon fünf mal gelesen und bin immer wieder erstaunt, ständig neue Aha-Erlebnisse zu haben

Danke für den tollen Beitrag

Liebe Grüße

Ansuz


"Die Größe und den moralischen Fortschritt einer Nation kann man daran messen, wie sie die Tiere behandelt." (Mahatma Gandhi)

Max Offline

Rabe

Beiträge: 353

29.05.2005 00:11
#7 RE:Der Bärlapp antworten

Hallo Raben und Räbchens

Was ich schon die ganze Zeit sagen wollte, aber immer wieder vergessen habe: diese Zeug kenne ich nicht. Das Moos was ich meinte hat nicht so hohe – wie heißt das denn jetzt - na Dinger eben, ihr wisst schon was ich meine. Also "mein Moos" wirkt irgendwie gemütlicher und ich fand, es passte so schön zu Inga´s Wegbeschreibung.

Gute Nacht und träumt schön
Max

Garm Offline

Moderator


Beiträge: 945

30.05.2005 19:02
#8 RE:Der Bärlapp antworten

Hallo Max,

was sind denn "Räbchens"

In Antwort auf:
Das Moos was ich meinte hat nicht so hohe – wie heißt das denn jetzt - na Dinger eben, ihr wisst schon was ich meine.

Na klar Max, wir sind doch Deine Freunde. Du meinst bestimmt dies Bummsels mit dem Drösel dran was bei Berührung dieses jtschtkkdeurtbd macht!

Liebe Grüße

Garm



Fleisch, ist mein Gemüse

Max Offline

Rabe

Beiträge: 353

02.06.2005 22:36
#9 RE:Der Bärlapp antworten

Hi Garm!

In Antwort auf:
was sind denn "Räbchens"

Für mich sind *...chens* kleine Wesen, die ich besonders lieb habe.

Aber "jtschtkkdeurtbd" ? Mehr in Dur oder Moll?

Viel Grüße,
Max

 Sprung  

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