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Dieses Thema hat 1 Antworten
und wurde 748 mal aufgerufen
 Bräuche
Brigid ( gelöscht )
Beiträge:

24.11.2006 22:01
"Seelen" antworten
Um Seelen und Seelenzöpfe

Wie bei vielen Bräuchen, vermischen sich auch bei den „Seelen“ germanische Bräuche und kirchliche Traditionen, aber das wundet uns, wunder gerade mich als von der Kirche „entliehene“ Brigid nicht.

In Gegenden Süddeutschlands bekommen am Allerseelentag die Kinder vom Tauf- oder Firmpaten (Dodle) einen Seelenzopf. Auch Arme, Mönche, Nonnen und Patenkinder (z.B. das Seelspitzbrot, ein Gebildebrot, oder Seelenkuchen, kleine runde Mürbeteigkekse mit Rosinenaugen und Mündern aus kandierten Kirschen, oder Seelenbrote, Seelenzopf, Stuck, Allerseelenbrötchen), Der Allerseelenzopf ist aus einem dreifach geflochtenen Hefeteig gemacht. Oft auch mit Rosinen und Weinbeeren angereichert. Vermutlich geht dieser Zopf auf ein germanisches Haaropfer zurück. Abgeschnittenes, geflochtenes Haar wurde Toten mit ins Grab gegeben. Das Haar galt als Sitz des Lebens und der Seele. Später wurden Zöpfe aus Teig geopfert, daraus entwickelten sich die Seelenbrote bzw. Seelenbrötchen.

Die Kirche hat sich auch der Überlieferung bedient, wonach an Samhain (Allerseelen) die Seelen der Verstorbenen aus dem Grab (Fegfeuer) zur Erde aufstiegen und für diesen Tag frei waren (von ihren Qualen ausruhten).

„Um der armen Seelen willen” zogen schon früher die Kinder mancherorts von Haus zu Haus und erhielten Äpfel, Getreide, Mehl, Schmalz, Geld und vor allem Brot. Es gab Gegenden, wo die Kinder auf den Gräbern kleine Münzen suchten und fanden, die dort hingelegt wurden, damit sich die Kinder von dem Geld „Seelenbirnen” oder Gebäck kaufen konnten.

Man stellte sowohl in keltisch-germanischer Tradition als auch der christlichen Speisen auf das Grab (Brot, Wein, Bohnen) und entzündete Kerzen und Lampen an Dieses Licht wird auf verschiedene Weise interpretiert: Es soll die Seelen anlocken und ihnen den Weg zu dem Ruheplatz des Körpers weisen oder es soll die Seelen wärmen. An anderen Orten ist das Licht eine Schranke zwischen den Lebenden und den Toten oder es vertreibt die bösen Geister. Wer sich nachts auf einen Grabhügel stellte, sollte alle, die nächstes Jahr starben, über die Gräber gehen sehen. Die Toten selbst nennen diejenigen, die im nächsten Jahr sterben.

Nicht nur auf dem Friedhof, auch zu Hause pflegt man die Toten: Speise und Trank (Milch, Wasser, Brosamen) bleiben auf dem Tisch stehen. Im Tal der Mosel aß man am Abend von Allerseelen Hirsebrei, weil angenommen wurde, dass so viele Körner man isst, so viele Seelen man aus dem Fegfeuer befreit. Zur Kühlung der Leidenden wird Mehl in das Feuer geschüttet. Keine leere Pfanne darf auf dem Ofen stehen, damit sich nicht eine arme Seele versehentlich hinein setzt; keine Ofengabel darf verkehrt herum stehen, es würde die arme Seele schmerzen; kein Messer darf verkehrt herum auf dem Tisch liegen, die arme Seele müsste darauf sitzen. Das Herdfeuer bleibt Tag und Nacht brennen, denn besonders die Seelen, die die „kalte Pein” erlitten, sollten sich wärmen können.

Man stellte in den Räumen brennende Lichter auf, vor denen die Lebenden für die Ruhe der Seelen beteten. Das Licht sollte den Seelen zum ewigen Licht verhelfen. Die ganze Nacht über brannte ein Licht, das nicht mit Öl, sondern mit Fett oder Butter gespeist wurde, damit die Seelen ihre Brandwunden kühlen konnten.

Wer sich in der Nacht von Allerheiligen auf Allerseelen ins Freie wagte, war in Gefahr zu sterben, denn Spuk und Zauber drohten und alle Geister und Dämonen hatten freies Schalten und Walten. Am Tag selber war einiges verboten, so das Säen von Korn oder die Spinnen. Und durch „Totenbahrenziehen” konnte man angeblich alles erhalten, was man sich wünschte.

Mit dem Allerseelentag endete in früheren Jahrhunderten das alte Wirtschaftsjahr, das neue begann mit Martini am 11. November. Hier ist es in ländlichen Gegenden noch üblich, dass an Allerheiligen Bauer, Pächter und Helfer zusammenkommen, früher war an Allerseelen der Ausstand der „alten“ Mägde und Knechte, sie wechselten den Dienstherren. Ich besuchte in meiner Kindheit mit meinem Großvater an Allerseelen immer einen Bauern, bei dessen Vater mein Opa früher Hirtenbub war.

Wie ihr seht, vermischen sich hier „heidnische“ und kirchliche Bräuche, fest steht jedenfalls, dass Samhain älter ist als Allerheiligen, das erst im neunten Jahrhundert durch Papst Gregor auf den 1. November gelegt wurde.


Grüne Grüße
Brigid

********************

Wer Schmetterlinge liebt, muss mit Raupen leben können.

Brigid ( gelöscht )
Beiträge:

24.11.2006 23:36
#2 RE: "Seelen" antworten

uups .. sehe gerade, im zweiten Absatz ist ein Durcheinander entstanden beim Rüberkopieren von meinem Fundus, kanns leider nicht mehr editieren, aber ich denke, ihr wisst auch so, dass Mönche kein Gebäck sind

Grüne Grüße
Brigid

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